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19.07.2017

Arzneimittelausgaben sollen in den USA mittelfristig moderat steigen

Zahlreiche Unwägbarkeiten unter neuer Regierung / Flexible Verpackungstechnologie gefragt / Von Christian Janetzke

San Francisco (GTAI) - Die Ausgaben für rezeptpflichtige Medikamente stiegen in den USA 2016 um etwa 5%. Der moderate Wachstumskurs dürfte sich in den kommenden Jahren leicht abgeschwächt fortsetzen. Die Branche wartet auf die Umsetzung von Ankündigungen der neuen Regierung - darunter die angestrebte Gesundheitsreform. In der Industrie steigt die Nachfrage nach flexibel einsetzbaren Verpackungslösungen. Automatisierung und Digitalisierung entlang der Prozesskette nehmen zu. (Internetadressen)

Laut dem Marktforscher QuintilesIMS Institute stiegen die Ausgaben für rezeptpflichtige Medikamente auf Basis von Nettopreisen 2016 um 4,8% auf 323,0 Mrd. US$. Wachstumsimpulse gingen unter anderem von relativ neuen Arzneimitteln gegen chronische Erkrankungen im Bereich Onkologie sowie Autoimmunerkrankungen aus.

Ausgaben für verschreibungspflichtige Medikamente nach den bedeutendsten Therapieklassen 2016 (in Mrd. US$) *)
Rang Therapieklasse Umsatz Veränd. 2015/16 in %
1 Diabetes 51,5 17,3
2 Onkologie 45,5 16,4
3 Autoimmunerkrankungen 37,2 23,2
4 Atemwegserkrankungen 26,0 9,2
5 Schmerzmittel 19,7 -3,4

*) Gemessen an den Preisen, die Hersteller und der Großhandel von der Einzelhandelsebene und institutionellen Absatzkanälen erhalten (ohne Preisnachlässe)

Quelle: QuintilesIMS

Die im Vergleich zum Vorjahr mit einem Ausgabenzuwachs von 8,9% abgeschwächte Dynamik war laut QuintilesIMS unter anderem auf die geringe Anzahl an Markteinführungen von Arzneimitteln mit neuen Wirkstoffen (new active substances, NAS) zurückzuführen. In den Jahren 2014 und 2015 waren 41 beziehungsweise 46 NAS auf dem US-Markt zu verzeichnen, 2016 lediglich 19. Hinzu kam ein starker Preiswettbewerb unter den Herstellern, der sich im Vergleich zu den beiden Vorjahren in den relativ geringen Preissteigerungen für Markenprodukte widerspiegelte.

Moderate Wachstumsraten erwartet

Das QuintilesIMS Institute prognostiziert zwischen 2017 und 2021 bei den Ausgaben jährliche Wachstumsraten von 2 bis 5% (Nettopreise). Die Markteinführungen von neuen Medikamenten sollen wieder anziehen. In diesem Zeitraum erwartet der Marktforscher, dass jährlich zwischen 40 und 45 NAS auf den Markt kommen.

Im 1. Halbjahr 2017 hat die Food and Drug Administration (FDA) bereits so viele Arzneimittel mit neuen Wirkstoffen zugelassen wie im Gesamtjahr 2016. Vor allem im Onkologiesegment ist gemäß dem Marktforscher und Informationsportal "EvaluatePharma" mittelfristig mit einer hohen Anzahl an innovativen Produkten zu rechnen, die dem Markt Impulse verleihen sollen.

Auch von der zunehmenden Alterung der US-Bevölkerung profitiert die Branche im Zuge einer steigenden Nachfrage nach Arzneimitteln zur Behandlung von chronischen und degenerativen Leiden. Nach Prognosen des Centers for Medicare & Medicaid Services wird zwischen 2016 und 2024 der Anteil der Personen im Alter von 65 Jahren und darüber an der Gesamtbevölkerung von 14,8 auf 18,2% ansteigen.

Die Dynamik im Pharmasektor dürfte in den kommenden Jahren durch zahlreiche auslaufende Patente bei Medikamenten mit hohen Umsätzen leicht ausgebremst werden. Zudem drängen die Trump-Administration und Versicherungsgesellschaften auf sinkende Preise für Pharmazeutika. QuintilesIMS geht mittelfristig von lediglich geringen Preissteigerungen bei Markenprodukten aus.

Unsicherheiten unter neuer Regierung

Die Branche wartet nicht nur auf definitive Verlautbarungen der Regierung, wie sie Arzneimittelkosten senken will, sondern auch auf die Umsetzung von angekündigten Reformvorhaben. Die Strukturen des zukünftigen Gesundheitssystems waren auch im Juli 2017 noch nicht geklärt. Die Trump-Administration konnte bislang den "Patient Protection and Affordable Care Act" ("Obamacare") nicht rückgängig machen.

Laut dem Investment-Consulting-Unternehmen "Market Realist" warten zahlreiche Pharmaunternehmen bezüglich ihrer Aktivitäten bei Fusionen und Übernahmen ab, ob es zu der angekündigten deutlichen Absenkung der Körperschaftssteuer des Bundes von derzeit 35% kommen wird. Zudem plant die Regierung deutliche Steuernachlässe für im Ausland erzielte und zurückgeführte Gewinne. "EvaluatePharma" erwartet bei Umsetzung dieser Vorhaben, dass einige big player der US-Branche im Ausland gebunkerte Gewinne für strategische Investments auf dem US-Markt einsetzen werden.

Codiermaschinen stark gefragt

Von der moderaten Dynamik im Pharmasektor dürften Zulieferer aus diversen Segmenten profitieren. Die Verpackungsnachfrage aus der Pharmabranche soll zwischen 2015 und 2020 um durchschnittlich jährlich 5,4% auf 22,0 Mrd. US$ zulegen, so der Marktforscher Freedonia. Besonders hohe Zuwächse sind laut gleicher Quelle bei Produkten für eine einfach handhabbare Dosierung wie Blisterpackungen, Dosierungsflaschen aus Plastik, Einwegbeutel sowie Infusionsbeutel mit vorgemischten Lösungen zu erwarten.

Der Bedarf an Codier- und Etikettiermaschinen steigt deutlich, so das Packaging Machinery Manufacturers Institute (PMMI). Dies ist vor allem auf staatliche Regularien wie den "Drug Supply Chain Act" zurückzuführen. Demnach müssen Hersteller pharmazeutischer Produkte bis Ende November 2017 eine lückenlose Nachverfolgung von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln innerhalb der Lieferkette nachweisen. So muss unter anderem jede Verpackungseinheit mit einem eindeutig zugeordnetem Code versehen werden ("Serialisierung").

Bedarf an flexiblen Ausrüstungen zieht an

In der Branche geht der Trend hin zu immer mehr auf einzelne Patientengruppen zugeschnittene Medikamente und im Zuge dessen zu einer Fertigung relativ kleiner Losgrößen, berichtet "EvaluatePharma". Hersteller müssen ihre Produktionsprozesse daher sehr variabel gestalten.

Die Anforderungen der Pharmahersteller und Auftragsverpacker an immer flexibler einsetzbarer Verpackungstechnologie wächst kontinuierlich, berichtet Tom McDaniel, Geschäftsführer Nordamerika von Robert Bosch Packaging Technology. Vor allem bei der Fertigung kostenintensiver Pharmaprodukte in Kleinserien sind laut dem Experten Maschinen zur Bearbeitung diverser Produkte und Verpackungsvarianten mit schnellen Formatwechseln stark gefragt.

Bei der Herstellung mit häufigen Produktwechseln stehen laut McDaniel ebenfalls vorsterilisierte Einwegtechnologien (beispielsweise Füllsysteme und Filter) hoch im Kurs. Diese ersparen dem Maschinenbediener unter anderem die oftmals sehr aufwändige Reinigung nach Produktwechseln.

Einsatzfelder von Robotertechnik weiten sich aus

Gefragt sind Technologien, mit denen die Geschwindigkeit der Entwicklung von Arzneimitteln forciert und kostenintensive Testphasen reduziert werden können. Branchenunternehmen setzen zunehmend Roboter ein, um somit in einem rasanten Tempo eine immer weiter wachsende Anzahl an Substanzen auf ihre Einsatzmöglichkeiten als Arzneimittel zu testen. Ein weiteres wachsendes Einsatzfeld ist die Befüllung von Spritzen mit Medikamenten.

Gemäß einer Untersuchung des PMMI zeigen Pharmaunternehmen ein verstärktes Interesse an Robotertechnologie in der Montage und beim Entpalettieren. Vor allem kleine und sehr flexible Roboter werden zunehmend in immer breiteren Anwendungsfeldern eingesetzt, so Alex Shikany, Leiter des Bereichs Marktanalyse bei der Robotic Industries Association.

Die Automatisierung entlang der Prozesskette steigt auch, um mögliche Querkontamination während der Verarbeitung bei einer immer weiter steigenden Anzahl verschiedener Produkte zu verhindern. Verpackungstechnologien mit Optionen einer automatischen Reinigung und einem hygienegerechten Design sind gefragt, berichtet McDaniel.

In der Branche wächst laut McDaniel - von einem geringen Niveau aus - die Digitalisierung von Prozessen. Laut dem Marktexperten überwachen und kontrollieren Branchenunternehmen mittels Softwaremodulen vermehrt Produktionsdaten sowie die Qualität der zu fertigenden Produkte.

Internetadressen

QuintilesIMS

Internet: http://www.quintilesims.com

Evaluate Pharma

Internet: http://www.evaluategroup.com

Deutsch-Amerikanische Handelskammern (AHK USA)

Internet: http://www.ahk-usa.com

Dieser Artikel ist relevant für:

USA Arzneimittel, Diagnostika, Produktionsanlagen für Chemie, Petrochemie und Pharmazie

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Kontakt

Robert Matschoß

‎+49 228 24 993 244

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