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07.01.2019

Aserbaidschans IKT-Branche hegt ehrgeizige Ausbauziele

Projekte für bis zu 600 Millionen US$ geplant / Von Uwe Strohbach

Baku (GTAI) - Aserbaidschans Investitionen in den IKT-Sektor steigen wieder. Die Gelder fließen vorrangig in die Mobiltelefonie, den Breitbandausbau und in digitale Zahlungssysteme.

Aserbaidschans Telekommunikations- und Informationsbranche hat ihre Flaute überwunden. Seit 2018 stehen die Zeichen wieder auf Wachstum. In den ersten neun Monaten 2018 flossen 132 Millionen US-Dollar (US$) in die Sparte, 70 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode. Markbeobachter erwarten im Zeitraum 2019 bis 2022 einen Kapitalzufluss von insgesamt 550 Millionen bis 600 Millionen US$. Treiber sind Ausbauvorhaben in der Telekommunikation, die Restrukturierung des Bankensystems, IT-Projekte für Sozialreformen (Arbeitslosen- und Krankenversicherung), Initiativen zur Ankurbelung des Nichtölsektors und die Digitalisierung öffentlicher Institutionen.

IT-Sektor wächst mittelfristig zweistellig

Aserbaidschans IT-Sektor wird laut den Prognosen des international tätigen Marktforschungs- und Beratungsunternehmens International Data Corporation (IDC) in den Jahren 2018 bis 2022 jährlich im Schnitt um 12,3 Prozent zulegen. In den Marksegmenten IT-Dienstleistungen und Software sei ein Zuwachs von durchschnittlich gut 16,0 Prozent pro Jahr zu erwarten. Für die Sparte IT-Ausrüstungen prognostiziert IDC ein entsprechendes Plus von 11,3 Prozent. Das absolute Marktvolumen der IT-Branche könnte im Jahr 2022 ein Volumen von 1,6 Milliarden US$ gegenüber rund 0,9 Milliarden US$ im Jahr 2018 erreichen, schätzt IDC ein.

Im Telekommunikationssektor sind die Wachstumsaussichten eher verhalten. Marktkenner erwarten bis 2022 Zuwächse von im Schnitt 3 Prozent pro Jahr. Die mangelnde Liberalisierung des Marktsegments, insbesondere im Festnetz, und die in den letzten Jahren gesunkene Kaufkraft der Bevölkerung bremsen ein höheres Wachstum aus.

Zentrale Programme geben Investitionsziele vor

Anstehende IKT-Projekte basieren auf dem Staatlichen Programm zur Umsetzung der Nationalen Strategie für die Entwicklung der Informationsgesellschaft im Zeitraum 2016 bis 2020 und dem Strategischen Fahrplan für die IKT-Industrie vom 6. Dezember 2016. Letzterer umfasst einen Aktionsplan bis 2020 und skizziert die Entwicklungsaussichten bis 2025.

Unter den Projekten und Initiativen in der IKT-Branche sind unter anderem zu nennen:

- der Ausbau des optischen Breitbandnetzes (FTTx) bis 2020 für 80 Millionen US$,

- die Steigerung des Anteils von Glasfaserleitungen auf 70 Prozent bis zum Jahr 2020 und auf 95 Prozent bis zum Jahr 2025,

- ausgeweitete Breitbandanschlüsse bis 2020: im Festnetz auf einen Anteil von 70 Prozent (2016: 55 Prozent) und im Mobilnetz auf 70 Prozent (2016: 30 Prozent),

- die Vergabe weiterer Lizenzen für Backbone-Internetprovider mit Zugang zum internationalem Internetgateway (Bislang gibt es im Land nur zwei Anbieter für den Zugang zum internationalen Datenverkehr: Delta Telekom und AzerTelekom.),

- die beabsichtigte Privatisierung der Telekommunikationsunternehmen Baku Telephone Communications/BTC (Festnetz-Betreiber in Baku), Aztelekom (Festnetz-Betreiber in allen anderen Regionen mit Ausnahme der Autonomen Republik Nachitschewan) und AzInTelecom (Hauptaktionär der Mobilfunkgesellschaft Azercell Telekom, Bereitstellung von Cloud-Diensten, Betrieb eines Datenzentrums und Zertifizierung importierter Telekommunikationsausrüstungen),

- der Ausbau digitaler Verwaltungsabläufe und -angebote mittels der Portale http://www.e-gov.az (Regierungsportal) und http://www.asan.az (One-Stop-Shop-Einrichtung des öffentlichen Dienstes/Bürgerämter),

- der schrittweise Übergang zur elektronischen Dokumentenverwaltung in staatlichen Behörden und

- die Errichtung einer elektronischen Infrastruktur im Gesundheitswesen (unter anderem Einführung einer elektronischen Patientenakte).

Mobilfunkbetreiber investieren am meisten

Der bedeutendste Anlagesektor in der IKT-Branche Aserbaidschans bleibt der Mobilfunk. Die Hauptakteure der Sparte sind die Unternehmen Azercell Telekom (rund 4,5 Millionen Abonnenten, http://www.azercell.com), Bakcell (3,1 Millionen Abonnenten, www.bakcell) und Azerfon/Nar Mobile (2,1 Millionen Abonnenten, http://www.nar.az).

Azercell Telekom investiert in den kommenden Jahren vorrangig in das schnelle mobile Internet, den Ausbau des LTE-Netzes, eine modernisierte und verbesserte Kundenbetreuung sowie in innovative B2B-Lösungen für Firmenkunden. Die jährlichen Investitionen des Unternehmens dürften wie bereits 2017 und 2018 deutlich mehr als 20 Millionen US$ betragen. Die staatliche aserbaidschanische Gesellschaft AzInTelecom (http://www.azintelecom.az) ist nach dem Erwerb von 51,3 Prozent der Aktien an Azercell Telekom vom bisherigen Aktionär Fintur Holdings B.V. (TeliaCompany, Schweden und Turkcell, Türkei) der Hauptaktionär des Unternehmens.

Der Mobilfunkanbieter Bakcell investierte im Jahr 2018 etwa 47 Millionen US$. In den Jahren 2019 und 2020 stehen unter anderem der Ausbau des LTE-Netzes und die Implementierung digitaler Zahlungssysteme auf der Basis der NFC-Technologie auf der Projektliste. Sowohl Azercell Telekom als auch Bakcell fördern mit verschiedenen Programmen und Projekten die Entwicklung von Innovation, Digitalisierung und IT-Startups (http://www.barama.az, http://www.applab.bakcell.com).

Die Betreiber des Festnetzes Aztelekom (http://www.aztelekom.az) und BTC (http://www.baktelecom.az) investieren 2019 und 2020 vorrangig in den Ausbau des Breitbandnetzes. Auch viele der rund 40 Internetprovider planen Investitionen in ihre Infrastruktur und ihr Dienstleistungsangebot. Die Gesellschaft Delta Telecom (http://www.delta-telecom.net) verfügt nach eigenen Angaben über das größte Internet-Backbone-Netzwerk im Südkaukasus. Sie bedient alle Internetprovider Aserbaidschans und vier Fünftel der Internetdienstleister Georgiens. Das Unternehmen investiert in den Ausbau der DWDM-, Carrier-Ethernet-, Metro-Ethernet-, IP/MPLS-, WiMAX- und IMS-Infrastruktur.

Neue Initiative für einen digitalisierten Zahlungsverkehr

Banken, Unternehmen und Behörden dürften in den kommenden Jahren deutlich mehr als bisher in innovative Lösungen für den Zahlungsverkehr investieren. Der Anteil von Barzahlungen soll von heute 74 Prozent auf 40 Prozent bis 2020 sinken. Das ist die Zielstellung des Staatlichen Programms für den Ausbau digitaler Zahlungen im Zeitraum 2018 bis 2020. Bargeldlose Zahlungen sollen jährlich um mindestens 7 Prozent anziehen.

Im Zuge seiner Restrukturierung wird das aserbaidschanische Bank- und Kreditwesen in den nächsten Jahren mehr in seine IT-Infrastruktur investieren. Im Zeitraum 2013 bis 2017 wandten die Banken umgerechnet etwa 230 Millionen US$ für ihren IT-Sektor auf. Die Hälfte davon entfiel auf Software.

Kennziffern der aserbaidschanischen Kommunikationsbranche
2014 2015 2016 2017
Gewährte Dienstleistungen (in Mio. US$) 1.771,4 1.330,1 825,5 809,3
.Mobilfunk 1.167,0 842,2 515,9 498,6
..Anteil an den Kommunikationsdiensten insgesamt (in %) 65,9 63,3 62,5 61,6
Aktive Telefonanschlüsse im Festnetz (in Mio.) 1,6 1,5 1,5 1,5
.pro 100 Einwohner 17 16 15 15
Mobilfunkabonnenten(in Mio.) 10,1 10,7 10,2 10,1
.pro 100 Einwohner 107 112 106 104
Internetnutzer (in Mio.) 7,1 7,3 7,4 7,5
.pro 100 Einwohner (in %) 75 77 78 79
Ausstattung der Haushalte mit einem PC (in %) 58,3 62,4 63,1 63,8
Anteil der Haushalte mit Internetzugang (in %) 75,2 76,7 77,2 77,6
Bruttoanlageinvestitionen (in Mio. US$) 185,8 320,7 115,5 91,4

Quelle: Staatliches Statistikkomitee der Republik Aserbaidschan

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Aserbaidschan sind unter http://www.gtai.de/aserbaidschan abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Aserbaidschan EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Telekommunikationsdienste, Software / EDV-Dienstleistungen

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