Suche

23.01.2017

Argentiniens Softwarebranche expandiert

Einheimische Unternehmen haben noch große Defizite bei der Digitalisierung / Hohe Exporte in die USA / Von Carl Moses

Buenos Aires (GTAI) - Argentiniens Softwareindustrie blickt optimistisch in die Zukunft. 85% der Branchenunternehmen erwarten für 2017 eine positive Entwicklung. Das Nachfragepotenzial ist groß. Argentinische Unternehmen haben noch beträchtliche Defizite beim Einsatz von Software und IT. Auf den Auslandsmärkten macht den exportorientierten Softwareentwicklern allerdings das hohe inländische Kostenniveau und die Stärke des Argentinischen Pesos (1 arg$ = 0,0567 Euro) zu schaffen.

Die Softwareindustrie und andere wissensbasierte Dienste wie das Outsourcing von Buchführung, Kundendienst, Beratung und ähnlichen Dienstleistungen gehören seit Jahren zu den dynamischsten Wachstumsbranchen Argentiniens. Der Export entsprechender Dienste ist mit jährlichen Erlösen von rund 6,5 Mrd. US$ bereits der drittgrößte Devisenbringer des Landes nach der Landwirtschaft und der Kfz-Industrie.

Aufgrund der relativ hohen inländischen Arbeitskosten sind die Unternehmen in diesem Sektor allerdings gezwungen, ihre Wertschöpfung zu steigern um Kostennachteile gegenüber anderen Anbietern aus Osteuropa und Asien zu kompensieren. Vorteile der argentinischen Anbieter sind (neben der großen Verbreitung der spanischen Sprache in der Welt) ihre vergleichsweise guten Englischkenntnisse und die Nähe zu den Zeitzonen der USA. Softwareentwickler genießen zudem Steuervorteile durch ein spezifisches Fördergesetz (Ley del Software).

Zweistelliges Umsatzwachstum

Von 2005 bis 2015 war der Umsatz der Software- und IT-Dienstleistungsbranche auf Dollarbasis um 10,5% pro Jahr gewachsen. Selbst im Rezessionsjahr 2016 legte die Branche vorläufigen Schätzungen zufolge um 5,6% auf rund 4 Mrd. US$ zu. Die Exporterlöse stiegen gar um 19% in US$. Im Schnitt erzielen die 4.000 Branchenunternehmen ein Viertel ihres Umsatzes im Ausland, davon 50% in den USA, 7% in Europa und den Rest überwiegend in anderen Ländern Lateinamerikas.

Neben der Hauptstadt Buenos Aires sind auch die Großstädte Córdoba und Rosario bedeutende IT-Cluster. Daneben gibt es ein Dutzend weitere IT-Cluster an anderen Standorten des Landes, darunter die Technologieparks in Tandil (Provinz Buenos Aires) und in der Provinz Santa Fé. Zu den führenden Branchennamen zählen die Unternehmen Globant, Sonda, Hexacta, Baufest, G&L Group und Grupo Assa.

Die wichtigsten Kunden für Software und IT-Dienste sind die Branchenunternehmen selbst (30%). Es folgen der Finanzsektor (21%), der Handel und der Telekomsektor (je 10%), die verarbeitende Industrie und der Sektor Transport und Logistik (je 7%), die Unterhaltungs- und Medienbranche (4%) sowie andere Branchen (11%).

Programm zur Ausbildung von Fachkräften

Die Beschäftigung in der Softwareindustrie erhöhte sich 2016 um rund 7.000 Mitarbeiter auf 87.000 Beschäftigte. Um den herrschenden Mangel an Fachkräften zu beseitigen, starteten die Ministerien für Bildung und für Produktion das gemeinsame Ausbildungsprogramm "111mil", das durch kostenlose Fortbildungsangebote in vier Jahren 100.000 Programmierer, 10.000 sonstige IT-Fachkräfte und 1.000 IT-Unternehmer hervorbringen soll (https://www.argentina.gob.ar/111mil). Gemäß einer Umfrage der argentinischen Software-Branchenkammer Cessi (http://www.cessi.org.ar) lagen die durchschnittlichen Bruttogehälter für Programmierer im August/September 2016 bei 15.500 arg$ für Anfänger (Junior), 21.800 für Fachkräfte mit mittlerer Erfahrung (Semisenior) und 29.500 arg$ für erfahrene Spezialisten (Senior).

Eine wachsende inländische Nachfrage nach Software und IT-Diensten scheint garantiert. Denn eine andere Umfrage der Softwarekammer Cessi im Juni 2016 ergab, dass 56% der Unternehmen in Argentinien den Stand ihrer Digitalisierung für unzureichend halten. Nur 38% der Unternehmen haben nach eigener Einschätzung bereits ein "hohes Niveau der Digitalisierung" erreicht. Bei Kleinstunternehmen beträgt die Quote lediglich 14%. Zwei Drittel der Unternehmen haben in den letzten drei Jahren nach eigenen Angaben "wenig" in IT investiert. Einzig bei Großunternehmen ist die Präsenz im Internet zu rund 90% auf dem neuesten Stand, im Schnitt ist der Internetauftritt bei 30% der Unternehmen veraltet.

Rückstand im digitalen Vertrieb

Lediglich die Hälfte der Unternehmen nutzt spezielle Software für die Entwicklung neuer Produkte, die Hälfte verfügt zudem nicht über eine CRM-Software zur Verwaltung ihrer Kundenbeziehungen. Zwei Drittel der Unternehmen haben keine digitale Plattform für den Verkauf ihrer Produkte, ein Drittel nutzt das Internet nicht einmal für digitales Marketing. 84 Prozent der Firmen erwarten indes, dass neue Technologien das Geschäft in ihrer Branche verändern werden. Ebenso viele wollen 2017 in IT investieren.

(C.M.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Argentinien Software / EDV-Dienstleistungen

Jenny Eberhardt Jenny Eberhardt | © GTAI

Kontakt

Jenny Eberhardt

‎ +49 228 24 993 248

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche