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11.09.2019

Bau von Indonesiens neuer Hauptstadt beginnt 2020

Heimische Unternehmen sollen bei PPP-Projekten bevorzugt werden / Von Frank Malerius

Jakarta (GTAI) - Indonesien plant seine neue Hauptstadt im Osten von Kalimantan (Borneo). Mehr als die Hälfte der Kosten sollen von Public-private-Partnerships (PPP) getragen werden.

Indonesien baut eine neue, bisher noch namenlose Hauptstadt. Standort ist eine Fläche von 180.000 Hektar in den Distrikten Penajam Paser und Kutai Kertanegara in der Provinz Ostkalimantan, zwischen den beiden Städten Balikpapan (650.000 Einwohner) und Samarinda (860.000 Einwohner). Der Plan bedarf noch der Zustimmung des neu gewählten Parlaments, in dem Präsident Joko Widodo aber eine breite Mehrheit hat.

Die Entwicklung hat drei Phasen. Demnach sollen 2019 und 2020 die Planungsarbeiten getätigt werden. Für Ende 2020 ist der Baubeginn geplant. Bis 2024 soll der Bau der Regierungsgebäude und der notwendigen Infrastruktur soweit abgeschlossen sein, dass die entsprechenden Institutionen dort arbeitsfähig sind. Die von der Nationalen Planungsbehörde Bappenas veranschlagten Gesamtkosten für den Hauptstadtbau von 466 Billionen Rupiah (33,7 Milliarden US-Dollar) sollen zu 54,4 Prozent von Public-private-Partnerships (PPP), zu 26,4 Prozent vom Privatsektor und zu 19,2 Prozent vom Staatshaushalt getragen werden.

Die PPP-Ausschreibungen für Bauprojekte sollen laut Bappenas offen sein sowohl für ausländische Unternehmen als auch für die großen indonesischen Staatskonzerne, mit denen Privatfirmen auch im Konsortium antreten können. Lokale Firmen und Staatsfirmen sollen aber gegenüber ausländischen bevorzugt werden, hat Bappenas-Chef Bambang Brodjonegoro verlauten lassen.

Unter dem PPP-Programm sollen unter anderem Infrastruktur, Gebäude der öffentlichen Verwaltung, Gesundheits- und Bildungseinrichtungen sowie Museen und Gefängnisse gebaut werden. Der Privatsektor soll den Bau und Ausbau von Wohnungen, Hochschulen, Häfen, Airports und Schnellstraßen sowie von Technologieparks, Einkaufszentren und Messeeinrichtungen übernehmen. Vom Staatshaushalt soll neben der Gestaltung offener Grünflächen der Bau von Basisinfrastruktur, des Präsidentenpalastes, der Hauptquartiere von Militär und Polizei sowie von Wohnungen für Staatsbedienstete getragen werden.

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Jakarta bleibt Wirtschaftszentrum

Als erstes sollen Regierungsgebäude entstehen. Zu den umziehenden Institutionen gehören neben Parlament und Verfassungsgericht auch Militär, nationale Sicherheitskräfte, Zentralbank, Botschaften sowie Regulierungsbehörden und Forschungseinrichtungen. Alle Institutionen rund um das Wirtschaftsleben, wie etwa die Auslandshandelskammern, verbleiben in Jakarta.

Zu den Treibern des Umzugs gehören neben dem Präsidenten und Bappenas die Bau- und Immobilienwirtschaft, für die das Großvorhaben eine Goldgrube werden könnte. Keine 24 Stunden nach der Verkündung des Standortes bewarben Immobilienentwickler ihre regionalen Projekte bereits mit der Nähe zur neuen Hauptstadt.

Zu den Bremsern dürfte die Beamtenschaft zählen, die keine Lust hat, in eine Retortenstadt umzuziehen. Viele Expats zweifeln deshalb daran, dass der Umzug auch tatsächlich umgesetzt wird. Die Realisierung des Vorhabens wird vor allem davon abhängen, wie weit Bau und Umzug bis zum Ende der letzten Amtszeit von Präsident Joko Widodo (Ende 2024) gediehen sein werden.

Die veranschlagten Bau- und Umzugskosten entsprechen etwa 3 Prozent der derzeitigen jährlichen Wirtschaftsleistung des Archipels. Allerdings ist es auch in Indonesien bei größeren Infrastrukturprojekten häufig so, dass die realen Kosten die geplanten weit übersteigen und sich die Umsetzung über Jahre verzögert. Gerade PPP-Vorhaben sind vielfach daran gescheitert, dass sich die Privatwirtschaft unter den gegebenen Verhältnissen nicht engagieren wollte.

Verkauf und Vermietung vakanter Regierungsgebäude geplant

Es kursieren zahlreiche Gründe für den Bau einer neuen Hauptstadt: die infrastrukturelle Entlastung Jakartas oder die zunehmende Gefahr von Überflutungen durch das stetige Absinken der Stadt als Folge von Grundwasserentnahme. Ein gängiges politisches Narrativ ist aber auch die Gewährleistung gleicher Lebensverhältnisse, der der Fokus auf Java seit jeher entgegenstand. Denn auf Java, das nur 7 Prozent der Fläche des Archipels ausmacht, werden fast 60 Prozent der indonesischen Wirtschaftsleistung erzeugt. Alle bisherigen Präsidenten waren Javaner.

Ob Jakarta vom Umzug nachhaltig profitiert, ist zweifelhaft. Höhere und mittlere Beamte werden Immobilien, Autos und gegebenenfalls auch ihre Familien in Jakarta belassen. Und der Großraum der Metropole ist mittlerweile so wohlhabend, dass jeder frei werdende Quadratmeter auf den Straßen unmittelbar von einem neuen Auto gefüllt werden wird.

Ein Teil der Kosten für den Bau der neuen Hauptstadt soll über den Verkauf und die Vermietung der dann vakanten Regierungsgebäude in Jakarta finanziert werden. Allerdings dürften viele dieser klobigen Zweckbauten keine sonderlich begehrten Objekte sein. Ihr Grund und Boden trägt zwar einen hohen Wert, ein möglicherweise notwendiger Abriss dürfte die Margen von Interessenten aber mindern.

Beratungsbedarf für grünes Bauen

Es ist zu erwarten, dass Energieeffizienz und Nachhaltigkeit eine große Rolle beim Hauptstadtbau spielen werden, auch wenn noch keine konkreten Pläne dazu bekannt sind. Umweltschutz ist auch in Indonesien ein Thema mit stark wachsender Bedeutung. Der Archipel ist dabei in vielen Bereichen auf ausländisches Know-how und importierte Technologie angewiesen.

Als eine Folge des gestiegenen Umweltbewusstseins sollen erneuerbare Energien einen möglichst hohen Anteil der Stromversorgung der neuen Hauptstadt leisten, in der einmal 1,5 Millionen Menschen leben sollen. Einen schlüssigen Plan gibt es auch dafür noch nicht. Derzeit wird der Strom in der Provinz Ostkalimantan zu fast 90 Prozent aus fossilen Brennstoffen erzeugt.

Kontaktadresse

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Bappenas http://www.bappenas.go.id Nationale Planungsbehörde

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indonesien können Sie unter http://www.gtai.de/indonesien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Indonesien Bauwirtschaft, allgemein, Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Regionalstruktur, Hochbau, Urbanisierung, Stadtentwicklung

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