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13.02.2019

Ausbau der Chemieindustrie in Kuwait verzögert sich weiter

Ausschreibung des Mega-Projekts Az Zour nun frühestens 2020 / Von Robert Espey

Dubai/Kuwait Stadt (GTAI) - Der Bau der dritten Olefin-Anlage und des zweiten Aromaten-Werks droht eine unendliche Geschichte zu werden. Seit 2006 läuft die Planung für das 10 Milliarden US$ Projekt.

Nach einer Reorganisation der Zuständigkeiten für den im Aufbau befindlichen Az Zour Oil and Petrochemical Complex hatte es 2017 und 2018 wieder mehr Bewegung bei der lange festgefahrenen Planung des Az Zour Petrochemical Complex gegeben. Jetzt sieht es aber wieder nach neuen Verzögerungen aus. Der 2016 gegründeten Kuwait Integrated Petroleum Industries Company (KIPIC), einer Tochter der Kuwait Petroleum Corporation (KPC), wurde 2017 die Verantwortung für die Entwicklung des Az Zour Oil and Petrochemical Complex übertragen. Zuvor waren die Petrochemicals Industries Company (PIC) und die Kuwait National Petroleum Company (KNPC) zuständig, beide Unternehmen gehören ebenfalls zur KPC.

Neben dem geplanten Petrochemie-Werk sind im Az Zour Oil and Petrochemical Complex das schon weit fortgeschrittene Az Zour Raffinerie-Projekt (Kapazität: 0,6 Millionen barrel per day; erwartete Fertigstellung: 2021) sowie der ebenfalls bereits im Bau befindliche LNG Importterminal (Liquefied Natural Gas; 2020) angesiedelt.

Der Az Zour Petrochemicals Complex soll über eine Kapazität von rund 2,8 Millionen Tonnen/Jahr Aromaten und Polypropylen sowie 1,7 Millionen Tonnen Benzin verfügen. Das auf 10 Milliarden US-Dollar (US$) kalkulierte Projekt wird aus drei Hauptelementen bestehen: Olefin 3, Kuwaits zweite Aromaten-Anlage und ein katalytischer Cracker. Im Herbst 2017 ging der FEED-Auftrag (Front End Engineering Design) an das britische Unternehmen Amec Foster Wheeler (Wood Group).

Technische Planung frühestens Ende 2019 abgeschlossen

Die FEED-Arbeiten sollten bis Mitte 2018 abgeschlossen sein, dann wurde von Anfang 2019 gesprochen, jetzt heißt es voraussichtlich Ende 2019. Ausschreibungen sind nun erst 2020 zu erwarten. Mit einer Inbetriebnahme ist frühestens 2025 zu rechnen. Als Technologielieferant bekam 2017 das US-Unternehmen Honeywell UOP den Zuschlag.

Im Juni 2018 hatte die KIPIC interessierte Unternehmen aufgefordert, sich für die Bauaufträge zu präqualifizieren. Die Bewerbungsfrist wurde mehrfach verlängert und endete letztlich am 20. Dezember 2018. Insgesamt 17 Unternehmen beziehungsweise Konsortien sollen sich gemeldet haben, darunter kein deutscher Interessent.

Obwohl Kuwaits drittes Olefin-Werk weiterhin in der Planungsphase feststeckt, kündigt die PIC schon den Bau einer vierten Olefin-Anlage an. PIC zufolge wurde bereits 2018 mit ersten Durchführbarkeitsstudien begonnen. Berater (Technical and Project Advisors) werden derzeit gesucht. Es sind ein Ethan-Cracker sowie Anlagen zur Produktion von Polyethylen, Ethylenglycol und verschiedener Spezialchemikalien vorgesehen. Das Werk soll ab 2025 schrittweise den Betrieb aufnehmen.

Die PIC arbeitet auch an Plänen zum Bau neuer Anlagen zur Herstellung von BOPP (Biaxially Oriented Polypropylene), Polypropylen sowie von LLDPE (Linear Low Density Polyethylene) und HDPE (High Density Polyethylene). Hier sollen private Investoren als Partner gewonnen werden.

PIC und Dow Chemical dominieren petrochemische Produktion

Die beiden wichtigsten Akteure in Kuwaits (aktuell produzierender) petrochemischer Industrie sind die PIC und das US-Unternehmen Dow Chemical. Die PIC hat mit Dow Chemical zwei Joint Venture gegründet, die EQUATE Petrochemical Company und die Kuwait Olefins Company (KOC). An beiden Gemeinschaftsunternehmen sind die PIC und Dow Chemicals mit jeweils 42,5 Prozent beteiligt. Die restlichen Anteile entfallen auf die Qurain Petrochemical Industries Company (6 Prozent) und die Boubyan Petrochemical Company (9 Prozent), an beiden Unternehmen ist die PIC beteiligt.

Die Gemeinschaftsunternehmen sind Eigentümer der beiden existierenden Olefin-Anlagen. Kuwaits erstes Olefin-Werk wurde 1997 von EQUATE fertiggestellt, das zweite 2009 von der KOC. EQUATE verfügt über Produktionsanlagen zur Herstellung von Ethylen, Ethylenglycol und Polyethylen, der Ausstoß von Ethylenglycol und Polyethylen erreichte im Geschäftsjahr 2017/18 (April bis März) insgesamt 1,29 Millionen Tonnen. Dies waren 5 Prozent weniger als geplant, als Grund wird eine unzureichende Versorgung mit Gas angegeben. Die KOC produzierte 2017/18 fast 0,82 Millionen Tonnen Ethylenglycol.

Kuwaits bislang einziger, seit 2009 produzierender Aromaten-Hersteller gehört der Kuwait Aromatics Company (KARO), Anteilseigner sind mit jeweils 40 Prozent die PIC und die KNPC, die Qurain Petrochemical Industries Company hält 20 Prozent. KARO besitzt zwei Fabriken, die Kuwait Paraxylene Production Company (KPPC) und die Kuwait Styrene Company (KSC). KARO ist alleiniger Eigentümer der KPPC, die Paraxylen-Produktion lag 2017/18 bei 0,74 Millionen Tonnen. An der KSC ist neben KARO auch Dow Chemical mit 42,5 Prozent beteiligt, die KSC meldet für 2017/18 einen Styrolmonomer-Ausstoß von 0,43 Millionen Tonnen.

Die PIC ist alleiniger Eigentümer eines seit 1997 produzierenden Polypropylen-Werks. Der Ausstoß wird für 2017/18 mit 0,15 Millionen Tonnen angegeben.

Die PIC-Strategie sieht eine Konzentration auf die Bereiche Olefin und Aromaten vor. Deshalb wurde die 1966 begonnene Düngemittelproduktion aufgegeben. Im Juni 2018 erfolgte die Stilllegung der Anlagen zur Herstellung von Ammoniak und Harnstoff. Die Produktion lag 2017/18 bei 1,8 Millionen Tonnen. Die Düngemittelherstellung war die erste Produktionsaktivität der 1963 gegründeten PIC.

EQUATE betreibt neben den eigenen Fabriken auch die Produktionsstätten der KOC, der KSC, der KPPC sowie das PIC Polypropylen-Werk. Nach Angaben von EQUATE ist das Unternehmen in Kuwait zuständig für petrochemische Anlagen mit einer Gesamtkapazität von rund 5,8 Millionen Tonnen. Die Kapazitäten verteilen sich auf Ethylen (1,7 Millionen Tonnen), Polyethylen (1 Millionen Tonnen), Ethylenglycol (1,2 Millionen Tonnen), Paraxylen (0,9 Millionen Tonnen), Styrolmonomer (0,5 Million Tonnen), Polypropylene (0,1 Millionen Tonnen), Benzol (0,4 Millionen Tonnen) und schwere Aromaten (0,1 Millionen Tonnen). Alle EQUATE Produktionsaktivitäten sind in der Industriezonen Shuaiba angesiedelt und befinden sich unter dem Dach eines integrierten Operationssystems.

Kuwait investiert weiter im Ausland

Das kanadische Unternehmen Pembina Pipeline hat Anfang Februar (2019) bekanntgegeben, dass gemeinsam mit der PIC ein 3,4 Milliarden US$ Chemie-Projekt in der Nähe von Edmonton, der Hauptstadt der kanadischen Provinz Alberta, realisiert werden soll. Es sind ein PDH-Werk (Propane Dehydrogenation) und eine Polypropylene-Anlage mit einer Jahreskapazität von 0,55 Millionen Tonnen geplant. Die benachbarte, von Pembina betriebene Gasaufbereitungsanlage (Redwater Fractionation Complex) soll täglich 23.000 Barrel Propan bereitstellen.

Kuwait ist seit langem im Petrochemiesektor als Auslandsinvestor aktiv. Die 2004 gegründete MEG Global mit Sitz in Dubai ist eine 100prozentige EQUATE Tochter mit drei Werken zur Produktion von Monoethylenglycol (MEG) in Kanada (Alberta), die Gesamtkapazität beträgt 1,34 Millionen Tonnen. Eine weitere MEG-Anlage soll 2019 in Texas (Freeport) in Betrieb gehen (Kapazität: 0,75 Millionen Tonnen).

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