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04.06.2018

Automarkt in Frankreich weiter auf Erholungskurs

Strengere Abgasuntersuchungen könnten den Markt eintrüben / Von Peter Buerstedde

Paris (GTAI) - Der Umsatz auf dem französischen Markt für Pkw wird nach Prognosen des Unternehmens AAA Data 2018 um 4 Prozent zulegen. Das Verbrauchervertrauen ist hoch, eine Verschrottungsprämie wird gut angenommen und die Flottenverkäufe wachsen. Die Entwicklung im zweiten Halbjahr ist indes unsicher. Durch neue Zulassungsprüfungen, die in der Europäischen Union (EU) einheitlich gelten, könnten höhere CO2-Abgaben für einige Modelle anfallen und die Nachfrage schwächen. (Kontaktadressen)

Erfüllt sich die Prognose von AAA Data, werden 2018 rund 2,2 Millionen neue Pkw in Frankreich verkauft. Damit würde der Markt wieder an das Niveau von 2011 anknüpfen. Der Pkw-Absatz war 2017 um 4,7 Prozent auf 2,1 Millionen Fahrzeuge gestiegen und legte in den ersten vier Monaten 2018 weiter um 4,4 Prozent zu.

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Gegenüber der Wirtschaftszeitung Les Echos führte Maire-Laure Nivot, Analystin von AAA Data, die Dynamik 2018 auf ein hohes Verbrauchervertrauen, Abwrackprämien und gute Flottenverkäufe zurück. Das Verbrauchervertrauen bleibt 2018 nach Umfragen des nationalen Statistikamtes Insee weiterhin hoch. Die Bereitschaft der Haushalte, größere Anschaffungen zu tätigen, ist in den ersten vier Monaten 2018 deutlich höher als im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre.

Neue Abwrackprämie findet Anklang

Zudem wird eine zu Jahresanfang eingeführte Abwrackprämie nach Informationen des Ministeriums für Ökologischen und Solidarischen Wandel (Ministère de la Transition écologique et solidaire) gut angenommen. Haushalte können für Dieselfahrzeuge, die vor 2001 und für Benziner, die vor 1997 zugelassen wurden, eine Abwrackprämie von 1.000 Euro beantragen. Haushalte, die aufgrund geringer Einkommen nicht steuerpflichtig sind, können 2.000 Euro Prämie erhalten, wenn sie ein Dieselfahrzeug, das vor 2006 zugelassen wurde, verschrotten. Bis Mitte Mai 2018 waren beim Ministerium bereits 45.000 Anträge eingegangen, davon 70 Prozent von nicht steuerpflichtigen Haushalten. Die Regierung erwartet bis Ende des Jahres mehr als 100.000 Anträge. Nach Aussagen von Marie-Laure Nivot steigen angesichts der günstigen Konjunkturentwicklung 2018 auch die Flottenkäufe der Unternehmen. In den ersten vier Monaten 2018 lagen sie 6,7 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Die Prognosen von AAA Data stützen sich vor allem auf die bisherige Entwicklung sowie die voraussichtliche Entwicklung der Kraftstoffpreise und saisonale Effekte. Die Autohersteller waren bisher zurückhaltender in ihren Prognosen. Anfang März 2018 hatte der Herstellerverband CCFA (Comité des Constructeurs Français d'Automobiles), dem Renault, PSA und Renault Trucks angehören, die Jahresprognose auf ein Wachstum von 2 Prozent angehoben. Renault erwartet ein Plus von 1 Prozent. Der Direktor des CCFA, François Roudier, verwies auf neue Zulassungsbestimmungen, die im zweiten Halbjahr die Marktentwicklung bremsen könnten.

Neue Tests könnten höhere Abgaben nach sich ziehen

Ab 1. September 2018 gelten neue Abgastests nach dem sogenannten WLTP-Zyklus (World Harmonized Light Vehicles Test Procedure) für alle in die EU eingeführten Neuwagen. Ab 1. September 2019 folgt dann der RDE-Test (Real Driving Emissions). Dabei werden die Emissionen im praktischen Fahrbetrieb gemessen.

Parallel dazu hat die französische Regierung zum 1. Januar 2018 die CO2-Abgaben auf Neuwagen angepasst. Diese greifen seither ab einem CO2-Ausstoß von 120 Gramm je Kilometer (bisher ab 127 Gramm/Kilometer). Bei der Erstzulassung fällt eine einmalige Abgabe an, die je nach Ausstoß zwischen 50 und 10.500 Euro beträgt. Der Höchstbetrag gilt für Fahrzeuge mit einem CO2- Ausstoß von 185 Gramm je Kilometer und mehr.

Hinzu kommt eine Zusatzsteuer für Fahrzeuge mit hoher Motorleistung (ab 36 fiskalischen Pferdestärken, "chevaux fiscaux", einer Einheit, die sich aus CO2-Ausstoß und Motorleistung berechnet. Diese Steuer reicht von 500 Euro bis maximal 8.000 Euro im Jahr. Sie betrifft vor allem Luxus- und Sportwagen.

Im Gegenzug gibt es für Neuwagen mit geringen CO2-Werten (maximal 20 Gramm CO2 je Kilometer, zum Beispiel reine Elektrofahrzeuge) einen Bonus von 27 Prozent des Kaufpreises oder maximal 6.000 Euro. Unternehmen, deren Fahrzeuge einen Ausstoß von weniger als 60 Gramm je Kilometer aufweisen werden von der Firmenwagensteuer TVS (Taxe vehicules de societé) befreit.

Höhere Abgaben könnten deutsche Anbieter hart treffen

Eine Vielzahl von Modellen werden die neuen Abgastests voraussichtlich nicht bestehen. Die Folge wären entsprechend höhere CO2-Abgaben. Dies könnte gerade die im Markt besonders beliebten SUV-Modelle und damit auch deutsche Hersteller treffen.

Der CO2-Durchschnitt pro Kilometer der neu zugelassenen Fahrzeuge lag in Frankreich nach Angabe von AAA Data 2017 bei 111 Gramm, gegenüber 127,9 Gramm in Deutschland. Volkswagen und Volvo kamen 2017 in Frankreich auf 119 Gramm, BMW und Mercedes auf 118 Gramm, während Neuwagen von Renault und PSA mit ihren den Markt beherrschenden Kleinwagen im Durchschnitt 107 Gramm CO2 pro Kilometer ausstießen. Toyota erreichte aufgrund eines hohen Hybridanteils den tiefsten Wert mit 98 Gramm und General Motors den Spitzenwert mit 270 Gramm. In Frankreich hat die Regierung anders als in Deutschland (bis 2020) bisher keine Übergangsperiode für die Erhöhung von Umweltabgaben eingeräumt.

Höhere CO2-Abgaben dürften den Absatz von Elektrofahrzeugen antreiben. Dazu werden auch die höheren Abgaben auf Luxus- und Oberklassefahrzeuge mit Verbrennungsmotor beitragen. Der Absatz von Elektroautos ist in Frankreich im bisherigen Jahresverlauf 2018 weiter kräftig angestiegen, erreicht aber bislang nicht die Wachstumsraten vieler europäischer Nachbarländer.

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Dieselanteil fällt zurück

Der französische Automarkt erlebt 2018 ähnlich wie andere europäische Märkte einen weiteren Rückgang bei Dieselfahrzeugen. In den ersten vier Monaten 2018 sanken die Verkäufe um 11,3 Prozent. Dieselautos erreichten im April 2018 einen Anteil von 40 Prozent (80,7 Prozent bei Flottenkäufen) nach 47,3 Prozent 2017 und 52,1 Prozent 2016. Der Einbruch war damit weniger drastisch als in Deutschland, wo der Dieselanteil im April bei 33,4 Prozent lag (2017: 38,8 Prozent). Ja, aber ich glaube nirgendwo fahren absolut gesehem mehr diesel rum als in Frankreich

In Frankreich hat der Dieselskandal keine riesigen Wellen (geringere Komparativ, fehlt der Vergleich) geschlagen. Die Verbraucherschutzbehörde DGCCRF (Direction générale de la concurrence, de la consommation et de la répression des fraudes) ermittelt weiter gegen Renault wegen möglicher illegaler Abschaltvorrichtungen in Dieselautos zur Beeinflussung von Testergebnissen. Ein Ende ist aber nicht abzusehen. Kurz nach Ausbruch des Dieselskandals hatte Renault im April 2016 freiwillig das Angebot gemacht, Dieselfahrzeuge mit einem Software-Update zur Verringerung der Stickoxidemissionen aufzurüsten. Von 1,3 Millionen anvisierten Fahrzeugen hatten sich bis April 2018 nur 5 Prozent einer Aktualisierung unterzogen. Im April 2018 hat Renault angekündigt, das Update bei Einlieferung in Reparaturwerkstätten künftig standardmäßig vorzunehmen.

Weitere Informationen zu Frankreich finden Sie unter http://www.gtai.de/frankreich

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
AHK Frankreich http://frankreich.ahk.de Berät beim Markteinstieg in Frankreich
Comité des Constructeurs Français d'Automobiles (CCFA) http://ccfa.fr Verband französischer Autohersteller
Association nationale pour le développement de la mobilité électrique (Avere) http://www.avere-france.org Verband zur Förderung der Elektromobilität

Dieser Artikel ist relevant für:

Frankreich Personenkraftwagen (Pkw), Elektromobilität

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