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10.01.2017

Aussichten für Kanadas Ölindustrie hellen sich auf

Zahl der Ölbohrungen soll 2017 um ein Drittel steigen / Von Boris Alex

Toronto (GTAI) - Nach zwei schwierigen Jahren blickt Kanadas Öl- und Gasindustrie wieder optimistischer in die Zukunft. Der Rohölpreis dürfte sich 2017 leicht erholen und damit Investitionen in neue Förderprojekte rentabel machen. Eine Reihe von Unternehmen hat bereits angekündigt, mehr investieren zu wollen. Der geplante Ausbau des Pipelinenetzes verringert zudem die drohenden Engpässe beim Öltransport. Der Ausrüstungsbedarf in der Branche bleibt allerdings schwach. (Kontaktanschriften)

Für die kanadische Öl- und Gasindustrie könnte es 2017 leicht aufwärts gehen. Die Branche war im Zuge des Rohölpreisabsturzes in die Rezession geschlittert. Dies hatte zu einem Einbruch bei den Investitionen sowie zu Massenentlassungen in der Provinz Alberta geführt und damit auch Kanadas konjunkturelle Entwicklung in den letzten zwei Jahren gedämpft. Für dieses Jahr hoffen die Fördergesellschaften auf eine weitere Erholung des Weltmarktpreises für Rohöl.

So hat die Ankündigung der OPEC-Staaten vom November 2016, ihre Fördermenge drosseln zu wollen, der Branche in Kanada Auftrieb gegeben. Denn hierdurch soll sich der Rohölpreis im Verlauf des Jahres 2017 langsam wieder nach oben bewegen. Für die meisten kanadischen Ölkonzerne ist ein Preis zwischen 40 und 50 US$ pro Barrel der Break-even-Punkt, bei dem die Kosten für die Förderung gedeckt sind - allerdings nur für bestehende Projekte.

Damit sich Investitionen in die Erschließung neuer Ölfelder rentieren, müsste der Preis auf 60 bis 70 US$ pro Barrel steigen, so die Einschätzung der Canadian Association of Petroleum Producers (CAPP). Entsprechend verhalten sind daher die Aussichten für die Investitionsaktivitäten im Öl- und Gassektor. Allein die Ölsandindustrie hatte in den vergangenen zwei Jahren ihre Anlageinvestitionen um rund die Hälfte auf 18 Mrd. kanadische Dollar (kan$; 12,2 Mrd. Euro; 0,68 Euro = 1 kan$ Jahresdurchschnittskurs 2016) nach unten gefahren.

Die Prognosen zu den Neu- und Erweiterungsinvestitionen für das Jahr 2017 lassen aber auf eine lebhaftere Investitionstätigkeit als in den letzten zwei Jahren schließen. Eine Reihe von kanadischen Fördergesellschaften hatte Ende 2016 die Erhöhung ihrer geplanten Investitionen bekannt gegeben. Husky Energy will 2017 rund 2,7 Mrd. kan$ in neue Projekte stecken, im letzten Jahr waren es nur 2 Mrd. kan$. Crescent Point Energy will seine Anlageinvestitionen um ein Drittel auf 1,5 Mrd. kan$ und Cenovus Energy um rund ein Viertel auf 1,4 Mrd. kan$ hochfahren.

Ein wichtiger Indikator für eine mögliche Trendwende in der Branche ist die Zahl der Ölbohrungen. Diese war seit 2014 um fast 70% auf 3.562 zurückgegangen. Einer Prognose der Canadian Association of Oilwell Drilling Contractors (CAODC) zufolge dürfte die Zahl der Ölbohrungen 2017 allerdings um ein knappes Drittel auf 4.665 zulegen. Die Hersteller von Ausrüstung für die Öl- und Gasförderung hoffen, dass sich mit einer lebhafteren Investitionstätigkeit 2017 auch die Nachfrage nach ihren Anlagen wieder erholt.

Nachfrage nach Ausrüstung für die Ölförderung dürfte erst 2018 anziehen

Im Jahr 2015 verzeichnete der Absatz lokal gefertigter Ausrüstung bereits einen starken Rückgang um 36% auf 3,6 Mrd. kan$. Im Jahr 2016 hat sich dieser Abwärtstrend sogar noch verschärft. So gingen die Bezüge in diesem Segment zwischen Januar und Oktober gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 50% auf 1,6 Mrd. kan$ zurück. Für das laufende Jahr rechnet der Maschinebauverband SME zwar mit einem erneuten leichten Rückgang beim Absatz von Ausrüstung Öl- und Gasförderung. Ab 2018 sollten aber auch hier die Hersteller vom Aufschwung in der Rohstoffindustrie profitieren.

Langfristig bietet die Branche nach übereinstimmender Meinung der Akteure ohnehin Wachstumspotenzial. Zwar wird der Ausbau der Ölförderung etwas langsamer vorankommen als noch vor einigen Jahren prognostiziert. Dennoch dürfte nach Einschätzung der International Energy Agency (IEA) und dem kanadischen National Energy Board (NEB) der Output von derzeit 4 Mio. Barrel Rohöl pro Tag bis 2040 auf knapp 6 Mio. Barrel zulegen. Um dieses Fördervolumen zu realisieren, müssen die Unternehmen in den nächsten 25 Jahren rund 750 Mrd. US$ investieren, so die Berechnung der IEA.

Um die Ölförderung zu erhöhen, muss parallel das Pipelinenetz ausgebaut werden. Im November 2016 hat die Regierung den Weg für zwei Schlüsselprojekte frei gemacht und die Branche hofft, damit die sich abzeichnenden Kapazitätsengpässe abwenden zu können. Mit dem Ausbau der "Trans Mountain"-Leitung könnten künftig 900.000 Barrel Rohöl pro Tag - drei Mal mehr als heute - an die Raffinerien und die Verladehäfen an der Pazifikküste gepumpt werden.

Auch das Pipelineprojekt "Line 3" des kanadischen Energiekonzerns Enbridge hat Ende November 2016 die Baugenehmigung der kanadischen Regierung erhalten. Dabei soll eine bestehende 1.660 km lange Leitung zwischen Hardisty in der Provinz Alberta und Superior im US-Bundesstaat Wisconsin durch eine neue Ölpipeline ersetzt werden. Ab 2020 könnten dann 760.000 statt wie bisher 390.000 Barrel Rohöl pro Tag durch die Pipeline gepumpt werden. Weitere Informationen zu den Pipeline-Vorhaben finden Sie unter http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=kanada-genehmigt-bau-zweier-oelpipelines,did=1595492.html.

Kontaktanschriften

Canadian Association of Petroleum Producers (CAPP)

2100, 350 - 7 Avenue SW, Calgary, Alberta T2P 3N9

Tel.: 001 403/267 11 00, Fax: -261 46 22

E-Mail: communication@capp.ca, Internet: http://www.capp.ca

Canadian Association of Oilwell Drilling Contractors (CAODC)

2050, 717 - 7th Avenue SW, Calgary, Alberta T2P 0Z3

Tel.: 001 403/264 43 11, Fax: -263 37 96

Internet: http://www.caodc.ca

(B.A.)

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Kanada Öl, Gas

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