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22.01.2016

Aserbaidschans Öl- und Gassektor verspricht Lieferpotenzial

Großprojekt Shah Deniz II gestartet / Abscheron-Gasprojekt in Planung / Von Uwe Strohbach

Baku (gtai) - In der südkaukasischen Republik Aserbaidschan wird in den kommenden Jahren erheblich in den Ausbau der Öl- und Gaswirtschaft investiert. Die Branche bleibt ungeachtet der weltweit niedrigen Preise für Kohlenwasserstoffe mit Abstand bedeutendster Anlagesektor im Land. 2016 dürften voraussichtlich mehr als 7 Mrd. US$ in den aserbaidschanischen Öl- und Gassektor fließen. Gegenwärtig fördert das Land jährlich etwa 40 Mio. t Öl und Gaskondensat und 30 Mrd. cbm Gas. (Kontaktanschrift)

Die Öl- und Gaswirtschaft bleibt mittel- und langfristig wichtigstes Geschäftsfeld für ausländische Investoren sowie Anbieter von Ausrüstungen und Dienstleistungen in Aserbaidschan. Das südkaukasische Land verfügt über große Kohlenwasserstoffvorkommen. Allein im Kaspischelf gibt es über 150 perspektivreiche Öl- und Gasstrukturen.

Investitionen in die Öl- und Gasbranche bleiben auf hohem Niveau

Die ausländischen Bruttoanlageinvestitionen in den Öl- und Gassektor summierten sich per 1.1.16 auf mehr als 63 Mrd. US$. In den ersten neun Monaten 2015 erreichten die in- und ausländischen Kapitalanlagen in die Branche ein Volumen von 6,35 Mrd. aserbaidschanischen Manat (AZN; knapp 5,1 Mrd. $), ein Fünftel mehr als in der gleichen Vorjahresperiode. Deren Anteil am investierten Kapital in die aserbaidschanische Industrie insgesamt betrug fast 86% (Gesamtjahr 2015: 78%).

Niedrige Weltmarktpreise für Öl und Gas zwingen alle Branchenakteure, ihre Kosten zu minimieren und ihre Investitionspläne zu optimieren. Ungeachtet dessen werden sich 2016 und auch mittelfristig die Investitionen in den Öl-und Gassektor Aserbaidschans nicht signifikant verringern. Aktuell perspektivreichste Projekte sind die industrielle Erschließung der Öllagerstätten Azeri-Chirag-Guneshli (ACG), die zweite Erschließungsphase der Gaslagerstätte Shah Deniz sowie die Exploration der Gaslagerstätte Abscheron.

Hinzu kommen die Erschließung der Lagerstätte Bulla Deniz, die geologische Erkundung der Felder Schafag und Asiman sowie des Vorkommens Nachitschewan. Für 2016 ist die Beschaffung und Installation von zwei bis drei zerlegbaren Bohranlagen für das Öl- und Gaskondensatprojekt Bahar - Gum Deniz geplant. Auf mittlere Sicht ist die industrielle Exploration der ergiebigen Lagerstätten Umid und Babek in Kooperation mit ausländischen Partnern vorgesehen. Deren Vorräte gibt die nationale Ölgesellschaft SOCAR mit etwa 400 Mrd. cbm Gas und 80 Mio. t Kondensat beziehungsweise 200 Mrd. cbm Gas und 40 Mio. t Kondensat an.

Mehr als 30 internationale Vereinbarungen für Öl- und Gasprojekte unterzeichnet

Aserbaidschan setzte Mitte der 90er-Jahre als erster Anrainerstaat des Kaspisees bei der Erschließung seiner Öl- und Gasvorkommen auf Investitionen aus dem Westen. Die am 20.9.94 zwischen SOCAR und einem Konsortium von elf Firmen aus sieben Staaten abgeschlossene Production-Sharing-Vereinbarung über die Erkundung und Erschließung der Tiefseeöllagerstätten Azeri-Chirag-Guneshli (ACG) wird auch "Jahrhundertvertrag" genannt. Sie ebnete den Weg für 33 weitere bilaterale und multilaterale Vereinbarungen zur Erkundung und Erschließung von Lagerstätten.

Im "Jahrhundertvertrag" vereinbarten die Partner bis 2024 ein Investitionsvolumen von 64 Mrd. $. Das Vertragsgebiet umfasst eine Fläche von 432,4 qm. Die nachgewiesenen Ölvorräte in den ACG-Vorkommen betragen 1 Mrd. t. Bisher wurden in den Lagerstätten 354,3 Mio. t Öl und 103,5 Mrd. cbm Gas (Stand: 1.1.15) gefördert. Bis 2024 soll das Volumen 623 Mio. t Öl erreichen. Gegenwärtig bereiten SOCAR und der Konsortialführer des ACG-Projekts BP (British Petroleum) eine neue Production-Sharing-Vereinbarung für den Zeitraum nach 2014 vor.

Bis zu 45 Mrd. US$ fließen in Phase 2 des Großprojekts Shah Deniz

Die Erschließung des Gasvorkommens Shah Deniz einschließlich neuer Pipelines für den Gasexport nach Europa gilt als investitionsträchtigstes Projekt im aserbaidschanischen Kohlenwasserstoffsektor. Das Vertragsgebiet erstreckt sich über 859,7 qkm. Die Vorräte betragen 1.200 Mrd. bis 1.500 Mrd. cbm Gas. In der 1999 entdeckten Lagerstätte wurden bis 1.1.15 fast 58 Mrd. cbm Gas und 14,9 Mio. t Gaskondensat gefördert. Gut die Hälfte des Gases wurde in die Türkei und nach Georgien geliefert.

Ende Dezember 2013 vereinbarten SOCAR und BP (Betreiber des Gasfelds Shah Deniz) die zweite Erschließungsphase von Shah Deniz. Für das Vorhaben inklusive des Pipelinebaus werden bis zu 45 Mrd. $ veranschlagt. Davon entfallen 14 Mrd. $ auf die Gesellschaft SOCAR (inklusive Darlehen). Das Gas aus dem Shah-Deniz-Vorkommen (Phase 2) soll künftig über drei Pipelines nach Europa exportiert werden.

Zwei neue Pipelines bringen Gas nach Westeuropa

Das künftige Pipelinenetz umfasst die bereits bestehende, 970 km lange Südkaukasische Pipeline Baku (Aserbaidschan) - Tiflis (Georgien) - Ceyhan (Türkei; http://www.bp.com), die neue Transanatolische Pipeline vom Osten in den Westen der Türkei (TANAP; 1.850 km; http://www.tanap.com) und die sich an die TANAP anschließende Transadriatische Pipeline (TAP; 879 km; http://www.tap-ag.com) von der türkischen Grenze bis nach Süditalien. Die Inbetriebnahme der TANAP-Gasleitung ist für 2018 geplant. 2020 soll das erste Gas durch die TAP fließen. Die zweite Ausbauetappe für das Shah-Deniz-Gasfeld sieht einen jährlichen Export von 16 Mrd. cbm Gas vor, darunter von 6 Mrd. cbm in die Türkei und von 10 Mrd. cbm nach Italien, Griechenland und Italien.

Deutsche Unternehmen haben gute Chancen, sich bei der Errichtung des südlichen Gaskorridors einzubringen. Die Siemens AG und die Salzgitter Mannesmann Grobblech GmbH erhielten bereits Aufträge für die Lieferung von sechs Turboverdichtern, 270 km Großrohren und mehr als 1.500 Rohrbögen für die geplante Gasleitung TAP.

Investitionsplanungen für das Abscheron-Gasprojekt sind angelaufen

Der französische Öl- und Gaskonzern, Total S.A. und SOCAR wollen das 2011 entdeckte Offshore-Gasfeld Abscheron erschließen. Aktuell werden Investitionspläne vorbereitet. Erste Produktionsbohrungen sollen 2019 erfolgen. Der Start der kommerziellen Gasförderung ist für Ende 2021/Anfang 2022 geplant. Die Abscheron-Vorräte gibt SOCAR mit 350 Mrd. cbm Gas und 45 Mio. t Gaskondensat an.

Kenndaten der Öl- und Gasförderung Aserbaidschans
2011 2012 2013 2014
Förderung von Rohöl und Gaskondensat (in Mio. t) 45,6 43,4 43,5 42,1
.Offshore Exploration und Produktion 43,8 41,7 41,8 40,4
.Onshore Exploration und Produktion 1,8 1,7 1,7 1,7
.Rohölexport 39,0 36,8 36,7 35,2
Gasproduktion insgesamt (in Mrd. cbm) 25,7 26,8 29,2 29,6
.Marktfähiges Gas 16,4 17,2 17,9 18,8
..Erdgas 12,4 13,2 15,3 15,6
...Marktfähiges Gas 11,9 12,8 14,6 15,0
..Erdölgas (Begleitgas) 13,4 13,6 13,9 14,0
...Marktfähiges Gas 4,4 4,5 3,3 3,8
.Gasexport 6,8 6,6 7,3 8,1
Produktion von Öl und Gas (in Mrd. US$) 33,0 31,5 30,2 26,7
.Reale Veränderung gegenüber Vorjahr (in %) -9,5 -4,5 0,4 -2,4
.Anteil am Industrieausstoß insgesamt (in %) 78,0 76,2 74,1 69,6
Anzahl der Beschäftigen (in 1.000 Personen) 23,5 23,7 24,0 23,2
Bruttoanlageinvestitionen (in Mrd. US$) 4,1 4,9 6,5 7,6
.Ausländische Investitionen 2,4 3,2 4,9 5,3
.Inländische Investitionen 1,7 1,7 1,6 2,3

Kontaktanschrift

State Oil Company of the Azerbaijan Republic - SOCAR

73, Neftchilar Avenue, Baku, AZ 1000/Republik Aserbaidschan

Tel.: 00994 12/521-00 25, Fax: -01 43

E-Mail: enassirov@socar.az, info@socar.az, Internet: http://www.socar.az

Ansprechpartner: Elshad Nassirow, Vizepräsident für Investitionen und Marketing

(U.S.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Aserbaidschan Pipelinebau, etc., Öl, Gas

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‎+49 228 24 993 268

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