Suche

10.10.2019

Bausektor in den Philippinen boomt

Nachfrage zieht in allen Segmenten an / Von Alexander Hirschle

Taipei (GTAI) - Die Bauwirtschaft erreicht seit 2012 die höchste Dynamik aller Wirtschaftssektoren in den Philippinen. Der Trend wird anhalten, und auch deutsche Firmen sehen steigende Absatzchancen.

Die Baubranche in den Philippinen weist nach Angaben der Statistikbehörde PSA (Philippine Statistics Authority) seit 2012 im Durchschnitt ein Wachstum von real 11,4 Prozent pro Jahr auf. Dieses liegt damit deutlich über der schon ansehnlichen Steigerungsrate des Bruttoinlandsprodukts von real mehr als 6 Prozent pro Jahr. Auch 2019 setzt sich die Erfolgsgeschichte nahtlos fort. Im ersten Quartal zogen die Bauaktivitäten auf dem Archipel um 10,4 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode an.

Von den insgesamt realisierten 39.672 Bauprojekten entfielen 69,2 Prozent auf Wohngebäude. Dieses Segment wies ein Wachstum von 8,5 Prozent im Jahresvergleich auf, was vor allem auf einen starken Anstieg bei freistehenden Wohnhäusern zurückzuführen war. Gewerbebauprojekte zogen um 15,4 Prozent im Vergleich mit derselben Vorjahresperiode an, Erweiterungsbauten sogar um 22,2 Prozent.

Die Bauwirtschaft in den Philippinen setzte 2018 rund 44 Milliarden US-Dollar (US$) um. Davon entfielen nach Angaben von PSA 31,1 Milliarden US$ auf private Bauvorhaben und 12,9 Milliarden US$ auf öffentliche Projekte. Bis 2030 soll den offiziellen Planungen zufolge der jährliche Gesamtumsatz auf etwa 410 Milliarden US$ fast verzehnfacht werden. Davon geht die Regierung in ihrer "Philippine Construction Industry Roadmap 2020-2030" aus.

Regierung will den Sektor neu aufstellen

Mit Hilfe der Roadmap soll der philippinische Bausektor in den kommenden Jahren neu aufgestellt werden. So plant die Regierung eine Verbesserung der Baudienstleistungen im Land vor allem in Hinblick auf Nachhaltigkeit. Die Anzahl der lokalen Branchenfirmen, die global wettbewerbsfähig sind, soll nach oben geschraubt werden. Hierzu sollen diese an Größe zulegen, den Umfang ihres Produktkatalogs erweitern und auch die Spezialisierung ihrer Leistungen vorantreiben.

Darüber hinaus soll ein stärkerer Fokus auf Innovation gelegt und Institutionen gestärkt werden. Eine vermehrte Anwendung digitaler Technologien ist im Rahmen der Roadmap ebenso vorgesehen wie eine verbesserte Ausbildung von Arbeitskräften. Mittels dieser Maßnahmen soll die Produktivität des Sektors künftig erhöht werden.

Wachsende Mittelschicht kurbelt privaten Wohnungsbau an

Der private Bausektor weist derzeit eine hohe Dynamik in sämtlichen Bereichen auf, etwa bei Wohnimmobilien, Einkaufszentren, Büroraum oder Hotels. Und auch die zukünftige Nachfrage wird anhaltend hoch sein. Die Regierung schätzt den jährlichen Bedarf allein an neuen Wohnungen bis 2022 auf 290.000 Einheiten. Von 2023 bis 2030 wird eine zusätzliche Nachfrage von insgesamt 2,4 Millionen Einheiten erwartet.

Die Bevölkerung in den Philippinen ist jung und wächst. Gleichzeitig schwillt die Mittelschicht an, angekurbelt vom boomenden Business-Process-Outsourcing-Sektor (BPO). Landeskenner gehen davon aus, dass diese konsumfreudige Bevölkerungsgruppe um 200.000 bis 300.000 Personen pro Jahr zulegt. Dies wirkt sich positiv auf die Kaufkraft und damit auf den privaten Immobilienbau aus und lässt die Zahl der Shopping Malls weiter ansteigen.

Die zunehmende Verstädterung stellt einen weiteren Schubfaktor für den lokalen Bausektor dar. Der Urbanisierungsgrad in den Philippinen stieg nach Angaben der Welthandelsorganisation von 2010 bis 2018 von 45 auf 47 Prozent und soll künftig an Dynamik zunehmen. Bis 2050 wird mit einer Urbanisierungsquote von 84 Prozent gerechnet.

Verbraucherstimmung in den Philippinen hellt sich auf

Im zweiten Halbjahr 2019 steigt auch die Stimmung unter den Verbrauchern wieder, was sich ebenfalls positiv auf die Nachfrage nach Immobilien auswirken dürfte. Der Verbraucherindex CI (Overall Confidence Index) der Zentralbank erreichte im dritten Quartal 2019 einen Wert von 4,6 und damit den höchsten seit fast zwei Jahren.

Darüber hinaus dürften im Industriebau vor allem bei der expandierenden Produktion von Nahrungsmitteln neue Einheiten entstehen. Zu guter Letzt befeuert das gigantische Infrastrukturprogramm der Regierung ("Build Build Build") das Wachstum der Baubranche in den Philippinen.

Nachfrage nach Büroraum übersteigt Angebot

Für eine anhaltend hohe Nachfrage nach Büroraum sorgt die expandierende BPO-Branche. Lobbyisten warnen bereits vor einem starken Nachfrageüberhang in diesem Segment. So belaufe sich die benötigte neue Bürofläche allein in Metro Manila auf rund 450.000 Quadratmeter, während derzeit nur maximal 150.000 Quadratmeter pro Jahr neu auf den Markt kommen.

Andere Quellen schätzen sogar noch einen deutlich höheren Bedarf, der unter anderem vom florierenden Segment des Offshore-Gaming ("POGO", Philippine Offshore Gaming Operators) angekurbelt wird. Dieses lässt die Miet- und Immobilienpreise in einigen Stadtteilen stark ansteigen. Vor allem zahlreiche Chinesen haben sich im Zuge des POGO-Booms in den letzten drei Jahren in den Philippinen angesiedelt. Schätzungen zufolge ist der Anteil des Sektors am Büroraum in Metro Manila innerhalb dieses Zeitraums von 0 auf 9 Prozent angestiegen, bis zu 30 Prozent neuer Appartements wurden an chinesische Staatsangehörige verkauft.

Durchschnittliches jährliches Wachstum einzelner Branchen in den Philippinen zwischen 2012 und 2018 (in Prozent, real)
Sektor Wachstum
Bau 11,4
Finanzen 8,1
Immobilien und Business Services 7,3
Verarbeitendes Gewerbe 7,1
Öffentliche Verwaltung 6,2
Transport und Kommunikation 6,0
Versorgungsdienste 5,3
Bergbau 3,1
Landwirtschaft 1,3

Quelle: Philippine Statistics Authority (PSA)

Deutsche Firmen sehen gute Chancen im Markt

Auch Vertreter deutscher Firmen sprechen von einem stark boomenden privaten Bausektor in den Philippinen, der von umfangreichen Investitionen der großen lokalen Konglomerate angeheizt werde. Der Trend sei schon länger positiv, habe aber seit Mitte 2019 noch einmal an Dynamik gewonnen.

Für deutsche Haustechnik spricht noch immer das Gütesiegel "Made in Germany", aber die zunehmende Konkurrenz durch günstige chinesische Erzeugnisse bereitet der Branche Sorgen. Auch japanische Anbieter sind stark im Markt positioniert. Als Verkaufsargument vor allem bei hochwertigen Vorhaben können Anwendungen im Bereich künstlicher Intelligenz ins Feld geführt werden beziehungsweise die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung der einzelnen Geräte.

Immer wichtiger werdende Sicherheitsaspekte, und Standards erfordern hochqualitative Produkte etwa im Bereich Erdbeben- oder Brandschutz, die vor allem bei neuen und anspruchsvollen Bauprojekten zum Einsatz kommen. Grundsätzlich ist der Markt für hochwertige oder Luxuserzeugnisse durchaus attraktiv, da Schätzungen zufolge rund eine Million Philippiner als sehr wohlhabend gelten.

Das Segment Heimwerkermärkte expandiert nach Aussage von lokalen Experten stark. Als Kunden für deutsche Firmen kommen im Regelfall die großen lokalen Entwicklungsgesellschaften infrage. Der Marktzugang gilt als nicht einfach. Doch wenn die philippinischen Kunden zufrieden sind, sind sie an langfristigen Geschäftsbeziehungen interessiert.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in den Philippinen können Sie unter http://www.gtai.de/philippinen abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Philippinen Bauwirtschaft, allgemein, Gewerbebau, Wohnungsbau, Hochbau

Funktionen

Kontakt

Anna Westenberger

‎+49 30 200 099 393

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche