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22.02.2017

Argentiniens Hochbau kommt 2017 wieder in Schwung

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Satellitenstädte entstehen um Buenos Aires / Industrie plant Erweiterungen / Von Carl Moses

Buenos Aires (GTAI) - Argentiniens Bauwirtschaft rutschte 2016 in ein tiefes Konjunkturtal (Wertschöpfung -10,6% in den ersten acht Monaten). Doch ein kräftiger Aufschwung für 2017 - und wahrscheinlich auch darüber hinaus - wird fest erwartet. Signale kommen vom Bau öffentlicher Gebäude sowie von gemischten Wohn- und Gewerbeprojekten. Der Industrie- und Anlagenbau erwartet eine neue Investitionswelle. Zudem wird Energieeffizienz wegen steigender Energiekosten immer wichtiger.

Die Baukonjunktur hatte sich 2016 stark eingetrübt, dürfte sich aber 2017 deutlich beleben. In den ersten acht Monaten 2016 lag der vom Statistikamt Indec erhobene Indikator für Bauaktivität (ISAC) um 12,8% unter dem vergleichbaren Vorjahreswert. Eine Aufteilung nach Sparten wird von dem in einer Reform steckenden Indec derzeit nicht ausgewiesen. Der private Construya-Index, der von elf führenden Bauzulieferern ermittelt wird und vornehmlich die Aktivität im Gebäudebau spiegelt, lag in den ersten neun Monaten 2016 um 14,2% unter dem Vorjahr (2015 war er um 8,1% gestiegen). Seit Jahresmitte 2016 zeichnete sich jedoch eine Besserung ab. Eine leicht steigende Tendenz signalisierten auch die Baugenehmigungen Mitte 2016. Auch auf dem Immobilienmarkt hat eine Erholung von den Einbrüchen der Vorjahre eingesetzt. Im Wahljahr 2017 (Teilwahlen zum Parlament im Oktober) sollen zudem öffentliche Bauprojekte und Wohnungsbau-Fördermaßnahmen für stärkeren Auftrieb sorgen.

Regierung plant den Bau von 400.000 Wohnungen

Im Wohnungsbau ist für 2017 ein kräftiges Wachstum zu erwarten. Die Regierung schätzt, dass in Argentinien landesweit etwa 1,5 Mio. Wohnungen fehlen. 3,5 Mio. Familien (25% aller Haushalte) verfügen nicht über ausreichenden Wohnraum. Gemäß Daten der Volkszählung von 2010 verfügt Argentinien über insgesamt 13,8 Mio. Wohnungen. Von 2001 bis 2010 hatte sich der Bestand um 1,8 Mio. Einheiten erhöht.

Die Regierung plant für die nächsten vier Jahre den Bau von 400.000 Wohnungen in Zusammenarbeit mit privaten Partnern. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen dafür sollen durch das neue PPP-Gesetz festgelegt werden, das im Oktober 2016 im Parlament diskutiert wurde. Die ersten Ausschreibungen sollen 2017 erfolgen. Die staatlichen Planer errechneten für Wohnungen mit 55 qm Fläche einen Investitionsbedarf von 46.000 US$ je Einheit, ohne Boden- und Erschließungskosten.

Die Regierung startet eine Neuauflage des Förderprogramms Procrear, das zunächst 25.000 Bauherren und Wohnungskäufer begünstigen soll. Die Begünstigten erhalten je nach Einkommen und anderen Charakteristika einen Zuschuss von 100.000 bis 300.000 arg$. Die Regierung strebt die Vergabe von 100.000 Förderkrediten pro Jahr an.

Große Hoffnungen ruhen auf der Zunahme der Hypothekenkredite. Das Volumen solcher Kredite liegt mit etwa 1% des BIP in Argentinien deutlich niedriger als in vergleichbaren Ländern wie Chile, Mexiko und Peru. Auch in Argentinien hatte der Bestand an Hypothekenkrediten vor der letzten Finanzkrise schon einmal ein Volumen von 5% des BIP erreicht. Argentiniens Zentralbank hat ein neues System zur Wertsicherung von Baukrediten eingeführt, bei dem die Kreditverträge nach chilenischem Vorbild in sogenannten Unidades de Valor Adquisitivo (UVA) abgeschlossen werden, deren Wert monatlich an die Inflation angepasst wird. Angesichts der inzwischen sinkenden Inflationsraten rechnen Fachleute mit einer stark steigenden Nachfrage nach solchen Krediten. Die realen Zinssätze, die über die Inflation hinaus zu zahlen sind, lagen Mitte 2016 bei 5% jährlich. Zusätzliche Impulse werden von einer Steueramnestie erwartet, die bisher im In- und Ausland verborgene Rücklagen der Argentinier unter anderem in Immobilienkäufe und Bauprojekte lenken könnte.

Immobilienverkäufe in der Stadt Buenos Aires legten 2016 zu

Die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt zeigt noch kein klares und noch weniger ein einheitliches Bild. Die Zahl der Immobilienverkäufe in der Stadt Buenos Aires war in den ersten sieben Monaten 2016 um 8,2% höher als im gleichen Vorjahreszeitraum, der durchschnittliche Transaktionswert lag nahezu unverändert bei 107.000 US$ pro Abschluss. In der Provinz Buenos Aires lag die Zahl der Immobilientransaktionen in den ersten sieben Monaten 2016 dagegen um 4,2% unter Vorjahr, in der Provinz Córdoba war der Markt noch stärker rückläufig (-16,6%). Gemäß einer Erhebung der Fachpublikation Reporte Inmobiliario lagen die Preise für gebrauchte Zwei- bis Drei-Zimmerwohnungen in Buenos Aires im August 2016 mit 1.946 US$ je qm im Durchschnitt um 7% über dem Vorjahresniveau.

Die Baukosten haben sich gemäß Daten der Baukammer Camarco in den zwölf Monaten zum August 2016 um 30,7% erhöht. Aufgrund der drastischen Abwertung des Peso sind die Baukosten in US-Dollar zum offiziellen Wechselkurs im Vorjahresvergleich dennoch um etwa 20% gesunken. Zum Parallelkurs gerechnet sind die Kosten in US-Dollar dagegen um rund 30% gestiegen. Gemessen an Löhnen und Gehältern in argentinischen Pesos sind die Kosten etwa konstant geblieben. Ob Baumaßnahmen im Vergleich zum Vorjahr teurer oder billiger geworden sind, hängt somit davon ab, wie sie abgerechnet und womit sie finanziert werden. Kleine private Baumaßnahmen, die in Argentinien oft schwarz durchgeführt werden, sind in US-Dollar eher teurer geworden, offiziell abgerechnete Projekte dagegen billiger. Die Gestehungskosten für den Bau eines Apartmentgebäudes lagen laut Reporte Inmobiliario im März 2016 bei 694 US$ je qm (kalkuliert zum offiziellen Wechselkurs). Berücksichtigt man nur die verkäufliche Fläche, lagen die Baukosten je qm bei 938 US$.

Geringe Leerstände bei Büroflächen

Der Büromarkt von Buenos Aires weist im Vergleich zu den Metropolen in Nachbarländern geringe Leerstände von rund 7% aus. Die Auslastung ist so hoch wie zuletzt 2008. Zum Bestand von 1,3 Mio. qm sollten 2016 rund 100.000 qm neuer Flächen auf den Markt kommen, schätzte das Maklerunternehmen Jones Lang La Salle. Das wäre etwa drei mal so viel wie im Vorjahr. Die durchschnittlichen Kaufpreise liegen bei 3.300 bis 4.400 US$ je qm. Die Monatsmieten betragen für Premiumobjekte 27 bis 30 US$ je qm im Monat, mittlere bis gehobene Preisklassen liegen bei 18 bis 25 US$.

Die aktuellen Büroneubauten konzentrieren sich auf die nördlichen Vororte von Buenos Aires (Vicente López, San Isidro und entlang der Autobahn Panamericana). Doch auch das Zentrum von Buenos Aires wird wieder stärker mit Neubauten bedacht. Zudem kommen verschiedene von der Stadtregierung geförderte Distrikte für die Ansiedlung spezieller Branchen (Technologie, Design, Kunst, Medien und TV-Produktion) immer stärker in Mode.

Mehr als 400.000 qm Einzelhandelsflächen geplant

Der Bestand an vermietbaren Einzelhandelsflächen ist in Argentinien niedriger als in vergleichbaren Ländern wie Chile, Kolumbien und Peru. Gleichzeitig sind die Leerstände relativ gering (1% des Bestands in Buenos Aires). Die Regierung erwartet für die nächsten zehn Jahre eine Verdoppelung der Verkaufsflächen. Gemäß einer Analyse der Bank HSBC sind derzeit 275.000 qm Einzelhandelsfläche in Bau und mehr als 400.000 qm weitere Flächen projektiert. Vor allem bei Verkaufsflächen für den Non-Food-Einzelhandel hat Argentinien einen beträchtlichen Rückstand im regionalen Vergleich (265 qm je 1.000 Einwohner im Vergleich zu 446 qm im Durchschnitt der Region).

Auch der Bestand an vermietbaren Verkaufsflächen in Shoppingcentern ist in Argentinien mit 50 qm je 100 Einwohner 20% niedriger als in Kolumbien und um 70% hinter dem regionalen Vorreiter Chile zurück. Trotzdem hat sich der Bau neuer Einkaufszentren in den letzten Jahren verlangsamt. Im Jahr 2015 verfügte Argentinien nach Angaben der Cámara Argentina de Shopping Centers (CASC) über 124 Einkaufszentren (ohne Super- und Verbrauchermärkte). In den letzten zehn Jahren wurden im Durchschnitt pro Jahr fünf bis sechs neue Zentren fertiggestellt. Unter den neuen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ist auch in diesem Segment eine Beschleunigung der Bautätigkeit zu erwarten. Die Expansion der Shoppingcenter konzentriert sich seit einiger Zeit auf das Hinterland und die weniger noblen Vororte von Buenos Aires.

Jährlich sollen 4,5% mehr Hotelzimmer gebaut werden

Auch die Investitionsneigung der Hotelbranche dürfte zunehmen. Die Immobilienberatung JLL rechnet bis 2025 mit einem jährlichen Wachstum des Angebots von Hotelzimmern um 4,5% (von 58.000 auf 91.000 Einheiten). Von 2011 bis 2015 stieg das Bettenangebot lediglich um 10% und damit weniger als in anderen bedeutenden Ländern Südamerikas, heißt es in einer Analyse der Investitionsagentur AAICI. Ein Topprojekt ist der Bau eines Luxushotels der Viceroy-Gruppe (Dubai) in Buenos Aires (Puerto Madero). Die neue Regierung will den Tourismus fördern und verfügte unter anderem eine Erstattung der Mehrwertsteuer für ausländische Hotelgäste. Bis 2020 kann die Tourismusbranche Investitionen von rund 1 Mrd. US$ anlocken, glaubt die Regierung. Die Zahl der ausländischen Besucher soll von 5 auf 8 Mio. Personen jährlich steigen, das Aufkommen an Inlandsreisen von 50 auf 70 Mio. pro Jahr. Besonders gut entwickelt sich der Kongresstourismus, für den Buenos Aires in Lateinamerika der führende Veranstaltungsort ist. Die Schwerpunkte des Hotelbaus haben sich in den letzten Jahren verschoben. Während das Angebot an Fünf-Sterne-Hotels reichlich ist, besteht noch Bedarf an Zwei-, Drei- und Vier-Sterne-Häusern, vornehmlich in der nördlichen Umgebung von Buenos Aires sowie in mittleren Städten des Landesinnern.

Industrie- und Anlagenbau erwartet neue Investitionswelle

Der Industrie- und Anlagenbau erfährt derzeit wenige Impulse. Die Kfz-Industrie führt trotz der Absatzkrise (vor allem im Export nach Brasilien) und entsprechend sinkender Produktion einige Investitionsprojekte fort. Die Autobauer planen Investitionen von insgesamt rund 2 Mrd. US$. Die größten Investitionsprojekte verfolgen derzeit die Hersteller Fiat-Chrysler, Nissan und General Motors. Der Standort Argentinien gilt indes weiterhin als teuer im Vergleich zu Brasilien und Mexiko, insbesondere die Arbeitskosten sind höher. In Erwartung einer mittelfristigen Erholung der in- und ausländischen Nachfrage investieren die lokalen Hersteller vor allem in neue Modelle. Die Produktion verlagert sich dabei immer mehr auf Pick-ups, während die Fertigung von Kleinwagen nach Brasilien abwandert.

Die Expansion der chemischen Industrie wird bisher noch durch die unsichere Versorgung mit Erdgas gebremst, könnte jedoch mittel- und langfristig wieder an Fahrt gewinnen. So erwägt der US-Konzern Dow Chemical einen bedeutenden Ausbau seines Petrochemiekomplexes in Bahía Blanca. Große Hoffnungen ruhen auf der Erschließung von Argentiniens großen Vorkommen an Kohlenwasserstoffen aus nichtkonventionellen Lagerstätten, insbesondere Schiefergas und -öl. Argentinien verfügt nach Schätzung der US-amerikanischen Behörde für Energiestatistik (EIA) über die zweitgrößten Schiefergasvorkommen weltweit - nach China, aber noch vor den USA, die mit ihrem Schiefergasboom in den letzten Jahren den Energiemarkt revolutionierten. Allein in dem argentinischen Fördergebiet Vaca Muerta sollen Ressourcen lagern, die nahezu der Hälfte der gesamten Schiefergasvorkommen der Vereinigten Staaten entsprechen. Bei Schieferöl rangiert Argentinien weltweit an vierter Stelle.

Argentiniens Regierung erwartet jährliche Investitionen von 20 Mrd. US$ allein in die Erschließung von Vaca Muerta. Eine volle Erschließung der Lagerstätte würde gemäß einer Studie der Beratungsfirma Accenture Investitionen von 368 Mrd. US$ erfordern. Die Konzerne Chevron, Shell, Total, Dow, Exxon Mobile und die BASF-Tochter Wintershall sind bereits in dem Gebiet tätig. Der Rückgang der internationalen Ölpreise seit 2014 hat den Erwartungen auf einen argentinischen Frackingboom einen Dämpfer versetzt. Argentiniens Regierung garantiert jedoch Mindestpreise für die inländische Förderung, um den jüngsten Aufschwung der Investitionen in der Ölindustrie nicht zu gefährden.

Ausbau des Gasleitungs- und -verteilungsnetzes sowie im Bergbau erwartet

Weitere Investitionen von 2,3 Mrd. US$ sind für den Ausbau des landesweiten Gasleitungs- und -verteilungsnetzes erforderlich. 1,5 Mrd. US$ sollen in den Ausbau von Gaspipelines in Nordargentinien fließen, 750 Mio. US$ werden für den Ausbau der Kapazitäten der von den Unternehmen TGN und TGS betriebenen Hauptleitungen für den Gastransport benötigt.

In Argentiniens Bergbau wird eine neue Investitionswelle erwartet, nachdem die neue Regierung Exportsteuern und Devisenrestriktionen beseitigt hat und sich in Zusammenarbeit mit den Regierungen der Provinzen um eine weitere Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingungen bemüht. Argentinien verfügt über ähnliche Bergbauressourcen wie die Nachbarländer Chile, Peru und Bolivien, die seit langem vom Bergbau leben. Argentiniens Bergbaupotenziale sind dagegen noch zu 75% unerforscht. Gute Förderperspektiven bestehen vor allem für Kupfer, Gold, Silber, Lithium und Kaliumchlorid. Bergbauexperten der Regierung sehen ein Investitionspotenzial von 32 Mrd. US in fast vier Dutzend Projekten. Die meisten Projekte befinden sich noch in frühen Stadien der Entwicklung. Der Bedarf an Investitionen in Exploration wird auf 400 Mio. US$ pro Jahr geschätzt. Die Bank HSBC erwartet in Argentinien Bergbauinvestitionen von 20 Mrd. US$ bis 2021. Besonders begehrt sind Argentiniens Lithiumreserven, konkrete Projekte planen die Unternehmen SQM (Chile) und Orocobre (Australien). Der kanadische Konzern First Quantum kündigte Investitionen von 3 Mrd. US$ in das Großprojekt Taca Taca (Kupfer, Gold, Silber, Molybdän) in der Provinz Salta an, das Unternehmen Pan American Silver will 1 Mrd. US$ in die Silbermine Navidad (Provinz Chubut) stecken. Der Rückgang der globalen Erzpreise hat den Horizont für geplante Investitionen weiter in die Zukunft verlagert. Auch Fragen der Umweltverträglichkeit sind bei einigen Projekten noch offen. Zwei größere Unfälle mit dem Austritt von Zyanid haben insbesondere die Aktivitäten des Konzerns Barrick Gold in der Goldmine Veladero unter kritische Beobachtung gebracht.

Investitionen in öffentliche Gebäude notwendig

Die Baukammer Camarco sieht für den Zeitraum 2016 bis 2025 einen Gesamtbedarf an Investitionen in öffentliche Gebäude in Höhe von rund 680 Mio. Euro. Die Stadt Buenos Aires plant für die Erhaltung öffentlicher Gebäude in ihrem Haushalt für 2017 umgerechnet rund 34 Mio. Euro ein. Das Justizministerium plant für den Zeitraum 2017 bis 2019 den Bau von acht Gefängnissen.

Die Regierung sucht private Partner für verschiedene Krankenhausprojekte. In Santa Fé ist ein neues Krankenhaus für 29 Mio. US$ bereits in Bau (18.000 qm). Für die Vollendung wird ein privater Partner gesucht. Ein weiterer Krankenhausneubau ist für die Stadt San Martín de los Andes geplant (11.400 qm, Investitionen 23 Mio. US$).

Neue Stadtviertel bei Buenos Aires und Cordoba geplant

Der Bau kompletter neuer Städte oder Stadtviertel ist einer der großen Trends des argentinischen Bau- und Immobilienmarktes. Nach dem Erfolg des Pionierprojektes Nordelta verfolgt das Unternehmen Consultatio (Constantini) ein neues Megaprojekt für 2 Mrd. US$ zum Bau einer Satellitenstadt mit 30 Vierteln auf einem Gelände von 1.370 ha bei dem Ort Escobar, 44 km von Buenos Aires entfernt (http://www.puertosescobar.com). Wie Nordelta soll die neue Satellitenstadt mit eigenen Schulen, Sportanlagen, Geschäftszentren und eigener Gesundheitsversorgung ausgestattet werden. Ein weiteres Großprojekt plant das Unternehmen MCD Inversiones y Representaciones (Mateo Corvo Dolcet), das im Lauf von zehn Jahren 400 Mio. US$ in den Bau eines neuen Wohn- und Geschäftsviertels für 5.000 Einwohner auf 360.000 qm Fläche bei dem Ort Pilar im Norden von Buenos Aires investieren will. Neben 80.000 qm Büro- und Einzelhandelsflächen ist der Bau einer Universität und einer Klinik geplant.

Auch in Córdoba, der zweitgrößten Stadt Argentiniens, sind große Wohn- und Gewerbekomplexe im Bau oder geplant. Die Gruppe Corporación América plant Investitionen von rund 1 Mrd. US$ in den Bau des Viertels "Distrito las Artes" (450.000qm für Apartments, Büro- und Handelsflächen, Hotel, Gesundheitszentrum und Kirche). Weitere Großprojekte in Córdoba sind "Love Córdoba" und "Ciudad Gama". In der Stadt Santa Fé plant die Gruppe Amarras Emprendimientos Investitionen von 70 Mio. US$ in einen Komplex von drei Wohntürmen.

Als besonders krisenfest und wachstumsstark erweist sich einmal mehr die Bauaktivität im Gebiet des alten Hafens von Buenos Aires, Puerto Madero. Projekte für insgesamt 900 Mio. US$ wurden in den vergangenen Monaten für das jüngste und teuerste Wohn- und Geschäftsviertel von Buenos Aires angekündigt oder sind bereits in Bau. Die dritte Welle von Investitionen nach der Entstehung des Viertels in den 90er Jahren und dem neuen Aufschwung seit 2003 ist allerdings wohl die letzte, da inzwischen fast alle Grundstücke vergeben und die meisten auch bereits bebaut oder in Bebauung sind.

Viele Gebäude in Buenos Aires müssen renoviert werden

In Buenos Aires existiert ein großer Bestand alter Gebäude, von denen viele zu Wohn- und Gewerbezwecken saniert und ausgebaut werden. Besonders gut zu beobachten ist dies in den In-Vierteln des Stadtteils Palermo (Palermo Viejo, Hollywood und Soho). Auch der Staat investiert in die Sanierung von historischen Gebäuden und Denkmälern. Die Baukammer Camarco kalkuliert den Bedarf an Erweiterungs- und Renovierungsarbeiten sowie ohne amtliche Genehmigung durchgeführten Baumaßnahmen für die Jahre 2016 bis 2025 auf umgerechnet rund 185 Mrd. Euro.

Steigende Energiepreise erfordern Energieeffizienzmaßnahmen

Der Energieeffizienz wurde in Argentinien bislang wenig Bedeutung beigemessen, da die Strom- und Gaspreise seit 2002 weitgehend eingefroren waren und auf ein extrem niedriges Niveau heruntersubventioniert wurden. Dies ändert sich nun. Um die hohen Defizite im Staatshaushalt und im Außenhandel mit Energieträgern einzudämmen und Anreize für einen wirtschaftlichen Umgang mit den knappen Energieressourcen zu schaffen, hat die neue Regierung die Tarife für Strom und Gas drastisch angehoben. Weitere Erhöhungen sind angekündigt, auch wenn vor den Parlamentswahlen im Oktober 2017 möglicherweise eine taktische Pause eingelegt werden könnte.

Die Strompreise wurden im Februar 2016 um 500 bis 700% angehoben (http://www.enre.gov.ar/web/bibliotd.nsf/AE01128CBC3C17BE0325669D005BB2F0/B60ACF80C3EE43DD03257F49007369DB?OpenDocument). Damit liegen sie für private Haushalte im Großraum Buenos Aires jetzt bei umgerechnet 4 bis 5 Euro-Cent je kWh (im landesweiten Durchschnitt bei etwa 6 bis 7 Cent), im internationalen Vergleich immer noch ein sehr niedriges Niveau. Die Stromkunden erhalten zudem einen Anreiz zur Senkung des Verbrauchs. Wer seinen Verbrauch gegenüber dem Vorjahr um 10 bis 20% senkt, erhält einen Rabatt von 20% auf die Stromrechnung, wer den Verbrauch um mehr als 20% senkt, erhält einen Nachlass von 35%.

Die Gaspreise wurden für private Haushalte im Oktober 2016 mit der Resolution 212 E/2016 um bis zu 300% angehoben, für gewerbliche Kunden um bis zu 500% (Originaltext: http://www.boletinoficial.gob.ar/#!DetalleNorma/11510857/null). Der durchschnittliche Preisanstieg beträgt 203% für private Haushalte und 275% für gewerbliche Kunden, kalkuliert das Energieministerium. Künftig sollen die Preise in halbjährlichen Schritten (April und Oktober) weiter angehoben werden, bis keine Subventionierung der Gaspreise mehr erforderlich ist. Dies soll bis 2019 erreicht werden (für einige Provinzen des Landes gelten längere Übergangsfristen, bis 2022). Dem Chronogramm des Energieministeriums zufolge soll der Gaspreis von umgerechnet 3,42 US$ je Mio. BTU im Oktober 2016 schrittweise auf den Gegenwert von 6,80 US$ im Oktober 2019 steigen. 1,7 Mio. Haushalte werden durch einen niedrigeren Sozialtarif begünstigt.

Nach der überfälligen Anpassung der Energiepreise an ein realistisches Niveau dürfte die Nachfrage nach Energiespartechnik rasch und kräftig steigen. Beim Bau neuer Bürogebäude, die bereits zu etwa drei Vierteln nach der Norm LEED zertifiziert werden, sind hohe Anforderungen an die Energieeffizienz schon heute Standard. Die Baukammer Camarco kalkuliert den Bedarf an Investitionen in die Energieeffizienz für den Zeitraum 2016 bis 2025 auf rund 30 Mrd. Euro.

Auf großes Interesse lokaler Unternehmen stößt das von der AHK Buenos Aires koordinierte Programm zur Ausbildung des European Energy Manager in Argentinien (http://ar.eurem.net/display/EUREMAR/Inicio). 2015 nahmen 40 Teilnehmer am Eurem-Programm teil. Die argentinische Regierung unterstützt Unternehmen bei der Erstellung einer Diagnose ihres Umgangs mit Energieressourcen, bei der Anpassung an die Norm ISO 50001 sowie durch Kredite für Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz (Überblick über die Förderprogramme: http://www.energia.gov.ar/contenidos/verpagina.php?idpagina=4040).

Dieser Artikel ist relevant für:

Argentinien Gewerbebau, Baunebengewerbe, Energieeinsparung, Wohnungsbau, Hochbau

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