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08.01.2019

Aserbaidschans Chemieindustrie steht vor neuem Schwung

Ausbau für mehrere Milliarden US-Dollar geplant / Von Uwe Strohbach

Baku (GTAI) - Aserbaidschan verfolgt zahlreiche Projekte in der Chemieindustrie. Der Großteil der geplanten Investitionen fließt in die Petrochemie.

Aserbaidschan realisiert in den kommenden Jahren zwei Großprojekte in der Petrochemie. Darüber hinaus sind viele kleinere Vorhaben in der chemischen und Kunststoffindustrie geplant. Ausländische Anbieter von Maschinen und Ausrüstungen sowie Know-how haben gute Chancen, sich mit ihren Produkten und Dienstleistungen einzubringen.

Baustart für neuen Petrochemiekomplex in Baku in Sicht

Bewegung kommt in den lange geplanten Bau eines neuen Produktionskomplexes für die Gasverarbeitung und Petrochemie. Der Komplex soll in Garadagh, einem Stadtbezirk der Hauptstadt Baku, entstehen. Verantwortlich ist die staatliche Ölgesellschaft SOCAR. Das ursprünglich ab 2016 geplante Vorhaben wurde wegen des niedrigen Ölpreises vorerst gestoppt. Nun soll der Bau in der ersten Jahreshälfte 2019 starten.

Künftig sollen in Garadagh 10 Milliarden Kubikmeter Erdgas zu 9,1 Milliarden Kubikmeter Nutzgas verarbeitet werden. Zudem ist die Produktion von Propylen, Polyethylen und Benzol geplant. Der Projektwert des gesamten Komplexes beträgt mehr als 4 Milliarden US-Dollar (US$). Etwa 50 Prozent des künftigen Ausstoßes sind für den türkischen Markt bestimmt.

Darüber hinaus erwägt die Ölgesellschaft SOCAR beziehungsweise deren türkische Tochtergesellschaft SOCAR Turkey Enerji den Bau eines zweiten Petrochemiekomplexes in Izmir (Türkei). Die Machbarkeitsstudie für das Projekt mit einem veranschlagten Wert von bis zu 2,2 Milliarden US$ wird zurzeit erstellt. Im Dezember 2018 vereinbarten SOCAR Turkey und BP (Vereinigtes Königreich) die Gründung eines gemeinsamen Unternehmens für den Bau und den Betrieb eines weiteren Petrochemiekomplexes. Als Standort ist die türkische Stadt Aliaga 50 Kilometer nördlich von Izmir vorgesehen.

Ölraffinerie in Baku wird für 1,7 Millionen US-Dollar modernisiert

Zweites Großvorhaben in der Petrochemie Aserbaidschans ist die umfassende Modernisierung und der Ausbau der Ölraffinerie Heydar Aliyev in Baku. Das Projekt wird in drei Phasen bis zum Jahr 2021 umgesetzt. Die jährliche Produktion von Benzin soll dadurch auf 2,2 Millionen Tonnen (2016: 1,1 Millionen Tonnen) und von Dieselkraftstoff auf 2,9 Millionen Tonnen (1,9 Millionen Tonnen) erhöht werden.

Die erste Modernisierungsphase der Raffinerie wurde Ende Dezember 2018 abgeschlossen. Dabei wurde die jährliche Kapazität für die Produktion von Bitumen von 250.000 auf 400.000 Tonnen ausgeweitet. Im Jahr 2017 fertigte die Raffinerie Heydar Aliyev insgesamt rund 4,6 Millionen Tonnen Ölprodukte.

Neue Chemiebetriebe sorgen für Aufwind

Der Hauptakteur der Branche ist die Produktionseinheit Azerikimya der Ölgesellschaft SOCAR. Das Unternehmen modernisiert bis Anfang 2020 seine Produktion von Ethylen und Propylen. Damit soll der jährliche Ausstoß von Ethylen von heute im Schnitt 96.000 bis 105.000 Tonnen auf 192.000 Tonnen erhöht werden. Für Propylen ist geplant, die Produktion von 48.000 bis 55.000 Tonnen auf 187.000 Tonnen auszuweiten.

Die Gilan-Holding betreibt seit Ende 2017 die Fabrik Aqrokimya Azerbaijan für Pflanzenschutzmittel. Die jährliche Kapazität dieses Unternehmens soll in einer zweiten Ausbauphase von heute 10.000 Tonnen auf bis zu 20.000 Tonnen steigen. Das chinesische Unternehmen China National Electric Engineering (CNEEC) plant in Kooperation mit der Azerbaijan Investment Company den Bau einer Fabrik für Kfz-Reifen.

Das Unternehmen SOCAR Polymer errichtete in den Jahren 2015 bis 2018 für mehr als 800 Millionen US$ Fabriken für die Produktion von Polypropylen und HD-Polyethylen. Diese verfügen über eine jährliche Kapazität von 184.000 Tonnen Polypropylen (Homopolymer und Copolymer) und 120.000 Tonnen HD-Polyethylen. Die Produktion von Polypropylen startete im Juli 2018. Die offizielle Inbetriebnahme der Anlagen für HD-Polyethylen ist im 1. Halbjahr 2019 vorgesehen. Zu den jüngsten SOCAR-Projekten zählt auch ein für über 800 Millionen US$ errichtetes Harnstoffwerk. Es verfügt über eine Tageskapazität von 1.200 Tonnen Ammoniak und 2.000 Tonnen Harnstoff.

Die 2018 und 2019 neu entstandenen oder modernisierten Betriebe dürften den wertmäßigen Jahresausstoß in der chemischen und Kunststoffindustrie von heute rund 500 Millionen US$ schon bald mindestens verdoppeln.

SOCAR Polymer setzt auf Aufbau einer neuen Wertschöpfungskette

SOCAR Polymer strebt künftig einen Jahresabsatz von 350 Millionen US$ an. Etwa 20 bis 25 Prozent des Ausstoßes sollen an inländische Abnehmer und 75 bis 80 Prozent an Kunden im Ausland geliefert werden. In einer späteren Ausbauphase plant SOCAR Polymer, die jährliche Kapazität für die Produktion von Polyolefinen von 300.000 Tonnen auf bis zu 570.000 Tonnen auszuweiten.

Als Polyolefine-Lieferant will sich das Unternehmen an der Errichtung einer Wertschöpfungskette in der Kunststoffindustrie beteiligen. Am Standort Sumgait soll ein Cluster für innovative Kunststofflösungen für den Bedarf aller Wirtschaftsbereiche entstehen. SOCAR Polymer unterzeichnete bereits mit rund 20 Firmen, darunter vor allem kleine und mittlere, Kooperationsvereinbarungen über die Herstellung verschiedenster Kunststofferzeugnisse. Das aktuelle und geplante Sortiment dieser Unternehmen prägen Verpackungen, Baustoffe, Haushaltswaren und medizinische Verbrauchsartikel.

Ausgewählte Projekte der Gesellschaft SOCAR in der Petrochemie und Gasverarbeitung
Projektbezeichnung Investition (Mio. US$) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Komplex für Gasverarbeitung und Petrochemie, Baku (jährlicher Ausstoß von 9,1 Mrd. cbm Nutzgas, 130.000 t Propylen, 42.000 t Benzol und 600.000 t HD- und LD-Polyethylen) 4.200 Front End Engineering und Design (FEED) liegt vor, EPC-Vertrag in Vorbereitung, Baubeginn voraussichtlich im 1. Halbjahr 2019 SOCAR GPC, Projekteinheit der Ölgesellschaft SOCAR (http://www.socargpc.az); Kofinanzierung durch ausländische Banken
Petrochemiekomplex, Izmir/Türkei (Produktion von Dieselkraftstoff, Kerosin, Flüssiggas, Polypropylen und Rohbenzin; Details in Prüfung) etwa 1.600 bis 2.200 Abschluss der Machbarkeitsstudie etwa im April/Mai 2019, mögliche Projektrealisierung: Mitte 2019 bis 2022/2023 Ölgesellschaft SOCAR/Tochterunternehmen SOCAR Turkey Enerji, Türkei (http://www.socar.az, http://www.socar.com.tr)
Petrochemiekomplex, Aliaga/Türkei (jährliche Produktion von 1,25 Mio. t gereinigter Terephthalsäure, 840.000 t Paraxylol und 340.000 t Benzol) k.A. Projekt in Vorbereitung (Detailstudie), endgültige Investitionsentscheidung 2019, geplante Fertigstellung: 2023 Kooperationsprojekt der Ölgesellschaft SOCAR (http://www.socar.az) und des Mineralölunternehmens BP (Vereinigtes Königreich, http://www.bp.com)
Modernisierung der Ölraffinerie Heydar Aliyev Baku (Ausbau der jährlichen Verarbeitungskapazität von 6 Mio. auf bis zu 8 Mio. t) mindestens 1.700 Realisierung: 2016/17 bis Ende 2021 Ölgesellschaft SOCAR (http://www.socar.az); EPC-Hauptauftragnehmer: Tecnimont/Kinetics Technology (Italien, Auftragswert für neue Anlagen: 850 Mio. US$) und Tecnicas Reunidas (Spanien/USA, Auftragswert für Modernisierung bestehender Anlagen: 800 Mio. US$)
Errichtung einer Fabrik für die Produktion von Methanol in Russland k.A. Projekt in Prüfung Ölgesellschaft SOCAR (http://www.socar.az) in Kooperation mit dem Tochterunternehmen AzMeCo (Methanolhersteller)

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Aserbaidschan sind unter http://www.gtai.de/aserbaidschan abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Aserbaidschan Chemische Industrie, allgemein, Kunststoffe und Gummi, Petrochemie

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