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08.06.2018

Ausbau der brasilianischen Infrastruktur macht Fortschritte

Projektvergabe durch Regierung / Von Edwin Schuh

Bogotá - Die wieder bessere Wirtschaftslage wirkt sich positiv auf die Investitionen in die brasilianische Verkehrsinfrastruktur aus. Das Programm der Regierung unter Präsident Michel Temer setzt auf eine stärkere Beteiligung des Privatsektors. Zahlreiche Projekte wurden bereits an private Unternehmen konzessioniert, darunter Hafenterminals und Flughäfen. Autobahnen und Zugstrecken sollen folgen. Dennoch investiert Brasilien im internationalen Vergleich nicht genug in seine Infrastruktur.

Das Infrastrukturprogramm Programa de Parcerias de Investimentos (PPI, http://www.avancarparcerias.gov.br) der Regierung Temer, welches auch die Sektoren Energie und Rohstoffe umfasst, kam 2017 gut voran. So wurden im vergangenen Jahr 70 der insgesamt 145 Projekte des PPI vergeben. In diesem Jahr sollen die verbleibenden 75 Projekte konzessioniert werden, der Großteil davon im Bereich Transport. Die Regierung erhofft sich dadurch Investitionen von rund 40,9 Milliarden US-Dollar (US$), zusätzlich zu den bereits 2017 zugesagten Investitionen von 43,7 Milliarden US$. Das Programm bezieht Unternehmen stärker ein und entlastet den Staat, indem die Vorhaben als öffentlich-private Partnerschaften strukturiert werden.

Neuer Anlauf bei Bahnstrecken

Nachdem der Ausbau des Schienennetzes in den vergangenen Jahren stockte, sollen 2018 endlich drei viel diskutierte Zugstrecken konzessioniert werden. Die Nord-Süd-Eisenbahn (Ferrovia Norte-Sul) soll quer durch Brasilien zwischen dem nördlichen Bundesstaat Pará und der Stadt Rio Grande im Süden Güter befördern. Zunächst soll jedoch nur ein 1.500 Kilometer langes Teilstück zwischen den Bundesstaaten São Paulo und Tocantins, welches von der staatlichen Eisenbahngesellschaft VALEC bereits teilweise gebaut wurde, fertiggestellt und für 30 Jahre betrieben werden. Die notwendigen Investitionen werden mit 857 Millionen US$ beziffert, ein Großteil entfällt auf rollendes Material.

Die Fertigstellung und der Betrieb der Ostwest-Integrationsstrecke Fiol (Ferrovia de Integração de Oeste-Leste) an den geplanten neuen Großhafen Porto Sul in Bahia soll ebenfalls 2018 konzessioniert werden. Chinesische Investoren zeigen Interesse, die notwendigen Investitionen schätzt die Regierung auf 355 Millionen US$. Die dritte Zugverbindung, die 2018 vergeben werden soll, ist das 4-Milliarden-US$-Projekt Ferrogrão. Über diese Strecke sollen zukünftig 42 Millionen Tonnen Agrargüter jährlich von der Kornkammer Brasiliens, dem Bundesstaat Mato Grosso, bis hin zum Flusshafen Miritituba in Pará befördert werden. Für den Neubau und Betrieb von Ferrogrão für 65 Jahre interessiert sich ein Konsortium aus den Agrarhandelskonzernen ADM, Amaggi, Bunge, Cargill und Louis Dreyfus.

Autobahnen für 15 Milliarden US$

Bei Autobahnen umfasst das PPI acht Strecken, deren Konzessionen bald auslaufen und die daher neu vergeben werden sollen. Die Konzessionsverträge mit Laufzeiten von 30 Jahren schreiben auch Investitionen in den Ausbau und die Verbesserung der Strecken vor, insgesamt sollen rund 15 Milliarden US$ fließen. Die Ausgaben holen sich die Unternehmen mit Mautgebühren zurück.

Die höchsten Investitionen werden für die 400 Kilometer lange Achse zwischen São Paulo und Rio de Janeiro "Nova Dutra" veranschlagt. Die Verbindung ist Brasiliens Autobahnkonzession mit dem höchsten Verkehrsaufkommen. Es beträgt 858.000 Fahrten sowie 666 Pannen und Unfälle täglich. Derweil machen die unter der ehemaligen Präsidentin Dilma Rousseff vergebenen Autobahnkonzessionen aus den Jahren 2013/14 keine Fortschritte. Gerade einmal 17,3 Prozent der vereinbarten 3.162 Kilometer wurden doppelspurig ausgebaut, die Unternehmen Invepar und Galvão Engenharia mussten ihre Konzessionen wegen ausbleibender Investitionen wieder abgeben.

Hohe Investitionen verspricht sich die Regierung auch durch die Verpachtung von Hafenterminals. Das PPI sieht für 2018 Auktionen für Terminals in den Häfen Paranaguá (Zellulose, Kfz, Getreide), Vitória (Flüssigkeiten), Itaqui (Fracht), Belém (Flüssigkeiten), Miramar (Flüssiggas), Vila do Conde (Flüssigkeiten) und Santana (Holzspäne) vor. Im Zuge der Verpachtung der Hafenterminals für Zeiträume von 20 bis 35 Jahren sollen die Unternehmen 678 Millionen US$ investieren. Daneben hat Präsident Temer die Verlängerung der Verträge mit privaten Betreibern von Hafenterminals auf maximal 70 Jahre flexibilisiert. Diese verpflichten sich im Gegenzug zu neuen Investitionen. Der Verband der Hafenterminals Associação Brasileira dos Terminais Portuários (ABTP) rechnet dadurch für die kommenden Jahre mit Investitionen von 8 Milliarden US$.

Großes Interesse an Flughäfen

Im Bereich Flughäfen wurden die größten Projekte bereits 2017 verteilt: Der deutsche Betreiber Fraport AG erhielt Zuschläge zum Ausbau und Betrieb der Flughäfen in Fortaleza und Porto Alegre, der Flughafen Florianópolis ging an die Flughafen Zürich AG und die französische Vinci Airports ersteigerte die Konzession für den Flughafen in Salvador. Investitionen in Höhe von rund 2,1 Milliarden US$ werden die Konzessionäre erst nach Übernahme des jeweiligen Flughafenbetriebs ab 2019 angehen.

Das relativ hohe Interesse an den Projekten veranlasste die Regierung zur Ankündigung von 13 neuen, kleineren Flughafenkonzessionen, die im 4. Quartal 2018 versteigert werden sollen. Als besonders lukrativ gilt dabei der Flughafen von Vitória. Daneben gehören mehrere Flughäfen im Nordosten Brasiliens, darunter Recife, sowie Flughäfen im Bundesstaat Mato Grosso zu der Ausschreibung. Insgesamt sollen die zukünftigen Betreiber 1,4 Milliarden US$ in die Projekte investieren.

Experten zufolge ist das PPI-Infrastrukturprogramm zwar erfolgreich, allerdings sei das Portfolio der Regierung an zukünftigen Ideen sehr dünn, sobald die oben angesprochenen Projekte vergeben sind. Hinzu kommt, dass im Wahljahr 2018 strengere Regeln hinsichtlich der Ankündigung neuer Infrastrukturprojekte für die Regierung gelten.

Gemäß der Weltbank investiert Brasilien aktuell nur rund 2 Prozent seines BIP in Transport und Energie. Mindestens 3 Prozent wären notwendig, um zumindest den Wertverlust der bestehenden Infrastruktur abzudecken. Der weltweite Schnitt liegt bei 3,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die nächste brasilianische Regierung, welche ab 2019 übernimmt, sollte daher höhere Investitionen in die Infrastruktur als Priorität setzen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Brasilien finden Sie unter: http://www.gtai.de/brasilien

Dieser Artikel ist relevant für:

Brasilien Eisenbahnbau, Straßen-, Brücken- und Tunnelbau, Flughafenbau, Wasser-, Hafenbau

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