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01.02.2019

Ausbau der Bahnstrecke Koper-Divaca vor dem Start

EU-Mittel helfen bei der Finanzierung / Von Waldemar Lichter

Ljubljana (GTAI) - Die slowenische Regierung dem Ausbau der Bahnstrecke Koper-Divaca Ende Januar 2019 zugestimmt. Damit können die Arbeiten aufgenommen werden.

Die Erweiterung der bestehenden Eisenbahnlinie zwischen dem slowenischen Adria-Hafen Koper und der Ortschaft Divaca im Küstenhinterland um ein zweites Gleis ist das derzeit größte Infrastrukturvorhaben des Landes. Die Beratungsfirma Deloitte schätzt die Höhe der notwendigen Investitionen auf 1.194 Millionen Euro (ohne Mehrwertsteuer), davon 1.150 Millionen Euro Baukosten.

Nach der Genehmigung des Investitionsprogramms, das die für die Realisierung des Vorhabens und den späteren Betrieb der Strecke zuständige staatliche Gesellschaft 2TDK d.o.o. der Regierung vorlegte, kann mit den Projektierungs- und Vorbereitungsarbeiten begonnen werden. Die ersten Ausschreibungen dafür sind bereits durchgeführt und entschieden worden. Weitere Tender für den Bau und die Ausrüstung der zweiten Bahnlinie wird die als Investor fungierende 2TDK d.o.o. veröffentlichen.

Nur ein Bewerber bei der Ausschreibung

Auf die Ausschreibung zur Ausarbeitung der Projektdokumentation vom November 2018 hat lediglich ein Bewerber reagiert. Ein Angebot in Höhe von 19,93 Millionen Euro (ohne Mehrwertsteuer) reichte ein slowenisches Firmenkonsortium von Elea iC, S?-Projektivno podjetje und IRGO Consulting ein.

Den Zuschlag bei einem Tender für den Bau von Zugangsstraßen und anderen vorbereitenden Arbeiten bekamen die Firmen Kolektor CPG (Nova Gorica/ Slowenien) und Euroasfalt (Sarajewo/Bosnien und Herzegowina). Das Auftragsvolumen beläuft sich auf 14,5 Millionen Euro. Beide Firmen machen einen Aufschlag von 2,5 Millionen Euro geltend. Die Begründung dafür sind gestiegene Kosten in der Bauindustrie, dies auch infolge von Verzögerungen bei der Realisierung des Vorhabens.

Wettbewerbsvorteile für Koper durch Ausbau der Bahnstrecke

Der Ausbau der Bahnstrecke Koper-Divaca gehört zu strategisch wichtigen Projekten der slowenischen Regierung im Transport- und Verkehrssektor. Mit dem Ausbau sollen die Kapazität der Bahnlinie und die Transportgeschwindigkeit erhöht werden. Ziel ist es, dem Hafen Koper Wettbewerbsvorteile gegenüber andern Adria-Häfen, wie vor allem Triest und Rijeka, zu verschaffen.

Gleichzeitig sollen die Fernstraßen und Autobahnen Richtung Küste entlastet werden, wenn Güter statt über die Straße per Bahn zum Hafen transportiert werden. Die dem Investitionsprogramm für das Vorhaben zugrunde liegenden Szenarien gehen von einem Anstieg des Güterumschlags im Hafens Koper von 27,4 Millionen im Jahr 2020 auf 41,7 Millionen Tonnen 2040 ohne Ausbau und von 26,2 Millionen auf 50,3 Millionen Tonnen durch den Ausbau der Bahnstrecke aus.

Die Transportleistung der Bahn zum Hafen Koper würde ohne Ausbau mit 14,0 Millionen Tonnen im Jahr konstant bleiben. Das Ausbau-Szenario sieht dagegen einen Anstieg auf 27,2 Millionen Tonnen vor. Durch das Vorhaben wird sich die Geschwindigkeit der Güterzüge auf der Strecke von derzeit bis zu 75 auf 160 Kilometer/Stunde erhöhen.

Finanziert werden soll das Vorhaben laut dem von der Regierung genehmigten Investitionsplan unter anderen aus Mitteln der Europäischen Union (250 Millionen Euro), Krediten der slowenischen Export- und Entwicklungsbank SID (250 Millionen) sowie durch kommerzielle Bankkredite (167 Millionen). Weitere 400 Millionen Euro würden aus dem slowenischen Staatshaushalt und 122 Millionen Euro aus den Straßenmauteinnahmen kommen.

Slowenien möchte Ungarn beteiligen

Diskutiert wird die Beteiligung der ungarischen Regierung an der Finanzierung des Vorhabens. Slowenien signalisiert ein prinzipielles Interesse daran, vermutet jedoch, dass Ungarn eher Interesse daran hätte, Teile der slowenischen Küste in langfristige Pacht zu nehmen. Das lehnen die Slowenen ab. Angesichts der Vorbehalte kündigten ungarische Regierungsvertreter an, sich auf die Zusammenarbeit mit dem italienischen Adria-Hafen Triest und nicht auf Koper zu konzentrieren.

Die Tür für eine ungarische Beteiligung sei jedoch weiterhin offen, heißt es in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana. Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit werde schließlich durch die kürzlich abgeschlossene Modernisierung und Elektrifizierung des wichtigen slowenischen Bahnabschnitts zwischen Pragersko und Hodos Richtung Ungarn unter Beweis gestellt. Die Kosten des Vorhabens werden auf 466 Millionen Euro, davon 23 Millionen aus dem Kohäsionsfonds der EU, beziffert. Über Koper werden nach Angaben des ungarischen Außenwirtschaftsministers Peter Szijjarto rund 170.000 Container pro Jahr von ungarischen Unternehmen verladen oder empfangen.

Internetadresse

2TDK, Druzba za razvoj projekta, d.o.o. (Projektentwicklungsgesellschaft)

http://www.drugitir.si

Weitere Informationen zu Slowenien finden Sie unter http://www.gtai.de/Slowenien

Dieser Artikel ist relevant für:

Slowenien, Ungarn Außenhandel / Struktur, allgemein, Eisenbahnbau

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Ingeborg Kozel

‎+49 228 24 993 365

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