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24.12.2018

Aserbaidschan will Agrarproduktion kräftig ausweiten

Ziele sind hohe Selbstversorgung und Exporte / Von Uwe Strohbach

Baku (GTAI) - Aserbaidschan setzt Ausbauprogramme für die Produktion von Nahrungsgütern um. Die Projekte versprechen ausländischen Firmen Liefer-, Investitions- und Kooperationschancen.

Den Ausbau der Landwirtschaft hat die Regierung Aserbaidschans in ihrem 2016 beschlossenen Fahrplan zur Bewältigung der Wirtschaftskrise zu einem ihrer wirtschaftspolitischen Ziele erklärt. Nicht ohne Grund: Ein Großteil des Potenzials in der Agrarproduktion liegt brach. Der Import von Nahrungsgütern übersteigt den entsprechenden Export um rund das 2,5fache. Dabei könnte das Verhältnis auch umgekehrt sein.

Die in den letzten Jahren verabschiedeten und noch einige geplante Programme für den Ausbau der Produktion und Verarbeitung agrarischer Erzeugnisse sollen zu einer besseren Selbstversorgung mit Nahrungs- und Genussmitteln und zu mehr Ausfuhren im Nicht-Ölsektor beitragen. Die Ausbauinitiativen betreffen Produktgruppen wie Nüsse, Zitrusfrüchte, Tee, Reis, Tabak, Wein, die tierische Produktion und die Fischwirtschaft.

Aserbaidschanische Haselnüsse sind neben Öl und Gas Exportschlager

Haselnüsse zählen heute zu den Hauptexportgütern Aserbaidschans außerhalb der Öl- und Gaswirtschaft. Die Ausfuhren legten 2017 im Vergleich zu 2016 um 30 Prozent auf 20.800 Tonnen zu und waren vor allem für Abnehmer in Italien (9.000 Tonnen), Russland (6.400 Tonnen) und Deutschland (3.100 Tonnen) bestimmt. Im 1. Halbjahr 2018 stiegen die Ausfuhren um 34 Prozent auf 6.700 Tonnen. Die wertmäßige Exporte beliefen sich 2017 auf 114,5 Millionen US-Dollar (US$). Branchenkenner erwarten schon für die nahe Zukunft ein jährliches Exportvolumen von etwa 150 bis 200 Millionen US$.

Die Anbauflächen für Haselnussbäume (Plantagen insgesamt) sollen bis zum Jahr 2022 auf mindestens 80.000 Hektar steigen. Das Ergebnis dürfte angesichts der großen Zuwachsraten in den Jahren 2016 und 2017 höher ausfallen. Hauptanbaugebiete sind die Regionen Gakh-Zagatala, Khachmaz, Gabala-Oghuz und Balakan.

Anbauflächen und Ernteaufkommen in der Sparte Haselnüsse (Plantagen)
2014 2015 2016 2017
Anbauflächen (in ha) 30.600 32.700 55.300 67.700
.Anbauflächen im Ertrag 25.200 27.300 31.800 35.800
Produktion (in t) 30.000 32.600 34.300 45.500

Quelle: Staatliches Statistikkomitee der Republik Aserbaidschan

Verdoppelung der Produktion von Zitrusfrüchten avisiert

Das Ausbauprogramm in der Sparte Zitrusfrüchte sieht eine Verdoppelung der jährlichen Produktion bis zum Jahr 2025 auf 100.000 Tonnen gegenüber 52.000 Tonnen im Jahr 2017 vor. Ein Teil des künftigen Aufkommens ist für Exportmärkte bestimmt. Die Hauptanbaugebiete für Mandarinen, Apfelsinen, Zitronen und Feijoa (Brasilianische Guave) sind die Regionen Lankaran, Astara und Masally im Südwesten des Landes sowie die Region Ordubad in der Autonomen Republik Nachitschewan.

Anbauflächen und Ernteaufkommen in der Sparte Zitrusfrüchte (Plantagen)
2014 2015 2016 2017
Anbauflächen im Ertrag (in ha)
.Mandarinen 1.100 1.200 1.500 1.600
.Feijoa 1.000 1.100 900 1.000
.Zitronen 400 400 400 400
.Apfelsinen 100 100 200 200
Produktion (in t)
.Mandarinen 26.500 29.500 39.200 35.200
.Feijoa 11.700 12.800 9.600 9.200
.Zitronen 4.000 4.200 4.600 4.600
.Apfelsinen 1.600 2.000 3.000 3.000

Quelle: Staatliches Statistikkomitee der Republik Aserbaidschan

Produktionskomplex für die Verarbeitung von Granatäpfeln geplant

Ambitionierte Pläne hegt die Kaukasusrepublik in der Produktsparte Granatäpfel. In den Jahren 2019 bis 2021 ist die Errichtung eines Produktionskomplexes für etwa 15 Millionen US$ geplant, berichtet der Aserbaidschanische Verband der Hersteller und Exporteure von Granatäpfeln. Das Projekt umfasst den Bau von zwei Fabriken für die Herstellung von Granatapfelkonzentrat und -säften sowie von zwei weiteren Produktionsstätten für die Verarbeitung von Schalen und Samen.

Die Produktion von Granatäpfeln hat sich im Zeitraum 2012 bis 2017 von 82.500 Tonnen auf 156.800 Tonnen fast verdoppelt. Hauptabsatzmarkt für aserbaidschanische Granatäpfel ist bislang Russland. Ab 2019 wollen die Produzenten unverarbeitete Granatäpfel auch verstärkt in Länder der EU exportieren, unter anderem nach Deutschland, Frankreich und Polen.

Anbauflächen und Ernteaufkommen in der Sparte Granatäpfel (Plantagen)
2014 2015 2016 2017
Anbauflächen im Ertrag (in ha) 17.400 18.000 19.200 19.600
Produktion (in t) 153.400 158.100 145.100 156.800

Quelle: Staatliches Statistikkomitee der Republik Aserbaidschan

Selbstversorgung mit Reis angestrebt

Das staatliche Programm für die Entwicklung der Reiswirtschaft im Zeitraum 2018 bis 2025 zielt auf eine Verdoppelung der jährlichen Anbauflächen auf 10.000 Hektar und auf eine Steigerung der Ernte um das 2,5fache auf 40.000 Tonnen gegenüber dem Jahr 2017 (16.200 Tonnen) ab. Somit könnte 2025 der inländische Reisbedarf nahezu gänzlich durch eigene Produktion gedeckt werden.

Ausbauprogramme für Tee und Tabak gestartet

Das Entwicklungsprogramm für die Teewirtschaft für den Zeitraum 2018 bis 2027 sieht eine Ausweitung der jährlichen Anbaufläche auf 3.000 Hektar und der jährlichen Produktion auf 8.500 Tonnen vor. In den Jahren 2015 bis 2017 wurden im Schnitt pro Jahr nur rund 800 Tonnen Tee geerntet. Zu Sowjetzeiten lag das jährliche Aufkommen bei über 30.000 Tonnen. Zu den in letzter Zeit erfolgreich realisierten Projekten in der Sparte zählt der 2015 errichtete Komplex für die Teeproduktion und -verarbeitung Astaratschai. Die tägliche Kapazität des Betriebes beträgt 12 Tonnen schwarzer und grüner Tee. Eine Ausweitung auf 24 Tonnen ist geplant.

Die Umsetzung des Ausbauprogramms für die Tabakwirtschaft (2017 bis 2021) kommt vergleichsweise zügig voran. Bereits im Jahr 2017 stieg die Produktion auf 5.300 Tonnen gegenüber jeweils rund 3.500 Tonnen in den beiden Vorjahren. Zu Zeiten der Sowjetunion war das jährliche Aufkommen mit 45.000 bis 65.000 Tonnen allerdings ungleich höher. Die wertmäßige Tabakproduktion soll nach den Prognosen der Regierung im Jahr 2019 ein Volumen von 45 Millionen US$ erreichen und bis 2022 um jährlich jeweils ein Fünftel steigen.

Programm für intensive Tierproduktion in Vorbereitung

Mit dem geplanten Ausbauprogramm für die tierische Produktion will die Regierung eine nachhaltige und intensive Tierzucht fördern. Die Weidewirtschaft und Futtermittelproduktion sollen massiv ausgebaut werden. Geplant ist die Errichtung von Vorzeigestallanlagen in mehreren Regionen. Den inländischen Bedarf an Geflügelfleisch will das Land künftig vollständig und an Rindfleisch zu 90 Prozent durch die einheimische Produktion abdecken.

Im Herbst 2018 kündigte die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zwei neue Projekte in der Tierproduktion Aserbaidschans an: die Errichtung einer Wertschöpfungskette in der Schafzucht und die Umsetzung eines Programms für die Entwicklung einer effizienten Viehwirtschaft auf der Basis moderner Zuchtmethoden (künstliche Befruchtung) sowie einer leistungsfähigen Futtermittelversorgung.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Aserbaidschan sind unter http://www.gtai.de/aserbaidschan abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Aserbaidschan Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein

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