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22.03.2018

Außenhandel mit Österreich erreichte 2017 Rekordniveau

"Wichtigster deutscher Handelspartner" / Firmen klagen über Bürokratie / Von Axel Simer

Wien (GTAI) - Das Außenhandelsvolumen zwischen Österreich und Deutschland hat im Jahr 2017 rund 104 Milliarden Euro und damit einen neuen Rekordwert erreicht. Sowohl Importe als auch Exporte sind deutlich gestiegen. Der Ausblick auf 2018 ist positiv: Der Handel dürfte in beide Richtungen erneut kräftig expandieren. Doch Firmenvertreter beklagen die überbordende Bürokratie.

Der Wert der deutschen Exporte nach Österreich lag 2017 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) bei 62,8 Milliarden Euro, die Warenimporte beliefen sich auf 41,2 Milliarden Euro. Der Anstieg gegenüber dem Vorjahr betrug damit 5,1 beziehungsweise 7 Prozent. Insgesamt erreichte der Außenhandel zwischen Deutschland und Österreich damit 104 Milliarden Euro (nach rund 98 Milliarden Euro im Jahr 2016).

"Das Außenhandelsvolumen zwischen Deutschland und Österreich hat ein neues All-Time-High erreicht", sagt dazu Thomas Gindele, Geschäftsführer der Deutschen Handelskammer in Österreich (DHK), während eines Pressegesprächs in Wien vor deutschen und österreichischen Journalisten. "Berechnet man den Außenhandel pro Kopf der Bevölkerung, dann ist Österreich sogar Deutschlands wichtigster Handelspartner," so Gindele. Der Ausblick auf 2018 sei ebenfalls positiv. Österreich habe nach wie vor einen Nachholbedarf bei den Investitionen seiner Unternehmen und profitiere zudem von der guten Konjunktur in Deutschland.

Obwohl Österreich nur rund ein Zehntel der Bevölkerung Deutschlands aufweist, ist das Nachbarland traditionell einer der wichtigsten Handelspartner Deutschlands. So liegt Österreich im offiziellen Ranking der Exportländer aus deutscher Sicht auf Platz sieben und bei den Importen auf Platz neun. Die Hauptwarengruppen im Handel zwischen Deutschland und Österreich sind (in beiden Richtungen) Kfz und -Teile, Maschinen und elektrische Ausrüstungen, Metalle, chemische Erzeugnisse sowie Nahrungs- und Futtermittel.

Ein Beispiel für die starke wirtschaftliche Verflechtung beider Länder liefert das österreichische Bauunternehmen Strabag, das laut Zahlen von 2016 rund 48 Prozent seiner Konzernleistung in Deutschland und 16 Prozent in Österreich erbrachte. "Wir sind Marktführer im deutschen wie im österreichischen Bausektor", sagt Thomas Birtel, Vorstandsvorsitzender der Strabag SE.

Hohe bürokratische Hürden

Strabag schätzt die künftige wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands und Österreichs positiv ein, kritisiert aber die überbordende Bürokratie, beispielsweise in der Anwendung des Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetzes. Birtels Kritik: Wenn die Strabag etwa einen Spezialisten von Deutschland für drei Tage nach Österreich entsendet, dann müsse ihm das Unternehmen einen Aktenordner voller Unterlagen mitgeben. Das sei ein Bürokratismus, der die Expansion der deutsch-österreichischen Beziehungen hemme, so Birtel.

Klaus Peter Fouquet, Repräsentant der Bosch-Gruppe in Österreich mit Regionalverantwortung für Mittelosteuropa hob die Bedeutung des Standorts Österreichs innerhalb der deutschen Bosch-Gruppe hervor: "Wir haben Österreich als bedeutenden Entwicklungsstandort etabliert." Bosch betreibt an den Standorten Wien, Linz und Hallein internationale Kompetenzzentren für Mobilitätstechnik und ist seit rund 100 Jahren im Lande präsent.

Auch Fouquet klagt über zu viel Bürokratie in Österreich. Jahrelang habe Bosch jeweils rund 100 indische Ingenieure zu Stagen in die österreichischen Standorte geholt. Der bürokratische Aufwand sei aber mittlerweile zu hoch, man habe dieses Projekt eingestellt, so Fouquet. "Das führt aus unserer Sicht eindeutig zu Produktivitätsverlusten im Entwicklungsverbund und schädigt den Standort Österreich."

(A.S.)

Weitere Informationen zu Österreich finden Sie unter http://www.gtai.de/oesterreich

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Österreich Außenhandel / Struktur, allgemein

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