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14.03.2017

Aserbaidschan tritt beim Straßenbau auf die Bremse

Stopp von gemeinsam mit EBWE und ADB geplanten Projekten / Bauunternehmen leiden unter Auftragsflaute / Von Fabian Nemitz

Baku (GTAI) - Internationale Geberorganisationen unterstützen Aserbaidschan beim Ausbau und bei der Instandsetzung von Straßen. Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen und finanziellen Lage ist die Regierung in Baku aber gezwungen, Projekte aufzuschieben. Dies betrifft mit der EBWE und ADB geplante Vorhaben. An verschiedenen Streckenabschnitten laufen die Arbeiten aber weiter. Lokale Baufirmen spüren die Auftragsflaute und richten ihren Blick verstärkt auf Auslandsmärkte. (Kontaktanschriften)

Knappere öffentliche Kassen, die schwierige Wirtschaftslage und die Abwertung der lokalen Währung verzögern in Aserbaidschan die Umsetzung von Straßenbauprojekten. Wie Jamil Rustamkhanli, der stellvertretende Vorsitzende der staatlichen Straßenbaubehörde Azeravtoyol, im Gespräch mit Germany Trade & Invest mitteilte, beschloss die Regierung, ein gemeinsam mit der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) geplantes Projekt für den Ausbau von Strecken an der Ost-West-Straßenverbindung M2 von Aljat über Gjandscha und Gasach (Qazax) zur georgischen Grenze vorerst auf Eis zulegen.

Rustamkhanli zufolge stand ein Investitionsvolumen von 500 Mio. US$ im Raum. Angesichts der wirtschaftlichen Probleme wolle die Regierung die Kreditlast in Fremdwährung vorerst nicht weiter erhöhen. Sobald sich die Wirtschaftslage ab 2018 dank des erwarteten Förderbeginns am Gasfeld Shah Deniz 2 und der Inbetriebnahme der Ost-West-Bahnstrecke Baku-Tiflis-Kars (BTK) verbessere, könne der Ausbau aber wieder in Angriff genommen werden.

Die EBWE unterstützt den Straßenbau in Aserbaidschan im Rahmen des 2011 vereinbarten "Roads Reconstruction and Upgrading Project". Dieses sieht drei Tranchen à 250 Mio. $ vor. Im Dezember 2015 hatte die aserbaidschanische Regierung bei der EBWE noch um die Verwendung der zweiten und dritten Kredittranche für den vierspurigen Ausbau des 130 km langen Teilstücks der M2 von Gjandscha, der zweitgrößten Stadt Aserbaidschans, zur georgischen Grenze angefragt. Ursprünglich war die zweite Tranche für die Instandsetzung der Strecke Bahramtepe-Bilesuvar (156 km) bestimmt. Mit der ersten Tranche wurde der Ausbau der Trasse von Mingacevir nach Bahramtepe (156 km) finanziert.

Aserbaidschan stoppt Straßenbauprojekt mit ADB

Zu Verzögerungen kommt es auch bei einem mit der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) geplanten Projekt. Im März 2016 hat die aserbaidschanische Regierung das "Third Road Network Development Program" gestoppt. Dieses sah die Instandsetzung und den Ausbau von mehr als 150 km wichtigen Trassen sowie Brücken und lokalen Straßen entlang des Ost-West-Korridors von Baku über Schamachi (Samaxi) nach Yevlax (M4) sowie von Scheki (Seki) zur georgischen Grenze (M5) vor.

Stattdessen fragte die aserbaidschanische Regierung die ADB um Unterstützung bei Projekten im Eisenbahnsektor an, denen sie aktuell eine größere Priorität beimisst. Laut Presseberichten will die ADB am 15.4.17 über einen 200 Mio. $ Kredit für die Finanzierung des Nord-Süd-Bahnkorridors entscheiden.

Weitere Projekte der ADB im Straßenbau laufen jedoch noch. Im Rahmen des seit 2007 aktiven "Road Network Development Program" wird mit der dritten Kredittranche der Ausbau der Straße von Masalli nach Astara (M3; Teil des Nord-Süd-Korridors von Russland in den Iran) finanziert. Mit Hilfe der vierten Tranche (45 Mio. $) erfolgt die Instandsetzung von vier Brücken und 30 km Landstraßen in den Gebieten um Ganja und Gasach.

Im Rahmen des seit 2012 laufenden "Second Road Network Development Program" erfolgt die Sanierung der Straße von Masalli und Schorsulu (M3). Laut Aussage von Jamil Rustamkhanli sollen Streckenabschnitte der M3 künftig mautpflichtig werden. Dies gelte auch für Teilstücke der Trasse von Baku nach Samur (Grenze zu Russland; M1).

Weltbank stellt zusätzliche Gelder bereit

Auch die Weltbank unterstützt Aserbaidschan bei Straßenbauprojekten. Im Rahmen des seit 2010 aktiven "Third Highway Project" finanziert sie den Ausbau und die Instandsetzung der Strecken Baku-Schamachi (Samaxi, M4, 94 km) und Yenikend-Schorsulu (M3, 48 km). Wie die Weltbank im Februar 2017 mitteilte, sind von der Strecke Baku-Samaxi bereits 66 km und von der Straße Yenikend-Shorsulu 23 km fertiggestellt. Bis Ende 2019 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Das Gesamtvolumen des Projekts umfasst 356,2 Mio. $. Hiervon stellt die Weltbank 241,6 Mio. $ bereit. Im März 2016 hatte die Bank ihr Engagement um 140 Mio. $ aufgestockt. Laut Jamil Rustamkhanli laufen aktuell Tender für die Strecke Baku-Samaxi.

Bauunternehmen leiden unter rückläufigen Aufträgen

Aserbaidschanische Bauunternehmen spüren die aktuelle Flaute im Straßenbau und richten ihren Blick verstärkt auf Auslandsmärkte, vor allem in Nachbarregionen wie Zentralasien. Hierzu zählen die Firmen Azvirt (http://www.azvirt.com) und Akkord (http://www.akkord.az). Neben den aserbaidschanischen Firmen sind vor allem türkische Straßenbauer in der Kaukasusrepublik tätig. Erwähnenswert ist das Engagement der deutschen Firma Kocks Ingenieure (http://www.kocks-ing.de) als Planer und Consultant bei verschiedenen Projekten. Die Firma Azvirt wurde 1995 als aserbaidschanisch-deutsches Gemeinschaftsunternehmen mit Wirtgen als Projektpartner gegründet.

Azeravtoyol ist zuständige Straßenbaubehörde

Für den Straßenbau in Aserbaidschan ist das staatliche Unternehmen Azeravtoyol zuständig. Es ist direkt dem Präsidenten der Republik unterstellt. Bis Ende 2015 fiel der Straßenbau in den Zuständigkeitsbereich des Transportministeriums. Letzteres wurde im Februar 2017 mit dem Ministerium für Kommunikation zum Ministerium für Transport, Kommunikation und Hochtechnologien zusammengelegt.

Im Jahr 2016 wurden laut Azeravtoyol insgesamt 880 km Straßen, darunter 323,5 km Nationalstraßen, 463,6 km Straßen im ländlichen Raum sowie 92,9 km Straßen in Baku instandgesetzt und ausgebaut. Hinzu kamen der Neubau von 14 und die Sanierung von acht Brücken.

Ausschreibungen

Alle Ausschreibungen im Straßenbau in Aserbaidschan werden auf dem Portal http://www.tender.gov.az veröffentlicht.

Kontaktanschriften

Azeravtoyol

R. Ismayilov kücesi 2025

Binaqadi rayonu, Bileceri qesebesi, 1117 Baku

Tel.: 00994 12/406-96 77, Fax: -97 02

E-Mail: HYPERLINK "mailto:info@azeravtoyol.gov.az" info@azeravtoyol.gov.az, Internet: HYPERLINK "http://www.azeravtoyol.gov.az" http://www.azeravtoyol.gov.az

Ansprechpartner: Jamil Rustamkhanli (Deputy Chairman and Chief of Investment Unit)

Tel.: 00994 12/406 96 85, Mobil: 00994 55/555 36 55

E-Mail: cemil_rustamkhanli@yahoo.com

Azvirt

B. Bunyatov str. 26 B, Bakikhanov, 1040 Baku

Direktor: Kamil Aliyev

Tel.: 00994 12/565 55 02

E-Mail: kaliyev@azvirt.com, Internet: http://www.azvirt.com

(N.M.)

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Aserbaidschan Straßen-, Brücken- und Tunnelbau

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