Suche

08.08.2019

Ausländische Direktinvestitionen in Indonesien sinken weiter

Regierung will mehr Branchen für nicht-indonesische Unternehmen öffnen / Von Frank Malerius

Jakarta (GTAI) - Im 1. Halbjahr 2019 schrumpften die ausländischen Direktinvestitionen in Indonesien um 6,6 Prozent. Die Regierung startet einen neuen Anlauf zur Lockerung der Negative Investment List.

Indonesien hat im 1. Halbjahr 2019 ausländische Direktinvestitionen in Höhe von 14,2 Milliarden US-Dollar (US$) eingeworben. Das vermeldet die Investitionsbehörde BKPM. Die Summe entspricht einem Minus von 6,6 Prozent gegenüber demselben Zeitraum des Vorjahres und einem Rückgang von 8,4 Prozent im Vergleich zu 2017.

In Landeswährung steht für das 1. Halbjahr 2019 hingegen ein Wachstum des FDI (Foreign Direct Investment) um 4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu Buche. Grund für die Diskrepanz ist der Wertverfall der indonesischen Währung. Für das FDI im 1. Halbjahr 2018 wurde ein Kurs von 13.400 Rupiah für 1 US$ zugrunde gelegt, in den ersten sechs Monaten 2019 ein Umrechnungskurs von 15.000 Rupiah. Mittlerweile (Stand: Anfang August 2019) hat sich die Rupiah wieder auf einen Umrechnungskurs von 14.000 zum US-Dollar erholt.

Der erneute Rückgang des FDI dürfte die laufende Debatte um die Öffnung der indonesischen Wirtschaft befeuern. Denn dauerhaftes Wachstum, die Anhebung der technologischen Fähigkeiten der heimischen Wirtschaft sowie die Schaffung von mehr Arbeitsplätzen sind nur mit ausländischer Hilfe zu schaffen.

Konkret gemeint ist damit die Lockerung der sogenannten Negative Investment List, die festlegt, ob und in welchem Umfang ausländische Investoren Unternehmensanteile in den verschiedenen Branchen halten dürfen. Bereits Ende 2018 war eine Lockerung beschlossen und auch über die Presse verkündet worden, bevor sie in letzter Minute nach Protesten der konkurrenzscheuen heimischen Wirtschaft gestoppt wurde.

MKT201908078004.15

Eigene Herstellung soll Importe ersetzen

Beobachter fordern vor allem die Öffnung im Bereich der Herstellung von Vorprodukten, von deren Import die heimische Industrie abhängig ist. Nach der Systematik des Handelsministeriums entfallen drei Viertel aller Einfuhren auf sie. Der Chefökonom der indonesischen Bank Central Asia fordert außerdem die Öffnung des Bildungs- und Gesundheitssektors für ausländische Investoren, um die Devisen des andernfalls notwenigen Einkaufs von Waren und Dienstleistungen einzusparen.

Laut dem Koordinierenden Wirtschaftsminister Darmin Nasution arbeitet sein Ministerium an einer erneut liberalisierten Negative Investment List, die dann Präsident Joko Widodo vorgelegt werden soll. Alle paar Jahre gibt es eine Revision der Negativliste, die letzte stammt von 2016.

Der Präsident hatte auf seiner ersten öffentlichen Rede nach seiner Wiederwahl das Anwerben von Investitionen als eines von fünf Kernzielen seiner zweiten und letzten Amtszeit vorgestellt (auf Rang drei hinter dem Infrastrukturausbau und der Verbesserung des Bildungsniveaus). "Es darf keine Hindernisse mehr für Investitionen geben, weil sie der Schlüssel für die Schaffung von mehr Jobs sind", sagte Widodo und spielte damit auf Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung als das größte gesellschaftliche Problem an.

Tatsächlich werden die getätigten Investitionen von BKPM stets in die Anzahl neugeschaffener Jobs ("labor absorbtion") umgerechnet. Bei den FDI hat sich die Zahl zwischen 2014 (1,1 Millionen) und 2018 (490.000) mehr als halbiert. Für das 1. Halbjahr 2019 werden 252.000 aus FDI resultierende neue Arbeitsplätze angegeben.

MKT201908078004.14

Aus Deutschland kam zuletzt weniger als ein Prozent der FDI

Der größte Teil des FDI fließt in den Infrastruktursektor - vor allem in die Gas-, Wasser- und Stromversorgung, für deren Auf- und Ausbau Indonesien vielfach eigenes Know-how fehlt. Deutsche Unternehmen sind bei Großprojekten selten als Generalunternehmer tätig, auch weil sie strikteren Complianceregeln unterliegen als Firmen aus asiatischen Ländern. Dafür sind sie vielfach als Zulieferer von Komponenten engagiert.

Weniger als ein Prozent des FDI kommt laut BKPM-Statistiken aus Deutschland. Die deutschen Direktinvestitionen betrugen im 1. Halbjahr 2019 knapp 135 Millionen US$, verteilt auf 426 Projekte. Davon flossen 87 Millionen in 21 Projekte der chemischen und pharmazeutischen Industrie. Weitere 22 Millionen US$ wurden in die metallverarbeitende und elektronische Industrie investiert.

Die FDI-Daten sind allerdings stets mit Vorsicht zu genießen und nie ein punktgenaues Abbild der Realität. Denn einige Investitionen werden gar nicht oder erst mit jahrelanger Verspätung erfasst. Auch die Rangliste der Herkunftsländer hat erhebliche Unschärfen. Denn viele ausländische, auch westliche, Unternehmen tätigen ihre Investitionen über Singapur.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
BKPM http://www.bkpm.go.id Indonesische Investitionsbehörde

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indonesien können Sie unter http://www.gtai.de/indonesien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Indonesien Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland, Investitionen aus dem Ausland / Joint Ventures, Außenwirtschaftspolitik, allgemein

Funktionen

Kontakt

Anna Westenberger

‎+49 30 200 099 393

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche