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24.12.2018

Aserbaidschan modernisiert seine Stromwirtschaft

Investitionen steigen wieder / Von Uwe Strohbach

Baku (GTAI) - In Aserbaidschans konventioneller Energieerzeugung und in der Stromverteilung sind zahlreiche Modernisierungsprojekte geplant. Zudem ist die Privatisierung kleinerer Kraftwerke vorgesehen.

Der staatliche Monopolist für die Stromerzeugung und -übertragung Azerenerji und der nationale Stromverteiler Azerishiq wollen in den kommenden drei Jahren ihre technische Infrastruktur modernisieren. Ausländische Anbieter von Ausrüstungen und Know-how für die Elektrizitätswirtschaft können von den zahlreichen Vorhaben profitieren.

Die in den Jahren 2006 bis 2017 in die Branche insgesamt geflossenen 6,1 Milliarden US-Dollar (US$) reichen noch lange nicht für eine stabile und vor allem effektive Sicherstellung der Stromversorgung im Land aus. Seit dem Jahr 2017 zeigen die Investitionen in der Strombranche nach zwei schwachen Jahren wieder nach oben.

Für 2019 erwartet die Regierung eine Stromerzeugung in Höhe von 25,5 Milliarden Kilowattstunden. Sie soll in den Folgejahren im Schnitt um jährlich 2 Prozent steigen und im Jahr 2022 rund 27,1 Milliarden Kilowattstunden erreichen.

Mehrere neue Programme und Initiativen stecken Investitionsrahmen ab

Die aktuellen und in den kommenden Jahren bis etwa 2020/2021 geplanten Modernisierungs- und Ausbauprojekte sind in folgenden Dokumenten, Programmen und Initiativen verankert:

- Strategischer Fahrplan für die Entwicklung kommunaler Dienste im Strom-, Wärme-, Wasser- und Gasversorgungssektor (Maßnahmenplan für die Jahre 2017 bis 2020 und Zukunftspläne für die Jahre danach),

- Generalplan für die Rehabilitierung der Infrastruktur des 2.400-MW-Großkraftwerks Azerbaijan Thermal Power Plant in Mingetschewir einschließlich der Modernisierung von Umspannwerken,

- Programm für die Optimierung der Stromerzeugung und Wiederinbetriebnahme gegenwärtig nicht genutzter Kapazitäten in allen Modulkraftwerken und den größeren Wärmekraftwerken Schimal (400 MW), Janub (780 MW), Sumgait (525 MW) und Sangatschal (300 MW),

- Errichtung von drei 220-Kilovolt-Umspannwerken in Baku im Rahmen des zentralen staatlichen Investitionsprogramms,

- Modernisierungsprogramm des Stromnetzbetreibers Azerishiq in Kooperation mit der Asiatischen Entwicklungsbank in drei Phasen (Gesamtkosten: etwa 1 Milliarde US$, Abschluss Phase 1 (325 Millionen US$): 2019; Start Phase 2: voraussichtlich 2020/2021),

- Errichtung eines leistungsfähigen internationalen Stromkorridors auf der Trasse Aserbaidschan-Iran-Georgien einschließlich des Baus neuer Stromleitungen und der

- Bau einer zweiten internationalen Stromleitung zwischen Yashma/Aserbaidschan und Derbent/Russland (330 kV).

Unter den langfristigen Ausbauplänen in der Stromerzeugung ragt der bis zum Jahr 2030 geplante Bau von mindestens einem 1.000-Megawatt-Großkraftwerk auf der Abscheron-Halbinsel hervor. Das Projekt ist ein wesentlicher Baustein der vom Ministerium für Energiewirtschaft erarbeiten langfristigen Strategie für die Stromversorgung im Land.

Privatisierung strategisch weniger wichtiger Stromerzeuger geplant

Die Umsetzung des Strategischen Fahrplans für die Entwicklung kommunaler Dienste sieht auch die Privatisierung von Kraftwerken vor, die für die landesweite Stromversorgung eine geringere Bedeutung haben. Eine Arbeitsgruppe, an der Experten der Gesellschaft Azerenerji und einiger Ministerien sowie internationale Berater beteiligt sind, analysiert gegenwärtig mögliche Privatisierungsobjekte. Nach Angaben des Ministeriums für Energiewirtschaft könnten vor allem die bisher vom Stromerzeuger Azerenerji betriebenen sechs kleinen Wasserkraftwerke an private Investoren veräußert werden.

Die Gesellschaft Azerenerji (http://www.azerenerji.gov.az) betreibt nach eigenen Angaben elf Wärmekraftwerke, sieben Wasserkraftwerke (mit einer installierten Kapazität von jeweils 18 bis 424 MW), einige kleine Wasserkraftwerke, 7.880 Kilometer Hochspannungsleitungen und 93 Umspannstationen in der Spannungsebene 110 bis 500 Kilovolt. Azerenerji steigerte im Jahr 2017 seine Einnahmen im Vergleich zu 2016 um 25 Prozent auf umgerechnet 589 Millionen US$, arbeitete aber weiterhin mit Verlust (350 Millionen US$). Die Investitionen in die Infrastruktur des Unternehmens betrugen 88 Millionen US$. Sie wurden fast ausnahmslos aus dem Staatshaushalt bezahlt. Angaben für 2018 liegen noch nicht vor.

Die Gesellschaft Azerishiq (http://www.azerishiq.az) ist für die Stromverteilung in Aserbaidschan mit Ausnahme der Exklave Nachitschewan zuständig. Sie unterhält in rund 70 Städten und Regionen Niederlassungen für die Lieferung und den Absatz von Strom. Azershiq beliefert mehr als 2,3 Millionen Haushalte sowie knapp 200.000 Organisationen und Unternehmen mit Elektrizität. Sie betreibt rund 700 Umspannwerke (Leistungsebene 110 und 35 Kilovolt), 52.000 Transformatorstationen und ein etwa 38.000 Kilometer langes Leitungsnetz in den Spannungsebenen 6,1 bis 110 Kilovolt. Das Gros der 2017 und 2018 realisierten Investitionen entfiel auf Modernisierungsprojekte, die die Asiatische Entwicklungsbank finanziell begleitet hat.

Die Stromerzeugung, -übertragung und -verteilung in der Autonomen Republik Nachitschewan fällt in den Kompetenzbereich des Staatlichen Energiedienstes der Republik.

Die in Aserbaidschan zum 1. Juli 2018 insgesamt installierte elektrische Erzeugungsleistung betrug 8.104 Megawatt. Davon entfielen 6.749 Megawatt auf Wärmekraftwerke, 1.060 Megawatt auf große Wasserkraftwerke, 137 Megawatt auf die kleine Wasserkraft und 158 MW auf Windkraft-, Photovoltaik und Biomassekraftwerke.

Ölgesellschaft SOCAR setzt bei Energieeffizienz auf ausländische Partner

Unter den Industrieunternehmen, die über eigene Energiekapazitäten verfügen, ragt die staatliche aserbaidschanische Ölgesellschaft SOCAR hervor. Das Unternehmen plant in den kommenden Jahren die Umsetzung mehrerer Projekte zur Steigerung der Energieeffizienz in der Produktion und Verarbeitung von Öl und Gas. Bei der Implementierung dieser Vorhaben setzt SOCAR auf eine enge Kooperation mit ausländischen Partnern. So haben die Ölgesellschaft und der deutsche Energieversorger Uniper SE, Düsseldorf, im August 2018 die Umsetzung weiterer gemeinsamer Projekte zur Erhöhung der Energieeffizienz im Öl- und Gassektor vereinbart. Beide Unternehmen kooperieren bereits seit mehreren Jahren am Standort Sumgait bei der Entwicklung von Energieeffizienz-Projekten in der Gasverarbeitung.

Kenndaten der Stromerzeugung Aserbaidschans
2014 2015 2016 2017
Installierte Kapazität (in MW) 7.353,4 7.806,7 7.910,4 7.941,5
.Wärmekraftwerke 6.233,4 6.652,8 6.726,8 6.748,0
.Wasserkraftwerke 1.077,9 1.103,4 1.105,0 1.106,4
Bruttoanlageinvestitionen (in Mio. US$) 543,2 279,9 231,4 331,2
Stromerzeugung (in Mrd. kWh) 24,7 24,7 25,0 24,3
.Gesellschaft Azerenerji 22,7 22,5 22,6 22,2
..Wärmekraftwerke 21,4 20,9 20,7 20,5
..Wasserkraftwerke (jeweils 10 MW und mehr) 1,3 1,6 1,9 1,7
.Andere Kapazitäten 2,0 2,2 2,4 2,1
Stromverbrauch (in Mrd. kWh) 16,9 17,7 17,6 17,1
Eigenverbrauch der Energiewirtschaft (in Mrd. kWh) 4,0 3,9 4,0 3,8
Verluste (in Mrd. kWh) 3,4 2,9 2,4 2,2
Import (in Mio. kWh) 124,1 107,5 114,4 107,8
Export (in Mio. kWh) 489,3 265,0 1.095,5 1.282,5

Quelle: Staatliches Statistikkomitee der Republik Aserbaidschan

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Aserbaidschan sind unter http://www.gtai.de/aserbaidschan abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Aserbaidschan Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Stromübertragung und -verteilung

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