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07.03.2017

Autobauer erweitern ihre Werke in der Slowakei

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SUV und Premiummodelle stehen bei Käufern hoch im Kurs / Zulieferer klagen über Fachkräftemangel / Von Gerit Schulze (Januar 2017)

Bratislava (GTAI) - Die Fahrzeugindustrie der Slowakei hat ein weiteres Erfolgsjahr hinter sich. Wiederum erreichte die Autoproduktion einen Wert von über 1 Mio. Pkw. Auch 2017 wollen die drei Hersteller im Land ihre Produktion leicht steigern. Für 2018 steht dann die Inbetriebnahme der Jaguar-Fabrik in Nitra an, mit der die Branche in eine neue Phase eintritt. Zugleich entwickeln sich die Absatzzahlen auf dem Binnenmarkt sehr positiv. Für dieses Jahr werden 90.000 Neuzulassungen erwartet.

Schon ein Achtel der slowakischen Wirtschaftsleistung wird von der Automobilindustrie erbracht. Mehr als ein Drittel der Exporterlöse entfällt auf Pkw und Zubehörteile. Die Abhängigkeit von der Branche wird sich 2018 noch erhöhen, wenn Jaguar Land Rover seine Produktionslinien startet. Zugleich verschärft sich der Fachkräftemangel.

Absatzmarkt Slowakei

Seit drei Jahren wächst die Zahl der Neuzulassungen in der Slowakei mit hohem Tempo. Auch 2016 wurde ein Plus von 13% auf über 88.000 Pkw verzeichnet - das beste Ergebnis seit Bestehen des Landes. Für 2017 rechnet der Branchenverband ZAP SR noch einmal mit einem Zuwachs um 2% auf dann 90.000 Neuwagen. Die Rahmenbedingungen dafür sind gut, denn bei sinkender Arbeitslosigkeit steigen die Reallöhne zurzeit um knapp 3% pro Jahr. Zugleich verharren die Zinsen auf extrem niedrigem Niveau, was die Kauflaune der Verbraucher verbessert.

Der weitaus größte Teil der Pkw-Verkäufe entfällt weiterhin auf Firmenwagen. Ihr Anteil lag 2016 wie im Vorjahr bei 64% aller Neuzulassungen. Das liegt zum einen an der großen Zahl der Gewerbescheine: Viele Beschäftigte haben neben ihrer Festanstellung ein Gewerbe angemeldet, über das sie Fahrzeuge kaufen. Zum anderen erhöht die gute Konjunkturlage die Nachfrage nach Dienstwagen. Für die nächsten Jahre wird ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes zwischen 3,5 und 4,4% erwartet.

Das wirkt sich positiv auf die Verkäufe von Nutzfahrzeugen aus. Bei den leichteren Modellen der Kategorie N1 nahmen die Neuzulassungen 2016 um 2% zu, bei mittelschweren Lkw bis 12 t (N2) um über ein Viertel. Die Nachfrage nach schweren Lastwagen (N3) stieg um fast 9%. Die Busverkäufe gingen um 4% zurück.

Bei leichten Nutzfahrzeugen (N1) sind Fiat (2016: 1.913 Neuzulassungen), Peugeot (1.261) und Citroën (1.176) die erfolgreichsten Marken. Volkswagen verlor Marktanteile und hat mit 363 Einheiten rund 43% weniger Nutzfahrzeuge verkauft als 2015.

Neuzulassungen von Kfz in der Slowakei (Einheiten; Veränderung in %)
Kategorie 2015 2016 Veränderung 2016/15 2017 *) Veränderung 2017/16 *)
Pkw (M1) 77.958 88.163 13,1 90.000 2,1
Leichte Nutzfahrzeuge (N1) 7.292 7.459 2,3 7.600 1,9
Lkw (N2, N3) 4.443 4.912 10,6 4.680 -4,7
Busse (M2, M3) 378 364 -3,7 375 3,0

*) Prognose

Quelle: Zväz automobiloveho priemyslu Slovenskej republiky (ZAP SR)

Von den starken Zuwächsen beim Neuwagengeschäft konnten die drei führenden Automarken nicht profitieren. Im Gegenteil: Skoda, Volkswagen und Hyundai mussten Marktanteile abgeben. Dagegen sind die Verkäufe von Kia und Opel, aber auch von Renault und Suzuki überdurchschnittlich gewachsen. Noch kräftiger zugelegt haben 2016 die Premiumhersteller: Jaguar +318%, Lexus +76%, BMW +31%, Mercedes-Benz +28%. Audi folgte dem schwachen Trend der Marken aus dem VW-Konzern und verbuchte nur 3% mehr Neuzulassungen in der Slowakei.

Neuzulassungen von Pkw nach Herstellern (Absatz in Einheiten, Veränderung und Marktanteile in %)
Hersteller Absatz 2015 Absatz 2016 Veränderung 2016/15 Marktanteil 2016
Skoda 16.567 17.571 6,1 19,9
Volkswagen 7.614 8.086 6,2 9,2
Hyundai 6.301 6.724 6,7 7,6
Kia 5.603 6.393 14,1 7,3
Opel 4.220 4.925 16,7 5,6
Peugeot 4.472 4.761 6,5 5,4
Renault 3.008 4.031 34,0 4,6
Suzuki 2.638 3.987 51,1 4,5

Quelle: ZAP SR

Die beliebtesten Fahrzeugsegmente bei Neuwagen waren 2016 die untere Mittelklasse (Markanteil: 32%), SUV-Fahrzeuge (26%) und Kleinwagen (21%). Die SUV-Verkaufszahlen haben sich in den letzten drei Jahren nahezu verdoppelt. Der Absatz von Sport- und Luxuswagen ist 2016 um über die Hälfte gestiegen.

Fahrzeuge mit Benzinmotoren konnten ihre führende Position bei den Antriebsarten ausbauen. Ihre Verkäufe gingen um ein Fünftel nach oben, während Dieselmodelle nur um knapp 5% zulegten und damit langsamer als der Markt. Benzinmotoren hatten einen Anteil von 57% gegenüber 42% bei Selbstzündern.

Alternative Antriebe spielen nur eine Nebenrolle. Zwar sind die Neuregistrierungen von reinen Elektrofahrzeugen um 13% gestiegen, allerdings auf den niedrigen Wert von 59 Einheiten. Bei Benzin-Hybridfahrzeugen stieg der Absatz um 556% auf 105 Stück. Für 2017 erwarten Marktexperten deutlich höhere Verkaufszahlen, weil die Regierung zusammen mit dem Automobilverband ZAP SR eine Kaufprämie von bis zu 5.000 Euro für die Anschaffung von batteriebetriebenen Pkw in Aussicht stellt. Nach wie vor hemmt aber die fehlende Ladeinfrastruktur die Entwicklung der Elektromobilität.

Produktionsstandort Slowakei

Die slowakische Kfz-Industrie konnte 2016 an den Rekordwert des Vorjahres anknüpfen und wieder die Millionengrenze durchbrechen. Nach vorläufigen Schätzungen des Verbandes ZAP SR erreichte die Produktion einen Wert von 1,04 Mio. Pkw.

Für das gute Ergebnis sorgte vor allem die Entwicklung im Werk von PSA Peugeot Citroën. Dort stieg der Ausstoß um 4% auf 315.000 Einheiten. Für 2017 rechnet das Unternehmen mit einem weiteren Anstieg auf 350.000 und 2018 auf 360.000 Einheiten. Ende März startet PSA dafür eine vierte Schicht. Zur höheren Nachfrage trägt in erster Linie das neue Modell des Kleinwagens Citroën C3 bei, der exklusiv in Trnava hergestellt wird. Außerdem planen die Franzosen an ihrem slowakischen Standort eine neue Motorenfabrik, die bis Ende 2018/Anfang 2019 ihren Betrieb aufnehmen könnte.

Die Kia-Fabrik in Zilina leidet noch immer unter der Absatzflaute auf dem wichtigen russischen Markt. Unsicherheiten ergeben sich durch den bevorstehenden Brexit, da das Vereinigte Königreich der größte Einzelmarkt für Kia Motors Slovakia ist. Das Unternehmen ist daher auf der Suche nach neuen Absatzregionen. Zuletzt habe sich vor allem in Israel das Geschäft gut entwickelt, teilte der Sprecher des Werkes mit. Für 2017 plant Kia in Zilina 130 Mio. Euro Investitionen in die Fertigungslinien für neue Modelle sowie in die Motorenproduktion. Das Unternehmen hatte im Vorjahr fast 613.000 Motoren hergestellt, ein Plus von 5%.

Volkswagen befindet sich in der Slowakei in einer Übergangs- und Investitionsphase, weshalb der Ausstoß seit 2013 um einige zehntausend Fahrzeuge geschrumpft ist. Der Konzern verlegt immer mehr Produktionsprozesse für die SUV-Modelle Touareg, Q7 und Cayenne nach Bratislava. Im Vorjahr und im laufenden Jahr wird dafür in den Karosseriebau und in die Logistik investiert. Derzeit entsteht für 150 Mio. Euro ein Logistikzentrum für Montage-Kleinteile mit automatisierter Einlagerung und Entnahme. Ab Ende 2017 soll in Bratislava die Komplettmontage des Porsche Cayenne starten.

Der künftig vierte Autohersteller im Land, Jaguar Land Rover, hat inzwischen seine Produktionspläne für das Werk in Nitra konkretisiert. Seit September 2016 laufen die Bauarbeiten an der Fabrik; ab der 2. Jahreshälfte 2018 sollen alle neuen Modelle des Geländewagens Land Rover Discovery dort vom Band laufen. In der Anfangsphase rechnet das Unternehmen mit einer Jahresproduktion von 150.000 Fahrzeugen.

Slowakische Kfz-Produktion (in Einheiten)
Hersteller 2013 2014 2015 2016 2016/15
VW Slovakia 426.313 394.474 397.458 rund 385.000 1) k.A.
KIA Motors Slovakia 313.000 323.720 338.020 339.500 0,4
PSA Peugeot Citroën Slovakia 248.411 255.176 303.018 315.050 4,0
Insgesamt 987.724 973.370 1.038.496 1.040.000 2) k.A.

1) Zahlen wurden bis Redaktionsschluss nicht bekannt gegeben, Schätzung aufgrund der Schätzungen von ZAP SR für die Gesamtproduktion; 2) vorläufige Schätzung von ZAP SR

Quellen: ZAP SR, Jahresberichte der Unternehmen, Pressemitteilungen, Berechnungen von Germany Trade & Invest

Zulieferindustrie

Die rund 350 Zulieferer in der Slowakei profitieren von der guten Entwicklung der Autofabriken im Land und von der stabilen Nachfrage im Ausland. Von Januar bis November 2016 stiegen die Umsätze der Automobilindustrie laut Statistikamt um ein Zehntel. Das Volumen der Neuaufträge lag 9% über dem Vorjahreswert.

Immer größere Probleme haben die Teilhersteller bei der Personalgewinnung. Trotz Einführung eines dualen Ausbildungsmodells findet die Branche zu wenig Fachkräfte. Neue Arbeitnehmer werden dringend gebraucht, denn weitere Zulieferer entscheiden sich für eine Produktion in der Slowakei. Zugleich bauen bestehende Unternehmen ihre Kapazitäten aus. So hat Brose für sein Werk in Prievidza, das sich noch in Bau befindet, bereits Planungen für einen zweiten und dritten Bauabschnitt. Der Zulieferer will dort Elektromotoren, Heckklappensysteme und Fensterheber produzieren.

Eines der größten Vorhaben im Zuliefererbereich realisiert Gestamp. Im Zuge der Jaguar-Investition errichtet der spanische Metallverarbeiter bei Nitra ein Presswerk für 133 Mio. Euro. Bis zu 100 Mio. Euro kostet außerdem eine Produktionsanlage für Kühlsysteme und Motoren, die Minebea in Kosice errichten lassen will.

Aktuelle Investitionsprojekte in der slowakischen Kfz-Industrie (Auswahl; Investitionssummen in Mio. Euro)
Akteur / Projekt Investitionssumme Projektstand Anmerkungen
Gestamp / Werk in Luzianky bei Nitra 133 Baubeginn Ende 2016, Produktion Mitte 2018 Kfz-Pressteile aus Stahl und Aluminium für Jaguar / http://www.gestamp.com
Minebea / Werk für Kfz-Teile in Kosice 60 bis 100 Baubeginn April 2017, Produktion 2018, bis zu 2.000 neue Jobs Kühlsysteme und Motoren, Entwicklung / http://www.minebea.com
Spinea / Werk in Presov 78,5 Baubeginn Juni 2017, Umsetzung innerhalb von sechs Jahren Produktion und Entwicklung von Getrieben / http://www.spinea.sk
Altra Industrial Motion / Werk in Zlate Moravce 18 500 Arbeitsplätze, Investition im Zusammenhang mit Jaguar Land Rover Teile für Kfz-Antriebe / http://www.altramotion.com
Hyunnam SK / Werk in Krasno nad Kysucou 17 240 Arbeitsplätze, fertig bis Ende 2018 Produktion von Guss-Kfz-Teilen / http://www.hyunnam.sk
ZF Slovakia / Werk in Sahy 12,5 450 neue Arbeitsplätze Viertes Werk in der Slowakei, Produktion von Stoßdämpfern / http://www.zf.com
Volkswagen / Erweiterung der Produktion in Martin 5,5 30 neue Arbeitsplätze, Fertigstellung 1. Etappe Herbst 2017 Produktion von Getrieben / http://www.volkswagen.sk
AIS Automotive Interior Systems Slovakia / Werk in Tupa 4 100 Arbeitsplätze, Ehemaliges Areal einer Möbelfabrik, Investition im Zusammenhang mit Jaguar Land Rover Produktion von Kfz-Teilen aus Kunststoff, Gummi und Metall / http://www.ais-systeme.de
Kinex Bearings / Erweiterung der Produktion in Bytca 4 Investitionsvorhaben für die nächsten Monate Lagerproduktion für Kfz / http://www.kinex.sk
Uni-Tech / Werk in Povazska Bystrica 4 140 Arbeitsplätze, Umbau des Werks von Povazske strojarne, Produktion ab Oktober 2017 Produktion von Kunststoff-, Harz- und Elastomermassen für Kfz / http://www.unitech.sk
Slovakia Automotive Interior Systems / Erweiterung Technologiezentrum Trencin 3,86 Vorhaben bis 2018, Entwicklung von Innenraumkomponenten für Kfz, Investitionsbeihilfen beantragt chinesische Mutter Yanfeng Global Automotive Interior Systems / http://www.yfai.com
Pankl Automotive Slovakia / Erweiterung der Produktion in Topolcany k.A. 280 Arbeitsplätze, neue Produktionsräume Motoren- und Fahrgestellteile für Kfz, Motorräder und Flugzeuge / http://www.pankl.com

Quellen: Pressemeldungen, SARIO, Unternehmensangaben, Fachmedien

Kfz-Außenhandel

Obwohl die einheimische Autoproduktion auf dem Niveau des Vorjahres stagnierte, stiegen die Einfuhren wichtiger Komponenten für die Kfz-Industrie kräftig an. Von Januar bis September 2016 betrug der Zuwachs zum Vorjahreszeitraum fast 17% (bezogen auf die Positionen, die in der unten stehenden Tabelle erfasst sind). Damit dürfte im Gesamtjahr ein Rekord beim Importvolumen erreicht worden sein. Besonders gefragt waren Motoren und Kabelsätze.

Deutsche Hersteller profitierten von der guten Entwicklung in besonderer Weise. Sie konnten ihre Lieferungen laut Eurostat um ein Viertel ausweiten, die damit schneller gewachsen sind als die Importe insgesamt. Ähnlich stark zugelegt haben die Einfuhren von Kfz-Komponenten aus Frankreich. Dagegen mussten Lieferanten aus Tschechien, dem zweitwichtigsten Herkunftsland, leichte Einbußen hinnehmen.

Die slowakischen Exporte an Kfz-Teilen stiegen in den ersten drei Quartalen 2016 um fast 7% gegenüber dem Vorjahr. Eine dynamischere Entwicklung verhinderte die stagnierende Nachfrage aus Deutschland, dem dominierenden Zielmarkt. Die Exporte in andere Länder konnten dagegen kräftig ausgeweitet werden (Vereinigtes Königreich: +58%, Frankreich und Polen +50%).

Einfuhr ausgewählter Kfz-Teile (in Mio. Euro)
SITC-Pos. 2014 2015 Januar bis September 2016 Veränderung *)
Kfz-Teile (778.3/784/713.2) 6.678,1 7.968,7 6.689,0 14,9
.Zündapparate, Anlasser, Beleuchtung, Hupen (778.3) 457,2 547,1 489,7 25,3
.Stoßstangen, Bremsen, Getriebe (784) 5.455,5 6.656,7 5.417,1 11,3
.Kolbenverbrennungsmotoren (713.2) 765,4 764,9 782,2 38,9
Kabelsätze (773.13) 420,6 460,8 480,9 42,6

*) zum Vorjahreszeitraum in %

Quelle: Eurostat

Ausfuhr ausgewählter Kfz-Teile (in Mio. Euro)
SITC-Pos. 2014 2015 Januar bis September 2016 Veränderung *)
Kfz-Teile (778.3/784/713.2) 5.595,6 6.647,8 5.259,4 6,7
.Zündapparate, Anlasser, Beleuchtung, Hupen (778.3) 538,9 657,1 601,4 22,6
.Stoßstangen, Bremsen, Getriebe (784) 4.435,4 5.268,9 4.131,1 5,2
.Kolbenverbrennungsmotoren (713.2) 621,3 721,8 526,9 2,6
Kabelsätze (773.13) 596,4 607,7 472,2 7,1

*) zum Vorjahreszeitraum in %

Quelle: Eurostat

(S.Z.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Slowakei Kfz-Teile, -Zubehör (ohne Brennstoffzellen), Personenkraftwagen (Pkw)

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