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23.01.2017

Argentiniens Agrarwirtschaft nutzt Technologie-Potenziale

Digitalisierung des Anbaus kommt rasch voran / Einheimische Technologieanbieter können im Wettbewerb gut mithalten / Von Carl Moses

Buenos Aires (GTAI) - In Argentiniens Landwirtschaft kommt der Einsatz von digitaler Technologie für den Präzisionsackerbau rasch voran. Die zügige Verbreitung der 4G-Technologie im gesamten Land werde diesen Prozess noch beschleunigen, erwarten Fachleute. Die Senkung der Exportsteuern auf Agrarprodukte Ende 2015 hat die Investitionsbereitschaft der Landwirte erhöht. Die optimistischen Ernteschätzungen für die laufende Anbauperiode werden allerdings aufgrund von Überschwemmungen revidiert werden müssen.

(abs)

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Trotz beträchtlicher Produktionssteigerungen in den vergangenen Jahrzehnten hat Argentinien die Wachstumspotenziale seiner Landwirtschaft längst nicht ausgeschöpft. Das zeigt allein schon ein Vergleich mit Nachbarländern, die zum Teil schlechtere natürlich Voraussetzungen mitbringen als Argentinien. Während Argentinien seine Exporte von tierischen Proteinen in den letzten 30 Jahren verdoppelt hat, konnten Uruguay und Brasilien ihre entsprechenden Ausfuhren um den Faktor 3 und 8 steigern. Die agrarischen Exporte Argentiniens haben sich im gleichen Zeitraum verdreifacht, während sie sich in Brasilien und Paraguay um den Faktor 8 und 13 multiplizierten, heißt es in einer Analyse der argentinischen Investitions- und Außenhandelsförderagentur AAICI.

Nicht nur durch eine Ausweitung der Anbauflächen um 18% sondern mehr noch durch Steigerungen der Produktivität könne sich der Ausstoß der argentinischen Landwirtschaft in den nächsten zehn Jahren um 40 bis 50% erhöhen, schätzen in- und ausländische Fachleute. Die rasch fortschreitende Digitalisierung der Produktion wird dabei eine herausragende Rolle spielen.

Die Digitalisierung der Landwirtschaft erlaube den immer zielgenaueren Einsatz von Saatgut, Dünger und Pflanzenschutzmitteln nach den spezifischen Anforderungen für jeden Quadratmeter Ackerboden, erklärt der Chef des aufstrebenden argentinischen Branchenunternehmens Frontec. Die im März 2016 von Argentiniens "Sojakönig" Gustavo Grobocopatel mit privaten und staatlichen Partnern gegründete Technologie-Plattform integriert Raumfahrttechnik und Softwareentwicklung mit der Agrarwissenschaft, um die Produktivität des argentinischen Ackerbaus weiter zu steigern.

Mehr als 90% der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln werden in Argentinien bereits durch Satelliten gesteuert. 60% der Aussaat und der Ernte werden laut Daten des US-amerikanischen Agrarministeriums USDA durch elektronische Monitore überwacht. Auch in der Biotechnologie ist Argentinien führend, 15% des globalen Anbaus von genveränderten Kulturen entfällt allein auf Argentinien. 90% des Ackerlands werden ohne Bodenbearbeitung bewirtschaftet (no-till-technology).

Viele Landwirte Argentiniens sind auf ihrem Gebiet echte Nerds. 45% der Farmer sind jünger als 45 Jahre, 48% haben einen Universitätsabschluss, bei Großproduzenten steigt diese Quote gar auf 88%. Rund 80% der Produzenten lassen sich zudem von Agraringenieuren und anderen Experten beraten. Die Nutzung weiterer Technologie- und Produktivitätsreserven könnte wesentlich dazu beitragen den Produktionswert der argentinischen Landwirtschaft in den nächsten zehn Jahren um 30 Mrd. US$ zu steigern.

Spezialausrüstung für Präzisionsanbau nachgefragt

Die Verkäufe von Spezialausrüstungen für den Präzisionsanbau stiegen gemäß einem Branchenbericht der Zeitung La Nación 2016 um 40% gegenüber dem Vorjahr auf einen Wert von 60 Mio. US$. Fast die Hälfte des Umsatzes entfällt auf Autopiloten für Landmaschinen (28,3 Mio. US$). 2016 wurden rund 2400 Autopiloten verkauft (für Erstausstattung und Nachrüstung), gegenüber lediglich 1000 Einheiten im Jahr zuvor. Der Absatz von Unkrautsensoren stieg 2016 um 75% auf 120 Einheiten im Gesamtwert von 12 Mio. US$. Ertragsmonitore für Erntemaschinen werden nur noch zum Nachrüsten von gebrauchten Maschinen nachgefragt, da sie bei neuen Maschinen zur Standardausrüstung gehören.

Einheimische Anbieter von digitaler Landtechnik hätten sich 2016 am Markt besser behauptet als ausländische Konkurrenten, beobachtete der Technologieberater Andrés Méndez. Die inländischen Hersteller seien hinsichtlich Preis und Qualität sehr wettbewerbsfähig. Für 2017 erwartet Méndez ein "explosionsartiges Wachstum" der digitalen Landwirtschaft. Der rasche Fortschritt beim landesweiten Ausbau der 4G-Mobilnetze werde dazu beitragen. Auch die Ausweitung der Anbaufläche für Mais zu Lasten des bislang dominierenden Sojaanbaus erhöhe die Nachfrage, da beim Maisanbau größere Präzision bei der Aussaat erforderlich sei.

Gemäß offiziellen Schätzungen erwartete Argentinien in der laufenden Anbauperiode 2016/17 eine um etwa 10% gesteigerte Rekordernte von 125 Mio. t Getreide und Ölsaaten. Nach heftigen Überschwemmungen und verheerenden Bränden in verschiedenen Teilen des Landes im Januar 2017 werden die Prognosen jedoch wohl deutlich nach unten korrigiert werden müssen.

(C.M.)

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