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17.03.2017

Aserbaidschan verbessert Bedingungen für Gütertransit

Transitrat schafft mehr Transparenz / Internationale Kooperation beim Aufbau der Transportkorridore / Von Fabian Nemitz

Baku (GTAI) - Aserbaidschans Lage an der Kreuzung eurasischer Verkehrskorridore birgt großes Potenzial für den Gütertransit. Der Kaukasusstaat investiert daher in den Ausbau seiner Transportinfrastruktur. Wichtig ist jedoch auch ein verbessertes Regelsystem für den Warenverkehr. Der 2015 gegründete Transitrat schafft mehr Transparenz und fördert die Zusammenarbeit mit den Anrainerländern der Transportkorridore. (Kontaktanschriften)

Über die Infrastrukturentwicklung hinaus besteht in Aserbaidschan Verbesserungsbedarf beim Geschäftsumfeld und den Bestimmungen für den Gütertransit. Dem soll der Ende 2015 gegründete Coordinating Council on Transit Freight (Transitrat; http://www.transit.az) Rechnung tragen. Dessen Schaffung liegt der Präsidentenerlasses Nr. 655 vom 21.10.15 zugrunde. Den Ratsvorsitz hält Wirtschaftsminister Shahin Mustafayev. Mitglieder sind unter anderem das Zollkomitee, die staatliche Eisenbahngesellschaft, die Schifffahrtsgesellschaft Caspian Shipping und der Hafen Baku. Der Transitrat bildet eine Brücke zwischen der Privatwirtschaft und den staatlichen Akteuren. Er fungiert als Ansprechpartner bei Problemen. Weitere Aufgaben sind die Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern beim Aufbau der internationalen Transportkorridore und die Vermarktung Aserbaidschans als Transitland.

Transitrat setzt Transporttarife fest

Laut Aussage von Elchin Ahmadov, dem Büroleiter des Transitrats, gegenüber Germany Trade & Invest behinderten in der Vergangenheit mangelhafter Service sowie häufig geänderte und unklare Transporttarife den Transit. In einem ersten Schritt setzte der Rat deshalb im Dezember 2015 verbindliche Tarife fest. Diese betreffen die Preise für die Fähren von den Häfen Aljat und Baku nach Aktau (Kasachstan) und Turkmenbaschi (Turmenistan) sowie den Transport von Ölprodukten per Bahn und See. Haupttransitgüter in Aserbaidschan sind Öl und Ölprodukte.

Wichtige Transportkorridore verlaufen über Aserbaidschan

Der Ausbau des Transportsektors ist ein Schlüsselelement der aserbaidschanischen Regierung zur Diversifizierung der Wirtschaft. Laut Javid Gurbanov, dem Chef der aserbaidschanischen Eisenbahn, könnte der Gütertransport jährlich ein Volumen von 2,5 Mrd. US$ erreichen, sollte das Frachtvolumen auf 50 Mio. t ausgeweitet werden. Hierbei spielt Aserbaidschan seine günstige geografische Lage zu. Zwei wichtige internationale Transportkorridore queren das Land. Die Transkaspische Internationale Transportroute (TITR) schafft eine Verbindung von der VR China über Kasachstan, Aserbaidschan und Georgien nach Europa und in die Türkei. Die Nord-Süd-Route verläuft von Russland über Aserbaidschan und den Iran an den Persischen Golf. Von dort besteht die Möglichkeit zum Seetransport in die Golfanrainerstaaten sowie nach Indien und Pakistan.

Profitieren dürften die Korridore künftig von der wiederbelebten Großen Seidenstraße. Diesem Ziel dient auch die von der EU 1993 ins Leben gerufene TRACECA-Initiative (Transport Corridor Europe-Caucasus-Asia), die ihren Hauptsitz in Baku hat. Hinzu kommt der Vorteil des Zeitgewinns beim Transport über Land gegenüber dem günstigeren, aber längeren Seeweg.

Zusammenarbeit mit internationalen Partnern zur Förderung der TITR

Um die Transportkorridore für den Gütertransport attraktiver zu gestalten, arbeitet Aserbaidschan mit den Anrainerländern zusammen. Im Oktober 2016 gründete das Kaukasusland mit Georgien und Kasachstan den Internationalen Verband der TITR mit Sitz in der kasachischen Hauptstadt Astana. Der Verband koordiniert und harmonisiert die Transit- und Tarifpolitik.

Bereits im April 2016 war ein Konsortium gegründet worden aus der ADY Express (Tochter der aserbaidschanischen Eisenbahngesellschaft), ACSC Logistics (Tochter der aserbaidschanischen Schifffahrtsgesellschaft Caspian Shipping Company), KTZ Express (Tochter der kasachischen Eisenbahn) und Trans Caucasus Terminals (Tochter der georgischen Eisenbahn). Die Partner wollen das Transportaufkommen auf der TITR bis 2020 auf 13,5 Mio. t Fracht und 300.000 Container steigern. Sie starteten zudem eine Zusammenarbeit mit dem Projekt Viking Train (Transporte vom Baltikum ans Schwarze Meer) sowie mit Turkmenistan und der Türkei.

Erster Testzug aus VR China im August 2015 in Aserbaidschan eingetroffen

Im August 2015 traf ein erster Testzug aus der Stadt Shihezi (VR China, autonomes Gebiet Xinjiang) nach sechs Tagen Fahrt über Kasachstan und das Kaspische Meer im Hafen Aljat ein. Für die gesamte Strecke bis Europa braucht der "Nomad Express" laut Pressemeldungen nur zehn bis zwölf Tage.

Nachteil der TITR gegenüber der weiter nördlich verlaufenden Landroute über Kasachstan und Russland ist, dass über das Kaspische Meer verschifft werden muss. Andererseits kann auf dieser Route Russland umgangen werden - ein Vorteil angesichts der aktuellen Handelssanktionen zwischen Russland, dem Westen und der Ukraine.

Impulse für die TITR erhofft sich Aserbaidschan vor allem durch die Fertigstellung der Bahnstrecke Baku-Tiflis-Kars (BTK, 826 km), die einen durchgehenden Bahnkorridor von Aserbaidschan nach Europa ermöglicht. Nach zahlreichen Verzögerungen soll die Strecke bis Ende 2017 in Betrieb gehen.

Entwicklung des Nord-Süd-Bahnkorridors

Großes Transitpotenzial sieht Aserbaidschan in der Nord-Süd-Route. Das Ende der Iran-Sanktionen hat dem Projekt neuen Schwung verliehen. Weiteren Auftrieb dürfte der Korridor erhalten, wenn der für einen durchgehenden Bahnverkehr noch fehlende, rund 150 km lange Streckenabschnitt zwischen den iranischen Städten Rasht und Astara fertiggestellt ist. Erste Testfahrten auf der Nord-Süd-Verbindung wurden bereits gestartet. Genutzt werden kann die Strecke dabei auch in Kombination mit der Ost-West-Verbindung. Im März 2017 vereinbarte das Kaukasusland mit dem Iran und Russland für diese Trasse eine Senkung der Eisenbahntarife um 50%.

Laut einem Bericht der Zeitung DVZ arbeitet Trans-Eurasia Logistics (http://www.trans-eurasia-logistics.com), ein Joint-Venture der Deutschen Bahn und der Russischen Eisenbahnen, an einem multimodalen Angebot für den Containerverkehr zwischen Europa und dem Iran. Der Transport erfolgt dabei über das Schwarze Meer, Georgien und Aserbaidschan. Ein regelmäßiger Verkehr soll dem Bericht zufolge im 1. Quartal 2017 aufgenommen werden.

Überblick Transportsektor in Aserbaidschan
Aserbaidschan
Fläche (in qkm) 86.600
Straßennetz (befestigt, in km) 18.882 1)
Schienennetz (in km) 2.068 1)
Containerhäfen (Anzahl) 2 2)
.Frachtumschlag an den Häfen (in Mio. t) 6,6 3)
Frachtflughäfen (Anzahl) 1 4)
.Frachtumschlag Flughäfen insgesamt (in Tsd. Tonnen) 129,0 3)
Wichtige Verkehrsknotenpunkte Baku, Aljat, Astara (Grenze zu Iran), Gjandscha, Samur/Yalama (Grenze zu Russland), Yevlax
Anteil des Transportsektors am BIP (in %) 2010: 5,6; 2015: 5,4

1) Angabe für 2016; 2) die Häfen Baku und Aljat verfügen über Kapazitäten zur Abfertigung von Containern; 3) Angabe für 2015; 4) der internationale Flughafen in Baku verfügt über ein eigenes Frachtterminal

Quellen: Statistikamt Aserbaidschan; Recherchen von Germany Trade & Invest

Kontaktanschriften

Transitrat (Coordinating Council of the Republic of Azerbaijan on Transit Freight)

Khojaly avenue 37, Demirchi Tower, 1025 Baku, Azerbaijan

Büroleiter: Herr Elchin Ahmadov

Tel.: 00994 12/488 80-38, Fax: -48, Mobil: 00994 55/786 29 00

E-Mail: eahmadov@transit.az, Internet: http://www.transit.az

TRACECA National Secretariat of Azerbaijan

General Aliyarbekov str. 8/2, 1005 Baku, Azerbaijan

Büroleiter: Herr Akif Mustafayev

Tel.: 00994 12/493 37 76, Fax: -493 37 76, -498 64 26

E-Mail: akif.m@ps.traceca-org.org, Internet: http://www.traceca-org.org

(N.M)

Dieser Artikel ist relevant für:

Aserbaidschan Transport und Verkehr, allgemein, Straßen-, Brücken- und Tunnelbau, Infrastruktur, Schienenverkehr, Sonstige Wirtschaftspolitik

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‎+49 228 24 993 268

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