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09.11.2017

Architekturwettbewerbe stoßen in Paris viele Hochbauprojekte an

Nachhaltige Baumaßnahmen haben Vorrang / Von Peter Buerstedde

Paris (GTAI) - Paris platzt aus allen Nähten, die Wohnungsnot wird immer größer. Vor diesem Hintergrund starten die Metropole und viele Randgemeinden Architekturwettbewerbe für die Bebauung von Flächen, die sich im Besitz der öffentlichen Hand befinden. So wird neuer, oft nachhaltiger Wohnraum geschaffen und über den Verkauf von Grundstücken Geld in die Kassen der Kommunen gespült. Für deutsche Unternehmen bieten sich interessante Geschäftschancen. (Kontaktadressen).

Mit mehr als 20.000 Einwohnern je Quadratkilometer ist die französische Hauptstadt Paris die am dichtesten besiedelte Metropole in Europa. Die wachsende Wohnungsnot ist die treibende Kraft hinter einer Reihe staatlicher Architekturwettbewerbe, die in den letzten Monaten zahlreiche Wohnungs- und Bürobauvorhaben in Paris und der Hauptstadtregion angestoßen haben.

Gleichzeitig werden in den kommenden Jahren eine Reihe von Gemeinden über das Infrastrukturvorhaben "Grand Paris Express" verkehrstechnisch besser angebunden. Dies schafft vor allem in der Umgebung neuer Verkehrsknotenpunkte Wachstumspole für den Wohnungs- und Wirtschaftsbau. Paris gilt derzeit als die größte Baustelle für öffentliche Verkehrsvorhaben in Europa. In den kommenden Jahren sollen etwa 200 Kilometer Schienen für den Neu- und Ausbau der Metronetze verlegt werden. Zusätzlich entstehen 68 neuen Metrostationen.

Über Architekturwettbewerbe können Paris und die umliegenden Gemeinden nicht nur Geld für ihre ungenutzten Flächen einnehmen, sondern durch die Auswahl auch gestaltend in die privat finanzierten Bauprojekte eingreifen. Außerdem können so die Stadtentwicklung und der Ausbau von Wohnraum schneller vorangetrieben werden als über die schwerfälligeren und langwierigeren Verfahren der klassischen öffentlichen Stadtentwicklung in Frankreich, die ZAC (Zones d'aménagement concerté).

Den Anfang machte Ende 2014 der Wettbewerb "Réinventer Paris" (Paris neu erfinden) Hier wurden in mehreren Runden bis Februar 2016 von 650 aufgenommenen Vorschlägen, die Architektenbüros und Entwickler aus aller Welt vorgestellt hatten, 22 Projekte ausgewählt. Die Stadt erhält für die Grundstücke, die sie für die Projekte bereitgestellt hat, etwa 600 Millionen Euro.

"Réinventer Paris" macht Schule

Anders als bei klassischen Architekturwettbewerben wurden die Bewerber nicht in ein Korsett zahlreicher Vorgaben geschnürt. Sie waren lediglich aufgerufen, nachhaltige Lösungen zu finden. Bei 12 Grundstücken oder Bauten wurde ein Anteil an Sozialwohnungen vorgeschrieben. Dadurch werden 675 von insgesamt 1.341 Wohnungen sozialen Charakter haben.

Das Vorbild Réinventer Paris hat Schule gemacht. Im Mai 2016 wurde "Réinventer la Seine" lanciert, hierfür wurden 35 Areale entlang der Seine in Paris, Rouen und Le Havre bereitgestellt. Im Juli 2017 sind zunächst 20 Vorschläge angenommen worden - darunter der Umbau historischer Weinkeller in ein Casino, auf der Seine schwimmende Bäckereien, Brauereien, Schwimmbäder und Diskotheken sowie Hotels. Vor Ende 2017 sollen weitere Projekte ausgewählt werden.

Im bisher größten Wettbewerb "Inventons la métropole du Grand Paris" (Stadterneuerung des Großraums Paris) wurden am 18.Oktober 2017 unter 420 Vorschlägen für 51 Grundstücke die siegreichen Teams aus Architekten, Entwicklerfirmen und Investoren verkündet. Insgesamt sollen auf 165 Hektar 2,1 Millionen Quadratmeter Nutzfläche entstehen. Die Filetstücke sind 19 Projekte, die in unmittelbarer Umgebung neuer Metrostationen des Grand Paris Express liegen. Rund 7,2 Milliarden Euro sollen in den kommenden Jahren in die Vorhaben fließen.

Wie beim Wettbewerb Réinventer Paris sind vielfach Projekte ausgewählt worden, die auf Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und die Möglichkeit einer Umwidmung der Flächen je nach Nutzung setzen. Auch Holzbauten sowie begrünte Dächer und Fassaden standen im Fokus.

Viele Vorhaben mit Innovationen in puncto Nachhaltigkeit

Die belgische Firma Bopro Sustainable Investments (BSI) baut im Rahmen von Inventons la métropole das Stadtviertel "Triango". Dort sollen Konzepte der Kreislaufwirtschaft zur Anwendung kommen. Die Gebäude können je nach Nutzung ab- oder umgebaut werden. Hinzu kommen Mobilitätsdienste wie Fahrradstationen, autonome Elektroshuttles und Carsharing-Lösungen sowie die Entwicklung der städtischen Landwirtschaft.

Ein weiteres Beispiel ist das Bauvorhaben "Lab21". Dessen Ziel ist es, Umweltbelastungen möglichst auf null zu reduzieren - keine Abfälle, kein CO2-Ausstoß, keine Energie aus fossilen Quellen, keine Nutzung von Kernenergie. Auf dem Gebäudedach werden Lebensmittel angebaut und die Wohnungen verfügen über großzügige Terrassen zur persönlichen Gestaltung. Ein anderes Projekt versucht eine noch stärkere Annäherung an die Natur durch biomimetische Anwendungen wie Fassadenbepflanzung, die Umweltverschmutzung auffängt, oder Fassadenverkleidung, welche die Isoliereigenschaften eines Vogelnestes nachbildet.

Etwa 39 Prozent der Fläche sind bei Inventons la métropole de Grand Paris Wohnraum, 41 Prozent Büros, 8 Prozent öffentliche Einrichtung und weitere 8 Prozent Handelsflächen. Auf 12 Hektar soll städtische Landwirtschaft betrieben werden. Allerdings sind die Grundstücke mit durchschnittlich 4 Hektar deutlich größer als bei "Réinventer", wo das größte Projekt 1 Hektar umfasst. Dabei reicht die Bandbreite von 800 Quadratmetern bis 14 Hektar.

Paris will unterirdische Objekte neu gestalten

Interessante Projekte dürften ferner aus einem weiteren noch laufenden Architekturwettbewerb hervor gehen: Die zweite Ausgabe von "Réinventer Paris" wurde gemeinsam mit dem Parkplatzbetreiber Indigo, dem Metrounternehmen RATP und der französischen Eisenbahn SNCF im Mai 2017 gestartet. Sie trägt den Titel "Les Dessous de Paris" (das unterirdische Paris). Hier geht es vielfach um eine neue Nutzung von Metro- und Bahnstationen, Parkgaragen oder Straßentunneln, die stillgelegt worden sind. So hatte die Bürgermeistern von Paris, Anne Hidalgo, im Sommer 2016 den Autoverkehr von Teilen des Seine-Ufers verbannt. Zurückgeblieben sind zwei Tunnel. Bis November 2017 können interessierte Teams für diese und andere Objekte ihr Interesse bekunden. Insgesamt befinden sich im Rahmen von Les Dessous de Paris 26 von 34 Objekten unter der Erde.

Auch Hochbauprojekte in der Hauptstadtregion bieten interessante Geschäftschancen. Ein Einstieg in das Geschäft als Auftragnehmer bei Projekten ist indes ohne starke lokale Partner kaum möglich. Viele Projekte setzen auf nachhaltige Baulösungen, für die es in Frankreich eine Reihe von Messen gibt, die eine Annäherung an den Sektor ermöglichen. Sie finden vornehmlich in Paris statt - darunter Ecobat, Intelligent Building Systems, Passi'Bat und Le Mondial du bâtiment. Wichtige Messen für den Holzbau sind WoodRise in Bordeaux, Carrefour International du bois in Nantes und der Salon habitat et bois in Epinal.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
AHK Frankreich http://www.francoallemand.com Beratung beim Markteinstieg in Frankreich
Passi'Bat http://www.passibat.fr Messe für nachhaltiges Bauen, Paris
Le Mondial du bâtiment http://www.lemondialdubatiment.com Messe für nachhaltiges Bauen, Paris
Ecobat http://www.salon-ecobat.com Messe für nachhaltiges Bauen, Paris
Intelligent Building Systems http://ibs-event.com Messe für nachhaltiges Bauen, Paris
WoodRise http://wood-rise-congress.org Messe für Holzbau, Bordeaux
Carrefour International du bois http://www.timbershow.com Messe für Holzbau, Nantes
Salon Habitat et Bois - Epinal Congrès http://salon-habitatetbois.fr Messe für Holzbau, Epinal

(P.B.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Frankreich Bauwirtschaft, allgemein, Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Gewerbebau, Wohnungsbau, Architektur, Bau-Consulting, Bauüberwachung, Hochbau

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‎+49 228 24 993 274

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