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29.01.2018

Armenischer Stromsektor winkt mit Projekten von über 1 Milliarde US-Dollar bis 2021

Netzausbau und grüne Energie haben Priorität / Von Uwe Strohbach

Eriwan (GTAI) - Armenien investiert erhebliche Mittel in seine konventionelle Stromerzeugung, -übertragung und -verteilung sowie forciert in erneuerbare Energien. Ausländische Anbieter von Technologien und Know-how haben gute Absatzchancen. Hinter der Finanzierung der Vorhaben stehen fast ausschließlich Geberbanken und private Investoren. (Projektliste)

Die Strombranche ist in den kommenden Jahren der wichtigste Anlagesektor in der kleinen südkaukasischen Republik Armenien. Die bis 2021/2022 geplanten Projekte basieren hauptsächlich auf der langfristigen Strategie für die Erneuerung und den Ausbau der Stromwirtschaft bis zum Jahr 2036 und dem Mitte 2017 verabschiedeten Regierungsprogramm für die sozioökonomische Entwicklung im Zeitraum 2017 bis 2022. Der forcierte Vorstoß in der Stromerzeugung und -verteilung ist Antwort auf die in letzten Jahren angehäuften Probleme bei der Sicherung einer kontinuierlichen Energieversorgung. Die großen staatlichen Energiebetriebe sind verschuldet, arbeiten ineffizient und werden schlecht gemanagt. Die Netzverluste sind hoch. Wasserkraftwerke arbeiten oft nur mit halber Kraft.

Die aktuelle Projektliste für den Zeitraum bis 2021/2022 umfasst vor allem den Bau eines 234-MW-Kombikraftwerks in Eriwan, eines 124-MW-Wasserkraftwerks in Shnokh, mehrerer größerer und zahlreicher kleiner Solaranlagen, die Errichtung und die Erneuerung von Hochspannungsleitungen und Umspannwerken, die Modernisierung der Wasserkraftwerkskaskade Worotan und nicht zuletzt die erste Phase der grundlegenden Erneuerung des Stromverteilungsnetzes.

Masterplan zur Erneuerung der Verteilernetze wird in drei Phasen umgesetzt

Das Investitionsprogramm für die Stromverteilung im Zeitraum 2018 bis 2027 sieht im Einzelnen folgende Projekte vor:

- die Erneuerung der Netzausrüstungen inklusive der Transformatorenstationen auf der Niederspannungs- und Mittelspannungsebene (6,10 und 0,4 kV) für 267 Millionen US$,

- die Erneuerung der Stromübertragungsleitungen in den Spannungsnetzen bis zu 35 kV für 238 Millionen US$,

- den Netzausbau für 115 Millionen US$,

- die automatisierte Erfassung des Stromverbrauchs in den 0,4-kV-Niederspannungsnetzen (Installierung neuer Stromzähler) für 201 Millionen US$ und

- sonstige Reparatur- und Instandsetzungsarbeiten sowie andere Projekte wie die Implementierung internationaler Managementstandards für 50 Millionen US$.

Entwicklung der Stromerzeugung nach Energieträgern in Armenien (Erzeugung in Mio. kWh; Anteile am Strommix in %)
2015 2016 2017 1)
Erzeugung Anteil Erzeugung Anteil Erzeugung Anteil Veränd. 2)
Bruttostromerzeugung 7.798,2 100,0 7.315,2 100,0 6.937,4 100,0 4,9
.Erdgas 2.801,2 35,9 2.581,5 35,3 2.488,0 35,9 11,5
.Wasserkraft 2.205,6 28,3 2.351,4 32,1 2.099,7 30,3 -3,5
.Kernenergie 2.787,7 35,7 2.380,5 32,5 2.347,9 33,8 6,4
.Andere Energieträger 3,7 0,0 1,8 0,0 1,7 0,0 15,3

1) Januar bis November; 2) Veränderung gegenüber Vorjahresperiode in %

Quelle: Nationales Statistikbüro, Eriwan

Das Programm wird in drei Phasen umgesetzt. In den Jahren 2018 bis 2020/21 fließen 200 Millionen US$ in die Ertüchtigung und Erweiterung der Netze. Hauptziel ist eine Eindämmung der Netzverluste von zehn auf acht Prozent. Der Projektwert der zweiten und dritten Projektphase (2021 bis 2024 und 2025 bis 2027) beträgt nach den bisherigen Planungen 670 Millionen US$. Im Zieljahr 2027 sollen die Netzverluste nur noch 6,4 Prozent betragen.

Das armenische Stromverteilungsnetz (Electric Networks of Armenia CJSC/ENA CJSC; http://www.ena.am) befindet sich seit April 2017 zu 70 Prozent im Besitz der Gesellschaft Tashir Capital, einer Tochtergesellschaft der Tashir Group (Russland). Die Liormand Holding Limited ist mit 30 Prozent am Stammkapital in Höhe von 39 Millionen US$ beteiligt. Vorheriger Eigentümer des Netzes war der russische Energiegigant Inter RAO. Die Finanzierung des Investitionsprogramms soll jeweils zur Hälfte durch Eigenmittel und ausländische Kredite sichergestellt werden.

Die Verteilungsnetze haben eine Länge von 36.000 km. Die Netzinfrastruktur ist gegenwärtig zu mehr als 85 Prozent verschlissen. Die ENA CJSC versorgt 985.000 private Verbraucher, Unternehmen und Organisationen mit Strom. Der Stromverteiler ist seit Juli 2017 im Besitz des Qualitätsmanagementsystems ISO 9001:2015. Die TÜV Rheinland AG hat das Unternehmen zertifiziert.

Investitionsprogramm für das Hochspannungsnetz in Vorbereitung

Internationale Geber finanzieren auch die Modernisierung der Hochspannungsnetzinfrastruktur. Betreiber des 330-kV- und 220-kV-Hochspannungsnetzes ist hauptsächlich die staatliche Gesellschaft High Voltage Electricity Network (HVEN). Im Frühjahr 2018 will die Regierung ein Programm für die Übertragung der Hochspannungsnetze in die treuhänderische Verwaltung der Gesellschaft Tashir Capital vorlegen. Die Managementübernahme ist an ein umfangreiches, bisher aber noch nicht beziffertes Investitionspaket gebunden. Dieses schließt die Verpflichtung des Treuhänders ein, das schon gestartete Investitionsprogramm für den grenzüberschreitenden Stromtransport um- beziehungsweise fortzusetzen: Bau der Hochspannungsleitung Armenien - Georgien, Modernisierung und Ausbau von Umspannwerken.

Die Bündelung der Hochspannungs- und Stromverteilernetze bei nur noch einem Investor soll zu Synergieeffekten und Kosteneinsparungen bei der Modernisierung der gesamten Stromnetzinfrastruktur führen. HVEN betreibt gegenwärtig 15 Umspannwerke (220/110 kV), 33 Leistungstransformatoren (2.561 MVA) und 1.914 km Hochspannungsleitungen (330/220/110 kV).

Mehrere Projekte für grüne Energie in der Planung

Armenien will sein Potenzial an erneuerbaren Energien weit mehr als bisher für die Stromerzeugung ausschöpfen. Das gilt für alle Sparten der grünen Energie. In der Energiebilanz des Landes soll sie bis 2020 etwa 20 Prozent der Stromerzeugung sicherstellen, bis 2026 ambitionierte 50 Prozent. Diese Zielstellungen sind in der Konzeption für eine gesicherte Energieversorgung Armeniens verankert.

Das Regierungsprogramm vom Juni 2017 setzt im Bereich erneuerbare Energien im Zeitraum bis 2021/2022 den Fokus auf:

- die Umsetzung des Programms für den Bau von Solarkraftwerken einschließlich der forcierten Errichtung des ersten 55-MW-Großkraftwerks in Marsik ab 2018,

- die Schaffung gesetzlicher Anreize für Windkraftprojekte und die aktive Mitwirkung der Regierung bei der Erarbeitung und Umsetzung privater Programme für neue Windkraftanlagen,

- die Erarbeitung eines Investitionsprojekts für ein erstes armenisches Geothermiekraftwerk (30 MW) ab Anfang 2018 und die Durchführung einer Ausschreibung für dessen Bau im Jahr 2019 (weiterführende Informationen über dieses Projekt sind abrufbar unter der Internetadresse: http://investmentprojects.am/media/2017/01/93.pdf) und

- die Modernisierung zahlreicher kleiner Wasserkraftwerke und den Bau von knapp 50 neuen Kleinwasserkraftwerken.

Gemäß der Energiestrategie sollen im Jahr 2021 alle rund 180 bestehenden kleinen hydroenergetischen Objekte mit einer installierten Leistung von insgesamt circa 330 MW ihr Potenzial für die Stromerzeugung weitestgehend oder voll ausnutzen. Kleine Wasserkraftwerke standen 2016 für 13 Prozent der Stromerzeugung im Land. (U.S.)

Eine Übersicht über laufende und geplante Investitionsprojekte in der armenischen Energiewirtschaft können Sie hier herunterladen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Armenien Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Stromübertragung und -verteilung, Strom-/ Energieerzeugung, Wasserkraft, alternative Energien

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