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08.11.2019

Ausländische Investitionen in Rumänien nehmen stetig zu

Wegen hohen Marktpotenzials bleibt das Land ein attraktiver Investitionsstandort / Guenter Maier

Bukarest (GTAI) - In Rumänien stieg der Bestand an ausländischen Direktinvestitionen 2018 um 7 Prozent. Das EU-Land bleibt mittelfristig für deutsche Unternehmen ein bedeutender Investitionsstandort.

Rumänien ist ein Staat mittlerer Größe in Europa. Das südosteuropäische Land steht in der Europäischen Union (EU-27) nach der Bevölkerungszahl an 6. und flächenmäßig an 8. Stelle. Die Nachfrage nach mehr Kapazitäten in der Industrieproduktion wie auch beim Konsumgütervertrieb bewegen die Wirtschaftsentwicklung an. Der Wachstumspfad wird sich insgesamt mittelfristig fortsetzen. Die ausländischen Direktinvestitionen (FDI) nahmen in den vergangenen Jahren stetig zu.

Bestand der ausländischen Direktinvestitionen (FDI) in Rumänien (in Millionen Euro)
2016 2017 2018
Ausländische Direktinvestitionen (FDI) 70.113 75.851 81.124
Veränderung zum Vorjahr in % 8,8 8,2 7,0
Beteiligungskapital inkl. reinvestierte Gewinne 48.964 52.746 57.479
Direktinvestitionskredite 21.149 23.105 23.645

Quelle: Zentralbank Rumäniens, https://www.bnr.ro/Publicatii-periodice-204.aspx

Geordnet nach Wirtschaftszweigen (NACE Revision 2) entfielen vom Bestand der FDI Ende 2018 insgesamt 30,9 Prozent beziehungsweise rund 25 Milliarden Euro auf die verarbeitende Industrie. Wichtigste Investitionssparten waren ferner die Baubranche inklusive Immobilientransaktionen (16,8 Prozent), der Handel (15,8 Prozent) sowie Finanzdienstleitungen und Versicherungen (11,5 Prozent). Die Stromerzeugung und Gasproduktion sowie die Wasserwirtschaft erhielten insgesamt 7,4 Prozent der ausländischen Direktinvestitionen.

Nach Herkunftsländern liegen die Niederlande beim FDI-Bestand in Rumänien (Ende 2018) mit einem Anteil von 23,9 Prozent auf der Spitzenposition. Es folgen Deutschland (12,7 Prozent), Österreich (12,2 Prozent), Italien (9,5), Zypern (6,2), Frankreich (6,2), Schweiz (4,5), Luxemburg (4,2), Belgien (2,8) und Großbritannien (2,1 Prozent).

Die Region mit den meisten Investitionen ist Bukarest mit dem Kreis Ilfov (Anteil: 60,7 Prozent). Die Zentralregion (Kreise Alba, Bra?ov, Covasna, Harghita, Mures und Sibiu) war das Ziel von 9 Prozent der FDI. An dritter Stelle kommt die Region West (Kreise Arad, Caras-Severin, Hunedoara, Timis), mit 8,6 Prozent. Die Nord-Ost-Region mit den Kreisen Bacau, Botosani, Iasi, Neamt, Suceava und Vaslui hält einen FDI-Anteil von nur 2,4 Prozent.

MKT201911078002.14

Quelle: Zentralbank Rumäniens, Bericht zu ausländischen Investitionen 2018 (https://www.bnr.ro/Publicatii-periodice-204.aspx) © Germany Trade & Invest 2019

Stabiles Niveau bei Firmengründungen

Nach Angaben des Rumänischen Handelsregisters (ONRC) stieg die Anzahl neu gegründeter Unternehmen mit ausländischer Kapitalbeteiligung von Januar bis August 2019 im Vergleich zur Vorjahresperiode um 0,8 Prozent auf 3.777 Unternehmen. Ende August 2019 gab es landesweit insgesamt 225.111 Unternehmen mit ausländischer Kapitalbeteiligung.

Laut European Attractiveness Survey (Juni 2019) von der Unternehmensberatung Ernst & Young (E&Y) wurden in Rumänien 2018 insgesamt 109 neue Auslandsinvestitionsprojekte gemeldet, um 13 Prozent weniger als 2017. Damit liegt Rumänien in dieser Untersuchung auf Platz 13 unter den 20 attraktivsten Investitionsstandorte in Europa. Es rangiert hinter Irland, Finnland und Serbien (Plätze 10 bis 12), aber noch vor Italien, Ungarn und Litauen (Plätze 13 bis 15).

Allgemein weicht Rumänien nicht sonderlich vom europäischen Trend ab. In Europa sank laut E&Y 2018 die Zahl der ausländischen FDI-Projekte um vier Prozent auf 6.356 Projekte. Es war der erste deutliche Rückgang seit sechs Jahren. Weitere Informationen dazu unter: https://www.ey.com/Publication/vwLUAssets/ey-europe-attractiveness-survey-2019/$File/ey-europe-attractiveness-survey-2019.pdf.

Ausgewählte neue FDI-Projekte in Rumänien (Projektwert in Millionen Euro) *)
Unternehmen / Projekt Wert Stand Anmerkungen
Ford (USA): Produktion eines zweiten SUV-Modells in Craiova 200 Produktionsbeginn 2019 1.500 bis 1.700 Mitarbeiter werden eingestellt.
Lagerproduzent Koyo Seiko (japanische Gruppe JTEKT): Produktionserweiterung im Kreis Teleorman 125 Projekt wurde im Juli 2019 bekannt. Es sollen Kfz-Lager (für Toyota in Tschechischer Republik) produziert werden.
B.Braun (Deutschland): Fabrikation von Perfusionslösungen (Kreis Timis) 120 Seit Mai 2018; Projektende: 2021 250 Arbeitsplätze sollen entstehen; http://www.braun.ro
Clariant (Schweiz): Bau einer Bioethanol-Fabrik (Kreis Dolj) 100 Bauende: 2020; jährliche Kapazität: 50.000 Tonnen Zellulose-Ethanol 400 Arbeitsplätze sollen entstehen;http://www.clariant.com
Liting Universal Group (China): Produktion von LED-Technology in Braila über rumänische Tochter Glorious Lighting 17 Produktionsbeginn Mai 2019 110 Arbeitsplätze; weitere Investitionen von 15 Millionen Euro sind bis 2024 geplant
Sogefi-Gruppe (Italien): Produktion von Federn für Kfz-Industrie in Oradea (Kreis Bihor) 55 Greenfield; Eröffnung geplant für 2019 22 Millionen Euro als Staatshilfe; 250 Arbeitsplätze sollen geschaffen werden.
Procter & Gamble(USA): Greenfied-Projekt für Produktion von Konsumgütern im Kreis Prahova k.A. Investition wurden im Juli 2019 bekannt 600 bis 800 Arbeitsplätze sollen entstehen; P&G produziert bereits seit 2010 im Kreis Prahova Shampoo.

*) Die Projekte wurden 2018 und 2019 bekanntgegeben

Quelle: Invest Romania (http://www.investromania.gov.ro), Medienberichte

Anzahl der FDI-Projekte in Rumänien nach Top-Herkunftsländern 1) 2)
Herkunftsland 2015 2016 2017 2018 Januar bis Juli 2019 Gesamt 2015 bis 2019
Gesamt, davon aus 186 149 201 229 125 890
Deutschland 42 28 42 44 23 179
Frankreich 24 19 27 17 21 108
Vereinigte Staaten von Amerika 20 19 24 25 22 100
Vereinigtes Königreich 14 8 16 17 6 61
Belgien 7 3 9 9 7 35
Schweiz 5 6 5 7 8 31
Italien 9 1 2 12 5 29
Niederlande 8 3 8 7 2 28
Dänemark 7 1 7 7 5 27
Österreich 7 4 5 8 2 26

1) nur Greenfield- und Erweiterungsinvestitionen, keine Mergers & Acquisitions oder Beteiligungen; 2) 52 Herkunftsländer wurden erfasst

Quelle: fDi Markets, Stand: September 2019

Rumänien fällt im Vergleich Doing Business zurück

Im Bericht Doing Business 2019 der International Finance Corporation (IFC, Weltbank-Gruppe) nimmt Rumänien Platz 52 unter den insgesamt 190 bewerteten Ländern ein. Im Vergleich zum Evaluierungsergebnis des Geschäftsklimas vom Vorjahr rutschte das Land vom Platz 45 sieben Positionen nach unten. Die seit 2016 unsichere politische Lage dürfte sich negativ ausgewirkt haben. Nachdem die Regierung per Misstrauensantrag vom Parlament im Oktober 2019 abgewählt wurde, kann eine Phase höherer Stabilität und aus Unternehmenssicht mehr Berechenbarkeit erwartet werden.

Allgemein monieren die ausländischen Unternehmen in Rumänien die schlechte Infrastruktur und das langsame Ausbautempo. Übermäßige Bürokratie und die knappe Verfügbarkeit von Arbeitskräften sind weitere Problemfelder.

Wichtigste Anlaufstellen für deutsche Unternehmen sind die AHK Rumänien: https://www.ahkrumaenien.ro und InvestRomania: http://investromania.gov.ro/web/

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht Zoll und Ausschreibungen in Rumänien sind unter http://www.gtai.de/rumaenien abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Rumänien Investitionen aus dem Ausland / Joint Ventures

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