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09.08.2019

Aufträge der Asiatischen Entwicklungsbank bieten Chancen

Reform der Beschaffung legt Schwerpunkt auf Qualität / Von Achim Haug

Bonn (GTAI) - Die Asiatische Entwicklungsbank investiert in die Verbesserung der Lebensbedingungen in Asien. Aufträge für Bauprojekte und Beratungsleistungen stehen auch deutschen Unternehmen offen.

Der Bedarf ist gigantisch: In Asien-Pazifik müssen bis 2030 rund 1.700 Milliarden US-Dollar in Energie, Transport, Telekommunikation und Wassermanagement investiert werden, so eine Prognose der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB). Die Bank selbst ist einer der wichtigsten Geber, der diesen Bedarf finanziert. Dabei gibt die ADB nicht nur selbst Geld, sondern aktiviert als Kofinanzierer auch Kapital von privaten Institutionen und anderen Entwicklungsbanken. Darüber hinaus hat sie in den 50 Jahren ihres Bestehens umfangreiches Know-How angesammelt, von dem die Schwellen- und Entwicklungsländer bei der Projektausschreibung und -umsetzung profitieren können.

Neuzusagen steigen seit Jahren

Im Jahr 2018 sagte die Bank 21,6 Milliarden US$ für Neuvorhaben in Form von Krediten oder Zuschüssen zu. Häufig sind die Projekte gemeinsam finanziert mit anderen Geberinstitutionen wie multilateralen Banken und Länderorganisationen, zum Beispiel der japanischen Entwicklungsbank JBIC oder der deutschen KfW-Entwicklungsbank. Von den bilateralen Kofinanzierungspartnern war Deutschland 2018 der größte, vor Frankreich und Japan. Deutschland gehört der ADB seit 1966 als nichtregionales Mitglied an und ist größter Anteilseigner aus Europa.

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Von ADB-Projekten profitieren können deutsche Unternehmen zum einen bei der Ausschreibung von Aufträgen, also zum Beispiel durch Bauausführung oder Lieferung von Technologie sowie durch Beratungsleistungen. Zum anderen unterstützt die ADB private Investitionen mit Kapital. Viele Projektbeteiligungen bei der ADB wiesen in den vergangenen Jahren die Firmen Siemens, Ludwig Pfeiffer Hoch-und Tiefbau, Kirow Ardelt, Hydrovision und Voith auf, kleine Firmen kommen hier kaum zum Zuge. Insgesamt wurden zwischen 2014 und Ende 2018 von deutschen Firmen Zulieferungsaufträge in Höhe von 912 Millionen US$ gewonnen.

Im Bereich Consulting waren mehr kleine Beratungsfirmen vertreten, in den vier Jahren bis 2018 wurden Beraterverträge für 144 Millionen US$ an deutsche Büros vergeben, aus Europa waren nur Berater aus dem Vereinigten Königreich erfolgreicher. Größere Aufträge in den vergangenen Jahren erhielten zum Beispiel die Firmen Lahmeyer, Fichtner, Kocks Consult, Gopa und GKW Consult.

Generell erhalten Firmen aus den Ländern, in denen die Projeke umgesetzt werden, viele Aufträge, gerade im Baubereich eine logische Entscheidung. Daher bieten sich für deutsche Firmen, die noch keine Erfahrung mit der ADB haben, vor allem Partnerschaften an, bei denen sie Unterauftragnehmer sind oder Spezialleistungen bieten. Gerade zum Thema nachhaltige Entwicklung, zum Beispiel was Energieversorgung, Wassernetze und Transport angeht, haben deutsche Firmen wertvolle Erfahrungen anzubieten. So haben in den Bereichen Umwelt und Ingenieurdienstleistungen auch kleinere Beratungsbüros Chancen, Aufträge zu gewinnen.

Die höchsten Neuzusagen, inklusive Kofinanzierungen, erhielten 2018 die Länder Bangladesch, Indonesien, Indien, China, Usbekistan, Pakistan, Vietnam, Philippinen und Thailand. Am meisten Geld floss, wie auch in den Vorjahren, in die Sektoren Energie und Transport, gefolgt von öffentlicher Verwaltung und dem Bereich Landwirtschaft und natürliche Ressourcen. An fünfter Stelle folgte Wasser und andere städtische Infrastruktur. Diese Bereiche werden auch in Zukunft relevant bleiben, daher bieten sich hier für Firmen die besten Chancen. Zum Teil handelt es sich dabei um große Infrastruktur- und Energieprojekte, in deren Rahmen auch vielfältige Einzelaufträge vergeben werden. Es werden aber auch kleinere Studien, zum Beispiel für eine lokale Wasserversorgung finanziert.

Transparenz bei ADB vorbildlich

Die ADB gilt dabei als vorbildlich, was die Transparenz angeht: Sie war 2018 die führende Entwicklungs-Institution im Aid Transparency Index. Gegenüber der von China initiierten Asian Infrastructure Investment Bank hat sie darin die Nase vorn, das Finanzierungsvolumen ist auch noch deutlich höher. China ist ein großes Mitglied und Empfänger von ADB-Geldern, tritt aber auch zunehmend selbst als Finanzierer für Entwicklung und Intrastruktur auf die Bühne. Gleichzeitig haben chinesische Firmen das größte Volumen an gewonnenen Ausschreibungen im Rahmen von ADB-Projekten.

Die Ziele der ADB sind zukünftig vor allem an der Umsetzung der Sustainable Development Goals (SDG) orientiert, dies macht die Langfriststrategie bis 2030 deutlich. Neben der Reduktion von Armut, Ungleichheit und der Verbesserung der Geschlechtergleichheit, stehen vor allem Klima- und Umweltschutz im Fokus. Dazu beitragen sollen regionale Kooperation und Integration sowie lebenswertere Städte. Weiterhin Schwerpunkte bleiben Gesundheitsversorgung, soziale Sicherung und Bildung.

Kampf gegen den Klimawandel hat besondere Bedeutung

Der Kampf gegen den Klimawandel betrifft Asien besonders, viele Städte und Gemeinschaften sind durch steigende Meeresspiegel und extreme Wetterereignisse bedroht oder schon heute betroffen. Die ADB weitet daher ihr Engagement gewaltig aus: zwischen 2019 und 2030 sollen allein aus eigener Finanzierung 80 Milliarden US$ investiert werden, um den Klimawandel zu bekämpfen und die Auswirkungen zu mildern. Deutschland spielt dabei eine besondere Rolle: 2017 wurde gemeinsam mit der ADB der "Asia-Pacific Climate Finance Fonds" aus der Taufe gehoben.

Mit Deutschland kofinanzierte Projekte bieten sich für eine Beteiligung an, in den vergangenen Jahren waren darunter zum Beispiel Projekte im Energiebereich und Stromnetzausbau in Indonesien und Indien, Maßnahmen zur Luftreinhaltung in China oder Gasfelderschließungen in Aserbaidschan.

Qualität und nachhaltige Technologien prägen Beschaffung

Seit ihrer Beschaffungsreform 2017 hat die ADB die Kriterien, die die Finanzierungs-Empfänger bei der Beschaffung von Produkten und Leistungen anlegen müssen, reformiert. Mehr Wert wird seitdem auf die Verwendung von fortgeschrittenen und klimafreundlichen Technologien mit einer längeren Lebensdauer gelegt - nach dem Prinzip Value for Money". Dies hat die Geschäftschancen für deutsche Anbieter verbessert.

Einmal im Jahr veranstaltet die ADB Tage der offenen Tür für Unternehmen an ihrem Hauptsitz in Manila, die Business Opportunities Fair. Diese bieten Unternehmen eine gute Gelegenheit, sich über die Beschaffungsrichtlinien zu informieren und mit den sektoralen Spezialisten die zukünftigen Pläne zu besprechen. Auch in Deutschland werden Info-Workshops zur ADB veranstaltet; die Bank hat eine Repräsentanz in Frankfurt. Die Eintragung in einen Expertenpool kann für Dienstleister nützlich sein. Registrieren können sich die Berater im Consultant Management System.

Internetlinks
Germany Trade & Invest Ausschreibungen http://www.gtai.de/ausschreibungen,http://www.gtai.de/adb Datenbank mit Entwicklungsprojekte und Ausschreibungen
ADB Business Center http://www.adb.org/business/main Infoportal für Unternehmen über die Arbeit mit der ADB
ADB Projects http://www.adb.org/projects Projektdatenbank mit Ausschreibungen und Projektfrühinformationen
ADB Consultant Management System http://www.adb.org/site/business-opportunities/operational-procurement/consulting Plattform für Beratungsaufträge der ADB, Eintrag in Beraterdatenbank möglich
AHK Philippinen https://philippinen.ahk.de Deutsche Auslandshandelskammer in den Philippinen

Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik. Weitere Informationen zur Asiatischen Entwicklungsbank finden Sie unter: http://www.gtai.de/adb

Dieser Artikel ist relevant für:

Philippinen, China, Indien, Bangladesch, Indonesien, Vietnam, Asien Transport und Verkehr, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Entwicklungszusammenarbeit, Wasserversorgung, -gewinnung, Bewässerung, Ausschreibungswesen, Sozialwesen, Armutsbekämpfung

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