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06.09.2017

Bauboom in Luxemburg hält an

Inländische Firmen sind auf zehn Monate ausgebucht / Altersgerechte Umbauten gewinnen an Bedeutung / Von Torsten Pauly

Luxemburg (GTAI) - Die Bauinvestitionen sollen in Luxemburg 2017 und 2018 stärker als in den meisten anderen EU-Staaten anziehen. Dies hat die Brüsseler Kommission im Mai 2017 geschätzt. Die Zahl der Baugenehmigungen ist ebenfalls gestiegen, wobei die Entwicklung bei Wohnungen besser ist als bei Wirtschaftsbauten. Auch längerfristig ist im Großherzogtum mit einer guten Baukonjunktur zu rechnen, dank des Wirtschaftswachstums und des Stellen- beziehungsweise Bevölkerungsanstiegs. (Kontaktadressen)

Luxemburg ist für deutsche Baufirmen gerade bei spezialisierten und hochwertigen Leistungen ein sehr interessanter Markt. Dies gilt umso mehr, da inländische Anbieter vielfach voll ausgelastet sind. Diese hatten im August 2017 im Schnitt Aufträge für die kommenden 9,9 Monate (Juli 2017: 8 Monate), so das Statistikamt. Daher haben auch 79 Prozent der befragten luxemburgischen Bauunternehmen ihre Auftragslage als zufriedenstellend und 20 Prozent sogar als mehr als zufriedenstellend bewertet.

Dabei wird die Nachfrage nach Bauleistungen noch weiter steigen. Preisbereinigt sollen sich die luxemburgischen Bauinvestitionen 2017 um 5,1 Prozent und 2018 um 3,9 Prozent ausweiten. Dies erwartet die EU-Kommission. Damit ist die Dynamik im Großherzogtum deutlich stärker als etwa in Deutschland (+2,3 und +2,7 Prozent) oder im EU-Schnitt (+2,7 sowie +3,1 Prozent). Schon 2016 hatten sich die luxemburgischen Bauinvestitionen preisbereinigt um 5,3 Prozent erhöht.

Bewilligungen für neue Wohngebäude legen stark zu

Auch die neu genehmigten Gebäudeflächen waren in Luxemburg im 1. Quartal 2017 um 0,5 Prozent höher als in den ersten drei Monaten 2016. Dabei gibt es allerdings Unterschiede zwischen den Segmenten. So war die bewilligte Wohnfläche in Ein- und Mehrfamilienhäusern zwischen Januar und März 2017 um 55,2 Prozent beziehungsweise 45,6 Prozent höher als im selben Vorjahreszeitraum. Bei den sonstigen Gebäudetypen gab es dagegen einen Rückgang um 25,4 Prozent.

Mittelfristig sollte sich jedoch auch der Bedarf an Wirtschaftsbauten, insbesondere mit Büro- und Geschäftsflächen, im Großherzogtum weiter erhöhen. Dank des jahrelangen starken Wirtschafts- und Stellenwachstums und des damit einhergehenden Zuzugs von Arbeitskräften erhöht sich die Nachfrage nach neuen und aufgewerteten Immobilien aller Art.

Von 2010 bis 2016 ist die luxemburgische Wirtschaft real um insgesamt 27,5 Prozent gewachsen und das Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner war 2016 mit 92.900 Euro sehr viel höher als in jedem anderen EU-Staat aber auch als in Norwegen und der Schweiz. Auch 2017 und 2018 soll Luxemburgs BIP real um 4,3 Prozent sowie 4,4 Prozent und damit EU-weit mit am stärksten zunehmen, hat die Brüsseler Kommission im Mai 2017 prognostiziert.

Bevölkerungsanstieg treibt Immobilienpreise in die Höhe

Im Zuge dieser guten Wirtschaftslage wächst auch die luxemburgische Gesellschaft stark. Da der rasante Beschäftigungsanstieg (2016: +3 Prozent) seit langem nicht mehr mit einheimischen Arbeitskräften zu bewältigen ist, hat sich allein die Zahl der Pendler, die täglich aus den Nachbarstaaten zur Arbeit kommen, in den letzten Jahren stetig auf über 180.000 Personen im 1. Quartal 2017 erhöht.

Aber auch die Zahl der in Luxemburg ansässigen Bevölkerung ist mit dem Zuzug von Arbeitskräften von 2006 bis 2016 um 22,8 Prozent auf 576.000 Einwohner gestiegen. Da die Stadtentwicklung trotz des jüngsten Baubooms mit diesem Anstieg nicht Schritt halten konnte, haben sich vor allem die Preise für Wohnraum zuletzt stark verteuert. So kostete ein Quadratmeter Wohnfläche im Großherzogtum 2016 durchschnittlich 5.262 Euro, das waren 41,2 Prozent mehr als noch 2009.

Hoher Sanierungsbedarf

Auch zwischen 2016 und 2026 rechnet das europäische Statistikamt Eurostat mit einer weiteren Zunahme der in Luxemburg wohnhaften Menschen um 22,5 Prozent. Dabei soll die Bevölkerung mit mindestens 65 Jahren besonders stark um 39,1 Prozent steigen. Luxemburg hat laut Eurostat die zweithöchste Lebenserwartung der EU. Im Verein mit der hohen Kaufkraft eröffnet dies deutschen Anbietern hervorragende Geschäftschancen, da der Bedarf an hochwertigen altersgerechten Umbauten in den kommenden Jahren stark zunehmen wird.

Auch ansonsten sind Sanierungen und Restaurierungen älterer luxemburgischer Gebäude ein interessantes Geschäftsfeld für deutsche Anbieter. Trotz der regen Bautätigkeit waren 2015 immer noch 14 Prozent des landesweiten Gebäudebestandes vor 1918 und weitere 15 Prozent zwischen 1919 bis 1945 entstanden. Diese Objekte stehen oft unter Denkmalschutz und Arbeiten in diesem Bestand erfordern daher besonderes handwerkliches Können.

Im Jahr 2015 gab es in Luxemburg laut neuesten offiziellen statistischen Angaben 3.634 Unternehmen im Bausektor. Diese haben ihren Umsatz von 2010 bis 2015 kontinuierlich gesteigert, um insgesamt 27,8 Prozent. Im Hochbausegment betrug das Plus im selben Zeitraum sogar 42,2 Prozent. Der Gesamtumsatz des luxemburgischen Bausektors hat 2015 etwa 6,8 Milliarden Euro erreicht, das entspricht 12.100 Euro je Einwohner.

Kontaktadressen

Fédération des Artisans FDA (Handwerksverband)

Fédération des Entreprises de Construction et de Génie Civil (Unterverband der Hoch- und Tiefbauunternehmen)

2, Circuit de la Foire Internationale

1016 Luxemburg, Luxemburg

T +352 42 45 11 31

p.koehnen@fda.lu

http://www.fda.lu

Deutsch-Belgisch-Luxemburgische Handelskammer (Debelux)

21, Avenue de Boulevard

1210 Brüssel, Belgien

T +32 (02) 203 50 40

F +32 (02) 203 22 71

ahk@debelux.org

http://ahk.debelux.de

(P.T.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Luxemburg Bauwirtschaft, allgemein, Baunebengewerbe, Hochbau

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