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13.04.2017

Außenhandel und Exportüberschuss legen in Belgien weiter zu

Königreich ist Logistikdrehscheibe in Nordwesteuropa und auch für Deutschland wichtiger Transitpartner / Von Torsten Pauly (März 2017)

Brüssel (GTAI) - Belgien ist dank seiner Lage in Herzen Nordwesteuropas und mit dem zweitgrößten EU-Hafen Antwerpen eine äußerst offene Volkswirtschaft und 2016 Deutschlands elftwichtigster Handelspartner gewesen. Pro Einwohner des Königreichs war der bilaterale Austausch von Gütern sogar weit höher als mit anderen führenden deutschen Handelspartnern wie den USA, Frankreich, Italien oder Polen. Weltweit erwirtschaftet Belgien traditionell Exportüberschüsse, die sich in den letzten Jahren erhöht haben.

Im Jahr 2016 hat Belgiens Warenimport 78,5% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) entsprochen und der Export kam sogar 84,7% des BIP gleich. Damit ist das Königreich eine noch weitaus offenere Volkswirtschaft als zum Beispiel Deutschland, wo die Güterein- und -ausfuhr 2016 etwa 30,4% sowie 38,6% des BIP ausgemacht hat.

Erheblichen Anteil an der starken Außenhandelsbedeutung in Belgien hat Europas zweitgrößter Hafen Antwerpen, wo zugleich das führende Chemiecluster des Kontinents ansässig ist. Im Jahr 2016 hat der Hafen Antwerpen seinen Umschlag um weitere 2,7% auf 214 Mio. t erhöht, das war mehr als das Anderthalbfache der Menge, die den Hafen Hamburg im selben Jahr passiert hat (138 Mio. t).

Ähnlich wie in Deutschland trägt auch in Belgien ein struktureller Handelsüberschuss erheblich zum gesellschaftlichen Wohlstand bei. Da die Ausfuhr zuletzt stärker als die Einfuhr gestiegen ist, hat sich das Exportplus im fünfjährigen Vergleich von 1,7% des BIP (2011) auf 6,2% des BIP (2016) erhöht. Das Königreich hat wegen des Transits durch die Seehäfen allerdings auch einen nennenswerten Reexport von Waren.

Außenhandel von Belgien (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2011 2016 Veränderung 2016/2011
Importe 335.447 331.455 -1,2
Exporte 341.718 357.502 4,6
Handelsbilanzsaldo 6.270 26.047 -

Quelle: Eurostat

Außenhandel nach Handelspartnern

Deutsch-belgischer Warenaustausch ist weltweit mit am intensivsten

Deutschland war 2016 Belgiens wichtigster Handelspartner, auf den 15,1% des gesamten belgischen Warenverkehrs mit dem Ausland entfielen. Gegenüber 2011 (14,8%) ist der deutsche Anteil sogar noch gestiegen. Beim belgischen Import war Deutschland 2016 mit einer Quote von 13,5% allerdings nur zweitwichtigster Lieferant nach den Niederlanden (16,0%) und vor Frankreich (9,4%). Dagegen war Deutschland 2016 mit einem Exportanteil von 16,6% der wichtigste ausländische Absatzmarkt für belgische Anbieter; es folgten Frankreich (15,4%) und die Niederlande (11,2%). Diese Rangfolge von Belgiens führenden Handelspartnern hat sich gegenüber fünf Jahren zuvor nicht verändert.

Die hohe Intensität der deutsch-belgischen Handelsbeziehungen verdeutlicht der Umstand, dass sich der bilaterale Warenaustausch 2016 auf 7.041 Euro je Einwohner des Königreichs summiert hat. Dieser Güterverkehr pro Kopf war weitaus höher als mit anderen führenden deutschen Handelspartnern wie Polen (2.669 Euro), Frankreich (2.504 Euro), dem Vereinigten Königreich (VK, Großbritannien und Nordirland, 1.951 Euro), Italien (1.866 Euro) oder den USA (512 Euro). Trotz der relativ geringen Bevölkerungszahl von 11,3 Millionen Menschen war Belgien 2016 daher auch Deutschlands elftgrößter Handelspartner. Allerdings ist ein Teil der mit dem Königreich gehandelten Waren auch Transit von weiteren Ländern.

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MKT201704128006.14

Außenhandel nach Warengruppen

Die belgischen Außenhandelsströme spiegeln die Wirtschaftsstruktur des Königreichs wider. Belgien ist nach wie vor ein im Vergleich zu vielen anderen westeuropäischen Staaten relativ stark industrialisiertes Land, hat doch der Sekundärsektor 2016 etwa 20,2% der landesweiten Bruttowertschöpfung erbracht. Innerhalb des verarbeitenden Gewerbes wiederum hat die Chemieindustrie laut neuesten verfügbaren Zahlen von 2015 mit 17,0% den höchsten Anteil an der Bruttowertschöpfung, weitere 10,9% entfielen auf die Pharmabranche. Besonders bedeutend waren ferner die Nahrungsmittel- und Getränkeverarbeitung (15,3%), die Fahrzeugindustrie (7,2%), der Maschinenbau (7,0%) und die sonstige Metallindustrie (12,0%).

Belgische Importstruktur kommt deutschem Angebot entgegen

In der belgischen Importstruktur haben dann auch chemische Erzeugnisse 2016 über ein Viertel (25,5%) ausgemacht, was noch mehr war als fünf Jahre zuvor (22,5%). Dabei wiederum hatten Arzneien (10,0%) und organische Chemikalien (7,8%) 2016 den größten Anteil. Weitere besonders bedeutende belgische Einfuhrgüter waren 2016 Straßenfahrzeuge mit einem Anteil von 12,5% (2011: 9,8%), mineralische Brennstoffe mit 10,2% (2011: 16,3%), Nahrungsmittel beziehungsweise lebende Tiere mit 7,6% (2011: 6,4%) und Maschinen mit 7,0% (2011: 6,5%).

Dieser belgische Importbedarf kommt deutschen Lieferanten grundsätzlich entgegen. Im Jahr 2015 haben Straßenfahrzeuge ein Viertel (25,0%) aller belgischen Einfuhren aus Deutschland ausgemacht, was noch mehr war als fünf Jahre zuvor (18,4%). Der zweitwichtigste deutsche Lieferposten waren 2016 chemische Erzeugnisse mit einem Anteil von 21,7% (2011: 30,7%), gefolgt von Maschinen mit 9,4% (2011: 8,1%) sowie Nahrungsmitteln mit 6,2% (2011: 4,9%).

Einfuhr nach Warengruppen (in Mio. Euro)
Warengruppe SITC-Code 2011 2016
Gesamt 335.447 331.455
Maschinen und Fahrzeuge, darunter 7 76.932 85.118
.Straßenfahrzeuge 78 32.898 41.454
.Maschinen 71-74 21.779 23.261
.Elektronik 75, 76, 776 12.101 10.583
.Elektrotechnik 77 minus 776 8.325 8.586
.Schienen-, Wasser-, Luftfahrzeuge 79 1.719 1.222
Chemische Erzeugnisse, darunter 5 75.384 84.631
.Arzneimittel 54 26.679 33.118
.Organische Chemikalien 51 24.452 25.736
Vorerzeugnisse 6 53.101 47.302
Fertigerzeugnisse 8 29.089 34.131
Mineralische Brennstoffe 3 54.591 33.877
Nahrungsmittel/lebende Tiere 0 21.622 25.064
Rohstoffe 2 14.533 11.988
Getränke/Tabak 1 2.984 3.801
Tierische/pflanzliche Öle 4 1.930 1.527
Sonstiges 9 5.202 4.018

Quelle: Eurostat

Chemiewaren, Kfz und Nahrungsmittel prägen den belgischen Export

Auch beim belgischen Export standen chemische Erzeugnisse 2016 mit einem Anteil von 29,5% an erster Stelle (2011: 29,0%). Bedeutend waren ferner Straßenfahrzeuge, die 2016 etwa 11,3% aller belgischen Ausfuhren ausgemacht haben (2011: 9,2%). Der Anteil der Nahrungsmittel ist von 7,5% (2011) auf 8,5% (2016) gestiegen, während derjenige der Maschinen leicht von 6,5% (2011) auf 6,4% (2016) gesunken ist. Das Transitland Belgien ist zudem ein Reexporteur von teilweise weiterverarbeiteten mineralischen Brennstoffen. Deren Anteil am Gesamtexport ist allerdings stark von 10,8% (2011) auf 6,9% (2016) zurückgegangen, was an gefallenen Weltmarktpreisen liegt.

Auch bei den belgischen Exporten nach Deutschland standen chemische Erzeugnisse 2016 mit einem Anteil von 35,2% (2011: 35,7%) mit Anstand an erster Stelle. Es folgten 2016 Straßenfahrzeuge mit einem Anteil von 10,9% (2011: 9,7%), Nahrungsmittel mit 8,0% (2011: 7,0%), mineralische Brennstoffe mit 5,0% (2011: 9,7%).

Ausfuhr nach Warengruppen (in Mio. Euro)
Warengruppe SITC-Code 2011 2016
Gesamt 341.718 357.502
Chemische Erzeugnisse 5 99.157 105.559
.Arzneimittel 54 35.489 40.587
.Organische Chemikalien 51 23.615 24.577
Maschinen und Fahrzeuge, darunter 7 70.683 80.589
.Straßenfahrzeuge 78 31.487 40.437
.Maschinen 71-74 22.165 22.736
.Elektronik 75, 76, 776 8.585 8.399
.Elektrotechnik 77 minus 776 7.379 7.723
.Schienen-, Wasser-, Luftfahrzeuge 79 990 1.279
Vorerzeugnisse 6 60.948 53.835
Fertigerzeugnisse 8 29.469 37.855
Nahrungsmittel/lebende Tiere 0 25.726 30.505
Mineralische Brennstoffe 3 37.003 24.682
Rohstoffe 2 9.504 8.603
Getränke/Tabak 1 2.740 4.019
Tierische/pflanzliche Öle 4 1.053 926
Sonstiges 9 5.340 10.931

Quelle: Eurostat

(P.T.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Belgien Export, Import, Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland, Wirtschaftsbeziehungen zur EU, Außenhandel / Struktur, allgemein

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