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22.11.2018

ASEAN investiert 1,2 Billionen US-Dollar in Stromerzeugung

Kohle und Erneuerbare Energien bieten Chancen / Von Achim Haug

Bonn (GTAI) - Die Länder Südostasiens erleben einen Wirtschaftsboom und eine rasante Urbanisierung. Dadurch steigt die Stromnachfrage. Welche Technologie sich durchsetzt, ist noch nicht ausgemacht.

Vor dem Hintergrund des rasanten Wirtschaftswachstums müssen die Länder des südostasiatischen Staatenbundes ASEAN bis 2040 ihre Stromkapazitäten mehr als verdoppeln, von 241 Gigawatt im Jahr 2016 auf dann mindestens 557 Gigawatt.

Dafür - so die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem Southeast Asia Energy Outlook 2018 - sind Investitionen über 1,2 Billionen US-Dollar (US$) notwendig.

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Schon zwischen 1995 und 2015 hat sich der Stromverbrauch in der gesamten ASEAN verdoppelt. Nun prognostiziert die International Renewable Energy Agency (IRENA), dass er bis 2025 noch einmal um 93 Prozent steigen wird. Besonders hoch wird die Nachfragesteigerung in den KLMV-Ländern ausfallen: in Kambodscha und Laos um jeweils über 200 Prozent, in Vietnam um 154 Prozent und in Myanmar um 118 Prozent. Hohe Verbrauchssteigerungen werden auch Indonesien (137 Prozent) und die Philippinen (85 Prozent) erfahren.

Treiber der Nachfrage ist ein hohes Wirtschaftswachstum: Die IEA geht von durchschnittlich 4,5 Prozent pro Jahr bis 2040 aus. Vor allem das verarbeitende Gewerbe expandiert. Darüber hinaus ist die Region eine der am schnellsten urbanisierenden der Welt, und die städtische Mittelschicht verbraucht deutlich mehr Strom als die Landbewohner. Zuletzt lebten noch immer rund 65 Millionen Menschen in Südostasien ohne verlässliche Stromversorgung. Der Pro-Kopf-Energieverbrauch in der 640-Millionen-Einwohner-Region liegt laut IEA bei rund der Hälfte des weltweiten Durchschnitts - es gibt also noch viel Luft nach oben.

Vor allem Kohlekraftwerke sind in der Projektpipeline

Dies wird allen Energieträgern einen Zuwachs bringen, aber Kohle steht allein für 40 Prozent des von der IEA erwarteten Zubaus bis 2040. Sie soll daher Gas als wichtigste Stromerzeugungsquelle überholen. Schon in den vergangenen Jahren hat die Region ihre Abhängigkeit von Kohle stark erhöht: Die Kohlekraftproduktion stieg zwischen 2010 und 2017 in Vietnam um 72 Prozent, in Indonesien um 53 Prozent und um über 50 Prozent in den Philippinen. Die IEA ist hoffungsvoll, dass in 70 Prozent der neuen Kohlkraftwerke hocheffiziente Anlagen eingesetzt werden (supercritical oder ultra-supercritical).

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Die Stromproduktion aus Gaskraftwerken soll bis 2040 zwar um 60 Prozent zulegen, trotzdem sinkt der Anteil am gesamten Output auf 28 Prozent. Fossile Energieträger sind in der Region vor allem in Indonesien, Malaysia und Vietnam vorhanden. Die Region steht für rund 7 Prozent der weltweiten Kohleförderung und 6 Prozent des weltweiten Gasoutputs.

Bei der Anbindung entlegener Regionen dürfte Erneuerbaren Energien eine wichtige Rolle zukommen. Dies trifft vor allem auf die Inselstaaten Indonesien und Philippinen zu, aber auch auf Myanmar und Laos. Atomkraft spielt in der Region keine Rolle und wird dies auch in Zukunft voraussichtlich nicht tun.

Kraftwerksprojekte für über 500 Milliarden US$ sind für die kommenden fünf Jahre in Südostasien in der Pipeline. Über 3.300 aktive Projekte, die zwischen 2018 und 2022 in die Bauphase eintreten sollen, beobachtet der Industriedienst Industrial Info Resources. Mit fast 30 Prozent des prognostizierten Wertes entfällt der größte Teil auf Indonesien. In den zweitplatzierten Philippinen finden sich dagegen die meisten Projekte, Vietnam folgt auf Rang drei.

Kohle ist dabei der bedeutendste Energieträger mit knapp 30 Prozent der erwarteten Investitionen. Zusammengenommen stehen Erneuerbare Energien aber für fast 50 Prozent der erwarteten Investitionen. Am meisten in Kohlekraftwerke pumpen den Plänen zufolge drei Länder: 120 Milliarden US$ wollen alleine Indonesien, die Philippinen und Vietnam in der kommenden Dekade investieren. Große Bauprojekt-Pipelines für Kohlekraftwerke haben in der Region die Firmen PT PLN Persero (Indonesien), San Miguel Corporation (Philippinen) und EVN (Vietnam).

Kohleprojekte stehen allerdings in hartem Wettbewerb mit Erneuerbaren. Die Erzeugungskosten nähern sich zunehmend an. Industrieexperten rechnen damit, dass sich in den kommenden Jahren immer mehr existierende Kohlekraftwerke sowie aktive Bauprojekte auf wirtschaftliche Schwierigkeiten zubewegen beziehungsweise durch strengere Umweltregeln unter Druck geraten werden. Carbon Tracker veranschlagt den Wert solcher Kraftwerksprojekte in Südostasien auf 60 Milliarden US$, insbesondere in Vietnam, Indonesien und den Philippinen.

Wasserkraft dominiert bei erneuerbaren Quellen

Erneuerbare Energien bleiben bislang hinter ihrem Potenzial in der Region zurück, konstatiert die IRENA. Im Jahr 2015 standen sie für 17 Prozent der gesamten Stromerzeugung. Mehr als drei Viertel davon wurden von großen Wasserkraftwerken geliefert, die häufig nicht wesentlich nachhaltiger als fossile Kraftwerke sind. Besonders die Länder am Mekong Delta, wie Laos und Vietnam, haben Wasserkraftwerke gebaut und planen weitere Projekte. Die Wasserkraftkapazitäten stiegen zwischen 2006 und 2016 von knapp 16 Gigawatt auf 44 Gigawatt.

Bis 2025 hat sich die ASEAN ein Ziel von 23 Prozent Erneuerbare Energien an der Stromerzeugung gesetzt. Obwohl zwischen 2006 und 2016 rund 27 Milliarden US$ in den Ausbau gesteckt wurden, wird es schwer, das Ziel zu erreichen. In der Dekade am meisten in Erneuerbare investiert hat Thailand mit über 10 Milliarden US$, gefolgt von den Philippinen sowie Singapur und Vietnam. Besonders schnell war der Kapazitätsanstieg in den Philippinen von 22 Megawatt im Jahr 2014 auf 800 Megawatt nur zwei Jahre später.

Wind und Solarenergie sind vergleichsweise junge Energiequellen für die ASEAN, weisen aber die höchsten Wachstumsraten auf. Standen sie 2011 jeweils nur für rund 100 Megawatt in der Region, kam Solar 2016 auf 3,5 Gigawatt und Wind auf 1,1 Gigawatt Kapazität. Während die Philippinen und Thailand für den Windkraftausbau standen, investierten praktisch alle Länder in Solaranlagen. In Thailand war ein regional vorbildlicher Einspeisetarif entscheidend; das Königreich hat ein Ziel von 6 Gigawatt Solarkapazität bis 2036. Neben den Philippinen wird vor allem in Vietnam ein weitergehender Ausbau erwartet.

Pumpspeicherwerke sind noch kaum vorhanden, nur in Thailand und den Philippinen. In Indonesien soll bis 2019 das Upper Cisokan Pumped Storage Power Plant als erstes Werk errichtet werden. Das erste vietnamesische Projekt in Bac Ai wurde 2017 genehmigt und sucht derzeit nach Investoren aus dem In- und Ausland.

Obwohl die geothermischen Ressourcen in der ASEAN nicht schlecht sind, wurde die Kapazität von 2,5 Gigawatt im Jahr 2000 nur auf 3,4 Gigawatt in 2016 ausgebaut. In den Philippinen - dem zweitgrößten Stromerzeuger aus Geothermie weltweit - stagnierten die Kapazitäten bei 2 Gigawatt, während Indonesien seine Nutzung erweiterte. In Malaysia ist ein erstes Projekt mit Start Mitte 2019 vorgesehen.

Die Struktur der Strommärkte ist in fast allen ASEAN-Ländern von einem Single-Buyer-Modell geprägt. Independent Power Producer haben hier aber die Möglichkeit, Strom zu produzieren. Nur die Philippinen und Singapur haben einen liberalisierten privatwirtschaftlichen Strommarkt, die Strompreise gehören zu den höchsten der Welt. In den anderen Ländern regelt der Staat den Strompreis.

Stromnetze sollen integriert werden

Die ASEAN wollen die Konnektivität und Integration ihrer Energienetze erhöhen und haben dazu den ASEAN Plan of Action for Energy Cooperation 2016 - 25 formuliert. Eine Reihe großer Energieübertragungsprojekte befindet sich in der Entwicklung. Laos und Myanmar können Wasserkraft exportieren, Kambodscha muss dagegen importieren. Große Unterseekabel sind zwischen dem malaysischen Festland und Borneo sowie Sumatra geplant.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Ländern der Region Asien-Pazifik finden Sie unter http://www.gtai.de/asien-pazifik

Dieser Artikel ist relevant für:

Vietnam, Indonesien, Kambodscha, Laos, Malaysia, Myanmar, Philippinen, Singapur, Thailand, ASEAN Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Strom-/ Energieerzeugung, Solar, Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Stromübertragung und -verteilung, Strom-/ Energieerzeugung, Wind, Strom-/ Energieerzeugung, Wasserkraft, Strom-/ Energieerzeugung, Fossile Energien, Strom-/Energieerzeugung, Geothermie

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