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23.11.2018

Aserbaidschans Automobilbauer planen neue Montageprojekte

Chancen für Zulieferer / Von Uwe Strohbach

Baku (GTAI) - In Aserbaidschan steuern ausländische Kfz-Produzenten Fertigungen an. Mit ihren Auslandspartnern wollen die kleinen lokalen Werke Ersatzteile und Kfz-Komponenten herstellen.

Aserbaidschans kleiner Fahrzeugbau kommt wieder in Bewegung. Rückenwind bringt der von der Regierung im Jahr 2016 verabschiedete "Strategische Fahrplan für die Entwicklung der Schwerindustrie und des Maschinenbaus". Kernpunkte sind der Ausbau der Kfz-Montage und neue Kapazitäten für die Zulieferindustrie mit ausländischen Partnern. Im Jahr 2019 soll die wertmäßige Produktion in der Fahrzeugmontage Regierungsangaben zufolge knapp 20 Millionen US-Dollar (US$) erreichen. Bis 2022 sind mindestens 70 Millionen US$ angepeilt.

Aufgrund der massiv gesunkenen Inlandsnachfrage und der anhaltenden Bankenkrise war das Jahr 2017 für die aserbaidschanischen Kfz-Bauer besonders schmerzhaft: laut offizieller Statistik wurden nur 30 Pkw gefertigt. In den beiden Vorjahren waren es rund 300 beziehungsweise 700 gegenüber noch 1.900 Einheiten im Jahr 2014. Die Lkw-Produktion ist im Jahr 2017 auf sieben Einheiten abgestürzt, von 709 im Vorjahr. Seit 2018 geht es in der Kfz-Montage langsam wieder aufwärts. So rollten in den ersten neun Monaten 2018 rund 360 Pkw vom Band.

Azermash ist Hauptkoordinator für Kfz-Projekte

Große Hoffnungen setzt die Regierung in neue Montageprojekte. Das am 15. November 2017 in Baku gegründete Unternehmen Azermash soll die Fahrzeugindustrie neu beleben und koordinieren. Strategische Kooperationspartner sind bislang die Automobilhersteller Iran Khodro (Iran), GAZ Group (Russland) und GM Uzbekistan (Usbekistan). Weitere Partner sind willkommen.

Neues Joint Venture mit Iran Khodro montiert Pkw

Seit Frühjahr 2018 produziert das Joint Venture AzKron, Baku, im Gewerbegebiet Nefttschala (Neftçala) Pkw. 75 Prozent des Unternehmens mit einem Projektwert von etwa 14 Millionen US$ hält die aserbaidschanische Gesellschaft AzEuroCar, ein Tochterunternehmen von Azermash, und 25 Prozent der iranische Fahrzeughersteller Iran Khodro (IKCO). AzEuroCar betreibt in Aserbaidschan seit 2011 mehrere Autosalons und Kfz-Werkstätten. Das lokale Unternehmen war Initiator der Kooperation mit Iran Khodro.

Die Jahreskapazität des Joint Ventures erreicht in der ersten Projektphase bis zu 10.000 Einheiten. Die Fahrzeuge sind zunächst für den Inlandsmarkt bestimmt. Künftig werden Exporte nach Russland und in andere GUS-Republiken angepeilt. Nach einer Anlaufphase im Jahr 2018 sollen 2019 bis zu 3.000 und in den beiden Folgejahren bis zu 5.000 Einheiten vom Band rollen. Der avisierte Absatz dürfte aufgrund der anhaltenden Finanzkrise im Land nur durch eine große Preiselastizität und ein effektives Marketing erreicht werden.

Gegenwärtig werden in Netfttschala Pkw-Modelle des IKCO-Typs Dena unter den Eigennamen Khazar LD und Khazar SD produziert. Künftig sollen in Kooperation mit Iran Khodro auch Fahrzeuge der Marken Peugeot (206/207) und Renault (Tondar und Pickup) montiert werden. Im Laufe des Jahres 2019 sollen auch Ersatzteile und Kfz-Komponenten gefertigt werden.

Transportermontage mit russischer GAZ Group in Sicht

Ab Ende 2019/Anfang 2020 will Azermash im Gewerbegebiet Hajigabul (Ostaserbaidschan) mit dem russischen Automobilkonzern GAZ Group Kleintransporter und -busse montieren. In der ersten Projektphase sind Fahrzeuge der Marken GAZelle Next, GAZon Next, GAZelle Business und Sobol Business geplant. Die Investitionen in das Projekt werden nach vorläufigen Angaben auf etwa 10 Millionen US$ veranschlagt. Jährlich sollen bis zu 1.000 Einheiten gefertigt werden. Mittelfristig strebt Azermash auch eine Produktion mit dem usbekischen Pkw-Hersteller GM Uzbekistan an (Modell Ravon).

NAZ plant Fertigung von Elektrofahrzeugen mit chinesischen Partnern

Der Automobilbauer der Marke NAZ Lifan (Autonome Republik Nachitschewan/Naxçivan Muxtar Respublikasi) will mit chinesischen Partnern Elektrofahrzeuge produzieren. Ab 2019 sollen auch Rettungswagen auf der Basis von Zulieferungen aus China montiert werden.

Pkw fertigt NAZ seit 2010 in Kooperation mit der chinesischen Chongqing Lifan Industry (Group) Imp. & Exp. Co. Ltd.t. Die maximale jährliche Kapazität erreicht 5.000 Einheiten. Allerdings ist der Auslastungsgrad nur gering. Im gesamten Zeitraum 2010 bis Mitte 2018 wurden nur rund 5.000 Wagen montiert.

In Gandscha sollen Tatra-Laster vom Band rollen

Das älteste Fahrzeugwerk in Aserbaidschan, die Automobilfabrik Gandscha, produziert seit Ende 2004 in der gleichnamigen zweitgrößten Stadt des Landes. Die Fabrik ist Schmiede für Lastkraftwagen der Marken MAZ (BelawtoMAZ, Belarus), KamAZ (KAMAZ, Russland) und Ural (UralAZ, Russland) sowie Traktoren der belarussischen Marke Belarus (MTZ, Belarus). Zum Sortiment gehören auch verschiedene Anbaugeräte für Traktoren. Bis Mitte 2017 rollten in Gandscha mehr als 10.000 Traktoren und 4.000 Lkw vom Band (darunter 3.500 MAZ-Laster).

Im Dezember 2017 vereinbarten die Automobilfabrik Gandscha und der tschechische Automobilbauer Tatra Truck, a.s., Koprivnice, die Montage verschiedener Modelle des Tatra-Schwerlasters. Vorgesehen ist ein Vertrieb im In- und Ausland. Hauptexportmarkt soll Zentralasien werden. Das Projekt verzögert sich jedoch. Im September 2018 gab das Wirtschaftsministerium Aserbaidschans bekannt, dass die Montage innerhalb der nächsten zwei Jahre starten soll. Tatra Truck lieferte in den vergangenen Jahren mehr als 500 Lkw nach Aserbaidschan. Hauptabnehmer ist die Staatliche Agentur für Straßenwesen Azeravtoyol.

Entwicklung der Fahrzeugimporte Aserbaidschans
2012 1) 2013 1) 2014 2015 2016 2017 2018 2)
Fahrzeuge, insgesamt 101.255 104.385 63.368 26.785 5.746 13.098 19.336
.Pkw 89.652 94.879 57.615 23.765 4.991 11.610 17.345
.Lkw 9.433 7.823 5.054 1.961 571 1.227 1.722
.Spezial-fahrzeuge 1.132 856 354 343 88 74 90
Busse 1.038 827 345 816 96 187 179

1) bisherige Rekordjahre (jahresdurchschnittliche Kfz-Importe insgesamt 2008 bis 2011: 65.606 Einheiten; 2) Januar bis Oktober

Kontaktadresse

Azermash OJSC

Ansprechpartner Herr Emin F. Akhundov, Vorstandsvorsitzender

4, External Circular Road (Baku Car Center)

1000 Baku, Aserbaidschan

T +99412 437 17 08

office@azermash.az

http://www.azermash.az

Dieser Artikel ist relevant für:

Aserbaidschan Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Kfz-Teile, -Zubehör (ohne Brennstoffzellen), Personenkraftwagen (Pkw), Nutzfahrzeuge (Nfz)

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Katrin Kossorz

‎+49 228 24 993 268

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