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09.01.2018

Auftragschancen im Bereich nachhaltige Energie in EU-Drittstaatenprogrammen

Neue Finanzierungsinstrumente fordern ein Umdenken bei Unternehmen/Von Heike Hoffmann

Brüssel (GTAI) - Beteiligungsmöglichkeiten an EU-Entwicklungsvorhaben zu nachhaltiger Energie standen kürzlich im Fokus eines EU-Sektorseminars in Brüssel. In Zukunft wird es deutlich weniger EU-Ausschreibungen zu Energie geben. Dafür bieten sich zahlreiche Geschäftschancen über Blending, bei dem Zuschüsse der EU mit Krediten kombiniert werden, so dass höhere Projektvolumina entstehen, sowie durch neuartige Garantien für Projekte mit Entwicklungsbanken. (Kontaktadressen)

Bei dem EU-Sektorseminar am 21.11.17 konnten sich Unternehmen über Geschäftschancen in EU-Drittstaatenprogrammen informieren. Thema war nachhaltige Energie, unter dem die EU die zwei Schlüsselkomponenten Erneuerbare Energie und Energieeffizienz fasst. Unter den 102 Teilnehmern aus 14 Mitgliedstaaten, die Vorträge von Sprechern der Europäischen Kommission und weiterer Institutionen anhörten sowie die Kontaktbörse am Nachmittag nutzten, waren 15 Deutsche, die zwölf Firmen vertraten.

Ohne Privatsektor keine nachhaltige Energie

Laut dem Leiter der Abteilung Planet und Wohlstand in der Generaldirektion Internationale Zusammenarbeit und Entwicklung der EU-Kommission, Roberto Ridolfi, können die nachhaltigen Entwicklungsziele der internationalen Gebergemeinschaft bis 2030 nur durch Investitionen in Höhe von 3,9 Billionen US-Dollar (US$) realisiert werden. Die derzeitige Investitionslücke beträgt 2,5 Billionen US$. Allein für Afrika werden zusätzliche 210 Milliarden US$ pro Jahr benötigt.

Auch im Energiesektor reicht die EU-Förderung nicht aus, obwohl in der Finanzierungsperiode von 2014 bis 2020 rund 3,7 Milliarden Euro des Außenhilfebudgets von 82,3 Milliarden Euro für Energie vorgesehen sind, davon allein 2,7 Milliarden Euro für Afrika. Auch übergreifend sind rund 20 Prozent aller Außenhilfe-Fördergelder der EU klimarelevant. 30 Partnerländer, davon 25 in Afrika, haben Energie als Kooperationssektor gewählt. Um bis 2030 weltweit einen Zugang zu Energie zu ermöglichen und den Anteil Erneuerbarer Energien weltweit zu verdoppeln, muss laut Ridolfi eine Billion Euro mobilisiert werden. Der Privatsektor als Investor ist gefragt, auch weil seine Geschäftstätigkeit Arbeitsplätze und Perspektiven vor Ort schaffen.

Neuer Trend: Zuschüsse und Garantien statt Ausschreibungen der EU

In den EU-Drittstaatenprogrammen verstärkt sich der Trend weg von eigenen Ausschreibungen hin zu Kredithebelungen durch Mischfinanzierungen (Blending). Durch Mischfinanzierung kann der hohe Investitionsbedarf in den EU-Partnerländern gedeckt werden, indem EU-Zuschüsse mit Darlehen oder Eigenkapital von öffentlichen und privaten Geldgebern kombiniert werden und private Investitionen freisetzen. Hierdurch werden Investitionsrisiken minimiert und mehr Möglichkeiten in den Partnerländern geschaffen. Die EU-Investitionsfazilitäten sind regional oder thematisch ausgerichtet. Nachhaltige Energie findet sich immer unter den geförderten Sektoren.

Ausgewählte Initiativen im Energiesektor
Titel; Vergabesumme (bisher) Kernmerkmale der Förderinstrumente
Electrification Financing Initiative (ElectriFI); 132 Mio. Euro Hilft Unternehmen bei der Projektausarbeitung und beim Zugang zu Finanzierung sowie Kontakten. Fördersumme 0,5-10 Mio. Euro pro Vorhaben (max. 50% des Gesamtbudgets). Afrika-Fokus. KMU-Förderung.
Africa-EU Renewable Energy Cooperation Programme (RECP); 1 Mrd. Euro Fördert Privatinvestitionen in Energie in Afrika. Informiert über Finanzierungsquellen, Märkte, Projekte, Events. Vermittelt Kontakte. Neu: Technische Hilfe bei Projektausarbeitung.
Western Balkan Investment Framework (WBIF); 492 Mio. Euro Fördert Investitionen in Schlüsselsektoren wie Energie. Klassische Kredithebelung.

(Quelle: EU-Kommission)

Neues Finanzinstrument EIP: Blending 3.0

Das neue Kernstück der EU-Finanzinstrumente ist die Investitionsoffensive für Drittstaaten (EU External Investment Plan, EIP), die sich auf Subsaharaafrika sowie die südliche und östliche Nachbarschaft konzentriert. Ridolfi spricht sogar von Blending 3.0, da dieses flexible, Ende November 2017 geschaffene Instrument den gesamten Investitionsprozess abdeckt und aus drei Säulen besteht. Die EU-Kommission setzt auf den Dreiklang aus 1. Modernen Finanzierungsformen, 2. Technischer Hilfe bei der Projektvorbereitung für Firmen aus den Partnerländern und 3. Reformen und Verbesserung des Investitionsklimas in den Partnerländern

Diese erste Säule, der Europäische Fonds für nachhaltige Entwicklung, sieht finanzielle Förderung durch Blending (2,6 Milliarden Euro) sowie neue Garantien (1,5 Milliarden Euro) vor. Beide Förderbudgets zusammen sollen bis zu 44 Milliarden Euro neuer Investitionen mobilisieren. Weitere Beiträge von EU-Mitgliedstaaten und Finanzierungsinstitutionen könnten diese Summe noch auf das Doppelte steigern. Für Firmen ist besonders die neue Garantie interessant, durch die die EU erstmals über Entwicklungsbanken mit privaten Unternehmen zusammenarbeitet. Diese Garantie deckt bis zu 30 Prozent des Anfangsrisikos von Firmen über Entwicklungsbanken ab und minimiert das Risiko von Investitionen in instabilen Märkten. Eines der fünf Investitionsfenster des EIP konzentriert sich auf nachhaltige Energie und Konnektivität. Interessierte Firmen können Projektideen direkt an Entwicklungsbanken oder die EU richten. Details sind aktuell in Ausarbeitung.

Nachbarschaft und Beitrittskandidaten reich an Energieprojekten

Die Nachbarschaft wird nicht nur durch den EIP, sondern auch durch das Europäische Nachbarschaftsinstrument gefördert. Von 2014 bis 2017 wies die EU 170 Millionen Euro für Energievorhaben zu. In der Östlichen Partnerschaft der EU mit Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Georgien, der Republik Moldau und der Ukraine liegt eine der vier Prioritäten auf dem Themenkomplex Konnektivität, Energie, Effizienz, Umwelt und Klima. Unternehmen können sich auch am Multi-Geberfonds Eastern Europe Energy Efficiency and Environmental Partnerships (E5P) beteiligen, von dem die EU 78 Millionen Euro finanziert und Vorhaben ausschreibt. In den Beitrittskandidatenstaaten förderte das Instrument für Heranführungshilfe II Energie von 2014 bis 2017 mit 180 Millionen Euro.

Kontaktadressen

(HHO)

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