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28.06.2018

Australiens Außenhandel wächst zweistellig

Neue Freihandelsabkommen geplant / Exportboom bei Rohstoffen hält an / Von Heiko Stumpf

Bonn (GTAI) - Australiens Außenhandel legte im Jahr 2017 über 20 Prozent zu. Dank sprudelnder Einnahmen aus dem Rohstoffgeschäft wurde ein Exportüberschuss von 1,7 Milliarden US-Dollar (US$) erzielt. Gleichzeitig besteht hoher Importbedarf, insbesondere bei Investitions- und Konsumgütern. Impulse für die Zukunft dürfte insbesondere die Handelspolitik setzen. Die Regierung Australiens arbeitet an zahlreichen neuen Freihandelsabkommen. Immer enger werden die wirtschaftlichen Verflechtungen mit der VR China.

Australiens Außenhandel erlebte im Jahr 2017 einen Aufschwung. Das Handelsvolumen legte gegenüber dem Vorjahr um 21 Prozent auf insgesamt 459 Millionen US$ zu. In Landeswährung wurde dadurch sogar ein neues Rekordniveau erreicht. Die Warenausfuhr profitierte von einer gestiegenen Nachfrage nach Rohstoffen, die rund zwei Drittel zu den australischen Exporten beitragen.

Insgesamt ist Australien in hohem Maße auf Importe angewiesen. Ein Grund liegt in der schwindenden Bedeutung der verarbeitenden Industrie, die 2017 nur rund 6,2% zur Entstehung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) beitrug. In den 1960er Jahren lag dieser Wert noch bei rund 25 Prozent. Dominiert wird die Wirtschaft des Landes durch die Dienstleistungsbranche mit einem BIP-Anteil von rund 74 Prozent. Der Rohstoffsektor ist für weitere 8 Prozent verantwortlich. Die Einnahmen aus dem Rohstoffgeschäft sorgen dafür, dass Australien trotz des hohen Einfuhrbedarfs einen Überschuss in der Handelsbilanz erzielen kann.

Außenhandel Australiens (in Mrd. US$; Veränderung in %)
2015 2016 2017 Veränderung 2017/2016
Importe 200,1 189,4 228,4 20,6
Exporte 187,8 189,6 230,2 21,4
Handelsbilanzsaldo -12,3 0,2 1,7 -

Quelle: UN Comtrade

Die Regierung Australiens bemüht sich stark um die Ausweitung des freien Handels. Insgesamt bestehen zehn regionale oder bilaterale Handelsabkommen, welche den Warenverkehr mit 16 verschiedenen Staaten erfassen. Dazu zählen die USA, VR China, Japan, Südkorea, Chile, Neuseeland sowie die ASEAN-Länder. Die Verhandlungen über ein weiteres Freihandelsabkommen mit Peru konnten im Jahr 2017 erfolgreich abgeschlossen werden.

Im März 2018 unterzeichnete Australien zudem das Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership (TPP-11), wodurch mit Kanada und Mexiko auch die Handelsbeziehungen zu zwei neuen Partnern liberalisiert werden sollen. Laufende Verhandlungen gibt es unter anderem mit Indien, Hong Kong sowie der Europäischen Union (EU), was den australischen Außenhandel bei einem erfolgreichem Abschluss weiter beflügeln könnte.

China mit Abstand wichtigster Handelspartner Australiens

Insgesamt zeigt sich eine wachsende Bedeutung Chinas, das bereits seit 2007 der wichtigste Handelspartner Australiens ist. Der bilaterale Handel zwischen den beiden Ländern dürfte in den kommenden Jahren weiter zulegen, denn die schrittweise Beseitigung von Zöllen im Rahmen des im Dezember 2015 In-Kraft getretenen China-Australia Free Trade Agreement (ChAFTA) dauert noch an. Traditionelle australische Exportgüter wie Wein, Rindfleisch oder Molkereiprodukte werden zum 1. Januar 2019 von Einfuhrabgaben befreit, wodurch die Lieferungen Australiens in das Reich der Mitte einen Schub bekommen dürften.

Die engen wirtschaftlichen Verflechtungen mit China gehen mittlerweile deutlich über den Warenaustausch hinaus. Auf der Rangliste der internationalen Partner Australiens im Dienstleistungsverkehr stand China zuletzt auf Platz zwei hinter den USA. Knapp 190.000 chinesische Studenten sind an den Universitäten des Landes eingeschrieben und tragen wesentlich dazu bei, dass Bildung mit rund 21 Milliarden US$ in 2017 mittlerweile das drittwichtigste Exportgut Australiens ist. Die insgesamt 1,4 Millionen chinesischen Touristen gaben im Jahr 2017 rund 7 Milliarden US$ in Australien aus.

Wichtigste Lieferländer 2017 (Anteile in %)
Anteil 2017
China 21,9
USA 10,3
Japan 7,2
Korea (Rep.) 7,0
Thailand 4,9
Deutschland 4,7

Quelle: UN Comtrade

Wichtigste Abnehmerländer 2017 (Anteile in %)
Anteil 2017
China 29,6
Japan 10,4
Korea (Rep.) 5,7
Indien 4,7
Hong Kong 4,0
USA 3,7

Quelle: UN Comtrade

Fahrzeuge, Maschinen und Konsumgüter in Australien gefragt

Fahrzeuge und Maschinen machen mit einem Anteil von 42 Prozent die wichtigsten Einfuhrgüter aus. Weitere 14 Prozent entfallen auf verschiedene Fertigerzeugnisse. Insgesamt größter Einfuhrposten posten sind Kfz, wofür sich die Importnachfrage im Jahr 2017 um 15,2 Prozent erhöhte. Nachdem der US-amerikanische Hersteller Holden im September 2017 sein Werk in Adelaide schloss, ist Australien in diesem Bereich vollständig auf Importe angewiesen. Zuvor hatten sich auch Ford und Toyota mit ihren Produktionsstätten vom australischen Kontinent verabschiedet.

Beim Import von Maschinen konzentrierte sich die Nachfrage im Jahr 2017 vor allem auf Bergbau- und Baumaschinen (+38,7 Prozent, 2,7 Milliarden US$), Heizungs- und Kühltechnik (-19,7 Prozent, 2,4 Milliarden US$) sowie Fördertechnik (+9,4 Prozent, 2,0 Milliarden US$). Im Bereich der Elektronik wird vor allem Nachrichtentechnik gekauft (+11,4 Prozent, 9,9 Milliarden US$). Ein hoher Einfuhrbedarf besteht auch bei zahlreichen Konsumwaren wie Lebensmitteln, Möbeln und Bekleidung.

Wichtige Einfuhrgüter Australiens (in Mrd. US$)
SITC Warengruppe 2015 2016 2017
0-9 Gesamt 200,1 189,4 228,4
78 Kfz,-Teile 24,4 25,7 29,6
33 Erdöl,-erzeugnisse 21,5 17,3 23,2
5 Chemische Erzeugnisse 20,2 20,5 22,9
.54 Arzneimittel 7,8 8,4 8,7
71-74 Maschinen 23,2 20,2 22,0
75,76,776 Elektronik 20,3 19,0 21,7
0,1 Lebens- und Genussmittel 12,5 12,8 14,1
77 minus 776 Elektrotechnik 9,1 8,8 10,1
65,84 Textilien und Bekleidung 9,3 9,1 9,8
793 Schiffe 0,7 0,7 6,7
82 Möbel 3,3 3,2 3,5
774, 872 Medizintechnik 2,8 2,9 3,0
873,874 Mess- und Regeltechnik 2,7 2,6 2,5

Quelle: UN Comtrade

Rohstoffexporte sollen weiter ansteigen

Während bei den Einfuhren Australiens eine deutliche Ausrichtung auf Ausrüstungsgüter und Fertigerzeugnisse zu erkennen ist, bestehen die Exporte zum überwiegenden Teil aus mineralischen Rohstoffen und Agrarprodukten. Massives Wachstum von 47 Prozent erfuhr 2017 der Export von Flüssigerdgas (LNG). In den vergangenen Jahren wurden Milliardenbeträge in die Erschließung der australischen Erdgasvorkommen investiert.

Wenn im Laufe des Jahres 2018 mit Wheatstone (Chevron), Ichthys (Inpex) und Prelude (Shell) drei sich noch in Bau befindliche LNG-Großanlagen fertiggestellt werden, wird Australien eine Produktionskapazität von 88 Millionen Tonnen pro Jahr erreichen. Das Exportvolumen soll dadurch im Zeitraum 2016/17 bis 2022/23 von 52 auf rund 79 Millionen Tonnen ansteigen. Australien dürfte deshalb bereits 2019 Katar als weltweit größter Erdgaslieferant ablösen.

Auch andere Exportschlager Australiens wie Eisenerz (+22 Prozent) und Kohle (+10 Prozent) entwickelten sich 2017 positiv. Zumindest volumenmäßig dürfte dieser Ausfuhrboom auch die kommenden Jahre anhalten. Nach Prognosen des Department of Industry sollen im Jahr 2023 bereits 894 Millionen Tonnen Eisenerz verschifft werden (2017: 828 Millionen Tonnen). Bei Kokskohle wird im gleichen Zeitraum ein Anstieg von 172 auf 212 Millionen Tonnen erwartet.

Wichtige Ausfuhrgüter Australien (in Mrd. US$)
SITC Warengruppe 2015 2016 2017
0-9 Gesamt 187,8 189,6 228,4
281 Eisenerz,-konzentrat 36,7 39,7 48,5
321 Kohle 28,4 29,6 43,3
0,1 Lebens- und Genussmittel 28,7 26,3 30,4
.09 Fleisch,-waren 9,9 8,3 9,1
.04 Getreide,-produkte 7,0 5,7 7,2
.1121 Wein 1,6 1,7 2,0
3431 Flüssigerdgas(LNG) 12,4 13,4 19,7
971 Gold 11,0 14,1 13,5
285 Aluminiumerz,-konzentrat 5,6 4,8 6,5
263, 268 Baumwolle, Wolle 3,0 3,5 4,4
333 Erdöl 4,6 3,5 4,0
71-74 Maschinen 4,0 3,9 3,8
283 Kupfererz,-konzentrat 3,7 3,5 3,7
684 Aluminium 3,0 2,5 2,6

Quelle: UN Comtrade

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