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09.08.2019

Australiens Stromnetz benötigt Speicherlösungen

Nachfrageschub für Batteriespeicher erwartet / Von Heiko Stumpf (August 2019)

Sydney (GTAI) - Australien muss immer mehr Solar- und Windenergie ins Netz integrieren. Deshalb sind große Investitionen in Speicherinfrastruktur wie Batterien und Pumpspeicherkraftwerke geplant.

Aktuelle Themen der Speicherwirtschaft

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Australiens Stromnetz erlebt einen tiefgreifenden Wandel, der einen massiven Aufbau an Speicherkapazitäten erfordert. Nach Prognose des Australian Energy Market Operators (AEMO) werden im National Energy Market (NEM) bis 2040 Großspeicher mit einer Kapazität von über 15 Gigawatt benötigt. Das NEM ist das Stromnetz der australischen Ostküste, eine relativ dicht besiedelte Region. Ausgehend von Port Douglas an der tropischen Nordspitze erstreckt es sich bis Port Lincoln in South Australia und überquert sogar die Bass-Meeresenge nach Tasmanien - über eine Entfernung von rund 5.000 Kilometern.

Das NEM beruhte über Jahrzehnte auf nah an den Verbrauchszentren gelegenen Grundlastkraftwerken. Derzeit erlebt Australien jedoch einen Boom bei fluktuierenden Energieträgern wie Solar- und Windkraft, die häufig an der Peripherie des Netzes erzeugt werden.

Im Jahr 2018 lag der Anteil regenerativer Quellen an der Stromerzeugung im NEM noch bei rund 20 Prozent. Bis 2040 soll dieser Wert nach Erwartung der AEMO auf über 60 Prozent ansteigen. Neben Investitionen in die Netzinfrastruktur sind deshalb auch große Speicherkapazitäten von Nöten, um ein flexibles und gleichzeitig stabiles Stromnetz zu garantieren.

Wettbewerbssituation und Marktausblick

Gute Geschäftschancen für netzintegrierte Großspeicher

Aufgrund zunehmender Schwierigkeiten, schwankende Energieträger ins Netz zu integrieren, fordern einige Stimmen bereits eine Verlangsamung beim Ausbau der Solar- und Windkraft. So gingen im Jahr 2018 regenerative Großanlagen (Wind und Solar) mit einer Kapazität von 3.455 Megawatt in Betrieb. Darüber hinaus gibt es eine große Projekt-Pipeline: Mitte 2019 betrug die Kapazität der sich in Bau befindlichen Solar- und Windkraftanlagen 9,7 Gigawatt. Für weitere 18 Gigawatt gibt es nach Angaben von AEMO Machbarkeitsplanungen.

Zahlreiche Energieversorger setzen auf Pumpspeicherkraft, um die Verfüg- und Planbarkeit von Solar- und Windressourcen zu erhöhen. Landesweit befinden sich über 20 Pumpspeicherkraftwerke mit einer Kapazität von rund sechs Gigawatt in Planung. Das größte Vorhaben ist Snowy Hydro 2.0 mit Kosten von 3,8 Milliarden US-Dollar und einer Kapazität von zwei Gigawatt. In Tasmanien ist zudem die Battery of the Nation geplant. Dabei sollen mittels einer neuen Stromleitung durch die Bass-Meeresenge bis zu 1.200 Megawatt aus neuen Pumpspeicherkraftwerken an die australische Ostküste geleitet werden.

Darüber hinaus entwickelt sich in Australien ein interessanter Absatzmarkt für große Batteriespeicher. Vier netzgebundene Lithium-Ionen Akkus im Großmaßstab sind auf dem roten Kontinent bereits entstanden. Diese leisten einen immer wichtigeren Beitrag bei der Ausbalancierung des Stromnetzes. Im Frequency Control Anciliary Services (FCAS) Markt hielten Batterien im 1. Quartal 2019 bereits einen Anteil von 17 Prozent. Im Jahr 2018 erwirtschaftete der größte Speicher, Hornsdale Power Reserve, beispielsweise einen Gewinn von umgerechnet rund 14 Millionen Euro.

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Aufgrund aktueller Preisentwicklungen auf dem australischen Spotmarkt wird es insbesondere für Betreiber von Solarfarmen immer wichtiger, durch Batteriespeicher auch während der morgendlichen und abendlichen Spitzlastzeiten ins Netz einspeisen zu können. Durch die Flut an Solarstrom fielen die Spotmarktpreise zur Mittagszeit im Juli 2019 erstmals im gesamten NEM für kurze Zeit auf null. Ein Ereignis, das immer häufiger werden dürfte.

Die Preisunterschiede zwischen Peak- und Off-Peakzeiten driften dadurch immer weiter auseinander. In Queensland war die durchschnittliche Divergenz im letzten Quartal 2018 mit 47 australischen Dollar ($A; Jahresdurchschnittskurs 2018: 1 $A = 0,7478 US$) pro Megawattstunde beispielsweise doppelt so hoch wie ein Jahr zuvor. Neue Solarprojekte müssen deshalb verstärkt auf eine Kombination mit Batteriespeichern setzen, um auch von hohen Spitzlastpreisen zu profitieren. Während Hitzewellen können diese auf 14.500 $A pro Megawattstunde in die Höhe schießen.

Batteriespeicherprojekte in Australien (Auswahl)
Projekt Kapazität in MWh/Leistung in MW Anmerkung
Playford Utility Battery (Simec Energy) 100/100 Großbatterie in Port Augusta (South Australia)
Pangea Storage Project (Pangea Energy) 200/100 Redox-Flow Batterie in Port Augusta (South Australia)
Robertstown Solar Project (EPS Energy) 1.000/250 Batterie für eine 500 MW Solarfarm in South Australia
Bungama Solar (EPS Energy) 560/140 Batterie für eine 280 MW Solarfarm in South Australia
Walcha Energy Project (Energy Estate) 150/100 Batterie für eine 700 MW Solarfarm in New South Wales
Cultana Solar Project (Simec Energy) 100/135 Batterie für eine 280 MW Solarfarm in South Australia
Solar River Project 120/100 Batterie für eine 200 MW Solarfarm in South Australia
Lake Bonney Battery Energy Storage System (Infigen Energy) 52/25 Batterie für die Lake Bonney Windfarm (279 MW) in South Australia, in Bau bis Ende 2019

Quelle: Recherchen Germany Trade & Invest

Die staatliche Förderbank Clean Energy Finance Coperation (CEFC) will die beginnende Investitionswelle unterstützen und sich künftig vor allem auf die Finanzierung von Energiespeicherprojekten konzentrieren. Im Geschäftsjahr 2018/19 stellte die CEFC Kredite mit einem Volumen von umgerechnet 1,1 Milliarden US$ bereit.

Hohes Marktpotenzial für Batterieheimspeicher

Aufgrund der weiten Verbreitung von Photovoltaikdachanlagen dürfte sich Australien in den kommenden Jahren auch zu einem weltweit führenden Markt für Batterieheimspeicher entwickeln. Rund 2,1 Millionen Haushalte haben bereits eine eigene Solaranlage auf Dach. Im Segment der Dachanlagen wurden 2018 insgesamt 1,6 Gigawatt zugebaut. Die installierte Gesamtkapazität erreicht dadurch bereits 8,1 Gigawatt. Für 2019 zeichnet sich mit einem prognostizierten Wachstum von 2 Gigawatt ein neues Rekordjahr ab.

"Mittelfristig dürften sich alle Besitzer von Solardachanlagen auch für Batteriespeicher interessieren", sagt Wayne Smith vom Smart Energy Council. Da es in Australien keine geförderten Einspeisetarife mehr gibt, wird der Eigenverbrauch für den wirtschaftlichen Betrieb von Solardachanlagen immer wichtiger. Die Stromversorger des Landes können ihre Einspeisevergütung selbst festsetzen, wobei die Tarife meist im Bereich von 6 bis 15 Cent pro Kilowattstunde liegen. Lediglich in Victoria gibt es einen Mindesteinspeisetarif. Strom, der in den Morgen- und Abendstunden selbst verbraucht wird, muss hingegen deutlich teurer für 20 bis 30 Cent pro Kilowattstunde eingekauft werden.

Der Markt für Batterieheimspeicher kommt aufgrund dieses Anreizes immer stärker in Gang. Bis 2018 dürften geschätzt knapp 80.000 Speichersysteme in Australien installiert worden sein. Nach Prognose von Bloomberg New Energy Finance soll die Nachfrage im Jahr 2019 mit rund 70.000 neuen Heimspeichersystemen einen deutlichen Schub erleben. Dies lockt bereits internationale Hersteller nach Downunder. So haben Sonnen, AlphaESS und Eguana bereits Produktionsstätten in South Australia eröffnet.

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Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht und Zoll in Australien können Sie unter http://www.gtai.de/australien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

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