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11.01.2019

Aserbaidschan investiert über 20 Milliarden US-Dollar in die Öl- und Gasindustrie

Mehrere neue Projekte in der Pipeline / Von Uwe Strohbach

Baku (GTAI) - Aserbaidschan investiert im Zeitraum 2018 bis 2025 voraussichtlich mehr als 20 Milliarden US-Dollar in den Öl- und Gassektor. Die Ausbauprojekte bieten vielfältige Geschäftschancen.

Die Öl- und Gaswirtschaft bleibt der mit Abstand bedeutendste Investitionssektor in Aserbaidschan. Gesunkene Preise für Kohlenwasserstoffe auf dem Weltmarkt führten nach 2015 zu Einbrüchen bei den Bruttoanlageinvestitionen in der Branche. Für die Förderung und Erstaufbereitung von Öl und Gas sowie die Umsetzung neuer Production-Sharing-Vereinbarungen zur Erschließung von Öl- und Gasfeldern sind weiterhin Projekte geplant. Sie versprechen eine Fülle von Absatzchancen für ausländische Anbieter von Ausrüstungen und branchennahen Dienstleistungen.

Milliarden fließen in die Erschließung des Ölfelds Azeri-Chirag-Guneshli

In der Öl- und Gasbranche werden im Zeitraum 2018 bis 2025 gut 20 Milliarden US-Dollar investiert, schätzt die Forschungs- und Beratungsgruppe Wood MacKenzie. Unter den Projekten ragt die weitere industrielle Erschließung der großen Offshore-Tiefseeölfelder Azeri-Chirag-Guneshli (ACG) durch das internationale Konsortium AIOC (Azerbaijan Internationale Operating Company) hervor. Der geplante Bau von zwei Ölplattformen für das Azeri-Central-East-Projekt gilt als eines der investitionsträchtigsten Einzelprojekte.

Im Herbst 2017 haben Aserbaidschan und das Konsortium die im Jahr 1994 abgeschlossene Vereinbarung (Production Sharing Agreement/PSA) zur Entwicklung der Ölfelder bis zum Jahr 2050 verlängert. Die Vertragspartner rechnen für die nächsten 32 Jahre mit einer Ölförderung von etwa 500 Millionen Tonnen und Investitionen in Höhe von mehr als 40 Milliarden US-Dollar. Bis Ende 2017 wurden 43 Milliarden US-Dollar und in den ersten drei Quartalen 2018 weitere 1,2 Milliarden US-Dollar in die Erschließung der ACG-Lagerstätten investiert. Die Ölförderung betrug im Zeitraum 1994 bis 2017 rund 440 Millionen Tonnen. Für 2019 rechnet das Konsortium AIOC mit einer Ölförderung von 30,9 Millionen Tonnen und einer Gasförderung von 29,7 Milliarden Kubikmeter.

Entwicklung der Bruttoanlageinvestitionen in die Öl- und Gaswirtschaft Aserbaidschans
2014 2015 2016 2017
Investitionen insgesamt (in Mrd. US$) 7,6 6,9 5,4 4,9
Reale Veränderung zum Vorjahr (in %) *) 16,5 17,5 -13,5 -8,9
Anteil an den Investitionen Aserbaidschans insgesamt (in %) 33,8 44,7 54,8 41,3
.Ausländische Investitionen (in Mrd. US$) 5,4 5,3 4,3 3,7
.Anteil an den ausländischen Investitionen insgesamt (in %) 85,3 80,0 73,3 72,6
.Inländische Investitionen (in Mrd. US$) 2,2 1,6 1,1 1,2
.Anteil an den inländischen Investitionen insgesamt (in %) 13,7 17,7 27,0 24,1

*) auf der Basis der Nationalwährung Aserbaidschan-Manat

Quelle: Staatliches Statistikkomitee der Republik Aserbaidschan

Vertragsparteien des wirtschaftlich wichtigsten aserbaidschanischen PSA sind die staatliche Ölgesellschaft SOCAR (Aserbaidschan, Anteil am Konsortium: 25,0 Prozent) und die ausländischen Unternehmen BP (Großbritannien, 30,37 Prozent), Chevron und ExxonMobil (beide USA, 9,57 und 6,79 Prozent), Inpex und Itochu (beide Japan, 9,31 und 3,65 Prozent), Equinor (Norwegen, 7,27 Prozent), TP (Türkei, 5,73 Prozent) und ONGC Videsh (Indien, 2,31 Prozent). Die Konzerne Chevron und Exxonmobil kündigten den Verkauf ihrer Anteile an. Konsortialführer und Leiter des Projekts ist das Mineralölunternehmen BP. Die nachgewiesenen Öl- und Gasreserven des ACG-Blocks betragen etwa 1,2 Milliarden Tonnen Rohöl und 350 Milliarden Kubikmeter Erdgas.

Projekt Shah Deniz-2 zielt auf Gasexporte nach Europa ab

Die industrielle Exploration des Gasvorkommens Shah Deniz-2 einschließlich des Baus und Ausbaus von Pipelines für den Gasexport nach Europa ist das zweite Großprojekt im aserbaidschanischen Kohlenwasserstoffsektor. Ende Dezember 2013 vereinbarten SOCAR und BP, Betreiber des Gasfelds Shah Deniz, die zweite Erschließungsphase. Ab 2020 sollen jährlich 6 Milliarden Kubikmeter Gas in die Türkei und zehn Milliarden Kubikmeter Gas an andere europäische Abnehmer geliefert werden.

Die Gesamtinvestitionen in den südlichen Gaskorridor werden auf gut 40 Milliarden US-Dollar beziffert. Die aserbaidschanische Gesellschaft Southern Gas Corridor CJSC (Partner: Regierung Aserbaidschans und SOCAR) hat von ihren geplanten Investitionen in das Gesamtvorhaben in Höhe von 11,5 Milliarden US-Dollar bis Ende 2018 Projekte für 9,8 Milliarden US-Dollar realisiert. Im Jahr 2019 investiert sie weitere 1,4 Milliarden US-Dollar.

Neue Erkundungs- und Erschließungsprojekte kurbeln Investitionen an

Neue oder erneuerte Production-Sharing-Vereinbarungen für die Erkundung und industrielle Nutzung von Kohlenwasserstofflagerstätten tragen zur Wiederbelebung des Investitionsgeschehen in der Öl- und Gaswirtschaft bei. Das Interesse ausländischer Öl- und Gasunternehmen an der Erschließung neuer Kohlenwasserstoffvorkommen ist nicht zuletzt im Zusammengang mit der Errichtung des südlichen Gaskorridors, der neuen Exportroute nach Europa, zu sehen.

Genannt seien Verträge über die Erkundung und Erschließung der Öl- und Gasfelder Abscheron (ausländischer Partner: Total, Frankreich), Muradkhanly-Jafarly-Zardab (Zenith Energy, Kanada), Govsany-Zykh (Global Energy, Russland), Block D230/Nord-Abscheron (BP, Großbritannien) sowie Dan-Ulduzu-Ashrafi-Aipara und Karabach (Equinor, Norwegen). Zudem will sich das russische Mineralölunternehmen Rosneft in Kooperation mit SOCAR bei der weiteren geologischen Erkundung des Öl- und Gasblocks Goschadasch engagieren.

Entwicklung der Öl und Gasförderung in Aserbaidschan
2015 2016 2017 2018 1) 2019 2) 2020 2) 2021 2) 2022 2)
Rohöl und Gaskondensat (in Mio. t) 41,6 41,1 38,7 35,5 38,5 38,9 39,1 39,0
Erdgas (in Mrd. cbm) 29,2 29,3 28,6 27,7 36,9 39,9 43,4 45,0
.Marktfähiges Gas 19,2 18,7 18,2 17,4 24,7 29,8 36,2 38,5

1) Januar bis November; 2) Prognosen der Regierung

Quellen: Staatliches Statistikkomitee der Republik Aserbaidschan, Regierung Aserbaidschans

Die industrielle Gasförderung in der Lagerstätte Abscheron beginnt voraussichtlich im 3. Quartal 2020. Zunächst sollen jährlich 1,5 Milliarden Kubikmeter Gas und 700.000 Tonnen Gaskondensat gefördert werden. Ab 2022/2023 ist eine Steigerung der jährlichen Gasförderung auf mindestens 4 Milliarden Kubikmeter Gas avisiert. Die Reserven des Gasvorkommens gibt Total mit bis zu 350 Milliarden Kubikmeter Gas und 108 Millionen Tonnen Gaskondensat an.

Der Produktionsstart in der Öl- und Gaslagerstätte Karabach ist für 2021 angekündigt. Die förderfähigen Vorräte des Vorkommens werden auf mindestens 16 Millionen Tonnen Öl und 28 Milliarden Kubikmeter Gas geschätzt. Mitte 2019 will Equinor mit seismischen Untersuchungen im Block Dan-Ulduzu-Ashrafi-Aipara beginnen. BP plant den Start solcher Aktivitäten im Block D230 in der ersten Jahreshälfte 2019. BP kündigte zudem für 2019 erste Bohrungen im Vertragsgebiet Shafag-Asiman an. Die Vorräte dieser Lagerstätte betragen 500 Milliarden Kubikmeter Gas und 65 Millionen Tonnen Kondensat. Zenith Energy intensiviert seit Ende 2018/Anfang 2019 seine Ölbohrungen im Block Muradkhanly-Jafarly-Zardab.

Große Hoffnungen setzt Aserbaidschan auf die Umsetzung des Projekts Umid-Babek. Die beiden Lagerstätten verfügen über Vorräte von 600 Milliarden Kubikmeter Gas und 120 Millionen Tonnen Gaskondensat. Im Vorkommen Umid wird bereits seit einigen Jahren Gas gefördert. Im Frühjahr 2018 haben SOCAR und das britische Unternehmen Nobel Upstream einen Risiko-Service-Vertrag (Risk Service Agreement) und andere Vereinbarungen für die Bewertung, Exploration und Entwicklung der Onshore-Lagerstätten unterzeichnet. Die von den beiden Vertragsparteien für das Projekt gegründete Förder- und Produktionsgesellschaft ist an der Gewinnung weiterer ausländischer Partner interessiert.

Der Hauptansprechpartner für die Öl- und Gaswirtschaft in Aserbaidschan ist die nationale Ölgesellschaft SOCAR (http://www.socar.az). Sie fördert alljährlich etwa 7 bis 8 Millionen Tonnen Öl und 6 bis 7 Milliarden Kubikmeter Gas (ohne Joint Ventures für die Offshore-Exploration). Ihr Anteil sowohl an der Ölförderung als auch an der Gasförderung insgesamt beträgt jeweils rund ein Fünftel. Auf SOCAR entfielen im Jahr 2017 rund zwei Drittel aller von einheimischen Firmen im Land realisierten Investitionen in der Öl- und Gaswirtschaft.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Aserbaidschan sind unter http://www.gtai.de/aserbaidschan abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Aserbaidschan Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Pipelinebau, etc., Strom-/ Energieerzeugung, Fossile Energien

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