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27.02.2018

Bangladesch baut die Stromversorgung aus

Viele Projekte in der Pipeline / Deutsche Technik kommt zum Zuge / Von Thomas Hundt

Dhaka (GTAI) - Bangladesch muss vielschichtige Energieprobleme lösen. Die Versorgung ist lückenhaft und nicht sicher. Während die Stromnachfrage steigt, schwinden die Vorkommen des wichtigsten Energieträgers Gas. Investoren errichten daher Terminals zum Import von Flüssiggas und Kohle, mit denen neue Kraftwerke befeuert werden sollen. Gelder fließen auch in den notwendigen Netzausbau. Über vier Millionen Solaranlagen versorgen derweil einige der nicht ans Netz angeschlossenen Haushalte. (Kontaktadressen)

Das Energieministerium und der größte öffentliche Energieversorger BPDB (Bangladesh Power Development Board) möchten bis 2021 zusätzliche Stromerzeugungskapazitäten von 12 Gigawatt ans Netz bringen. Die Stromnachfrage werde bei einem prognostizierten Wirtschaftswachstum von real 6 bis 7 Prozent mittelfristig stark zulegen.

Das BPDB gibt eine landesweit installierte Nennleistung von 16 Gigawatt an. Die effektive Nennleistung liegt nach Angaben von Marktbeobachtern deutlich darunter, weil einige Kraftwerke nicht vollständig betriebsfähig seien. Die Kapazitäten reichten immerhin aus, um im Oktober 2017 eine Spitzenlast von 9,5 Gigawatt zu bedienen, berechnet das BPDB.

Bangladesch: Installierte Nennleistungen in Megawatt nach Art der Versorgung (Stand Dezember 2017)
Versorgungsart Nennleistung in MW
Versorgung für den Eigenbedarf 2.200
Netzgebundene Versorgung, darunter 13.846
.Öffentliche Versorger 7.701
.Private Versorger 6.145
Insgesamt 16.046

Quelle: Bangladesh Power Development Board

Wichtigster Energieträger ist Erdgas aus heimischer Förderung. Das Gas trägt rund zwei Drittel zur Stromerzeugung bei. Die lokalen Vorkommen gehen aber zur Neige, sie reichen nach Berechnung des BP Statistical Review of World Energy nur noch 7,5 Jahre. Alternative fossile Energieträgervorkommen aus dem Inland stehen nicht zur Verfügung.

Bangladesch: Netzgebundene installierte Nennleistungen in Megawatt nach Energieträgern (Stand Dezember 2017)
Energieträger Nennleistung in MW
Gas 8.934
Heizöl 2.889
Diesel 880
Stromimport 660
Kohle 250
Wasserkraft 230
Erneuerbare Energien 3
Insgesamt 13.846

Quelle: Bangladesh Power Development Board

Interessante Projekte in verschiedenen Phasen

Die Regierung will deshalb Flüssiggas (Liquified Natural Gas, LNG) importieren und neue Gas-Kombikraftwerke errichten lassen. Der Konzern Summit Power aus Singapur hat zum Beispiel im August 2017 angekündigt, 1 Milliarde US-Dollar (US$) in eine Ausbaustufe des Werkes Meghnaghat zu investieren. Summit Power hat General Electric (GE) als Ausrüstungslieferant des Kraftwerkes ausgewählt. Die Weltbank übernimmt einen Teil der Projektfinanzierung. Das Gas wird über eine schwimmende Wiederverdampfungsanlage (floating storage and regasification unit) importiert, welche die US-amerikanische Excelerate 2018 errichten wird.

Der indische Konzern Reliance Power plant auf der Insel Kutubdia einen LNG-Terminal für den Import von Flüssiggas und ein 750-Megawatt-Gaskraftwerk. Die Asiatische Entwicklungsbank ADB wird 583 Millionen US$ zu dem circa 1 Milliarde US$ teuren Projekt beisteuern und hat im Oktober 2017 einen Bericht über die Umweltverträglichkeit des Projektes vorgelegt.

Die aus Indien stammende Shapoorji Pallonji Group unterzeichnete im September 2017 mit GE einen Vertrag über die Lieferung eines 220-Megawatt-Kombikraftwerkes in Bhola. Die Anlage wird hauptsächlich Gas einsetzen, kann aber auch Diesel verfeuern.

Siemens und der Stromversorger North-West Power Generation unterzeichneten Anfang November 2017 eine Erklärung, die den Bau eines 3,6-Gigawatt-Gas-und-Dampfturbinenkraftwerks und eines LNG-Terminals in der Nähe des Hafens Payra vorsieht. Das belgische Unternehmen Jan De Nul wird zunächst eine tiefere Fahrrinne für den Hafen ausbaggern, damit LNG-Schiffe den dort ebenfalls geplanten Gas-Terminal anlaufen können.

Das BPDB hat darüber hinaus Kohlekraftwerke in der Pipeline. Der Maheshkhali Power Complex sieht vier Kraftwerksblöcke mit je 1.320 Megawatt vor. China Huadian, Tenaga Nasional aus Malaysia, die südkoreanische KEPCO und die SEPCO aus China sind jeweils für einen der Blöcke zuständig.

Das Gemeinschaftsunternehmen Bangladesh India Friendship Power Company - bestehend aus dem Versorger NTPC (National Thermal Power Corporation) aus Indien und dem BPDB - plant seit 2010 ein 1.320-Megawatt-Kohlekraftwerk in Rampal. Das sogenannte Maitree Kraftwerk soll den rückständigen Südwesten des Landes mit Energie versorgen. Vorbereitende Arbeiten an dem umstrittenen Projekt haben begonnen. Es grenzt an den Nationalpark Sundarbans, den größten Mangrovenwald der Erde. Umweltschützer befürchten, dass dessen einzigartige Natur darunter leiden werde.

Stromnetz mit Lücken

Das Stromnetz erreicht insbesondere auf dem Lande viele Verbraucher noch nicht. Diese Aufgabe soll das öffentliche Unternehmen BREB (Bangladesh Rural Electrification Board) lösen. Es möchte bis 2021 eine landesweite Versorgung sicherstellen. Das BREB erteilte im Juni 2017 Siemens den Auftrag, 46 Umspannwerke zu liefern.

Die Planungen sehen außerdem von 2016 bis 2020 circa 8.400 Kilometer an Überlandleitungen und 120.000 Kilometer an Verteilnetzen vor. Die Power Grid Company of Bangladesh ist für die landesweite Übertragung zuständig, und die Verteilung übernehmen sechs regional zuständige, öffentliche Gesellschaften.

Solange das Stromnetz nicht hinreichend ist, sehen Fachleute eine hohe Nachfrage nach mittleren Anlagen mit 80 bis 120 Megawatt, die eine begrenzte Region versorgen können. Sie geht auf Initiativen von heimischen Investoren zurück. Lokale Stellen schreiben die Anlagen aus, die entweder Diesel, Öl oder Gas verbrennen.

Insellösungen gefragt

Industriebetriebe investieren ebenfalls in großem Stil in eine eigene konstante Stromversorgung, solange sie sich nicht auf Netzstrom verlassen können. Die Kapazitäten der Selbstversorger sollen 2,2 Gigawatt betragen.

Erneuerbare Energien spielen in netzungebundenen Gebieten (off-grid) eine große Rolle. Über 4,5 Millionen Solarhausanlagen (Solar Home Systems) wurden bereits installiert. Dezentrale Photovoltaikmodule treiben auch Pumpen an und versorgen Telekomsendemasten mit Strom. Für kleine Aufdachanlagen mit Netzeinspeisung entwickelt sich ebenfalls ein interessanter Markt. Großanlagen rentieren sich wegen des knappen, teuren Bodens und fehlender Anreize indes nicht.

Kraftwerke, Netzwerktechnik und komplexe Ingenieurleistungen stammen aus dem Ausland. Siemens und GE gelten als wichtige Anbieter von Energieerzeugungs- und Übertragungstechnik. Die Niederlassung der deutschen Firma Fichtner plant und berät viele Vorhaben.

Langwierige und komplexe Ausschreibungen sowie fehlende Finanzierungen erschweren eine transparente Geschäftsanbahnung. Von internationalen Gebern finanzierte Vorhaben sind durchsichtiger. Die japanische Entwicklungsagentur JICA (Japan International Cooperation Agency), die deutsche Entwicklungsbank KfW, die Weltbank und die ADB leisten wichtige Finanzierungshilfen beim Ausbau der Netze und Kraftwerke. Projekte mit Finanzierung aus China oder Japan gehen allerdings an Lieferanten aus diesen beiden Ländern.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Bangladesh Power Development Board http://www.bpdb.gov.bd Größter Stromversorger und Netzbetreiber
Power Division im Ministry of Power, Energy & Mineral Resources http://powerdivision.portal.gov.bd Abteilung im Energieministerium
Power Grid Company of Bangladesh https://www.pgcb.org.bd/PGCB Nationaler Netzbetreiber

(T.H.)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Bangladesch können Sie unter http://www.gtai.de/bangladesch abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Bangladesch Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Strom-/ Energieerzeugung, Solar, Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Stromübertragung und -verteilung, Kraftwerksbau, Stromerzeugungs- und -verteilungstechnik, Strom-/ Energieerzeugung, Fossile Energien

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