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13.09.2019

Australien investiert in Pumpspeicherkraft

Regierung und Energieunternehmen treiben über 20 Projekte voran / Von Heiko Stumpf

Sydney (GTAI) - Pumpspeicher sollen in Australien helfen, erneuerbare Energie in das Stromnetz zu integrieren. Großprojekte gibt es in den Snowy Mountains und auf Tasmanien.

Die Energiespeicherung in Form von Pumpspeicherkraft steht in Australien vor einer verheißungsvollen Zukunft. Landesweit gibt es über 20 Projekte mit einer Gesamtkapazität von rund 6.000 Megawatt. Befördert werden die Ausbaupläne von einem Boom bei der Erzeugung von Wind- und Solarstrom. Im Juli 2019 erreichte grüner Strom im National Electricity Market (NEM) bereits einen Anteil von rund 24 Prozent. Als NEM wird das Stromnetz der sechs Bundesstaaten an der australischen Ostküste einschließlich Tasmanien bezeichnet. Ausgenommen sind Western Australia und das Northern Territory.

Allein im Jahr 2018 gingen regenerative Großanlagen (Wind und Solar) mit einer Kapazität von 3.455 Megawatt ans Netz. Für Vorhaben mit weiteren 18 Gigawatt laufen derzeit Machbarkeitsplanungen. Angesichts des massiven Ausbaus dürfte der Anteil erneuerbarer Energien im NEM bis 2040 auf über 60 Prozent ansteigen. Durch die wachsende Bedeutung fluktuierender Energieträger werden nach Berechnungen des Australian Energy Market Operator (AEMO) bis 2040 Netzspeicherkapazitäten von rund 17 Gigawatt für das NEM gebraucht. Denn gleichzeitig dürften durch die Abschaltung von Kohlekraftwerken rund 15 Gigawatt an Grundlastkapazitäten verloren gehen.

Deutscher Hersteller sichert sich Großauftrag

Der Pumpspeicherkraft kommt deshalb bei der Stabilisierung des Stromnetzes und Gewährleistung der Versorgungssicherheit eine wichtige Rolle zu. Bislang belaufen sich die in Australien installierten Kapazitäten jedoch nur auf knapp 2.600 Megawatt, so dass ein großer Zubau erforderlich ist.

Mit Voith Turbo konnte bereits ein deutsches Unternehmen von den sich dadurch bietenden Geschäftschancen profitieren. Anfang 2019 erhielt der schwäbische Technologiekonzern den Auftrag für die Lieferung der elektrischen und mechanischen Komponenten für das Snowy Hydro 2.0 Projekt im Bundesstaat New South Wales. Kernstück des Auftrages ist die Lieferung von sechs Turbinen mit einer Leistung von jeweils 333 Megawatt.

Das Vorhaben soll umgerechnet rund 3,8 Milliarden US-Dollar (US$) kosten. Weitere 1,5 Milliarden US$ sollen in den begleitenden Netzausbau fließen. Insgesamt soll Snowy Hydro 2.0 über eine Energiespeicherkapazität von 175 Stunden (bei Ausschöpfung der vollen Leistung von 2.000 Megawatt) verfügen. Finanziert werden die Bauarbeiten durch die nationale Regierung in der Hauptstadt Canberra, wobei eine Fertigstellung bis 2025/26 erfolgen könnte.

Das Speicherpotenzial des Standortes in den Snowy Mountains ist damit bei weitem noch nicht ausgeschöpft. In drei weiteren Ausbaustufen könnte die Leistung des Snowy Hydro-Systems um bis zu 8.000 Megawatt erweitert werden. Derzeit verfügt Snowy Hydro bereits über 9 Kraftwerke mit einer Leistung von 4.100 Megawatt, wobei der Schwerpunkt auf normaler Wasserkraft liegt. Der Anteil an Pumpspeicherkraft beträgt durch die Tumut 3 Anlage derzeit 1.800 Megawatt.

Versorgungsunternehmen benötigen eigene Stromspeicher

Neben dem Staat wollen auch private Stromversorger in neue Pumpspeicherkraftwerke investieren. Die drei großen, vertikal integrierten Versorgungsunternehmen AGL Energy, Origin Energy und Energy Australia verfügen im NEM über einen Marktanteil von etwa 65 Prozent. Im Juli 2019 sprach sich die Geschäftsführerin von Energy Australia, Catherine Tanna, gar für eine vorläufige Pause beim Ausbau von Solar- und Windkraft aus. Stattdessen solle der Fokus darauf gelegt werden, die Verfügbarkeit bereits vorhandener Kapazitäten durch die Schaffung zugehöriger Speichermöglichkeiten zu verbessern.

Deshalb will Energy Australia noch im Jahr 2019 die finale Investitionsentscheidung für das Caltuna Pumped Hydro Project in Port Augusta (South Australia) treffen. Die Anlage soll mit einer Leistung von 225 Megawatt der größte mit Salzwasser betriebene Pumpspeicher der Welt werden. Die Speicherkapazität von 8 Stunden soll ab 2023 zur Verfügung stehen.

Der Konkurrent AGL Energy brachte 2019 gleich zwei Vorhaben auf den Weg. Im Bundestaat South Australia soll die Tagebaugrube der Kanmantoo Kupfermine in einen großen Wasserspeicher verwandelt werden. Die 250-Megawatt-Anlage könnte 2024 ans Netz gehen. Für rund 340 Millionen US$ ist in Bells Mountain (New South Wales) ein weiteres 250-Megawatt-Pumpspeicherkraftwerk geplant.

Origin Energy arbeitet an der Erweiterung des Shoalhaven Pumped Hydro Scheme in New South Wales um 235 Megawatt, wofür die Machbarkeitsplanungen bis 2020 abgeschlossen werden sollen. Die Kosten werden bislang auf rund 190 Millionen US$ geschätzt. Die bestehende Anlage aus dem Jahr 1977 verfügt über eine Kapazität von 240 Megawatt.

Volatile Strompreise machen Kombination mit Pumpspeicherkraft attraktiv

Auch bei Projektentwicklern von großen Solar- und Windfarmen kommt Pumpspeicherkraft in Mode. Anreize dazu schafft vor allem die volatile Entwicklung der Strompreise. Tagsüber tendieren die Spotmarktpreise im NEM aufgrund des steigenden Anteils erneuerbarer Energien immer häufiger gegen Null, können in den Spitzlastzeiten aber auch schnell auf über 10.000 $A (rund 7.500 US$) ansteigen.

Deshalb integriert Genex Power im Rahmen des Kidston Renewable Energy Hub eine 270-Megawatt-Solaranlage mit einem 250-Megawatt-Pumpspeicherkraftwerk, um bei hoher Stromnachfrage jederzeit einspeisefähig zu sein. Dazu werden die Abbaustätten einer früheren Goldmine in Queensland geflutet. An dem Vorhaben ist Andritz Hydro beteiligt.

Auf das gleiche Konzept setzt das dem Stahlmagnaten Sanjeev Gupta gehörende Unternehmen Simec Energy. Bis 2022 soll das Middleback Range Pumped Hydro Project (90 Megawatt) in einer alten Eisenerzmine in South Australia entstehen. Mit diesem Energiespeicher sollen Pläne unterstützt werden, rund um das Whyalla Stahlwerk regenerative Erzeugungskapazitäten von 1.000 Megawatt zu errichten. Als erster Baustein bekam 2019 eine 280-Megawatt-Solarfarm grünes Licht.

Regierung stellt Projekten staatliche Förderung in Aussicht

Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl weiterer Projekte, die teilweise auch auf staatliche Förderung im Rahmen des von der nationalen Regierung geplanten Underwriting New Generation Investments (UNGI) Programms hoffen. In einem Interessensbekundungsverfahren wurden bereits sechs Pumpspeicherkraftvorhaben ausgewählt. Über einige der ausgewählten Projekte ist jedoch bislang wenig bekannt.

Pumpspeicherprojekte in Australien (Auswahl)
Vorhaben Kapazität in MW Anmerkung
Goat Hill (Altura Group) 250 Geplanter Standort in Lincoln Gap (South Australia), Teil von UNGI
Baroota Pumped Hydro Project (UPC Renewables/AC Renewables) 230 Geplanter Standort in Port Pirie (South Australia), Teil von UNGI
Highbury Pumped Hydro Energy Storage (Tilt Renewables) 300 Geplanter Standort in Adelaide (South Australia)

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Auf der Insel Tasmanien ist zudem die "Battery of the Nation" geplant. Dafür wurden bereits 14 Standorte für mögliche Pumpspeicherkraftwerke identifiziert. Für die drei vielversprechenden Standorte Lake Cethana und Lake Rowallan (beide 600 Megawatt) sowie Tribute (500 Megawatt) sind nun Machbarkeitsstudien geplant. Über ein neues Unterseestromkabel sollen die Anlagen die australische Ostküste versorgen. Der sogenannte Marinus Link soll über eine Kapazität von bis zu 1.200 Megawatt verfügen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht und Zoll in Australien können Sie unter http://www.gtai.de/australien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Australien Strom-, Energieerzeugung, allgemein, alternative Energien

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