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10.12.2018

Aserbaidschans Baustoffindustrie bietet viel Ausbaupotenzial

Inlandsnachfrage und Exporte ziehen an / Von Uwe Strohbach

Baku (GTAI) - Aserbaidschans Baustoffbranche wird für ausländische Lieferanten und Investoren zunehmend interessant. Gefragt sind Technologien für die umweltfreundliche Produktion von Bauprodukten.

Die Baustoffindustrie zählt in Aserbaidschan zu den perspektivreichen Branchen. Sie bietet viele Chancen für ausländische Ausrüstungslieferanten und Investoren. Die inländische Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Baustoffen zeigt in den letzten Jahren stetig nach oben. Dank der 2015/2016 massiv abgewerteten lokalen Währung, des Aserbaidschan-Manat (AZN), gegenüber dem US-Dollar (US$) haben die Hersteller inzwischen gute Möglichkeiten, auch ausländische Märkte zu beliefern.

Verdoppelung der Produktion bis 2022 erwartet

Trotz deutlicher Zuwächse bleibt der wertmäßige Baustoffausstoß bisher noch weit hinter seinem Potenzial zurück. Doch im Trend geht es deutlich nach oben. Die Produktion von Baustofferzeugnissen stieg im Gesamtjahr 2017 und in den ersten drei Quartalen 2018 deutlich - gegenüber der Vorjahresperiode preisbereinigt um die Hälfte beziehungsweise um ein Drittel auf 334 Millionen und 262 Millionen US$.

Hohe Zuwächse gab es in den ersten neun Monaten 2018 in den Produktgruppen Zement (+22 Prozent auf 2,6 Millionen Tonnen) und Asphalt (+89 Prozent auf 220.000 Tonnen). Auch der Ausstoß von Erzeugnissen aus Naturstein, Kunststoffrohren, Farben und Lacken sowie Trockenbaustoffen legte spürbar zu.

Für das Gesamtjahr 2018 prognostiziert die Regierung eine wertmäßige Baustoffproduktion von mindestens 420 Millionen US$. In den Folgejahren soll der Ausstoß um jährlich jeweils ein Zehntel steigen und im Jahr 2022 rund 600 Millionen US$ erreichen.

Staat fördert neue Ausbauprojekte für die Baustoffproduktion

Der Aufwärtstrend ist nicht zuletzt ein Ergebnis der intensivierten staatlichen Investitionsförderung. Bisher kamen rund 20 Baustoffhersteller in den Genuss von Vorzugsbedingungen, zum Beispiel von Zinszuschüssen sowie Steuer- und Zollerleichterungen.

So eröffnete im Mai 2018 das aserbaidschanisch-deutsche Joint Venture Deutsche Fassaden Technologien (DFT; http://www.dft.az) ein Werk in der Siedlung Balakhani (Hauptstadt Baku). Dort fertigt das Unternehmen Fenster, Türen und Fassaden aus Aluminium, Stahl und Glas. Der aserbaidschanische Staat unterstützte das auf 40 Millionen US$ veranschlagte Projekt mit einem zinsgünstigen Kredit. Die Ausgangsmaterialen importiert der Betrieb aus Deutschland. Im Werk mit einer jährlichen Produktionskapazität von 60.000 Quadratmeter arbeiten derzeit 50 Mitarbeiter, zukünftig sollen es 200 werden.

Mehrere Baustoffunternehmen haben sich in öffentlich geförderten Industrieparks und regionalen Industriezonen angesiedelt oder planen dies. Der Schweizer Konzern für Spezialitätenchemie Sika zum Beispiel nahm im November 2018 im Chemiepark Sumgait eine neue Fabrik für Betonzusatzmittel und Mörtelprodukte in Betrieb. Die Investitionen in das Werk mit einer jährlichen Kapazität von 40.000 Tonnen betrugen etwa 3,5 Millionen US$. Die Produkte sind sowohl für den lokalen Markt als auch für den Export in andere GUS-Republiken, nach Georgien und in den Iran bestimmt.

Das aserbaidschanische Unternehmen Oreon Commerce will Ende 2018/Anfang 2019 im Industriepark Balakhani die Produktion von hochwiderstandsfähigen Magnesit-Verbundplatten aufnehmen.

Stein- und Sandgruben sollen technisch erneuert werden

Das Ministerium für Umweltschutz und natürliche Ressourcen untersuchte im Frühjahr 2018 den technischen Zustand von 208 Steinbrüchen im Großraum Baku. Das Ergebnis: Fast alle Stein- und Sandgruben müssen dringend modernisiert werden. Die Ausrüstungen wurden größtenteils noch zu Zeiten der Sowjetunion angeschafft. Die meisten Brech-, Zerkleinerungs- und Siebanlagen, Bohrwerkzeuge, Bagger, Kipper und Lader entsprechen nicht den heutigen Sicherheits- und Umweltstandards. Entstaubungs-, Staubbinde- und Filteranlagen fehlen in den Gruben, sind defekt oder völlig veraltet. Die Staub- und Schadstoffemissionen (Feinstaub, Stickoxide, Kohlenmonoxid und flüchtige organische Verbindungen) übersteigen in einigen Steinbrüchen und Kieswerken die Norm um das Acht- bis Zehnfache.

Das Ministerium will nun in Kooperation mit anderen Behörden ein Programm für die Erneuerung des Ausrüstungsparks in den Gruben ausarbeiten. Eine Recherche des Komitees für Vermögensfragen von Anfang 2018 hat ergeben, dass es landesweit 588 lokale Steinbrüche und Kieswerke gibt. Davon begingen jedoch 256 Gruben grundstücksrechtliche Verstöße und mussten demzufolge ihre Tätigkeit Mitte 2018 gänzlich oder vorübergehend einstellen. Nach Angaben der offiziellen Statistik wurden in Aserbaidschan im Jahr 2017 rund 1,4 Millionen Tonnen Kies, Kieselsteine, Splitt und Schotter sowie 0,6 Millionen Tonnen Naturstein hergestellt. Der reale Ausstoß dürfte größer sein.

Etwa 50 Baustoffhersteller bestimmen den Markt

Das Marktgeschehen in der aserbaidschanischen Baustoffindustrie konzentriert sich auf etwa 40 bis 50 Branchenakteure. Eine Übersicht ausgewählter bedeutender Produzenten bietet die folgende Tabelle.

Bedeutende Unternehmen der Baustoffindustrie in Aserbaidschan
Unternehmen Produkt
Gilan Holding (mehrere Tochterunternehmen) Beton, Asphalt, Bauchemie, feuerfeste Ziegel, keramische Fliesen, Farben, Gips, Sandwich-Paneele, Kalzit, Thermoisolationsplatten *)
Korporation Akkord/Accord Industrial Company (mehrere Tochterunternehmen) Zement, Eisenbeton- und Stahlkonstruktionen, Beton- und Eisenbetonrohre, Beton, Asphalt, Ziegel, Türen, Fenster und Fassadenelemente, Natursteinerzeugnisse aus Marmor und Granit
Holcim Azerbaijan Zement
Norm Sement Zement
Fakhraddin-K Ziegel
Matanat A Zement- und Gipsmischungen
AS Group Investment Beton- und Eisenbetonerzeugnisse
AAS/Synergy Group Gasbeton
Karvan-L Naturstein, Ziegel, Fassadenverglasung
Azmar (Gemikaya Holding) Natursteinerzeugnisse
NB Group Baufarben und -lacke
Cahan Holding/Cahan Industrial Complex PVC-Profile und -rohre, Dachmaterialien und Heizkörper
Azenco/Werk für Polymererzeugnisse PVC-Rohrleitungssysteme

*) zur Holding gehört auch das 2006 gegründete aserbaidschanisch-deutsche Joint Venture Gilan & Knauf plasterboards für die Produktion von Gipskartonplatten

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Aserbaidschan sind unter http://www.gtai.de/aserbaidschan abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Aserbaidschan Baustoffe, Glas, Keramik, allgemein, Baustoffe (Zement, Mörtel, Gips etc.)

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