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16.07.2019

Auf der Seidenstraße ins südliche Afrika

China ist gut im Geschäft / Von Marcus Knupp

Berlin (GTAI) - Die Erschließung neuer Märkte ist ein zentrales Ziel der "Belt and Road Initiative" (BRI) Chinas. Afrika spielt daneben als Rohstoffquelle eine wichtige Rolle.

Afrika liegt weitab der historischen Seidenstraße? Aber Peking geht es um die Intensivierung seiner weltweiten Wirtschaftsbeziehungen, um die Sicherung von Rohstofflieferungen und den Zugang zu beziehungsweise die Schaffung von neuen Absatzmärkten. Die Bezeichnung ist dabei vor allem ein Marketinginstrument. Die beiden wichtigsten Handelspartner Chinas auf dem afrikanischen Kontinent, Südafrika und Angola, liegen denn auch nicht entlang einer gedachten Seeroute von China nach Europa durch den Suezkanal, sondern etwas abgelegen im südlichen Afrika.

Rohstoffe im Visier

Chinas Expansion in Afrika folgt unterschiedlichen Wegen. Zentrales Element ist in vielen Fällen der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur - Straßen, Eisenbahnstrecken, Häfen und Flughäfen - mit dem Ziel, den Zugang zu Rohstoffvorkommen zu verbessern. In Südafrika ist dies weniger relevant. Die Infrastruktur ist vergleichsweise gut, lokale Baufirmen und Ingenieurbüros konkurrenzfähig. Chinas Aktivitäten haben daher mehr Industriebeteiligungen, Dienstleistungen und den Warenabsatz im Blick. Die Handelsbilanz zwischen China und Südafrika ist zumindest dem Wert nach relativ ausgeglichen, während Angola vor allem Erdöl nach China liefert, selbst aber nur Waren mit einem Zehntel des Exportwertes aus China einführt.

Gegenleistung sind hier eher Kreditpakete, die China für den Ausbau der Infrastruktur zu Verfügung stellt und sich zum Teil durch Erdöllieferungen zurückzahlen lässt - das sogenannte Angola-Modell. Direkt beteiligt sind chinesische Unternehmen an der Erschließung von Rohstoffvorkommen in Mosambik (Erdgas) und Namibia (Uran), während sie sich in Sambia beim Betrieb von Kupferminen und Schmelzöfen engagieren.

Ausbau der Energieinfrastruktur

Eine zuverlässige Energieversorgung zählt zu den Grundvoraussetzungen für das wirtschaftliche Potenzial afrikanischer Länder.

Reichhaltige Vorkommen der Energierohstoffe Kohle und Gas, in den nördlichen Ländern der Region aber auch hervorragende Möglichkeiten der Nutzung von Wasserkraft, schaffen gute Ausgangsbedingungen für Investitionen in Kraftwerke. Chinesische Unternehmen sind mit Projekten in mehreren Ländern aktiv, große Investitionsvolumina erreichen vor allem die geplanten Wasserkraftwerke in Angola, Sambia und Simbabwe.

Insbesondere in Angola wünschen sich staatliche Auftraggeber ausdrücklich den Einsatz deutscher Technologie. Das gilt auch für die Modernisierung und Instandsetzung bestehender Anlagen wie Wasserkraftwerke.

Ausgewählte Großprojekte im Energiesektor
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) und Geldgeber Umsetzungszeitraum und Projektstand Durchführer/Generalauftragnehmer mit Nationalität
Ausbau des Kohlekraftwerks Hwange, Simbabwe 1.100 (Exim Bank of China) 2018-2022; Vorbereitende Bauarbeiten sind angelaufen Sinohydro (China)
Wasserkraftwerk Batoka Gorge, Sambia und Simbabwe 6.000 (BOT) Bauzeit ist auf 6 Jahre angesetzt; Machbarkeitsstudie abgeschlossen, Vorauswahl ist getroffen, Entscheidung für September 2019 vorgesehen (1) General Electric (USA) und Power Corp. of China, (2) Salini Impreglio (Italien), (3) Three Gorges Corp., International Water and Electric Corp., China Gezhouba Co. Ltd. (China)
Wasserkraftwerk Caculo Cabaça, Angola 4.500 (Industrial and Commercial Bank of China, ICBC) Im Bau, Realisierung bis 2024 China Gezhouba Group Corporation (CGGC)
Gaskraftwerk Kudu, Namibia 700 Planung; Baubeginn hat sich bereits um Jahre verzögert Shanghai Electric (China)

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Hafenbau / maritime Seidenstraße

Häfen haben eine Scharnierfunktion für den internationalen Handel und sind daher Kernbestandteile der BRI. Zwar sind nur Standorte an der afrikanischen Ostküste wie Mombasa in Kenia oder Dschibuti in die maritime Seidenstraße einbezogen. China tritt aber rund um den Kontinent beim Bau, der Finanzierung und dem Betrieb von Häfen in Erscheinung. Das Center for Strategic & International Studies (CSIS) hat in einer Studie im Juni 2019 insgesamt 46 Häfen in Afrika identifiziert, an denen chinesische Firmen in der einen oder anderen Weise beteiligt sind. An elf Standorten treten sie als Betreiber auf.

Im südlichen Afrika ist die chinesische Präsenz im Bereich Häfen bisher begrenzt: Sie beschränkt sich auf Bauleitung und Finanzierung. Abgeschlossen sind die Modernisierungen in Beira (Mosambik) und Lobito (Angola). In der Ausführung befinden sich die Erweiterung des größten Hafens Subsahara-Afrikas im südafrikanischen Durban, die bis 2022 abgeschlossen sein soll, und der Bau des SADC Gateway Harbour in Walvis Bay in Namibia. Dieser wird vor allem den Binnenstaaten Botsuana und Sambia einen besseren Zugang zum Meer bieten.

Eine ähnliche Zielsetzung steht hinter dem geplanten Tiefwasserhafen Techobanine südlich der mosambikanischen Hauptstadt Maputo. Über eine ebenfalls neu zu bauende Eisenbahnstrecke soll vor allem Kohle aus Botsuana verschifft werden. Nach guten Erfahrungen beim Bau der Maputo-Catembe-Brücke dürfte in Mosambik die Beteiligung eines deutschen Ingenieurbüros an einem unter Regie eines chinesischen Bauunternehmens durchgeführten Projekt durchaus wieder auf Interesse stoßen. Aus Umweltschutz-Gesichtspunkten ist das Vorhaben allerdings umstritten.

Ein anderer Stolperstein verzögert die Verwirklichung des Tiefwasserhafens Caio in der angolanischen Erdölprovinz Cabinda. Wegen Verdacht auf Korruption hat die neue Regierung in Luanda den bestehenden Konzessionsvertrag mit dem Betreiber Caioporto aufgehoben und plant eine erneute Ausschreibung. Dem bisherigen Auftragnehmer für den Bau, der China Road and Bridge Corporation (CRBC), werden weiterhin gute Chancen für die Umsetzung gegeben.

Ausgewählte Großprojekte im Sektor
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) und Geldgeber Umsetzungszeitraum und Projektstand Durchführer/Generalauftragnehmer mit Nationalität
SADC Gateway Harbour, Walvis Bay, Namibia 4.000 (ADB) Realisierung bis 2025, 1. Phase mit Erdölterminal im Bau, 2. Phase mit Massengut- und Kohleterminal ab 2020 China Harbour Engineering Company (CHEC)
Techobanine Deep Water Port, Mosambik 1.000 (Mehrheitsfinanzierung durch China) Planung, Machbarkeitsstudie durchgeführt CHEC maßgeblich an Planungen beteiligt
Porto de Caio, Angola 780 Teilweise im Bau, Neuausschreibung geplant China Road and Bridge Corporation (CRBC)

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Flughafenbau

Während funktionsfähige Häfen eine zentrale Rolle im Güteraustausch spielen und über 90 Prozent des afrikanischen Außenhandels abwickeln, sind Flughäfen die wichtigsten Eingangstore für Geschäftsreisende. China finanziert derzeit die Modernisierung und den Neubau von mehreren Airports im südlichen Afrika. Meistens sind auch die ausführenden Bauunternehmen chinesischer Herkunft.

Ausgewählte Großprojekte im Sektor
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) und Geldgeber Umsetzungszeitraum und Projektstand Durchführer/Generalauftragnehmer mit Nationalität
Modernisierung Robert Mugabe International Airport, Harare, Simbabwe 153 (Exim Bank of China) Planung China Jiangsu International
Luanda International Airport, Angola 3.800 In Bau bis voraussichtlich 2023 China International Fund (CIF)
Ausbau Kenneth Kaunda Airport, Lusaka, Sambia 360 (Exim Bank of China) In Bau China Jiangxi

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Tabelle mit wichtigen chinesischen Firmen nach Sektoren
Sektor Firmenname Aktivitäten
Energie China Gezhouba Group Corporation (CGGC) Bau von Wasserkraftwerken
Sinohydro Kraftwerksbau
Häfen China Harbour Engineering Company (CHEC) Hafenbau
China Road and Bridge Corporation (CRBC) Straßenbau, Hafenbau

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Unter http://www.gtai.de/seidenstrasse finden Sie zahlreiche weitere GTAI-Beiträge zum Thema neue Seidenstraße.

Dieser Artikel ist relevant für:

Angola, Südafrika, China, Afrika Transport und Verkehr, allgemein, Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Flughafenbau, Wasser-, Hafenbau, Strom-/ Energieerzeugung, Wasserkraft, Seidenstraße

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