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22.08.2019

Australiens Energiespeicherpolitik noch ohne klare Richtung

Bundesstaaten übernehmen bei Fördermaßnahmen die Initiative / Von Heiko Stumpf (August 2019)

Sydney (GTAI) - Bei der australischen Regierung stößt das Thema Energiewende bislang auf wenig Begeisterung. Einzelne Bundesstaaten fördern jedoch Solar- und Windkraft, der Speicherbedarf steigt.

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Aktuelles zum Thema Speicher und Speicherpolitik

In Australien fehlt es noch an einer einheitlichen Strategie für die Energiespeicherpolitik. Klar formulierte Ausbauziele gibt es deshalb nicht. Zum 1. Juli 2019 setzte die nationale Regierung in Canberra jedoch die Retailer Reliability Obligation (RRO) in Kraft. Mit dieser Zuverlässigkeitsgarantie soll sichergestellt werden, dass es nicht zu Versorgungsengpässen bei der Stromversorgung kommt.

Sobald der Australian Energy Market Operator (AEMO) eine langfristig drohende Versorgungslücke identifiziert, werden die Versorger über die Instrumente der RRO verpflichtet, zusätzliche Erzeugungskapazitäten zu erschließen. Je zuverlässiger diese Quellen zur Verfügung stehen, desto höher werden sie im Rahmen der RRO angerechnet. Dadurch entstehen Anreize, beim Ausbau fluktuierender erneuerbarer Energien verstärkt auf eine Kombinationen mit Speichertechnologien wie Batteriesysteme oder Pumpspeicherkraft zu setzen.

Durch zahlreiche Einzelinitiativen entwickelt sich Australien bereits zu einem internationalen Vorreiter beim Bau großer netzgebundener Batteriespeicher. Viel Aufmerksamkeit bekommt insbesondere das Hornsdale Power Reserve im Bundesstaat South Australia. Die Anlage ist mit einer Speicherkapazität von 129 Megawattstunden und einer Leistung von 100 Megawatt zurzeit die größte Lithium-Ionen-Batterie der Welt. Das Vorhaben wurde von Tesla und dem französischen Betreiber Neoen realisiert und ist seit 2017 mit der Hornsdale Windfarm verbunden.

Eine Besonderheit in Australien sind abgelegene Minenprojekte. Diese haben einen hohen Strombedarf, den sie zunehmend mit erneuerbaren Energien decken. Lithium-Ionen-Batterien bieten dazu eine sinnvolle Ergänzung und ersetzen Dieselgeneratoren. Der Projektentwickler Juwi hat bereits mehrere derartige Hybridanalagen realisiert, zuletzt in den Eastern Goldfields für Energy Developments.

Die Batterieflotte in Australien wächst weiter an. An der Finanzierung vieler Vorhaben ist die Australian Renewable Energy Agency (Arena) beteiligt. Offizielle Statistiken über die in Australien installierten Gesamtkapazitäten bei Batterien gibt es bislang aber noch nicht, weshalb sich Verbände wie der Smart Energy Council für den Aufbau einer nationalen Datenbank einsetzen.

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Regierungspläne, Förderprogramme, administrative Hürden

Nationale Regierung will Pumpspeicherkraft fördern

Das Energieministerium in der Hauptstadt Canberra steht schwankenden Energieträgern skeptisch gegenüber. Für regenerative Quellen mit Speicherbedarf wie Solar- und Windkraft wird es nach dem Auslaufen des Renewable Energy Target (RET) im Jahr 2020 keinen nationalen Förderrahmen mehr geben. Das RET sieht vor, dass bis 2020 pro Jahr insgesamt 33.000 Gigawattstunden aus erneuerbaren Quellen erzeugt werden. Diese Zielvorgabe dürfte übererfüllt werden, denn für 2020 wird bereits mit rund 40.000 Gigawattstunden aus Ökostrom gerechnet. Im Jahr 2018 betrug der Anteil erneuerbarer Energien im Stromnetz rund 21 Prozent.

Für den Ausbau der Stromerzeugungskapazitäten wird künftig auf das Underwriting New Generation Investments Programme (UNGI) gesetzt, in dessen Rahmen nur planbare, jederzeit zur Verfügung stehende Energieerzeugung gefördert wird. Kritiker vermuten, dass ein Hauptmotiv darin liegt, fossilen Energieträgern zu einer längeren Lebenszeit zu verhelfen.

In einem Anfang 2019 abgehaltenen Interessensbekundungsverfahren wurden zwölf Projekte mit einer Gesamtkapazität von 3.818 Megawatt vorausgewählt. Davon entfallen sechs Projekte auf Gas oder Kohle. Enthalten sind jedoch auch sechs Vorhaben für Pumpspeicherkraft. Zusätzlich treibt die Regierung den Bau des 3,8 Milliarden US-Dollar (US$) teuren Snowy Hydro 2.0 Pumpspeicherkraftwerks (2.000 Megawatt) voran.

Bundesstaaten fokussieren sich auf Batterieheimspeicher

Einzelne Bundesstaaten verfolgen hingegen sehr ehrgeizige Ausbaupläne für erneuerbare Energien. So wollen Victoria und Queensland bis 2030 einen Anteil regenerativer Erzeugung von 50 Prozent erreichen, South Australia strebt sogar 100 Prozent an. Dabei werden zunehmend auch Förderinstrumente für Speichertechnologien entwickelt.

Eine Führungsrolle nimmt dabei South Australia ein. So werden über den Grid Scale Storage Fund technologieneutral finanzielle Zuschüsse für netzgebundene Speicherprojekte gewährt. Durch das Home Battery Scheme sollen zudem 40.000 Privathaushalte bei den Anschaffungskosten für Batterieheimspeicher unterstützt werden. Dabei werden maximal 6.000 Australische Dollar ($A; rund 4.488 US$; Wechselkurs im Jahresdurchschnitt 2018: 1 US$ = 1,337 $A) pro Antrag ausgezahlt. Ergänzend bietet die staatliche Clean Energy Finance Corporation (CEFC) zinsfreie Kredite an.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt die Regierung von Victoria, welche über den Solar Battery Rebate bis zu 4.838 $A (rund 3.619 US$) beim Kauf eines Heimspeichers zuschießt. Im Rahmen des Programms sollen insgesamt 10.000 Haushalte gefördert werden, wobei für das Finanzjahr 2019/20 ein Kontingent von 1.000 förderfähigen Systemen bereitsteht. Finanzielle Unterstützung gibt es auch in der Hauptstadt Canberra sowie in Adelaide.

New South Wales startet zur Förderung von Batterieheimspeichern das Empowering Homes Programme. Geplant ist die Gewährung zinsloser Darlehen von bis zu 9.000 $A (6.731 US$), bei einer Kombination aus Heimspeichersystem und Photovoltaikanlage sogar 14.000 $A (10.471 US$). Über einen Zehnjahreszeitraum sollen so 300.000 Heimspeichersysteme gefördert werden.

Hohes Potenzial besteht für die Errichtung von Virtual Power Plants (VPP). Nach Prognosen von AEMO könnten VPP bis 2022 eine landesweite Leistung von 700 Megawatt erreichen. Noch finden sich die Vorhaben in der Anfangsphase. Die Regierung von South Australia arbeitet zusammen mit Tesla an dem South Australia VPP, das bis zu 250 Megawatt erreichen soll. Auch zahlreiche Stromversorger sind bereits aktiv. So plant AGL Energy eine große VPP-Initiative in mehreren Bundestaaten. Zudem betätigen sich Simply Energy in South Australia (8 Megawatt) und Origin Energy in Victoria (5 Megawatt).

Für Unsicherheiten im Batterieheimspeichermarkt sorgen bislang noch fehlende Standards. Ein Regelwerk seitens der zuständigen Stelle Standards Australia befindet sich in Arbeit. Industrievertreter wollen insbesondere aus ihrer Sicht zu strenge Vorgaben in Bezug auf den Brandschutz verhindern, die von behördlicher Seite gewünscht sind. In Australien sind Heimbatterien häufig hohen Umgebungstemperaturen ausgesetzt. Kühle Keller stehen kaum zur Verfügung, sodass die Installation oft in Garagen erfolgt.

Wasserstoff wird zum Zukunftsthema

Mit landesweit rund 15 Projekten entwickelt sich eine sehr hohe Aktivität im Bereich Wasserstoff. Eine National Hydrogen Strategy befindet sich in Arbeit. Der Bundesstaat Western Australia stellte bereits Mitte 2019 eine eigene Renewable Hydrogen Strategy vor. Diese ist wie die gesamte Wasserstoffdebatte in Australien stark auf den Export in asiatische Märkte wie Japan oder Südkorea ausgerichtet. Zur Förderung privater Investitionen in Western Australia wird der Renewable Hydrogen Fund aufgesetzt. Auch in South Australia wird Wasserstoff stark gefördert. Zu den geplanten Projekten gehören der Neoen Australia Hydrogen Super Hub (50 Megawatt) und eine 30-Megawatt-Elektrolyseanlage von The Hydrogen Utility in Zusammenarbeit mit ThyssenKrupp.

Weitere Informationen zu Australien finden Sie unter http://www.gtai.de/australien

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Australien Strom-/ Energieerzeugung, Solar, Stromübertragung und -verteilung, Stromerzeugungs- und -verteilungstechnik, Mess- und Regeltechnik, Strom-/ Energieerzeugung, Wind

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