Suche

27.11.2017

Bangladesch nimmt an chinesischer Seidenstraße teil

Milliardenschwere Infrastrukturofferten aus China / Dhaka setzt auf mehr Handel und international ausgewogene Entwicklungspartnerschaften / Von Thomas Hundt

New Delhi (GTAI) - Bangladesch strebt ein harmonisches Verhältnis zu seinen wichtigen Wirtschaftspartnern an. China gewinnt als Handelspartner an Bedeutung. Bangladesch wünscht sich daher von China einen besseren Marktzugang sowie mehr Investitionen und trat der "Belt and Road Initiative" (BRI) bei. Die chinesischen Angebote zur Finanzierung von Infrastruktur sind immens. Japan, Indien, Deutschland und andere internationale Geber werden aber weiterhin wichtige Partner bleiben.

Bangladesch hat sich der "Belt and Road Initiative" frühzeitig angeschlossen. Im Oktober 2016 besuchte der chinesische Staatspräsident Xi Jinping die Hauptstadt Dhaka. Die Präsidenten der beiden Länder unterzeichneten ein Statement, das eine vertiefte bilaterale Zusammenarbeit vorsieht und in dem Bangladesch die neue Seidenstraße ausdrücklich begrüßt. Das südasiatische Schwellenland stuft die Partnerschaft mit China als strategisch wichtig ein und möchte auch mit dessen Unterstützung bis 2041 den Status eines Industrielandes erreichen (http://www.mofa.gov.bd/media/joint-statement-people%E2%80%99s-republic-china-and-people%E2%80%99s-republic-bangladesh-establishing).

China bot bei diesem Besuch die Finanzierung von 27 Infrastrukturprojekten im Gesamtwert von 24 Milliarden US-Dollar (US$) an. Davon wurden im Jahr 2017 sechs Vorhaben konkret vereinbart, die nun in Angriff genommen werden. Darüber hinaus unterzeichneten Unternehmen aus beiden Ländern Verträge und Absichtserklärungen für neue Geschäfte im Gesamtwert von 13,6 Milliarden US$.

Ausgewählte chinesisch finanzierte Großprojekte in Bangladesch
Projektbezeichnung Investitionssumme in Milliarden US$ (Kreditgeber) Umsetzungszeitraum und Projektstand Durchführer/Generalauftragnehmer
Padma Bridge (6,5 km) 3,1 (Export-Import-Bank China) 48% des Projektes fertiggestellt (http://www.padmabridge.gov.bd) China Major Bridge Engineering Company
Padma Bridge Rail Link (225 km) 4,4 (Export-Import-Bank China) Fertigstellung 2022 China Railway Group
Single Point Mooring Terminal (Ölterminal und 220 km Pipeline) 5,0 (500 Millionen US$ durch Export-Import-Bank China) Finanzierung steht noch aus Bangladesh Petroleum Corporation hat China Petroleum Pipeline Bureau als EPC-Kontraktor beauftragt
1.320 MW Kohlekraftwerk am Hafen Patuakhali 1,6 (Export-Import-Bank China) Absichtserklärung im Juli 2017 unterzeichnet Ashuganj Power Station Company und China Energy Engineering Corporation
Glasfasernetz der Bangladesh Telecommunications Company 83 Millionen US$ (Teilweise Kredit aus China) Genehmigung durch Executive Committee of the National Economic Council am 17.10.17 ZTE aus China

Quelle: Pressemeldungen

Die Kredite der China Export-Import-Bank für diese Vorhaben sind als Soft Loans konzipiert. Das heißt sie wären für einige Jahre tilgungsfrei und würden einen begünstigten Zinssatz enthalten. Die genauen Konditionen sind allerdings nicht bekannt. China drängt seit Mitte 2017 nach Pressemeldungen auf kommerziellere Bedingungen und höhere Eigenmittel aus Bangladesch.

Die Regierung erhält mit den Angeboten aus China eine Alternative zu den Finanzierungen, welche die Weltbank, die Asiatische Entwicklungsbank (ADB), Indien oder Japan bislang hauptsächlich gaben. Dhaka wird aus politischen und wirtschaftlichen Gründen weiterhin auf ein ausbilanziertes Geflecht an internationalen Kooperationen setzen und mit verschiedenen Kreditgebern über Infrastrukturvorhaben verhandeln.

Indien und Japan sind traditionell wichtige Partner

Regierungsstellen unterzeichneten am 29. Juni 2017 mit der japanischen Entwicklungsagentur JICA (Japan International Cooperation Agency) Kreditverträge über sechs neue Infrastrukturvorhaben in Höhe von insgesamt 1,6 Milliarden US$ (https://www.jica.go.jp/english/news/press/2017/170629_02.html). Die JICA finanziert zudem mit einem Kredit von umgerechnet 4,4 Milliarden US$ einen Hafen und ein 1.200-Megawatt-Kohlekraftwerk.

Der Bauauftrag für beide Projekte in Matarbari im Südosten von Bangladesch ging im August 2017 an ein japanisches Konsortium aus Sumitomo, Toshiba und IHI. Siemens und der Stromversorger North-West Power Generation aus Bangladesch unterzeichneten Anfang November 2017 eine Absichtserklärung für den Bau eines 3.600-Megawatt-Gas-und-Dampfturbinenkraftwerk basierend auf Flüssigerdgas.

Bangladesch benötigt dringend einen weiteren modernen Tiefseehafen. China hatte angeboten, einen Hafen und Marinestützpunkt auf der Insel Sonadia zu errichten. Bangladeschs Regierung hat das zugesagte Projekt allerdings im Februar 2016 wieder aufgehoben. Sie untersucht seitdem ein Kooperationsangebot aus Indien, das einen Hafen in Payra an der Westküste vorschlägt.

Indien beobachtet die Ausrichtung seines Nachbarn genau und intensiviert seine Bemühungen. Das indische Finanzministerium hat seine Kreditlinie für Infrastrukturvorhaben im Oktober 2017 auf ungefähr 8 Milliarden US$ erhöht. Projektdetails werden aber noch verhandelt.

Eine chinesisch-indische Finanzierungsoption stellt die von China initiierte Asiatische Infrastrukturinvestmentbank (AIIB) dar, an der sich Indien beteiligt hat. Die AIIB hat schon zwei Finanzierungen in Bangladesch zugesagt und wird ein Stromübertragungsprojekt mit 165 Millionen US$ finanzieren (https://www.aiib.org/en/projects/approved/2016/bangladesh-distribution-system.html). Außerdem beteiligt sich die AIIB am Natural Gas Infrastructure and Efficiency Improvement Project der ADB (https://www.aiib.org/en/projects/approved/2017/bangladesh-natural-gas-infrastructure.html).

Abhängigkeit von China nimmt zu

Nichtsdestotrotz werden die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Bangladesch und China immer enger. Jede vierte Einfuhrware stammt inzwischen aus China. Die Importe beliefen sich im Finanzjahr 2015/16 (1. Juli 2015 bis 31. Juni 2016) auf 9,7 Milliarden US$. Der direkte Nachbar Indien - auf Platz zwei der Lieferländer - kam nur auf rund die Hälfte (5,4 Milliarden US$). Etwa ein Drittel aller Einfuhren aus China sind Materialien für den wichtigsten Industriezweig, die Textil- und Bekleidungsindustrie. Weitere knapp 30 Prozent der Einfuhren entfallen auf Maschinen und elektrische Ausrüstungen. Das heißt China ist der größte Lieferant von wichtigen Investitionsgütern.

Das Handelsbilanzdefizit mit China ist gewaltig. Bangladesch exportierte im Finanzjahr 2015/16 lediglich Waren im Wert von 808 Millionen US$. Als Entwicklungsland erhält Bangladesch in China für mehrere Produkte einen erleichterten Marktzugang. Die Exporte an Bekleidung und landwirtschaftlichen Erzeugnissen sollen erhöht werden. Das Büro des Premierministers hat im Oktober 2016 eine Warenliste nach Peking übermittelt, für die Dhaka sich einen zoll- und quotenfreien Zugang zum chinesischen Markt wünscht.

Der bilaterale Handel soll schließlich bis 2021 um das Dreifache auf 30 Milliarden US$ zulegen. Das chinesische Außenministerium bot im Jahr 2014 an, Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zu beginnen. Dazu wird aber zunächst eine Machbarkeitsstudie erstellt, denn Bangladesch hat bisher kein bilaterales Freihandelsabkommen unterzeichnet.

Potenzial als verlängerte Werkbank Chinas

Das industrialisierte Reich der Mitte und das mit einem großen Pool an Arbeitskräften ausgestattete Bangladesch ergänzen sich. Arbeitsintensive Fabriken werden seit einiger Zeit aus China an günstigere Standorte verlegt. Ein Trend von dem auch Bangladesch profitieren kann.

Chinesische Firmen halten sich aber noch mit ausländischen Direktinvestitionen (FDI) zurück. Im Finanzjahr 2016/17 flossen nur 68 Millionen US$ an FDI aus China. Dies waren nur 2,8 Prozent der insgesamt 2,4 Milliarden US$ an Zuflüssen. Der chinesische FDI-Bestand beträgt 259 Millionen US$, damit liegt das Reich der Mitte nur auf Position 14.

Dies soll ein chinesischer Industriepark ändern. Die Behörde Bangladesh Economic Zone Authority und das Unternehmen China Harbor Engineering unterzeichneten am 15.6.17 ein Abkommen, das den Bau einer Industriezone in Nähe der Hafenstadt Chittagong exklusiv für chinesische Investoren vorsieht. Die Zone wird in Nachbarschaft zu einer südkoreanischen Export Processing Zone liegen. Auch Südkorea interessiert sich zunehmend für Bangladesch.

(TH)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Bangladesch können Sie unter http://www.gtai.de/bangladesch abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Bangladesch, China Außenhandel / Struktur, allgemein, Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Investitionen aus dem Ausland / Joint Ventures, Wirtschaftsbeziehungen zu anderen Ländern, Regionen

Funktionen

Wilma Knipp Wilma Knipp | © GTAI

Kontakt

Wilma Knipp

‎+49 228 24 993-259

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche