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07.01.2019

Aserbaidschan treibt Projekte im Transportsektor voran

Straßen und Bahnstrecken auf dem Nord-Süd- und Ost-West-Korridor werden ausgebaut / Von Uwe Strohbach

Baku (GTAI) - Aserbaidschan will verstärkt vom Gütertransit auf internationalen Korridoren profitieren. Dafür investiert das Land bis 2022 allein 1 Milliarde US-Dollar in die Bahninfrastruktur.

Trotz gesunkener Erlöse aus dem Öl- und Gasexport setzt die Regierung Aserbaidschans prioritäre Projekte im Transportsektor weiter um. Dies gilt in erster Linie für den Straßen- und Bahnausbau auf den Korridoren Nord-Süd und Ost-West. Die Errichtung moderner Logistikzentren und Investitionen in die Handelsflotte stehen ebenfalls auf der Projektliste. Alle diese Vorhaben haben ein Ziel: Aserbaidschan will sich zu einer attraktiven Drehscheibe für den Transit-Güterverkehr entwickeln.

Große Straßenbauprojekte liegen auf internationalen Trassen

Vor allem zwei große Projekte prägen das aktuelle Geschehen im Straßenbau: der Bau einer neuen Trasse von Baku zur russischen Grenze über Guba und die Errichtung des westaserbaidschanischen Abschnitts der Ost-West-Fernstraße M2 von der zweitgrößten aserbaidschanischen Stadt Gandscha bis zur georgischen Grenze.

Der Start für den Bau der vierspurigen Schnellstraße Baku (Siedlung Haci Zeynalabdin Tagiyev)-Guba-Grenze zu Russland erfolgte im Frühjahr 2018. Die Straße hat eine Länge von 92 Kilometern, unter Einschluss von Auffahrten, Unterführungen und Umgehungstrassen von 157 Kilometern. Für das Projekt stellte die Regierung im Jahr 2018 Haushaltsmittel in Höhe von 150 Millionen US-Dollar (US$) bereit. Alle vier Teilabschnitte der Trasse sollen bis Ende 2020/Anfang 2021 fertiggestellt werden.

Im 1. Halbjahr 2019 erfolgt der Startschuss für den bis 2021 geplanten Bau des 130 Kilometer langen Straßenabschnitts von Gandscha bis zur Grenze zu Georgien. Es umfasst den Ausbau von Straßen mit einer Gesamtlänge von 59 Kilometern zu vierspurigen Fahrbahnen und den Bau von 69 Kilometern Umgehungsstraßen. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) will das Projekt finanziell begleiten. Mittel in Höhe von bis zu 500 Millionen US$ stehen hierfür aus einem im Jahr 2011 zugesagten, aber nicht abgerufenen Straßenbau-Darlehen bereit.

In den Jahren 2019 und 2020 werden nach offiziellen Angaben im Land insgesamt etwa 2.000 Kilometer Fern-, Haupt- und Nebenstraßen instand gesetzt, modernisiert oder gebaut. Der Straßenbau in Aserbaidschan liegt im Kompetenzbereich der Staatlichen Agentur für das Straßenwesen AzerAvtoYol (http://www.aayda.gov.az).

Bahnprojekte schließen Lücken auf der Nord-Süd-Route

Die Investitionen der Eisenbahn konzentrieren sich in den Jahren 2019 bis etwa 2021 auf drei Trassen des Nord-Süd-Bahnkorridors:

- Rascht-Astara in Iran (circa 170 Kilometer; Mitfinanzierung durch die Regierung Aserbaidschans mit einem Darlehen über 500 Millionen US$),

- Baku-Yalama/Grenze zu Russland (192 Kilometer) und

- Baku-Astara/Grenze zu Iran (etwas mehr als 300 Kilometer; Modernisierung und Teilverlegung der Strecke)

Eine kleine Teiltrasse des Korridors zwischen den Grenzstädten Astara (Iran) und Astara (Aserbaidschan) wurde im Frühjahr 2018 in Betrieb genommen. Die Aserbaidschanische Eisenbahn (http://www.ady.az) wird die Bahn- und Frachtterminals im iranischen Astara für einen längeren Zeitraum betreiben und kündigte Investitionen in die Terminals von 60 Millionen US$ an.

Bei der Strecke Astara-Rascht handelt es sich um ein noch fehlendes Teilstück des Nord-Süd-Korridors INSTC (International North-South Transport Corridor). Der mehr als 7.000 Kilometer lange Korridor verbindet Russland mit einer Bahntrasse über Iran sowohl mit den Häfen im Persischen Golf als auch mit dem Bahnnetz Indiens. Er kann sich zu einer wichtigen Transportverbindung zwischen China und der neuen Bahnverbindung von Baku nach Kars (Türkei) via Tiflis (Georgien) entwickeln. Nach Fertigstellung des Korridors könnten auf der Trasse in einer ersten Phase jährlich bis zu 6 Millionen Tonnen Güter und in der Perspektive bis zu 20 Millionen Tonnen Güter von Asien in Richtung Russland via Iran und Aserbaidschan transportiert werden, heißt es in einer Meldung der Aserbaidschanischen Eisenbahn.

Neue international kofinanzierte Großprojekte im Eisenbahntransport *)
Projektbezeichnung Investitionen (Mio. US$) Zeitraum der Realisierung Anmerkung/Ansprechpartner
Modernisierung der doppelgleisigen Bahntrasse Yalama/Grenze zu Russland-Sumgait (167 km) 325 2019 bis 2022 Aserbaidschanische Eisenbahn (ADY), Kofinanzierung durch die Asiatische Entwicklungsbank (150 Mio. US$) und Französische Entwicklungsagentur/Agence Francaise De Développement (100 Mio. US$)
Umfassende Reform der Eisenbahn (Neustrukturierung, Tarifreform, Implementierung eines ERP-Systems und der International Financial Reporting Standards (IFRS)-Rechnungslegung) 325 2019 bis 2022 Aserbaidschanische Eisenbahn (ADY), Kofinanzierung durch die Asiatische Entwicklungsbank (250 Mio. US$) und die Französische Entwicklungsagentur (75 Mio. US$)

*) Projekte des zwischen der Regierung Aserbaidschans und der Asiatischen Entwicklungsbank vereinbarten Azerbaijan Railway Sector Development Program

Quelle: Azerbaijan Railway Sector Development Program

Die Aserbaidschanische Eisenbahn investiert im gesamten Zeitraum 2010 bis 2022 etwa 4,9 Milliarden US$ in den Gleisbau und rollendes Material. Sie betreibt die Transport- und Logistikdienstleister ADY Express (http://www.adyexpress.az) und ADY Container (intermodale Containertransporte; http://www.adycontainer.com).

Zweite Ausbauphase des neuen Seehafens Aljat mittelfristig geplant

In Aljat, südlich von Baku, wurde im Mai 2018 ein neuer internationaler Seehafen in Betrieb genommen (http://www.portofbaku.com). Dieser soll nicht nur den bisherigen Hafen in Baku ersetzen, sondern schrittweise zum größten Seehafen am Kaspischen Meer und zu einem zentralen Umschlagplatz ausgebaut werden. Die jährliche Umschlagkapazität beträgt nach der abgeschlossenen ersten Ausbauphase 15 Millionen Tonnen Frachten inklusive 100.000 Standardcontainer (TEU). Die jährliche Umschlagkapazität soll in einer späteren Phase auf bis zu 25 Millionen Tonnen inklusive 500.000 Standardcontainer ausgebaut werden. Einen Termin für den Hafenausbau gibt es nicht. Die Fortsetzung des Projekts hängt von der Entwicklung des Frachtaufkommens in den kommenden Jahren ab.

Der Frachtumschlag des Hafens Baku/Aljat betrug im Jahr 2018 knapp 4 Millionen Tonnen (ohne Ölterminal) einschließlich etwa 21.000 Standardcontainern gegenüber 4,4 Millionen Tonnen und 15.300 Standardcontainern im Vorjahr. In den Jahren 2016 und 2017 wurden in den vier aserbaidschanischen Häfen in Baku, Astara, Lankaran und Sumgait 9,1 Millionen beziehungsweise 10,8 Millionen Tonnen Fachten umgeschlagen.

Handelsflotte investiert bis 2028 etwa 1,5 Milliarden US$

Aserbaidschans Reederei, die Azerbaijan Caspian Shipping Company (CASPAR; http://www.acsc.az), will in den Jahren 2018 bis 2027 rund 1,5 Milliarden US$ in den Flottenausbau investieren. Die Beschaffung von 72 Schiffen im In- und Ausland soll sowohl aus Eigenmitteln als auch aus staatlichen Geldern finanziert werden.

Die Reederei verfügt mit 33 Tankern, 16 Massengutfrachtern, 13 Fähren und zwei Ro-Ro-Schiffen über die größte Handelsflotte im Kaspisee. Auf internationalen Gewässern (Schwarzes, Asowsches und Mittelmeer) betreibt die Reederei elf Trockengutfrachter und zwei Tankschiffe. Die Fähren steuern die kasachischen Häfen Aktau und Kuryk und den turkmenischen Hafen Turkmenbaschi an. Die Ro-Ro-Schiffe bedienen Routen nach Aktau und Turkmenbaschi. Die Massengutfrachter transportieren Güter hauptsächlich aus Russland und Kasachstan nach Iran. Auf Zuwachs zeigen die Seetransporte von der Türkei nach Kasachstan.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Aserbaidschan sind unter http://www.gtai.de/aserbaidschan abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Aserbaidschan Transport und Verkehr, allgemein

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‎+49 228 24 993 268

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