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24.03.2017

Armenien sucht Investoren für Nord-Süd-Bahnkorridor

Projektwert beträgt etwa 3,2 Mrd. US$ / Von Uwe Strohbach

Eriwan (GTAI) - Armenien ringt um einen Ausweg aus der Transportblockade durch die Nachbarn Aserbaidschan und Türkei. Das Kaukasusland will sich auf dem neuen Transportkorridor Persischer Golf-Schwarzes Meer-Europa als wichtiges Transitland positionieren. Neben dem sich im Bau befindenden Straßenzug Nord-Süd kommt der geplanten Bahntrasse Iran-Armenien dabei große Bedeutung zu. Gegenwärtig sucht Armenien nach Partnern für das ambitiöse Projekt. (Kontaktanschriften)

Die seit den 90er-Jahren geschlossenen Grenzen zu den Nachbarn Aserbaidschan und Türkei blockieren Warenströme und bremsen die Wirtschaftsentwicklung Armeniens. Eine baldige Lösung des Berg-Karabach-Konflikts mit wiedergeöffneten Grenzen ist nicht in Sicht. Nun sollen ein neuer Straßenzug und ein geplanter Bahnkorridor Nord (Grenze zu Georgien)-Süd (Grenze zum Iran) das Kaukasusland aus der Isolation befreien und zu einem attraktiven Transitland werden lassen.

Entwicklung des Bahnnetzes Armeniens 1)
2010 2011 2012 2013 2014 2015
Gesamtlänge (in km) 871 854 855 848 847 850 2)
Bahndichte (km pro 1.000 qkm) 29,3 28,7 28,8 28,5 28,4 28,5
.öffentliches Netz (in km) 726 707 703 703 703 703
.Bahndichte (km pro 1.000 qkm) 27,4 23,8 23,6 23,6 23,6 23,6

1) jeweils zum 31.12.; 2) darunter 2,6% zweigleisig

Quelle: Nationaler Statistikdienst Armeniens

Die Projekte lösen nicht nur das nationale Transportproblem. Sie sind auch unter dem Blickwinkel eines zunehmend bedeutsamen Transportkorridors zwischen den Ländern der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU), namentlich Russland, und den Märkten des Persischen Golfs sowie Süd- und Südostasiens zu sehen. Die Straßentrasse wird bereits gebaut. Das Bahnprojekt stockt. Die armenische Regierung nutzt jede Chance, das Vorhaben auf Wirtschaftsforen im In- und Ausland potenziellen Investoren vorzustellen und sie als Partner für das Vorhaben zu gewinnen.

Vorläufiges Bauprogramm für 305 km langen Trassenabschnitt bestätigt

Die künftige eingleisige elektrifizierte Bahntrasse Iran-Armenien erstreckt sich über 470 km. 60 km befinden sich auf iranischem und 410 km auf armenischem Gebiet. Im August 2014 bewilligte die Regierung ein vorläufiges Bauprogramm für die 304,7 km lange Strecke von Agarak (Region Sjunik)/Grenze zum Iran nach Gagarin (Region Gegharkunik). Von hier führen Bahnlinien in den Osten und Norden Armeniens und weiter zu den georgischen Häfen am Schwarzen Meer. Die Machbarkeitsstudie erstellte die China Communications Construction Company International (VR China).

Entwicklung der Gütertranstransporte Armeniens auf der Schiene
2010 2013 2014 2015 2016
Beförderte Menge (in 1.000 t) 3.063,3 3.275,2 3.057,6 2.531,7 2.610,9
.Exporte 340,8 456,0 356,2 321,2 349,5
.Importe 1.425,9 1.260,7 1.174,9 949,0 785,6
.Binnentransporte 1.296,6 1.558,5 1.526,5 1.261,5 1.475,8
Transportleistung (in Mio. t-km) 743,2 851,0 786,1 640,3 657,7

Quelle: Nationaler Statistikdienst Armeniens

Bergiges Terrain erfordert Bau von 60 Tunneln und 84 Brücken

Die Kosten für den armenischen Projektteil betragen aufgrund des über weite Strecken stark bergigen Terrains hohe 3,2 Mrd. US$. Auf rund 40% der bestätigten Trasse entfallen 60 Tunnel (102 km) und 84 Brücken (20 km). Errichtet werden sollen ein Umschlagterminal an der Grenze zum Iran und 27 Bahnhöfe. Die Bauzeit ist auf sechs Jahre veranschlagt. Die jährliche Frachtkapazität des Korridors mit Umschlag in den Häfen Georgiens und Irans wird mit zunächst 12 Mio. t (Phase 1 etwa ab 2023), in Phase 2 mit 18 Mio. t (2018) und in Phase 3 mit 25 Mio. t (2038) angegeben. Die erwartete Kapitalrückflussdauer beträgt 24 Jahre.

Die armenische Regierung unterzeichnete 2012 mit der Investitionsgesellschaft Rasia FZE Group (http://www.rasiagroup.com), Dubai, eine Konzessionsvereinbarung. Der Investor soll die Finanzierung sichern sowie den armenischen Trassenteil bauen und betreiben. Der Betreiber der armenischen Bahn (südkaukasische Eisenbahn) wurde 2013 als alternativer Operator des Korridors in das Projekt einbezogen. Die Regierungen Armeniens und des Irans unterzeichneten 2016 eine Absichtserklärung über die Projektumsetzung. Mit potenziellen Investoren aus der VR China wird zurzeit die Finanzierung erörtert. Die russische Regierung ist an einer Mitfinanzierung interessiert. Chinesische Baufirmen loten ihre Beteiligungschancen aus.

Der Iran ist bereit, den armenischen Abschnitt vom Grenzort Dzhuga bis zur Stadt Meghri auf eigene Rechnung zu bauen. Voraussetzung sei, dass Armenien die Finanzierung für das Gesamtprojekt sicherstellt. Mit dem Bau des eigenen Trassenabschnitts (Merand-iranisch-armenische Grenze) will der Iran beginnen, sobald Armenien ein Drittel seiner Gleisanlagen errichtet hat.

Schneller Baustart ist nicht in Sicht

Ein schneller Baustart ist aufgrund der noch unklaren Finanzierung und einiger offener technischer und wirtschaftlicher Fragen nicht in Sicht. Aus eigenen Ressourcen kann Armenien die Kosten nicht stemmen. Die Autoren des Projekts rechnen damit, dass sich private Investoren mit etwa 60% an der Finanzierung des Projekts beteiligen. Internationale Geber und Förderinstitute sowie die öffentliche Hand sollen die übrigen 40% sichern. Die noch für 2018 angepeilte Grundsteinlegung scheint allzu ambitioniert.

Die südkaukasische Eisenbahn ist eine 100%ige Tochter der russischen Eisenbahn. Der Investor managt die staatliche armenische Eisenbahn auf Basis eines Konzessionsvertrages über 30 Jahre. Im Gegenzug verpflichtete sich die russische Bahn zu Investitionen von rund 570 Mio. $ in die armenische Bahninfrastruktur. Zum 1.1.17 summierten sich die realisierten Projekte auf 260 Mio. $ einschließlich des rollenden Materials.

Die für 2017 geplanten Investitionen in Höhe von 5 Mio. $ sind für die Reparatur eines 12 km langen Abschnitts der Bahnstrecke Eriwan-Sewan und kleinere Infrastruktursanierungen bestimmt. Zu sowjetischen Zeiten, als noch direkte Bahnverbindungen mit der Türkei, Aserbaidschan, der aserbaidschanischen Exklave Nachitschewan und nach Russland via Georgien und Aserbaidschan bestanden, verfügte die armenische Bahn über eine Beförderungskapazität von etwa 30 Mio. t. Heute ist es nur ein Bruchteil davon.

Entwicklung der Gütertransporte Armeniens auf der Schiene nach Gütern (in 1.000 t)
2013 2014 2015 2016
Beförderte Menge 3.275,2 3.057,6 2.531,7 2.610,9
.Buntmetallerze (vorwiegend Kupfererze) 1.359,0 1.235,8 1.113,1 1.393,4
.Ölprodukte/Öl 276,8 276,4 246,0 301,8
.Getreide, Mühlenerzeugnisse 456,5 403,3 328,8 263,7
.mineralische Baustoffe 174,3 144,6 130,5 143,3
.Eisenmetalle 70,4 81,1 43,7 31,9
.chemische Erzeugnisse und Mineraldünger 35,9 37,4 33,5 28,5
.Zement 110,2 80,4 57,8 14,2
.andere Güter 792,1 798,6 578,3 732,7

Quelle: Nationaler Statistikdienst Armeniens

Kontaktanschriften:

Ministerium für Transport, Kommunikation und Informationstechnologien der Republik Armenien, Abteilung Eisenbahntransport

28 Nalbandyan, 0010 Eriwan, Armenien

Tel.: 00374 10/59-00 58, -01 12,

E-Mail: railway@mtcit.am

Ansprechpartner:

Arsen Musoyan, Abteilungsleiter,

Pawel Siradegyan, stellvertretender Abteilungsleiter, E-Mail: pavel.siradeghyan@mtcit.am

Aschot Schagnasaryan, Leiter der Direktion für Eisenbahnbau AG (Railway construction directorate CJSC); Tel.: 00374 10/54 21 46

SAO Jushno-Kawkazskaja sheleznaja doroga/ South Caucasian Railway (SCR)

Tel.: 00374 10/57-27 22, -36 74, -21 75, Internet: http://www.ukzhd.am

Ansprechpartner: Segey Walko, Generaldirektor, E-Mail: nvoskanyan@arway.am,

Nelli Voskanyan, leitende Managerin Transportdienste (auch zuständig für Nord-Süd-Bahn-Projekt), Skype: nelly.voskanyan4

(U.S.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Armenien Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Eisenbahnbau, Infrastruktur, Schienenverkehr

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Katrin Kossorz

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