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03.12.2018

Aserbaidschan sucht Investoren für die Pharmaindustrie

Erste Firmen investieren 100 Millionen US-Dollar / Von Uwe Strohbach

Baku (GTAI) - Hersteller von Arzneimitteln erhalten großzügige Vorzugsbedingungen in einer Freizone für die Pharmaindustrie. Aserbaidschan baut eine eigene Produktion auf und will Importe reduzieren.

Die Regierung Aserbaidschans entwickelt eine eigene pharmazeutischen Industrie, um von Importen unabhängiger zu werden. Die Errichtung eines Gewerbeparks für die Ansiedlung von heimischen und ausländischen Herstellern von Arzneimitteln und medizinischen Verbrauchsartikeln in Pirallahi nahe der Hauptstadt Baku soll dazu einen wesentlichen Beitrag leisten. Dieses Projekt hatte die Regierung im Jahr 2016 beschlossen.

Bislang ist das Land bei der Versorgung der Bevölkerung mit pharmazeutischen Produkten nahezu ausschließlich auf Importe angewiesen. Die inländische Produktion ist vernachlässigbar. Nach Angaben des Statistikkomitees beläuft sie sich in den Jahren 2016 bis 2018 auf ein Volumen von jeweils rund 600.000 US-Dollar (US$). Unter Einbeziehung der offiziell nicht erfassten Fertigung von pharmazeutischen Erzeugnissen beträgt der jährliche Ausstoß laut Marktkennern kaum mehr als 1,5 Millionen US$.

Investoren winken sieben Jahre Steuerbefreiungen

Die Regierung will nun den Anteil der Importe am inländischen Arzneimittelabsatz zumindest tendenziell eindämmen. Bisher gibt es drei Unternehmen, die in dem neuen Gewerbepark Projekte für die Produktion von Arzneimitteln und medizinischen Verbrauchsartikeln umsetzen. Die Firmen investieren knapp 100 Millionen US$. Unter Einrechnung der Produktion in den neuen Fabriken könnte die Produktion von Arzneimitteln schon im Jahr 2019 ein Volumen von umgerechnet etwa 22 Millionen US$ erreichen, schätzt die Regierung. In der mittelfristigen Perspektive ist ein Aufkommen von bis zu 50 Millionen US$ nicht unrealistisch.

Die im Gewerbegebiet registrierten Investoren kommen in den Genuss einer großzügigen öffentlichen Förderung. Sie zahlen für einen Zeitraum von sieben Jahren keine Gewinn-, Grund- und Vermögensteuer. Importierte Ausrüstungen für den Eigenbedarf werden nicht mit der Mehrwertsteuer belastet. Für solche Importe fallen auch keine Zölle an.

Für ein Engagement in der aserbaidschanischen Pharmaindustrie sprechen folgende Faktoren: Die Größe des Marktes mit zehn Millionen Einwohnern, die anhaltende Dynamik in der Bevölkerungsentwicklung, die generelle Zunahmen typischer Volkserkrankungen im Land und das große Apothekennetz mit mehr als 2.000 Einheiten.

Mehrere neue Arzneimittelfabriken vor dem Start

Von den geplanten Gesamtinvestitionen im Gewerbepark Pirallahi entfallen allein circa 74 Millionen US$ auf das russisch-aserbaidschanische Joint Venture Hayat Pharm. Dessen Partner sind die Unternehmen R-Pharm (Russland), Vita A und AIC (Azerbaijan Investment Company; beide Aserbaidschan). Die ersten Fertigungslinien werden voraussichtlich Anfang 2019 in Betrieb genommen. Die jährliche Kapazität des Gemeinschaftsunternehmens soll künftig 22,5 Millionen Packungen beziehungsweise 500 Millionen Tabletten für verschiedenste Indikationen betragen.

Die iranische Gesellschaft Tamin Pharmaceutical Investment Company (TPICO) und die aserbaidschanischen Unternehmen Azersun Holding und Azerbaijan Investment Company investieren circa 21 Millionen US$ in die neue Arzneimittelfabrik Caspian Pharmed. Das Gemeinschaftsunternehmen, an dem der iranische Partner 49 Prozent der Anteile hält, will ebenfalls im Jahr 2019 mit der Produktion beginnen. Das Gesamtprojekt soll in drei Phasen umgesetzt werden. In der ersten Etappe startet die Produktion von Tabletten und Kapseln mit einer jährlichen Kapazität von 200 Millionen Einheiten. In den Phasen zwei und drei sollen Linien für die Herstellung von Ampullen, Flakons und Antibiotika installiert werden.

Der lokale Investor Diamed Co errichtet in Kooperation mit der Azerbaijan Investment Company für circa 4 Millionen US$ eine Fabrik für die Herstellung von Einwegspritzen. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2018 avisiert.

Mehrere Arzneimittelhersteller, darunter aus Belarus, Bulgarien, der Ukraine und Indien, sondieren gegenwärtig ihre Chancen für ein Direktengagement in Aserbaidschan: Das ukrainische Unternehmen CSJ Indar erwägt zum Beispiel die Produktion von Infusions- und Injektionslösungen. Der indische Arzneimittelhersteller strebt die Umsetzung eines größeren Kooperationsprojektes mit der aserbaidschanischen Gilan Holding an.

Arzneimittelimporte ziehen wieder an

Die Importe von Arzneimitteln zeigen nach einem starken Einbruch im Jahr 2016 infolge einer massiven Abwertung der Nationalwährung, des Aserbaidschan-Manat, gegenüber dem US-Dollar seit 2017 wieder sichtlich nach oben. Dieser Trend dürfte sich auch 2019 fortsetzten.

Zu den wichtigsten Lieferländern von Arzneimitteln, gemessen am wertmäßigen Import, gehören die Türkei (2016/2017: im Schnitt 20 Millionen US$), Deutschland und die Schweiz (jeweils rund 18 Millionen US$). Das Gros der mengenmäßigen Einfuhren kommt aus Russland (2016/2017: im Schnitt 3.240 Tonnen) und der Ukraine (2.790 Tonnen). Im Import von pharmazeutischen Präparaten engagieren sich mehr als 50 Unternehmen. Die Gesellschaften Zeferan und Zeytun betreiben die landesweit größten Apothekenketten.

Entwicklung der offiziell registrierten Importe von pharmazeutischen Erzeugnissen
2014 2015 2016 2017 2018*)
Importe (in Mio. US$) 225,9 270,7 195,4 249,0 179,0
Nominale Veränderung zum Vorjahr (in %) -9,6 19,8 -27,8 27,4 45,1
Anteil am Gesamtimport Aserbaidschans (in %) 2,5 2,9 2,3 2,9 2,6

*) Januar bis August

Quelle: Staatliches Komitee für Statistik Aserbaidschans

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Aserbaidschan sind unter http://www.gtai.de/aserbaidschan abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Aserbaidschan Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein

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