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06.02.2019

Ausländische Firmenübernahmen in Italien nehmen zu

Mittelstand hat Markteinstieg oder größere Marktanteile zum Ziel / Von Oliver Döhne

Mailand (GTAI) - Der italienische Markt ist attraktiv. Immer mehr ausländische Firmen steigen ein, indem sie eine italienische Gesellschaft übernehmen.

Wenn es um industrielle Fertigung und Design geht, sind italienische Unternehmen höchst kompetent. Das schafft bei ausländischen Akteuren regelmäßig "strategischen Appetit", über einen Firmenkauf Zugang zu bekommen, sagt Massimo Benedetti, leitender Transaktionsberater bei der Wirtschaftsprüfungs- und Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC).

Das dem so ist, bestätigt eine Bestandsaufnahme des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG. KPMG registrierte 2018 in Italien insgesamt 276 Firmenzusammenschlüsse und Übernahmen ausländischer Unternehmen, 4,1 Prozent mehr als 2017. Prominenteste Fälle waren der Kauf des Modelabels Versace durch die US-Firma Michael Kors, die Fusion des italienischen Ray Ban-Sonnenbrillenherstellers Luxottica mit der franzöischen Essilor und der Übergang von Magnetti Marelli von Fiat-Chrysler zum japanischen Kfz-Zulieferer Calsonic Kansei.

Auch deutsche Unternehmen werden bei der Suche nach einem Übernahmeziel in Italien fündig, obwohl hier laut Experten noch viel ungenutztes Potenzial liegt. Schließlich sind deutsche und italienische Industrieunternehmen in ähnlichen Märkte aktiv, agieren beide in der Weltspitze und ergänzen sich häufig bestens in ihren Produktpaletten. Für Osram bedeutete die Übernahme von Clay Paky im Jahr 2016 die Erschließung eines interessanten neuen Marktsegments: Clay Paky ist ein Hersteller von Spezialbeleuchtung und Scheinwerfern für die Unterhaltungsindustrie. Für Kärcher, Weltmarktführer für Reinigungstechnik, ist der 2014 übernommene italienische Kehrmaschinenhersteller und Produzent von Metallteilen ISAL, heute das Entwicklungszentrum von großen Heavy Duty-Kehrmaschinen.

Eine weitere Motivation für einen Firmenkauf kann sein, einen Zulieferer in die eigene Organisation zu integrieren, wie es Bosch durch Übernahme von Albertini Cesare, einem Hersteller von Aluminiumgussteilen, tat, unter anderem um eine zuverlässige Versorgung von Vorprodukten sicherzustellen.

Hauptargument aber bleibt, einen schnellen Marktzugang zu erhalten und auf einen Schlag erwähnenswerte Marktanteile zu erobern. Als Heidelberg Zement 2016 die Mehrheit am italienischen Konkurrenten Italcementi erwarb, erhielt das Unternehmen dadurch nicht nur umgehend eine starke Position in Italien, sondern auch in Frankreich und Schwellenländern wie Ägypten, Marokko und Kasachstan sowie in den USA und Kanada.

"Auch für kleine und mittelständische Firmen kann eine Übernahme Sinn machen", sagt Michael Lamm, Senior Manager Merger & Acquisitions in der Deutsch-Italienischen Handelskammer in Mailand. Nach einer langen Karriere im italienischen Finanzsektor berät und unterstützt Lamm heute deutsche und italienische KMU bei gegenseitigen Beteiligungen und Firmenkäufen.

"Viele italienische Firmenlenker haben Nachfolgeprobleme und sind offen für Übernahmeangebote", sagt Lamm. Andere erhoffen sich eine Wertsteigerung durch eine enge Zusammenarbeit mit einem angesehenen deutschen Unternehmen. Was das Risiko betrifft, ist Lamm der Überzeugung, dass ein Markteinstieg via Übernahme - wenn sie denn sorgfältig vorbereitet und geprüft ist - weniger riskant ist als ein Alleingang, da viele typische Anfangsprobleme auf dem fremden Markt entfallen.

Kontaktadresse

Deutsch-Italienische Handelskammer Mailand

Ansprechpartner: Michael Lamm

Senior Manager Merger & Acquisitions

T +39 02 3980 0916

M +39 33 5105 1545

lamm@deinternational.it

HYPERLINK "https://www.ahk-italien.it/"https://www.ahk-italien.it

Weitere Informationen über Italien können Sie unter http://www.gtai.de/Italien abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Italien Kleine und mittlere Unternehmen (KMU), Investitionen im Ausland / Joint Ventures

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Barbara Kussel

‎+49 228 24 993 356

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