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10.12.2018

Aserbaidschan nimmt Kurs auf erneuerbare Energien

Neues Gesetz soll private Investoren anlocken / Von Uwe Strohbach

Baku (GTAI) - Aserbaidschan investiert im Zeitraum 2018 bis 2020 rund 700 Millionen US-Dollar in grüne Energie. Ein erster großer Offshore-Windpark ist in Planung.

Durchbruch beim Gesetz zu erneuerbaren Energien in Sicht

In Aserbaidschans Energiesektor zeichnet sich eine Trendwende ab: ein Gesetz zu erneuerbaren Energien (EE) und eine investorenfreundliche Tarifpolitik stehen kurz vor dem Durchbruch. Sie dürften schon bald für einen signifikanten Aufschwung in der EE-Branche sorgen. Aserbaidschan erarbeitet mit dem internationalen Beratungsunternehmen DNL GL mit Hauptsitz in Norwegen einen entsprechenden Gesetzesentwurf. Er soll im April 2019 auf dem Tisch liegen.

Aserbaidschans bisherige und geplante EE-Projekte sind hauptsächlich öffentlich initiiert und finanziert. Da die Devisenerlöse aus dem Ölexport des am Kaspisee gelegenen Landes geschrumpft sind und es auf dem Binnenmarkt an Expertise im Bereich grüner Energie mangelt, werden dringend ausländische Investitionen und Technologien benötigt. Das neue Gesetz war lange angekündigt und immer wieder verschleppt worden. Der fehlende Rechtsrahmen und unattraktive Einspeisetarife bremsten ein privates Engagement bisher aus.

Ausländische Investoren in den Startlöchern

Wichtigster Ansprechpartner für ausländische Investoren ist die 2009 ins Leben gerufene Agentur für Alternative und Erneuerbare Energien (AREA). Sie koordiniert, reguliert und fördert die EE-Branche. Deren Tochterfirma Azalternativenerji LLC projektiert, errichtet und betreibt EE-Objekte im Auftrag der öffentlichen Hand und privater Investoren. Auch bietet sie öffentlich finanzierte und kommerzielle Beratungsleistungen an.

Laut AREA kündigten bereits mehrere ausländische Investoren ihr Interesse an einem Markteinstieg an. Unternehmen aus China, Kanada, der Türkei, den USA, Norwegen sowie arabischen und EU-Ländern haben vor allem Wind- und teilweise auch Solarenergie im Visier.

Große Windkraftprojekte nehmen Kontur an

Erste Umrisse größerer Windkraftprojekte werden sichtbar: die Gesellschaft Azalternativenerji prüft gegenwärtig ein Windkraftprojekt im Internationalen Seehafen Baku. Darüber hinaus wird aktuell eine Machbarkeitsstudie für einen ersten Offshore-Windkraftpark im Kaspisee erstellt (Projekt Wind Island-1). Mit einer installierten Kapazität von 200 Megawatt soll er zwischen der Siedlung Pirallahi und der Insel Chilov entstehen.

Internationale Kreditinstitute unterstützen grüne Energie

Ein schwimmendes 300-kW-Solarkraftwerk ist bis März 2021 auf dem Binnensee Boyuk Shor (Baku) geplant. Das Pilotprojekt ist auf 100.000 bis 200.000 US-Dollar (US$) veranschlagt und wird von der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) finanziell unterstützt. Die ADB engagiert sich auch bei der Errichtung von Biogasanlagen. Abfälle aus dem Baumwoll-, Getreide- und Haselnussanbau sollen künftig energetisch genutzt werden.

Die Weltbank und das aserbaidschanische Energieministerium vereinbarten Projekte für eine deutliche Effizienzsteigerung kleiner Wasserkraftwerke. Das Consultingunternehmen SNC-Lavalin Atkins mit Hauptsitz in Kanada wurde mit der Analyse des Marktes für Kleinwasserkraft beauftragt. Auch die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) will künftig EE-Vorhaben in Aserbaidschan unterstützen.

Geplante Investitionen in grüne Energie im Zeitraum 2018 bis 2020 *)
Sparte/Projekt Installierte Kapazität (in MW) Projektwert (in Mio. US$)
Projekte, insgesamt 420,0 678,4
.Windkraft 350,0 555,4
..Khizi 1 (Shurabad) 56,1 79,1
..Khizi 2 (Hybridkraftwerk, Windkomponente) 69,0 111,8
..Khizi 3 135,0 218,8
..Abscheron (Hybridkraftwerk, Windkomponente 55,2 89,5
..Lokbatan 26,7 43,3
..Gobustan (Hybridkraftwerk, Windkomponente) 8,0 12,9
.Solarkraft 50,0 63,0
..Surakhani 1,7 4,5
..Sumgait 1,8 4,5
..Garadagh-Sahil 1,1 3,2
..Pirallahi 1 2,2 6,8
..Pirallahi 2 7,2 7,2
..Samukh 1 0,4 1,0
..Samukh 2 7,2 7,2
..Gobustan (Hybridkraftwerk, Solarkomponente) 5,0 5,0
..Khizi 2 (Hybridkraftwerk, Solarkomponente) 10,0 10,1
..Abscheron (Hybridkraftwerk, Solarkomponente) 10,0 10,1
..Siyazan 3,4 3,4
.Bioenergie 20,0 60,0
..Aghjabedi 8,0 24,0
..Siyazan 3,0 9,0
..Hovsan Aeration 3,0 9,0
..Barda 2,0 6,0
..Samukh (Ländlicher Wohnkomplex) 2,0 6,0
..Abscheron 1,0 3,0
..Yalama 1,0 3,0

*) ohne Wasserkraft

Quellen: Strategie der Regierung Aserbaidschans für die Entwicklung der Kommunalwirtschaft (Dezember 2016), AREA

Zusätzliche 430 Megawatt an erneuerbarer Energie bis 2020 geplant

In den Jahren 2018 bis 2020 sind EE-Kraftwerke mit einer installieren Leistung von 430 Megawatt beziehungsweise einer durchschnittlichen jährlichen Elektrizitätserzeugung von rund 1,2 Milliarden Kilowattstunden geplant. Deren Projektwert beträgt circa 700 Millionen US$.

Geplanter Ausbau der regenerativen Stromerzeugung (in MW)
Sparte 2018 bis 2020 *) 2021 bis 2025 2016 bis 2030
Sparten insgesamt 430 840 925
.Windkraft 350 440 465
.Solarkraft 50 150 190
.Wasserkraft 10 220 220
.Biomasse 20 30 50

*) zum Vergleich Ist 2009 bis 2017: 275 MW, darunter Wasserkraft: 137 MW, Windkraft: 66 MW, Solarkraft: 25 MW und Biomasse/Abfallverbrennung: 37 MW

Quellen: AREA, Staatliches Statistikkomitee der Republik Aserbaidschan

MKT201812078002.14

Weichen in Richtung grüne Energie wurden früh gestellt

Aserbaidschan ist innerhalb der GUS mit seinen Schritten in Richtung alternative Energieversorgung Vorreiter. Zwar kann sich das öl- und gasreiche Land selbst mit Energie versorgen, doch ist sich dessen Führung bewusst, dass die fossilen Ressourcen endlich und deren Nutzung klimaschädlich sind. Die günstigen natürlichen Bedingungen für eine regenerative Stromerzeugung im Blick, verabschiedete die aserbaidschanische Regierung bereits 2004 ein Programm und 2012 eine Strategie für die Nutzung erneuerbarer Energien (EE).

Potenzial erneuerbarer Energien in Aserbaidschan
Energiesparte Potenzial (in MW) Anteil am Potenzial insgesamt (in %)
Erneuerbare Energien 25.350 100,0
.Windenergie 15.000 59,2
.Solaranergie 8.000 31,6
.Biomasse 900 3,5
.Geothermie 800 3,1
.Wasserkraft 650 2,6

Quelle: AREA

Im Zeitraum 2010 bis 2014 erhielt die aserbaidschanische EE-Branche mehr als 500 Millionen US$, vorwiegend öffentliche und internationale Fördergelder. Die Mittel flossen in neue institutionelle Rahmenbedingungen, Studien und kleine EE-Kraftwerke. Die für die Folgejahre geplanten Projekte wurden nach dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise 2015 gestoppt, auf Eis gelegt oder gänzlich gestrichen.

Seit dem Jahr 2017 geht es in der Energiesparte wieder aufwärts. Eine effiziente Stromversorgung unter stärkerer Nutzung erneuerbarer Energien soll Aserbaidschans Weg aus der Krise hin zu einer diversifizierten Wirtschaft bahnen. Die Ende 2016 verabschiedete Strategie für die Energie-, Wasser- und Kommunalwirtschaft bildet das Gerüst für EE-Projekte.

Kontaktadresse

State Agency for Alternative and Renewable Energy Sources of the Republic of Azerbaijan (AREA)

Kontaktpartner: Akim Badalov, Vorsitzender; Jamil Malikov, stellvertretender Vorsitzender

80 U. Hajibayov str., Government House

1000 Baku, Aserbaidschan

Tel.: +994(0)12 488 01 34, 493 15 26

Fax: +994(0)12 493 16 97

info@area.gov.az

http://www.area.gov.az

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Aserbaidschan sind unter http://www.gtai.de/aserbaidschan abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Aserbaidschan Strom-/ Energieerzeugung, Solar, Strom-/ Energieerzeugung, Wind, Strom-/ Energieerzeugung, Wasserkraft, alternative Energien

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