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21.11.2018

Automobilnachfrage in der ASEAN wächst stark

Zunehmende Exportausrichtung in Thailand und Indonesien / Von Frank Malerius

Jakarta (GTAI) - In den ASEAN-Ländern wurden 2018 rund 2,3 Millionen Pkw verkauft. Verbrauchsarme Modelle und Hybridantriebe sind im Trend. Für reine Elektrofahrzeuge bietet nur Singapur einen Markt.

Nach vier Jahren weitgehender Stagnation boomt der Automobilmarkt in der Association of South-East Asian Nations (ASEAN) wieder. Im Jahr 2018 verzeichneten die drei großen Märkte der Region - Indonesien, Thailand und Malaysia - deutlich steigende Produktions- und Verkaufszahlen. Auf die drei Länder entfallen mehr als 90 Prozent der Produktion und knapp 80 Prozent des Absatzes von Pkw in der ASEAN.

Im Gesamtjahr 2018 dürften in den zehn ASEAN-Mitgliedern knapp 2,3 Millionen Pkw und 1,3 Millionen Nutzfahrzeuge (Nfz) verkauft werden, so Schätzungen auf Basis der Zahlen von Januar bis September. Das entspricht dem Niveau des Rekordjahres 2013. Die Produktionszahlen könnten mit geschätzten 2,6 Millionen Pkw und 1,7 Millionen Nfz ebenfalls an die damaligen Höchstwerte heranreichen.

Die einzelnen Länder haben unterschiedliche Herstellungsstrukturen. Thailand und die Philippinen produzieren mehr Nutzfahrzeuge als Pkw. Hingegen sind in Indonesien knapp 80 Prozent und in Malaysia etwa 90 Prozent der produzierten Einheiten Pkw.

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Grund für den Aufschwung ist das robuste Wirtschaftswachstum und die gezielte Förderung der Branche als Pfeiler der industriellen Entwicklung, besonders in Thailand. Der Massenmarkt wird überall in der ASEAN überwiegend von japanischen Herstellern bedient, die vor Ort ihre Modelle aus Bausätzen fertigen (CKD - Completely Knocked Down), mit unterschiedlichen Anteilen an lokaler Wertschöpfung (Local Content).

Ihre Produktion soll aber nicht mehr nur den Markt vor Ort bedienen, sondern wird zunehmend auf den Export ausgerichtet. Mit Abstand am erfolgreichsten ist dabei Thailand, das bereits mehr als die Hälfte seiner Produktion ausführt und damit zu den weltweit 15 größten Automobilexporteuren gehört. Australien, die Philippinen und die Golfregion sind die wichtigsten Abnehmer. Indonesien führt bereits ein Viertel seiner Produktion aus.

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China greift den Mittelklassemarkt an

Während die Exportorientierung zunimmt, werden die heimischen Märkte für fertige Importautos (CBU - Completely Built Up) so weit wie möglich abgeschottet. Das trifft vor allem deutsche Hersteller, die den Luxusmarkt beherrschen. Hohe Zölle und Einfuhrbeschränkungen sind gängige Praxis. So wurden 2018 in Indonesien laut Branchenverband Gaikindo gerade einmal 129 BMW und 50 Audi als CBU importiert. Insgesamt wurden nur 84.000 fertige Autos eingeführt, aber 265.000 exportiert.

Der Automobilmarkt ist der einzige große industrielle Sektor, den chinesische Unternehmen in der ASEAN noch nicht bestimmen. Doch das soll sich ändern. Im August 2017 gab das erste chinesische Modell auf Indonesiens Straßen sein Debüt: der siebensitzige Familienvan Confero von Wuling ist für umgerechnet ab 10.000 US-Dollar zu haben. Mittlerweile wurde die Modellpalette erweitert. Im Jahr 2018 wurden 15.000 Stück im Handel abgesetzt - fünfmal so viele wie BMW, VW und Audi im selben Zeitraum zusammen.

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In Malaysia wollen die beiden chinesischen Firmen GSR Capital und Envision Energy gemeinsam rund 10 Milliarden US$ in den Aufbau einer neuen Produktionsstätte investieren. Schwerpunktmäßig sollen dort Elektrofahrzeuge und Batterien produziert werden. Bereits 2017 hatte Chinas Automobilkonzern Geely 49,9 Prozent an Proton Holdings übernommen, dem Mutterkonzern des malaysischen Nationalautos Proton.

In Vietnam wird der Grundstein zum Bau des ersten vietnamesischen Autos gelegt. Das Unternehmen Vinfast will Ende 2019 das erste Modell auf dem Markt bringen und danach Elektroautos und Elektrobusse entwickeln. Das Investitionsprojekt gilt derzeit als eines der größten der Welt in der Kfz-Industrie. Da eigenes Know-how noch nicht hinreichend vorhanden ist, kooperiert Vinfast mit deutschen Branchengrößen wie BMW, Bosch, Siemens oder ZF Friedrichshafen.

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Kleinwagen und Hybridmodellen gehört die Zukunft

In den Städten Südostasiens sind die unablässigen Verkehrsstaus ein erhebliches volkswirtschaftliches Problem. Indonesiens Planungsbehörde Bappenas schätzt, dass Staus die Wirtschaft pro Jahr 8,5 Milliarden US$ kosten. Schließlich muss Indonesien Treibstoff importieren, so wie die meisten Länder der Region.

Deshalb bietet der Staat vielerorts Anreize, kleinere, verbrauchsärmere Autos zu kaufen. In Indonesien sind die sogenannten Low-Cost Green Cars (LCGC) von der Luxussteuer ausgenommen. Die LCGC sind definiert durch einen Local-Content-Anteil von mindestens 84 Prozent (der de facto erheblich niedriger sein dürfte), einen Hubraum von unter 1.200 ccm (bei Dieselmotoren unter 1.500 ccm) und einen Verbrauch von maximal 5 Liter pro 10 Kilometer. Auf sie entfielen 2018 bereits 26 Prozent der Verkäufe.

Teil von Thailands neuer Entwicklungsstrategie Thailand 4.0 sind sogenannte Eco Cars, schadstoffarme Kleinautos mit niedrigem Treibstoffverbrauch. Darüber hinaus lancierte der Board of Investment (BOI) das Programm Eco Car II, mit strengeren Abgas- und Verbrauchsregeln. Im März 2017 eröffnete der BOI neue Anreize für die Produktion von Hybrid EV, Battery EV und Plugin HEV. Dazu zählen die Befreiung von Importzöllen auf Maschinen und von der Körperschaftssteuer.

Schlechte Voraussetzungen für reine Elektroautos

Reine Elektroautos wird es in Südostasien auf absehbare Zeit nicht als Massenmarkt geben. Denn unberechenbare Staus bei gleichzeitig dauerhaftem Betrieb der stromfressenden Klimaanlage sowie das Fehlen einer Schnelladeinfrastruktur sind schlechte Voraussetzungen. Wer sich dennoch ein Elektroauto zulegt, benötigt daneben einen Benziner in der Garage.

Zudem wird in der Region der weitaus größte Anteil des Stroms über fossile Energieträger erzeugt. In Indonesien sind es beispielsweise fast 90 Prozent. Der Treibhausgasausstoß ließe sich also bestenfalls aus den Städten heraus verlagern, aber insgesamt kaum verringern.

Eine Ausnahme ist Singapur mit seinem stark regulierten Individualverkehr. Im Stadtstaat ließe sich zügig eine Ladeinfrastruktur aufbauen. Es gibt nur wenige Staus, die Fahrzeiten sind berechenbar. Die gasbasierte Stromversorgung ist im regionalen Vergleich recht umweltfreundlich. Der britische Technologieunternehmen Dyson hat angekündigt, ab 2021 in Singapur Elektroautos produzieren. Den geeignetsten Absatzmarkt der Region hätte das Unternehmen dann direkt vor der Haustür.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indonesien können Sie unter http://www.gtai.de/indonesien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Indonesien, Malaysia, Philippinen, Singapur, Thailand, Vietnam, ASEAN Straßenfahrzeuge, allgemein, Personenkraftwagen (Pkw)

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