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26.06.2018

Anzahl der Transportüberfälle in Mexiko nimmt drastisch zu

Transportsicherheit wird auch für deutsche Unternehmen zum Thema / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Überfälle und Diebstähle von Transportgut sind in Mexiko ein immer größeres Problem. Besonders Autobahnen sind betroffen, aber deutsche Unternehmen berichten auch von Überfällen auf Transporter innerhalb von Städten sowie auf Frachtzüge. Daneben kommt es vereinzelt zum Diebstahl von Waren auf Hafen- und Zollgeländen. Kitzia Ramírez, Expertin des Versicherungsbrokers Marsh, erklärt, wie sich Unternehmen schützen können. (Kontaktadressen)

Die Zahlen sind alarmierend: Die Fälle von Transportüberfällen und -diebstählen verdoppelten sich in Mexiko 2017 gegenüber dem Vorjahr. Laut der Beratungsfirma Sensitech kam es auf den Autobahnen und Bundesstraßen zu 4.030 angezeigten Vorfällen. Damit sind sie für zwei Drittel aller Transportschäden und -verluste im Land verantwortlich. 2018 hält die Tendenz an. Auch Überfälle auf Züge nehmen stark zu.

Geografischer Schwerpunkt war 2017 mit 53 Prozent der Überfälle und Diebstähle das Landeszentrum. Besonders die Autobahnen zwischen der Hafenstadt Veracruz und Mexiko-Stadt sowie Querétaro und León gelten als gefährlich. Auch im Norden gibt es viele Vorfälle, bevorzugt auf der Strecke von Reynosa nach Torreón. Es sind aber auch Fälle bekannt, in denen Güter auf Hafen- oder Zollgeländen entwendet wurden.

Auch deutsche Firmen betroffen

Die Kriminellen haben es hauptsächlich auf Lebensmittel und Getränke sowie auf Kraftstoffe abgesehen. 2017 machten die beiden Kategorien jeweils 28 Prozent der Gesamtdiebstähle aus. Mit Chemikalien (7 Prozent), Bau- und Industriegütern (6 Prozent) und Kfz-Teilen (4 Prozent) sind jedoch auch Branchen betroffen, in denen deutsche Unternehmen bevorzugt in Mexiko aktiv sind.

Deutsche Firmenvertreter berichten, dass aufgrund der Vorfälle das Thema der Transportsicherheit für sie drängender wird. Betroffen sind ihrer Erfahrung nach nicht nur Lkw auf den Fernstrecken, sondern auch Transporter von Logistikdienstleistern innerhalb von Städten und Metropolregionen.

Unternehmen sollten in Prävention investieren

Für Unternehmen, die regelmäßig Waren innerhalb des Landes transportieren, ist es unerlässlich in Schutz- und Vorsorgemaßnahmen zu investieren. Germany Trade & Invest (GTAI) sprach dazu mit Kitzia Ramírez, Expertin für Transportschäden beim Versicherungsbroker und -berater Marsh.

GTAI: Frau Ramírez, welche Maßnahmen sollten Firmen treffen, um sich gegen Transportüberfälle und -diebstähle zu schützen?

Kitzia Ramírez: Es ist wichtig, einen guten Transportdienstleister auszuwählen und mit ihm Verantwortlichkeiten und Pflichten vertraglich zu vereinbaren. So sollte der Logistiker Fahrzeuge der jüngsten Generation nutzen und diese durchgängig per GPS überwachen. Dem Personal darf es während der Beladung nicht gestattet sein, Mobiltelefone zu benutzen. Daneben sollte der Spediteur wenn immer möglich mautpflichtige Strecken nutzen, dort ist das Überfallrisiko geringer. Auch wenn man dem Logistikunternehmen vertraut, ist es ratsam, so wenige Angaben wie möglich über die Ladung zu kommunizieren.

GTAI: Welche Vorkehrungen sind darüber hinaus sinnvoll?

Ramírez: Am Anfangs- und Endpunkt des Transports beziehungsweise am Hafenterminal sollte die Versiegelung und der Container selber genau überprüft werden. Es gab Fälle, in denen das Dach des Containers aufgetrennt wurde und die Siegel intakt blieben. Für besonders wertvolle Fracht kann ein Sicherheitsdienstleister engagiert werden, der den Transport begleitet.

GTAI: Wie kann man im Fall eines Raubs oder Diebstahls seinen Verlust minimieren?

Ramírez: Es ist stets ratsam, eine Transportversicherung abzuschließen, denn dem Gesetz nach muss der Spediteur bei Beschädigung oder Verlust der Fracht nur eine Entschädigung von 15 Mindestlöhnen pro beförderter Tonne zahlen. Das sind umgerechnet lediglich 65 Euro. Für einen wirkungsvollen Versicherungsschutz muss man die Bedingungen der Policen genau kennen, ein Berater kann hierbei unterstützen und zudem im Schadensfall die Ansprüche gegenüber der Versicherung geltend machen. Laut vielen Policen sind übrigens die oben genannten Vorkehrungen des Spediteurs Bedingung für den Versicherungsschutz.

GTAI: Und was sollte ein Unternehmen konkret tun, wenn es zu einem Vorfall kommt?

Ramírez: Vor der Übergabe der Fracht muss mit dem Spediteur ein Notfallprotokoll vereinbart werden. In jedem Fall sollte man die Behörden bei einem Diebstahl oder Überfall alarmieren. Anlaufstellen sind die Dienstsitze der Staatsanwaltschaft (Procuraduría General). Daneben sollte umgehend die Versicherung informiert werden. Falls man einen Versicherungsberater engagiert hat, kann er diesen Schritt übernehmen sowie die weitere Kommunikation mit der Versicherung. Als drittes ist wichtig, die Transportdienstleistung aufgrund des Vorfalls beim Spediteur und gegebenenfalls gegenüber weiteren involvierten Akteuren zu reklamieren. Nur so besteht Sicherheit über den Versicherungsschutz und mögliche Schadensersatzansprüche.

MKT201806258010.14

Kitzia Ramírez verantwortet beim Versicherungsberater Marsh in Mexiko den Bereich Transportschäden.

Copyright: Marsh

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Asociación de Operadores Logísticos de México (AOLM) https://aolm.org.mx Verband der Spediteure
Asociación Mexicana de Instituciones de Seguros (AMIS) http://www.amis.com.mx Verband der Versicherungswirtschaft
Procuraduría General de la República http://www.gob.mx/pgr Mexikanische Generallstandsanwaltschaft

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Mexiko sind unter http://www.gtai.de/mexiko abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko Geschäftspraxis allgemein, Logistik / Speditionen

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‎+49 228 24 993 419

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