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13.11.2017

Ausländische Pharmazeutika finden in Vietnam starken Absatz

Deutschland zählt zu den wichtigsten Lieferanten / Neue Regelungen sollen Marktzugang erleichtern / Von Frauke Schmitz-Bauerdick

Hanoi (GTAI) - Die Nachfrage nach pharmazeutischen Produkten in Vietnam steigt. Immer mehr Menschen sind krankenversichert. Das wachsende Einkommen der Bevölkerung paart sich mit der Bereitschaft, für qualitativ hochwertige Produkte auch höhere Preise zu zahlen. Vietnamesische Unternehmen produzieren im Wesentlichen für den Binnenmarkt und sind auf die Einfuhr von Vorprodukten angewiesen. Ausländische Produzenten entdecken den Markt. Zulassung und Vertrieb von Pharmazeutika bleiben jedoch schwierig.

Vietnams Pharmasektor setzte 2016 nach Angaben des Marktforschungsinstituts Business Monitor International (BMI) 4,7 Milliarden US-Dollar um. Für den Zeitraum zwischen 2017 und 2020 prognostiziert BMI durchschnittliche jährliche Wachstumsraten von 10,5 Prozent. Dabei liegen die Pro-Kopf-Ausgaben für pharmazeutische Produkte noch auf recht niedrigem Niveau. Sie beliefen sich dem vietnamesischen Gesundheitsministerium zufolge 2015 auf 44 US$ pro Jahr.

Ein Großteil der Medikamente wird über Krankenhäuser umgesetzt. Der Anteil der Over-the-counter-Verkäufe (OTC) von verschreibungs-und nichtverschreibungspflichtigen Medikamenten durch zumeist kleine Apotheken, aber auch nicht lizensierte Einzelhändler lag 2016 bei gut einem Viertel aller Umsätze.

Umsätze mit Pharmazeutika
Jahr Umsätze (in Mrd. US$) Veränderung zum Vorjahr (in %) davon OTC (in Mrd. US$)
2015 4,2 10,8 0,9
2016 4,7 11,8 1,2
2017* 5,2 10,2 1,3
2018* 5,8 10,9 1,5
2019* 6,4 10,5 1,6
2020* 7,0 10,2 1,7

*Prognose

Quelle: BMI, Berechnungen von Germany Trade & Invest (GTAI)

Höhere Einkommen und die Bereitschaft, sowohl für die Gesundheitsvorsorge als auch die Behandlung akuter oder chronischer Krankheiten Geld auszugeben, steigern die Umsätze. Die staatliche Krankenversicherung erfasst zunehmend größere Teile der Bevölkerung, so dass immer mehr Menschen zumindest grundlegenden Zugang zu medizinischer Versorgung und Medikamenten haben. So waren Mitte 2017 bereits 82 Prozent der Gesamtbevölkerung krankenversichert, 2020 sollen Regierungsvorgaben zufolge 90 Prozent der Gesamtbevölkerung abgedeckt sein.

In den kommenden Jahren wird sich zudem der langsam einsetzende Alterungsprozess der vietnamesischen Gesellschaft bemerkbar machen. In der Folge benötigen die Menschen mehr medizinische Versorgung und Arzneimittel. Insbesondere für die Behandlung von Atemwegs-, Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen prognostizieren Experten einen steigenden Bedarf.

Die Regierung erachtet den Pharmasektor als strategisch wichtigen Bereich. Bis 2020 sollen laut der National Strategy on Development of the Pharmaceutical Industry up to 2020 aus dem Jahr 2014 vietnamesische Unternehmen in der Lage sein, 80 Prozent der im Land benötigten Pharmazeutika selbst herzustellen.

Pharmasektor ist auf Importe von Wirkstoffen und Vorprodukten angewiesen

Die vietnamesische Pharmaindustrie ist bislang noch wenig entwickelt. Rund 160 Unternehmen produzieren in Vietnam nach GMP-Standard (Good Manufacturing Practices) zertifizierte Pharmazeutika, im Wesentlichen Generika. Die benötigten Wirk- und Hilfsstoffe können im Land noch kaum hergestellt werden und müssen daher zu großen Teilen importiert werden. Viele der Produktionsstätten sind aktuell international wenig konkurrenzfähig.

Zu den Ausnahmen zählt das Unternehmen Vinapharm. Größter Anteilseigner ist mit 65 Prozent bislang noch das Gesundheitsministerium. Bis Ende 2018 will sich der Staat seinen Privatisierungsplänen zufolge allerdings komplett aus dem Unternehmen zurückziehen. Hau Giang Pharmaceuticals (DHG) ist vorwiegend im Bereich Generikaproduktion aktiv und verfügt über ein ausgeprägtes Distributionsnetzwerk. Traphaco Pharmaceutical hat sich hingegen auf traditionelle Medizin fokussiert. Bislang produziert Traphaco an vier Standorten und will bis 2020 zwei weitere Fabrikationsstätten eröffnen. Die Firma unterhält ebenfalls ein das gesamte Land umspannende Vertriebsnetz.

Das erst 2013 gegründete Unternehmen CVI Cosmetics and Pharmaceuticals Co. möchte bis 2022 unter die ersten zehn der vietnamesischen Arzneimittelproduzenten aufrücken. Im Juli 2017 hat es die Investitionsgenehmigung zur Errichtung einer neuen Produktionsstätte mit einem Investitionsvolumen von 13,6 Millionen US$ erhalten.

Ausländische Unternehmen verstärken ihr Engagement

Als einziges deutsches Unternehmen ist Stada mit eigener Produktion in Vietnam vertreten. Ausländische Pharmaunternehmen hatten sich in der Vergangenheit mit Ansiedlungen in Vietnam zurückgehalten und auf den Vertrieb konzentriert. Langsam aber beginnen sie, aktiv in vietnamesische Pharmafirmen zu investieren.

Abbott hat eine Mehrheitsbeteiligung an den Pharmaschwergewichten Domesco und Glomed Vietnam gekauft und angekündigt, zusammen mit Domesco eine Fabrik in Dong Thap zu bauen. 2016 hat die japanische Taisho Pharmaceutical Holdings 24,5 Prozent der Anteile von Hau Giang Pharmaceutical (DHG) gekauft. Vinapharm kooperiert seit September 2016 mit dem französischen Unternehmen Sanofi. Zudem hatte 2017 das japanische Unternehmen Daiwa SSI angekündigt, eine Beteiligung von 20 Prozent an CVI Cosmetics zu erwerben.

Deutsche Pharmaprodukte finden in Vietnam rasant steigenden Absatz

Aufgrund des eingeschränkten Produktionsumfangs der vietnamesischen Pharmaindustrie sowohl in Bezug auf Vor- als auch Endprodukte ist das Land auf Einfuhren aus dem Ausland angewiesen. So beliefen sich die pharmazeutischen Gesamteinfuhren 2016 laut UN Comtrade auf knapp 2,4 Milliarden US$. Vietnamesische Exporte sind demgegenüber kaum von Bedeutung und betrugen im selben Zeitraum lediglich 0,1 Milliarden US$.

Deutschland war 2016 hinter China, Frankreich und der Schweiz Vietnams viertwichtigster Lieferant für pharmazeutische Produkte. 2016 exportierte die Bundesrepublik Arzneimittel im Wert knapp 191 Millionen US$ in das südostasiatische Land, ein Wachstum gegenüber dem Vorjahr von mehr als 30 Prozent. Der Export pharmazeutischer Produkte machte insgesamt 6,4 Prozent der gesamten deutschen Ausfuhren nach Vietnam aus.

Vietnams Einfuhren von Pharmazeutika (in Mio. US$)
Einfuhren 2015 Veränderung gegenüber dem Vorjahr (in %) Einfuhren 2016 Veränderung gegenüber dem Vorjahr (in %) Anteil 2016 (in %)
Gesamt 2.114 7,2 2.360 11,6 100
China 230 0,0 278 21,1 11,8
Frankreich 191 -1,1 242 26,5 10,2
Schweiz 206 24,0 221 7,4 9,3
Deutschland 146 9,2 191 30,4 8,1
Indien 187 -12,4 185 -0,8 7,8
Südkorea 149 4,1 172 15,3 7,2

Quelle: Comtrade Spiegelstatistik, Berechnungen GTAI (Abweichungen durch Rundungen)

Rahmenbedingungen für den Vertrieb von Pharmazeutika bleiben schwierig

Am 1. Januar 2017 trat das neue Pharmagesetz in Kraft, das seit dem 1. Juli 2017 durch die Umsetzungsrichtlinie Decree 54 ergänzt wird. Die Neuregelungen führen erstmals ein eigenes, wenn auch eingeschränktes Distributionsrecht für ausländische Unternehmen ein. In der Praxis ist allerdings noch vieles nicht geklärt. So berichten Branchenbeobachter, dass die Behörden sich in den vergangenen Monaten noch nicht in der Lage sahen, entsprechende Vertriebslizenzen zu erteilen, da die gesetzlichen Grundlagen noch zu unklar seien.

Schwierig ist es zudem nach wie vor, eine Zulassung für den Vertrieb von Medikamenten zu erhalten. Bislang muss jedes in Vietnam einzusetzende Medikament ein Zulassungs- und Prüfverfahren durchlaufen, auch wenn es bereits über eine Zulassung im Ausland verfügt. Die European Chamber of Commerce qualifiziert dieses Erfordernis als nichttarifäres Handelshemmnis und bemüht sich gegenüber der Regierung um eine Anerkennung renommierter internationaler Zulassungen.

(F.B.)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Vietnam können Sie unter http://www.gtai.de/vietnam abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Vietnam Gesundheitswesen allgemein, Arzneimittel, Diagnostika

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