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15.02.2019

Australiens Gasindustrie erschließt neue Quellen

Große Investitionen in neue Offshore-Gasfelder geplant / Von Heiko Stumpf

Sydney (GTAI) - Australien betreibt weltweit die meisten Erdgasverflüssigungsanlagen. Damit für diese eine langfristige Rohstoffversorgung sichergestellt ist, erschließen die Betreiber neue Gasvorkommen.

Im November 2018 war Australien erstmals der größte Erdgasexporteur der Welt. Der Sprung an die Spitze ist Folge einer einzigartigen Investitionswelle: in den vergangenen zehn Jahren wurden über 200 Milliarden US-Dollar (US$) in die australische Erdgasindustrie gepumpt. Entlang der Nordküste Australiens Reihen sich dadurch von Onslow im Bundestaat Western Australia bis nach Gladstone in Queensland mittlerweile zehn große, auf den Export ausgerichtete Anlagen zur Erdgasverflüssigung (Liquified Natural Gas, LNG).

Mit einer installierten LNG-Kapazität von 88 Millionen Tonnen pro Jahr lässt Australien damit den Konkurrenten Katar (77 Millionen Tonnen) hinter sich. Da die neuesten Anlagen wie Prelude oder Ichthys ihre Produktion erst noch schrittweise auf ihre Nennkapazität hochfahren, dürfte sich Australien in den kommenden Jahren regelmäßig den Titel des Exportweltmeisters im Gasgeschäfts sichern können. Aber ohne Ausweitung der Kapazitäten wird dieser Zustand nicht halten: bis 2025 will Katar seine Produktionskapazitäten auf 110 Millionen Tonnen pro Jahr erhöhen.

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Großanlagen dürsten nach Gas

Damit für die riesigen LNG-Komplexe auch mittelfristig genügend Erdgas zur Verfügung steht, wird bereits an der Erschließung neuer Gasvorkommen gearbeitet. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Offshore-Sektor, denn sieben der australischen LNG-Anlagen werden durch Gasvorräte vom Meeresgrund gespeist. Insgesamt befinden sich in Down Under Offshore-Gasprojekte mit einem Investitionsvolumen von über 40 Milliarden US$ in der Planung.

Bereits 2020 will der australische Gasriese Woodside die Investitionsentscheidung für die Erschließung des Browse-Gasfeldes treffen. Das rund 21 Milliarden US$ teure Vorhaben soll über eine 900 Kilometer lange Pipeline Erdgas für die North West Shelf LNG-Anlage in Western Australia anlanden. Die Gasreserven belaufen sich auf 15,4 Billionen Kubikfuß (tcf) und sollen mittels zweier Förderschiffe (FPSO) geborgen werden. Mit ersten technischen Studien ist das Planungsbüro KBR betraut

Der für das Jahr 2025 geplante Produktionsstart soll Überkapazitäten in der North West Shelf-Anlage verhindern, denn die Reserven in den bestehenden Gasfeldern gehen zur Neige. North West Shelf ist das älteste LNG-Projekt Australiens und ging bereits 1984 in Betrieb. Mit den neuen Gasquellen kann North West Shelf noch bis 2040 weiterbetrieben werden. Dies erfordert eine Modernisierung der insgesamt fünf LNG-Trains, wofür Woodside zusätzliche Kosten von 7 bis 8 Milliarden US$ veranschlagt.

ConocoPhillips könnte dagegen bis Ende 2019 grünes Licht für das Barossa-Projekt geben. Dieses soll ab 2023 die Darwin LNG-Anlage im Northern Territory versorgen. Die erforderlichen Ausgaben könnten bei rund 7 Milliarden US$ liegen und sind erforderlich, um das sich erschöpfende Bayu-Undan Gasfeld zu ersetzen. Die Lebenszeit von Darwin LNG soll dadurch um 20 Jahre verlängert werden. Zudem plant BP ab 2020 Bohrungen zur Untersuchung des aussichtsreichen Ironbark Gasfeldes vor der Küste Westaustraliens. Dort werden Gasvorkommen von 15 Billionen Kubikfuß vermutet.

Weitere Offshore Gasprojekte in Australien
Vorhaben Investitionssumme (in Mrd. US$) Anmerkung
Gorgon Stage 2 (Chevron) 4 11 neue Bohrlöcher für die Versorgung der Gorgon LNG-Anlage, Umsetzung bis 2023
Crux (Shell) 1,5 (Schätzung) 5 neue Bohrlöcher für die Prelude Floating LNG-Anlage, Umsetzung geplant bis 2025, Investitionsentscheidung in 2020
Clio-Acme (Chevron/Woodside) 1,9 (Schätzung) Erschließung des Clio-Acme Gasfeldes (3,5 tcf) zur Versorgung der North West Shelf LNG Anlage, Umsetzung bis ca. 2023
Julimar-Brunello Phase 2 (Woodside/Chevron) 1,1 (Schätzung) Erschließung neuer Gasquellen zur Versorgung der Wheatstone LNG-Anlage

Quelle: Recherchen Germany Trade & Invest

LNG-Kapazitäten könnten auf knapp 95 Millionen Tonnen steigen

Während kein Mangel an Projekten zur Versorgung bestehender LNG-Anlagen herrscht, agieren die Gasmultis bei der möglichen Erweiterung ihrer Kapazitäten vorsichtig. Die einzige Großinvestition verfolgt Woodside mit dem rund 11 Milliarden US$ teuren Ausbau der Pluto LNG-Anlage bei Karratha, Western Australia. Geplant ist der Bau eines zweiten LNG-Trains mit einer Kapazität von rund 5 Millionen Tonnen pro Jahr. Das Front-End Engineering Design (FEED) wird durch das Ingenieursbüro Bechtel erstellt. Die finale Investitionsentscheidung ist bis 2020 geplant, so dass bereits 2024 die ersten Gaslieferungen verschifft werden könnten.

Das Erdgas für den zweiten LNG-Train soll aus dem Scarborough-Gasfeld angelandet werden. Die dort lagernden Vorkommen von 7,3 Billionen Kubikfuß werden mittels einer geplanten 430 Kilometer langen Unterwasserpipeline erreicht. Der Ausbau der Pluto-Produktionsstätte ist ein wichtiger Baustein des geplanten Burrup Gas Hub. Dabei sollen die nahe beieinander liegenden LNG Anlagen Pluto und North West Shelf mit einem Interkonnektor verbunden werden.

Eine LNG-Produktion auf hoher See strebt das Unternehmen Western Gas mit dem Equus-Gas Projekt an. Das Vorhaben dient der Erschließung eines Vorkommens von 2 Billionen Kubikfuß vor der Küste Westaustraliens. Die Ingenieurbüros McDermott und BakerHughes wurden mit der Konzeption einer schwimmenden LNG-Anlage mit einer Produktionsleistung von 1,5 bis 2 Millionen Tonnen pro Jahr beauftragt. Die Kosten werden mit rund 4 Milliarden US$ beziffert, wobei eine Investitionsentscheidung bis 2020 erreicht werden soll.

Weitere Ausbauvorhaben noch sehr unkonkret

Für den Gorgon LNG-Komplex besitzt der Betreiber Chevron bereits die umweltrechtliche Genehmigung für den Bau eines vierten LNG-Trains, mit einer angedachten Kapazität von 5 Millionen Tonnen pro Jahr. Allerdings ist dieses Vorhaben noch Zukunftsmusik und scheint zur Zeit nicht aktiv vorabgetrieben zu werden.

Als im November 2018 der japanische Premierminister Shinzo Abe die Anlage Ichthys LNG in Darwin besuchte, brachte die Betreibergesellschaft Inpex (Japan) eine mögliche Erweiterung der Kapazitäten ins Spiel. Auf dem Gelände könnten bis zu vier weitere LNG-Trains errichtet werden. Die vorhandene Infrastruktur wie Unterwasserpipelines ist bereits für eine Produktionssteigerung ausgelegt. Zunächst will sich Inpex aber auf die weitere Explorationstätigkeit konzentrieren. Auch für die benachbarte Darwin LNG von ConocoPhillps gibt es Expansionspläne. Eine Machbarkeitsstudie für einen zweiten Trains (4 Millionen Tonnen pro Jahr) wurde 2018 fertiggestellt.

LNG-Anlagen für den Gasexport in Australien
Name und Ort Betreiber Kapazität (in Mio. t pro Jahr) und Gasquelle
Wheastone (Onslow, Western Australia) Chevron 8,9 (2 LNG Trains) Offshore-Gas
Gorgon (Barrow Island, Western Australia) Chevron 15,6 (3 LNG-Trains) Offshore-Gas
Pluto (Burrup, Western Australia) Woodside 4,7 (1 LNG-Train) Offshore-Gas
North West Shelf (Burrup, Western Australia) Woodside 16,9 (5 LNG-Trains) Offshore Gas
Prelude (475 Kilometer vor der Küste von Broome, Western Australia) Shell 3,7 (Floating LNG Vessel)Offshore-Gas
Ichtys (Darwin, Northern Territory) Inpex 8,9 (2 LNG-Trains) Offshore-Gas
Darwin LNG (Darwin, Northern Territory) ConocoPhillips 3,7 (1 LNG-Train) Offshore-Gas
Australia Pacific (Curtis Island, Queensland) Origin Energy/ConocoPhillips 9,0 (2 LNG-Trains) Onshore Coal-Seam Gas
Queensland Curtis (Curtis Island, Queensland) Shell 8,5 (2 LNG-Trains) Onshore Coal-Seam Gas
Gladstone (Curtis Island, Queensland) Santos 7,8 (2 LNG-Trains) Onshore Coal-Seam Gas

Quelle: Recherchen Germany Trade & Invest

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht und Zoll in Australien können Sie unter http://www.gtai.de/australien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Australien Wärme- und Gasversorgung, Öl, Gas, Bergbaumaschinen, Geo-Bohrtechnik

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