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07.01.2019

Aserbaidschans Wasserversorger müssen viel investieren

Technik und Beratung sind stark gefragt / Von Uwe Strohbach

Baku (GTAI) - Aserbaidschans Wasser- und Abwasserwirtschaft haben viel nachzuholen. Auch die Bodenbewässerung ist investitionshungrig. Internationale Finanzinstitute unterstützen.

Aserbaidschan benötigt langfristig viel Kapital für seine Wasser-, Abwasser- und Bewässerungswirtschaft. Zahlreiche Modernisierungs- und Ausbauprojekte sind bereits erfolgreich abgeschlossen. Trotzdem ist der Weg zu einer flächendeckenden, stabilen und effizienten Wasserversorgung noch weit. Den Kapitalbedarf für die nächsten zehn Jahre beziffern Marktkenner auf 8 Milliarden bis 10 Milliarden US-Dollar (US$), Infrastrukturinvestitionen in die Stadtentwicklung eingeschlossen.

Vielen Dörfern mangelt es bis heute an einer zentralen Trinkwasserversorgung. In zahlreichen Städten fließt das Wasser nicht rund um die Uhr. Mehr als 15 Prozent des Wassers verschwindet in den Verteilernetzen. Weitaus mehr Wasser geht in der gesamten Kette verloren, angefangen von der Wassergewinnung und -aufbereitung über den Transport und die Speicherung bis hin zur Versorgung der Endverbraucher.

Azersu investiert jährlich einige Hundert Millionen US-Dollar

Der nationale Wasserversorger Azersu OJSC (http://www.azersu.az) steckt alljährlich mehrere Hundert Millionen US-Dollar in Wasser- und Abwasserprojekte. In den Jahren 2017 und 2018 realisierte das staatliche Monopolunternehmen rund 200 Projekte für die Wasserversorgung in Dörfern und mehrere Dutzend Modernisierungs- und Ausbauvorhaben in Städten. Es beliefert rund 1,4 Millionen Kunden mit Trinkwasser, darunter mehr als 1,3 Millionen Haushalte und Kleinunternehmer sowie rund 60.000 juristische Personen. In der Autonomen Republik Nachitschewan ist das Staatliche Komitee für Bewässerung und Wasserwirtschaft der zentrale Wasserversorger.

Bruttoanlageinvestitionen in die Wasser- und Abwasserwirtschaft Aserbaidschans (in Mio. US$)
2014 2015 2016 2017
Investitionen, insgesamt 788,6 537,9 354,3 383,1
.Wasserversorgung 679,6 289,9 281,8 282,0
.Abwasserentsorgung 109,0 248,0 72,5 101,1
Reale Veränderung zum Vorjahr (in %) *) -7,9 -19,1 -6,8 -6,8

*) auf der Basis der Nationalwährung Aserbaidschan-Manat

Quelle: Staatliches Statistikkomitee der Republik Aserbaidschan

Kredite und Fördermittel internationaler Institute finanzierten etwa zur Hälfte Projekte in den Jahren 2015 bis 2018. Die übrigen Gelder stammten aus dem Staatshaushalt und dem Staatlichen Ölfonds. Azersu kann Investition nicht selbst stemmen. Das Unternehmen arbeitet seit Jahren mit Verlust. Die Selbstkosten pro Kubikmeter Frischwasser liegen deutlich über dem Entgelttarif für die Wasserabnahme. Azersu-Projekte kamen bisher oft durch ineffizientes Management nur schleppend voran. Das Ziel einer besseren Wasserversorgung wurde so häufig nur teilweise oder gar nicht erreicht.

Künftig will sich Azersu allerdings stärker auf das Know-how ausländischer Unternehmen stützen. So ist ab 2019 ein langfristiges Kooperationsprojekt mit der französischen French SUEZ Group geplant. Beide Unternehmen wollen gemeinsam die Trinkwasserversorgung und Abwasserwirtschaft der Stadt Sumgait managen. So sollen die lokale Wasser- und Abwasserwirtschaft effizienter und kostengünstiger, Verwaltungsstrukturen gestrafft, Wasserverluste verringert, eine hohe Trinkwasserqualität gesichert und Investitionen effizienter genutzt werden.

Internationale Geber und Förderbanken finanzieren

Folgende internationale Geber und Förderbanken unterstützen Wasser- und Abwasserprojekte in Aserbaidschan finanziell: die Weltbank, die Asiatische Entwicklungsbank (ADB), die Islamische Entwicklungsbank (IDB), die Japanische Agentur für Internationale Zusammenarbeit (JICA), die Export-Import Bank of Korea (Korea Eximbank), die KfW-Bankengruppe, der Saudische Entwicklungsfonds (SFD) sowie die Koreanische Agentur für Internationale Zusammenarbeit (KOICA).

Die IDB fördert im Zeitraum 2012 bis 2019/20 die Wasserversorgung von 320.000 Einwohnern in sechs Regionen des Landes mit 200 Millionen US$. In drei Regionen sind die Projekte bereits abgeschlossen. Aktuell läuft ein Vorhaben in Dashkesan und eins wird in Gazakh vorbereitet. Die ADB begleitet Ausbauvorhaben in den Städten Aghjabedi und Nachitschewan mit 150 Millionen US$. Die Agentur JICA unterstützt in den Jahren 2010 bis 2021 die Erneuerung und den Ausbau der Wasser- und Abwasserwirtschaft in mehreren kleinen Städten. Der Projektwert beträgt rund 300 Millionen US$.

Ein Kredit der koreanischen Eximbank über 43,5 Millionen US$ fließt in den Bau einer insgesamt 64 Millionen teuren Abwasseranlage in Pirshagi (Hauptstad Baku). Sie soll 2019 in Betrieb gehen. Mit Krediten über 60 Millionen US$ unterstützt der Fonds SFD die Wasser- und Abwasserwirtschaft in der Stadt Baku und in der Region Khirdalan (Projektwert: 138 Millionen US$). Beide Vorhaben sollen 2019 abgeschlossen werden. Die koreanische Förderagentur KOICA stellt im Zeitraum 2019 bis 2022 knapp 5 Millionen US$ für Wasserprojekte in von Binnenflüchtlingen bewohnten Gebieten bereit.

Kenndaten der Wasserwirtschaft Aserbaidschans
2014 2015 2016 2017
Wasserentnahme aus natürlichen Wasserreservoirs (in Mio. cbm) 12.123 12.285 12.504 12.781
Wasserverbrauch (in Mio. cbm) 8.115 8.567 8.824 9.154
.Landwirtschaft/Bewässerung 5.572 6.057 6.342 6.570
.Industrie 2.144 2.117 2.108 2.224
.Haushalte 313 323 308 291
.Andere Sektoren 86 70 66 69
Wasserverluste während des Transports und der Verteilung 4.008 3.718 3.680 3.627

Quelle: Staatliches Statistikkomitee der Republik Aserbaidschan

Bewässerung wird kräftig ausgeweitet

Das Investitionsgeschehen in der Bewässerungswirtschaft prägen in den kommenden Jahren mehrere mittelfristige Programme für den Ausbau von Rohbaumwolle und anderer Agrarkulturen sowie die Erweiterung bestehender und die Gründung neuer Agrarparks. In den Jahren 2019 und 2020 plant die staatliche Gesellschaft für Bewässerung und Wasserwirtschaft (http://www.mst.gov.az) die Erneuerung von Bewässerungsanlagen und Ausweitung bewässerter Böden auf insgesamt mindestens 100.000 Hektar meliorierter Fläche.

Im gleichen Zeitraum dürften jährlich etwa 150 Millionen US$ in die Modernisierung und den Ausbau der Bewässerungskanäle, Drainagesysteme, Pumpstationen, Entwässerungskanäle sowie anderer wasserwirtschaftlicher Anlagen fließen. Unter den Einzelprojekten ragen die Erneuerung der Bewässerungskanäle Samur-Abscheron (Länge: 183 Kilometer) und Oberer Mil (37 Kilometer) hervor. Der Löwenanteil der Vorhaben der Bewässerungswirtschaft wird aus dem Staatshaushalt und den Ölfonds finanziert. Internationale Kredite und Fördermittel machen einen kleineren Teil aus.

Im Zeitraum 2004 bis Mitte 2018 wurden in Aserbaidschan mehr als 4.100 Kilometer Bewässerungskanäle sowie 2.400 Kilometer Drainagenetze erneuert oder neu gebaut. Auf fast 400.000 Hektar meliorierter Fläche konnte die Be- und Entwässerung verbessert werden. Die Fläche bewässerter Böden wurde um 150.000 Hektar erweitert. Die bewässerte Feldwirtschaft in Aserbaidschan umfasst gegenwärtig eine Gesamtfläche von 1,4 Millionen Hektar Acker- und Weideland. Das Kanalsystem erstreckt sich über 51.700 Kilometer und das Drainagesystem über 29.600 Kilometer.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Aserbaidschan sind unter http://www.gtai.de/aserbaidschan abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Aserbaidschan Wasserversorgung, -gewinnung, Bewässerung, Abwasserentsorgung

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