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14.01.2019

Aserbaidschan baut exportorientierte Montanindustrie aus

Fokus liegt auf Stahl, Aluminium und Gold / Von Uwe Strohbach

Baku (GTAI) - Neue Projekte im Erzbergbau und Hüttenwesen sollen zur Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur Aserbaidschans beitragen. Vorhaben für etwa 1,5 Milliarden US-Dollar (US$) sind geplant.

Aserbaidschan kündigte mehrere Ausbauvorhaben im Erzbergbau und in der Hüttenindustrie an. Diese basieren auf dem von der Regierung verabschiedeten "Strategischen Plan für die Entwicklung der Schwerindustrie und des Maschinenbaus" für die Jahre 2016/2017 bis 2020 und darüber hinaus. Die neuen oder modernisierten Bergbau- und Hüttenbetriebe sollen ab 2020/2021 jährlich bis zu 600 Millionen US-Dollar (US$) zum Bruttoinlandsprodukt beitragen. Im Jahr 2017 betrug der wertmäßige Ausstoß im Erzbergbau umgerechnet 152 Millionen US$ und in der Hüttenindustrie 290 Millionen US$.

Hüttenwerk für 1,2 Milliarden US-Dollar in Gandscha geplant

Der einzige einheimische Stahlproduzent, die Baku Steel Company (BSC; http://www.bakusteel.com), will in Kooperation mit dem chinesischen Bauunternehmen China CAMC Engineering Co., Ltd. (CAMC; http://www.camce.com.cn/en) in der zweitgrößten aserbaidschanischen Stadt Gandscha ein integriertes Hüttenwerk errichten. Die Projektpartner unterzeichneten Anfang Dezember 2018 eine entsprechende Vereinbarung. Für den Bau des auf 1,17 Milliarden US$ veranschlagten Stahlwerks sind 42 Monate vorgesehen. Einen Termin für den Baustart gibt es noch nicht.

Das Hüttenwerk Azerbaijan Integrated Steel Mill Complex (AISMC) wird über fünf Fabriken verfügen, darunter eine DRI-Anlage mit einer jährlichen Kapazität von 1,25 Millionen Tonnen Direct Reduced Iron (DRI/Eisenschwamm), einen Rohstahlkomplex und ein Walzwerk für Flachstahl mit einer jährlichen Kapazität von 700.000 Tonnen. Die Ausrüstungen soll hauptsächlich der italienische Maschinenbauer Danieli & C. Officine Meccaniche S.p.A. liefern. Im Zusammenhang mit dem Projekt sind auch Investitionen in Eisenerzvorkommen in der Region Dashkesan geplant.

Holding Baku Steel Company setzt Ausbau- und Erneuerung fort

Die private Holding BSC betreibt heute ein Stahlwerk (jährliche Kapazität: bis zu 1 Million Tonnen), eine Fabrik für nahtlose Rohre und seit November 2018 eine Produktion von Buntmetallen und Ferrolegierungen. Letztere verfügt über eine jährliche Kapazität von 50.000 Tonnen Ferrosilizium und 72.000 Tonnen Ferrosiliziummangan. Neun Zehntel davon sind für den Export bestimmt.

Das Unternehmen kündigte für 2019 und darüber hinaus Investitionen in die Modernisierung und den Ausbau bestehender Kapazitäten an. In die zweite Modernisierungsphase der Rohrfabrik fließen 25 Millionen US$ (2019). Ziel ist eine jährliche Produktion von 180.000 Tonnen. In dem Werk für Buntmetalle und Ferrolegierungen ist die Aufnahme der Produktion von Ferrochrom geplant. Vorgesehen ist der Bau einer Fabrik für anspruchsvolle Gussteile nach Kundenwunsch mit einer jährlichen Kapazität von 12.000 Tonnen.

Aluminiumproduktion soll sich auf rund 100.000 Tonnen verdoppeln

Die Aserbaidschanische Industriegesellschaft (Azerbaijan Industrial Corporation/AIC; www.ask,gov.az) ist mit Projekten in Staatsbetrieben und/oder deren Umstrukturierung beauftragt. Sie arbeitet in Kooperation mit ausländischen Experten an einer Strategie für die Entwicklung der Aluminiumindustrie.

Zu den prioritären Projekten zählen die Aufnahme der Produktion von Anodenblöcken und eine Verdopplung des jährlichen Ausstoßes von Primäraluminium im Werk Azeraluminium in Gandscha (http://www.azeraluminium.com) auf 100.000 bis 110.000 Tonnen. Die erste neue Produktionslinie für die jährliche Produktion von bis zu 50.0000 Tonnen Primäraluminium (Barren und Platten) ging offiziell im Jahr 2014 in Betrieb. Die Fabrik gehört zur Holding Det.Al (http://www.detalholding.az). Perspektivisch sollen die alten und heute brach liegenden Fabriken in Gandscha (Inbetriebnahme: 1966; Produktion von Aluminiumoxid) und Sumgait (1955; Produktion von Primäraluminium) wiederbelebt werden.

Neue Erkundungs- und Erschließungsprojekte bei Edelmetallen

Aserbaidschan verfügt über beachtliche Vorkommen an metallischen Erzen. Diese haben nach Angaben der Regierung einen aktuellen Wert von mehr als 88 Milliarden US$. Allein das Potenzial aller Golderzlagerstätten des Landes wird mit 1.550 bis 2.000 Tonnen reinem Gold angegeben. Auf mittlere Sicht könnte sich die jährliche Goldproduktion auf etwa 10 bis 15 Tonnen gegenüber dem heutigen Niveau verdoppeln. Gegenwärtig engagieren sich in der Branche zwei Unternehmen.

Die britische Gesellschaft Anglo-Asian Mining PLC (AAM; http://www.angloasianmining.com) erkundet und erschließt Gold-, Silber- und Kupfererzvorkommen in sechs Vertragsgebieten auf Grundlage einer im Jahr 1997 mit der aserbaidschanischen Regierung abgeschlossenen Production-Sharing-Vereinbarung. Es handelt sich um die Gebiete Gedabek und Gosha in Westaserbaidschan (jeweils 300 Quadratkilometer), Ordubad in der Autonomen Republik Nachitschewan (462 Quadratkilometer) und drei Gebiete in gegenwärtig von Armenien besetzten Regionen (900 Quadratkilometer). Der Vertrag sieht eine Förderung von 400 Tonnen Gold und 2.500 Tonnen Silber vor.

Bewegung in das Projekt kam erst mit dem Anziehen des Goldpreises auf dem Weltmarkt. Im Vertragsgebiet Gedabek startete die kommerzielle Goldförderung im Jahr 2009 (Lagerstätte Gadabay; Inbetriebnahme von zwei weiteren Minen Gadir und Ugur 2015 und 2017) und im Gebiet Gosha im Jahr 2013. In den ersten drei Quartalen 2018 produzierte das Unternehmen 54.573 Unzen Gold, 144.362 Unzen Silber und 1.057 Tonnen Kupfer. Das aserbaidschanische Golderzkonzentrat wird in der Schweiz raffiniert. Im Zeitraum 2018 bis 2020 erkundet die Anglo-Asian Mining PLC neue Lagerstätten mit einem finanziellen Aufwand von bis zu 20 Millionen US$. Das Gros der Gelder fließt in Erkundungsbohrungen auf einer Gesamtfläche von 43.500 Quadratmetern.

Der zweite Branchenakteur, die 2015 gegründete staatliche Aktiengesellschaft AzerGold QSC (http://www.azergold.az), nahm im Frühjahr 2017 die Erzförderung in der Lagerstätte Chovdar (Region Dashkesan) auf. Im Jahr 2018 produzierte das Unternehmen 45.490 Unzen Gold und 77.340 Unzen Silber. AzerGold QSC investiert in die Erkundung weiterer Vorkommen, darunter der Golderzlagerstätten Ayokhush und Tulallar (beide Region Göygöl), Mazimchay (Region Balakan) und Ortakand (Autonome Republik Nachitschewan). In der Lagerstätte Chovdar laufen die Vorbereitungen für die ab 2021 geplante Golderzgewinnung im Untertagebau.

Zur Umsetzung ihrer Ausbaupläne ist AzerGold mit potenziellen ausländischen Investoren im Gespräch. So sind die Gesellschaft Caravel Minerals (Australien) und Forsys Metals (Kanada) an der Erkundung und Erschließung einer der weltweit größten Polymetalllagerstätten Filizchay im Norden Westaserbaidschans (Region Balakan) interessiert. Dort lagern mehr als 120 Millionen Tonnen Nichteisen- und Edelmetalle (vor allem Kupfer, Zink, Silber, Gold und Blei). Die internationale Beratungsgesellschaft SRK wurde mit einer Bestandsaufnahme und vorläufigen wirtschaftlichen Bewertung der Lagerstätte beauftragt.

Entwicklung der Goldproduktion in Aserbaidschan
2015 2016 2017 2018 1)
Förderung (in kg) 2.229 1.895 6.391 3.559
Veränderung zum Vorjahr (in %) 19,0 -15,0 237,3 -30,3 2)

1) Januar bis Oktober, 2) Veränderung gegenüber Januar bis Oktober 2017

Quelle: Staatliches Statistikkomitee der Republik Aserbaidschan

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Aserbaidschan sind unter http://www.gtai.de/aserbaidschan abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Aserbaidschan Erze, Hochöfen-, Gießerei- und Walzwerksprodukte, Produktionsanlagen für Eisen und Stahl, Sonstiges im Bereich NE-Metalle

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